Star Trek: Picard 1x03

© zenenfoto aus der Episode The End Is the Beginning der US-Serie Star Trek: Picard (c) CBS All Access
Auf dem Weg zur Weltraumtauglichkeit muss Picard (Patrick Stewart) in The End Is the Beginning die Hürde überwinden, seine ehemalige Kollegin und Freundin Raffi (Michelle Hurd) dazu zu überreden, ihm zu helfen, denn ohne ihre Verbindungen sieht er keinen Weg, an ein Raumschiff zu gelangen. Soji (Isa Briones) erlebt bei ihren Forschungen in der Zwischenzeit einen merkwürdigen Vorfall, der auch Fragen über sie selbst zufolge hat.
Alter Ballast
Wir beginnen mit einer Rückblende kurz nach dem kritischen Moment, in welchem Picards aktive Karriere im Dienst der Sternenflotte ein jähes Ende nahm. Zusammen mit Raffi bemühte er sich, die Kommandoebene von seinen Evakuierungsplänen für Romulus und die umliegenden Systeme zu überzeugen. Stattdessen nahm man seinen angedrohten Rücktritt an und setze darüber hinaus auch Raffi vor die Tür, die Schwierigkeiten damit hatte, zu akzeptieren, dass dies Picards letzter Schachzug in der Angelegenheit war.
Zurück in der Gegenwart widerstrebt es ihr in erster Linie einzuwilligen, da Picard sie in all den Jahren, in denen es ihr alles andere als rosig ging, nicht kontaktiert hat, was er ihr gegenüber aufrichtig bedauert. Zumindest vermittelt sie ihm zunächst einen fähigen Piloten, der das Zeug dazu hat, solch eine gewagte Mission mit dem ehemaligen Admiral an Bord durchführen zu können. Von Chris Rios (Santiago Cabrera) und seinem Schiff verschafft sich Picard anschließend einen ersten Eindruck.
Parallel dazu bekommt Soji an Bord des Borg-Kubus aufgrund ihrer Fortschritte die Gelegenheit, sich in Rehabilitation befindende Romulanern, die einst assimiliert wurden, zu nähern. Diese Erlaubnis bekommt sie vom Leiter der Forschungsanlage, dem ebenfalls ehemaligen Borg Hugh, den wir aus der Star Trek: The Next Generation-Episode I, Borg als Drohne „Three of Five“ kennen, bevor dieser durch seine von der Crew der Enterprise entfachte Individualität zu einer berüchtigten Ausnahme im Kollektiv wurde. Soji selbst versucht, mit einer Frau namens Ramdha (Rebecca Wisocky) zu kommunizieren, welche einige nebulöse Aussagen über die Zukunft tätigt, bevor sie Soji als die Zwillingsschwester ausmacht, die überlebt hat, und sie aufgeregt als Zerstörerin bezeichnet. Nach diesem Vorfall, der sie verständlicherweise durcheinanderbringt, sorgt der Verführer vom Dienst, Narek (Harry Treadaway), im Zuge seines Plans für Ablenkung und Trost.
Für Picard wird es in der Zwischenzeit nicht nur ungemütlich in seinem Chateau, weil er sich nach den Sternen sehnt, sondern vor allem, da ein schwer bewaffneter romulanischer Kommandotrupp die Idylle mit mörderischen Intentionen unterbricht. Dank der beeindruckenden Kampfkraft von Laris (Orla Brady) und Zhaban (Jamie McShane) und einer letzten helfenden Hand von Dr. Jurati (Alison Pill) entgehen sie gemeinsam jedoch einem gewaltsamen Schicksal und beamen sich anschließend an Bord des Schiffs von Rios, bevor Commodore Oh (Tamlyn Tomita), die sie aufgrund der Aussage von Jurati als Drahtzieherin der Attacke ausmachen, weitere Maßnahmen gegen Picard einleitet. Raffi ist bereits mit der Information an Bord, dass sich Bruce Maddox auf „Freecloud“ befindet, was als Ziel für Jean-Luc und seine neue improvisierte Crew anvisiert wird.
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Veränderungen
The End is the Beginning treibt seine Exposition geschickter als die Vorgängerepisode an, da dieser Antrieb mehr von Handlung als von Erzählung ausgeht und wir dementsprechend mehr Zeuge von Geschehnissen sind, als dass wir diese einfach nur erzählt und als Informationsbrocken vorgekaut bekommen. Grundsätzlich möchte ich ab jetzt davon absehen, jede Folge die stilistischen Unterschiede zu „TNG“ breitzutreten beziehungsweise anzuprangern, denn, wenn man nicht dazu bereit ist, sich ein Stück auf diese dem modernen Zeitgeist nachempfundenen Entscheidungen einzulassen, wird man sich mit Star Trek: Picard auf kurze und vor allem auf lange Sicht sicher nicht anfreunden können, solange man sich nach der harmonisch-philosophischen Herangehensweise der alten Serien sehnt. Das heißt natürlich definitiv nicht, dass dies einem gefallen muss: Es gibt mehr Gewalt, es wird geraucht, getrunken und geflucht. Die Sternenflotte ist nicht mehr die moralische Instanz, die sie einst war, selbst vor dem Angriff auf dem Mars wurden Synths, wie wir gesehen haben, unmenschlich behandelt. Vielmehr werden unsere Protagonisten in eine Rebellenrolle gedrängt und die unterwanderte Föderation gehört eben dadurch zur „bösen“ Seite.
Diese sind unabhängig von den neuen Erzählansätzen auch der bisherige Schwachpunkt der Handlung: Als ich kontextlos in den Redaktionschat schaute, hatte jemand Commodore Oh (Tamlyn Tomita) auf einem Bild einen Schurkenschnurrbart verpasst. Als ich dann die Episode sichtete, konnte ich nur mit der Idee dahinter übereinstimmen: Die Bösewichte sind schon beinahe cartoonmäßig überzeichnet, denn jede Faser ihrer Inszenierung schreit quasi nach klassischer Boshaftigkeit. Nicht nur Commodore Oh, auch Lieutenant Rizzo (Peyton List) soll eindeutig eine sexy, aber boshafte Aura ausstrahlen. Diese Schwarz-Weiß-Malerei kommt mir einfach unnötig vor, erst recht, wenn man die Erzählung moderner gestalten möchte. Auch sehen sich die Zhat Vash sicherlich selbst nicht auf der dunklen Seite, weswegen ihre betont schurkischen Verhaltensmuster umso unpassender wirken.
Auch das Logik- beziehungsweise Realismusempfinden innerhalb der Welt wurde ein wenig strapaziert, denn entweder ist das sicherlich elitäre entsendete Killerkommando tatsächlich eher auf der inkompetenten Seite oder aber Picards Ex-Militär-Haushälter sind mehr als nur ein kleines bisschen talentiert. Wie dem auch sei, immerhin haben wir noch den netten Fakt präsentiert bekommen, dass romulanische Disruptoren im Gegensatz zu Phasern keine Betäubungsfunktion haben. Das hätte ich per se vor allem eher klingonischen Waffen attestiert (nun gut, Bat'leths sind ganz offensichtlich auch nicht zum Ausknocken gedacht) und Dr. Juratis entsetzte Reaktion darauf sorgt einerseits für einen kleinen Schmunzler und sagt andererseits gleichzeitig einiges über ihre Persönlichkeit und ihre Moral aus.
Engage
Das ist etwas, was The End is the Beginning gut macht, denn die neuen Crewmitglieder erhalten sehr früh spürbare Persönlichkeiten und Profil. Die Einführung von Rios mag durch die Wunde vielleicht ein wenig dick aufgetragen sein, aber so erkennen wir gleich, woran wir bei ihm sind und wir lernen schnell, dass er krisenfest genug sein dürfte, um Jean-Luc durch das ihnen bevorstehende sprichwörtliche Minenfeld zu navigieren. Auch Raffis Einstellung und seine Prinzipien werden uns deutlich gemacht, auch wenn ich hier ganz klar sagen muss, dass sie doch bitte damit aufhören soll, Picard „JL“ zu nennen. Der Mann hat in seiner Karriere so viel geleistet und verdient, dass es vor allem auch aus der Sicht des Zuschauers, der ihn ja nun auch sehr viele Jahre kennt, schon in gewisser Weise respektlos erscheint. Man möchte hoffen, dass solche Spitznamen nicht die fehlende Ehrfurcht der Autoren vor diesem Charakter repräsentieren, die ihm gebührt. Aber vielleicht lehne ich mich damit auch ein bisschen weit aus dem Fenster. Mit Dr. Jurati und dem neuen EMH haben wir zumindest noch zwei Charaktere, die keine schwierige Vergangenheit und ein tendentiell helleres Gemüt mit sich führen, was dem Klima innerhalb der Crew nur guttun kann.

Zur Soji-Storyline lässt sich sagen, dass es sehr interessant war, Hugh (Jonathan Del Arco) anzutreffen und es spannend ist zu sehen, wo und wie er sich in die Geschichte einfügen wird. Was ich vom ominösen romulanischen Tarot mit Zukunftsprophezeiung halten soll, weiß ich nicht so recht, zumal dies zumindest in der technisch und logisch orientierten „Star Trek“-Welt momentan wie ein Fremdkörper wirkt und sich sicherlich noch mit einer späteren rationalen Erklärung fügen wird.
Fragen und Rätsel, die die Geschichte spannend halten, gibt es immer noch einige: Wieso gilt Soji als „Zerstörer“ und was hat es eigentlich mit ihrer Mutter auf sich, die ihr den Tod ihrer Zwillingsschwester verschweigt und natürlich auch nicht ihre leibliche Mutter sein kann? Wieso sollten die Zhat Vash hinter dem Angriff auf dem Mars stecken und was für ein Ort ist „Freecloud“? Vom Planeten bis zur Raumstation gibt es da viele Möglichkeiten, wobei die Pop-up-Würfel auf dem Bildschirm von Raffi bei ihren Recherchen auf einen Zusammenhang mit Glücksspiel deuten. Wir werden sehen...
Fazit
The End is the Beginning hat mir zwar einen Tick besser gefallen als die letzte Episode, doch ich kann mich noch nicht wirklich dazu durchringen, in der Wertung höher zu greifen. Die Darstellung von Picards Gegenspielern lässt nach wie vor zu wünschen übrig, während die neue Crew dafür bei ihrem Einstand schon eine gute Portion Persönlichkeit verpasst bekommt, was enorm wichtig ist, damit man nicht versehentlich die Sehnsucht nach bekannteren Charakteren der Vergangenheit weckt. Und, egal wie die Umstände nun sind, der Moment, in dem Picard zum ersten Mal auf dem Schiff das „Engage“-Kommando geben darf, war angemessen emotional.
Hier abschließend der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie Star Trek: Picard, Absolute Candor (1x04):
Verfasser: Tim Krüger am Donnerstag, 13. Februar 2020Star Trek: Picard 1x03 Trailer
(Star Trek: Picard 1x03)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Picard 1x03
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