Star Trek: Picard 1x02

Star Trek: Picard 1x02

Picard lässt nach den turbulenten Ereignissen der Auftaktepisode nicht locker und entdeckt einige akribisch versteckte Geheimnisse, welche die Theorien nach einer Aktivität einer romulanischen Organisation untermauern. Doch findet er innerhalb der Sternenflotte Gehör?

Szenenfoto aus der Episode Maps and Legends der US-Serie Star Trek: Picard (c) CBS All Access
Szenenfoto aus der Episode Maps and Legends der US-Serie Star Trek: Picard (c) CBS All Access
© zenenfoto aus der Episode Maps and Legends der US-Serie Star Trek: Picard (c) CBS All Access

Mit der Episode Maps and Legends setzt Star Trek: Picard seinen fulminanten Auftakt fort. Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) sucht darin weiterhin nach Antworten zur Herkunft von Dahj und dem Aufenthaltsort ihrer Zwillingsschwester Soji (jeweils Isa Briones). Dabei stößt er, ohne dessen Ausmaße zu erahnen, in ein gewaltiges Wespennest, denn die Nachricht seiner Erkenntnisse alarmiert und mobilisiert einflussreiche Widersacher.

Kurze Anmerkung zum Review(er)

Da es meinem Kollegen Christian leider nicht möglich ist, die Serie episodisch zu begleiten, übernehme ich dies nun an seiner Stelle. Kurz zu meinem „Star Trek“-Portfolio: Ich bin vor allem mit „TNG“ aufgewachsen und habe sowohl „Voyager“ als auch „DS9“ geschaut. Zwar habe ich mir „Discovery“ auch eine Weile lang zu Gemüte geführt, bin damit allerdings letztendlich nicht so richtig warm geworden. Darüber hinaus bin ich mit den meisten Filmen weitestgehend vertraut, von denen unter anderem „Star Trek: First Contact“ als mein erster „Trek“-Kinofilm zu meinen absoluten Lieblingen gehört. Ich mag zwar keine wandelnde „Star Trek“-Enzyklopädie sein, werde mir aber viel Mühe geben, damit Ihr meine Ausführungen nachvollziehen könnt.

Happy First-Contact-Day

Wir starten mit einer Flashbacksequenz, die 15 Jahre vor den aktuellen Geschehnissen einsetzt und ein Ereignis bebildert, das Wellen schlug, welche die Föderation danach für immer veränderten. Die Rede ist von der Zerstörung der Marskolonie durch Androiden, welche ohne offensichtlichen Grund von ihrem Programm abwichen, um die Kolonie und ihre Bewohner auszulöschen. Dies erleben wir anhand eines kleinen Ausschnitts, der den Moment zeigt, in welchem einer der synthetischen Helfer seinen fatalen Part im verheerenden Angriff einnimmt.

Tal Shiar & Zhat Vash

In der Gegenwart erleben wir, wie Picard und Laris (Orla Brady) das Apartment von Dahj nach Spuren durchsuchen. Inmitten des offenbar minutiös von allen verdächtigen Elementen bereinigten Raums kommt Laris zu der Schlussfolgerung, dass der Tatort höchstwahrscheinlich von einer geheimen Organisation namens Zhat Vash mit romulanischer Technologie bereinigt wurde. Diese sollen unter anderem einen ganz besonderen Groll gegen synthetische Lebensformen haben, weshalb ihre Verwicklung durchaus ins Bild passen würde. Schließlich finden sie darüber hinaus einen Kommunikationsnachweis zwischen Dahj und ihrer Zwillingsschwester Soji, der bestätigt, dass letztere sich während ihrer Anrufe außerhalb der Erde befand.

Bevor er aufgrund dieser neuen Erkenntnisse handeln kann, erhält Picard jedoch Besuch von seinem Leibarzt Dr. Moritz Benayoun (David Paymer), den er aus ihrer gemeinsamen Zeit auf der USS Stargazer kennt. Dieser eröffnet zunächst mit der Nachricht, dass Picard sich an und für sich in exzellenter physischer Verfassung befindet, wäre da nicht eine Abnormalität an seinem Parietallappen. Auf ausdrückliche Nachfrage stellt er dem dafür relativ gelassen wirkenden Admiral allerdings eine fatale Diagnose, laut welcher es schwierig vorauszusagen ist, wie viel Zeit Jean-Luc noch konkret bleibt, nur eines ist sicher: Ein fataler Ausgang ist letztlich unausweichlich.

Mehr denn je motiviert, seine ihm verbleibende Zeit zu nutzen, kontaktiert Picard die Sternenflotte und landet schließlich im Büro von Admiral Kirsten Clancy (Ann Magnuson), welcher er sein Anliegen vorträgt, für eine letzte Mission wieder in den Dienst gestellt zu werden, um mit einer kleinen Crew nach Soji zu suchen, bevor Zhat Vash zu ihr aufschließt. Doch Admiral Clancy ist alles andere als gut auf ihren ehemaligen Kollegen zu sprechen und prangert sein kürzlich gegebenes Interview an, woraufhin eine hitzige Diskussion zwischen den beiden entsteht, die schließlich damit endet, dass Clancy Picards Warnungen ignoriert und ihn mit leeren Händen nach Hause schickt.

Unglücklicherweise teilt sie Picards Mutmaßungen ausgerechnet mit Commodore Oh (Tamlyn Tomita), die genau wie ihre Undercover-Untergebene Lieutenant Narissa Rizzo (Peyton List) ganz exakt zu wissen scheint, wovon Jean-Luc spricht. Picard lässt sich von diesem Rückschlag jedoch nicht so einfach ins Bockshorn jagen und sucht sich anderweitig nach einer Crew um, was ihn mit Wein in der Hand vor die Tür von Raffi Musiker (Michelle Hurd) führt, die er als alte Bekannte darum bittet, ihm bei seinem Anliegen zu unterstützen.

Soji setzt derweil ihre Arbeit in dem ramponierten Borg-Kubus fort, in welchem sie daran arbeitet, die vom Kollektiv getrennten Drohnen zu erforschen. Mit Narek (Harry Treadaway) ist ihr der ausgestreckte Arm des Zhat Vash bereits nahe, denn es hat offensichtlich nicht lange gedauert, bis die beiden auf Tuchfühlung miteinander gegangen sind. Über diese Bindung versucht Narek scheinbar herauszufinden, wo sich weitere Androiden aus der gleichen Schöpfung wie Soji aufhalten, wie er zusammen mit Lieutenant Rizzo erläutert, die offenbar seine Schwester ist und ihre ganz eigenen Pläne zu verfolgen scheint...

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Aufstand der Androiden

Der Blick auf den Beginn der Episode veranschaulicht noch einmal dies, was als schwarzer Tag für die Föderation in die Geschichtsbücher einging. Auf die essentielle Frage, ob wir es hier mit einer Skynet-Situation oder absichtlicher Manipulation zu tun haben, lässt sich noch keine endgültige Antwort finden. Was man jedoch mit Sicherheit sagen kann, ist, dass - wie wir am F8-Modell erkennen - es zumindest von den für die Ausführung benutzten Androiden selbst nicht im Voraus geplant war, da wir erkennen, dass er vor dem Beginn seiner „Rebellion“ Daten beziehungsweise Anweisungen erhielt, was einen von außen beabsichtigten Auslöser zumindest nahelegt.

For a relic, you're in exellent shape

Mit der Nachricht, dass Picard nicht mehr lange zu leben hat, leitet man in mehrfacher Hinsicht einen interessanten Weg ein. Probleme am Parietallappen scheinen eine direkte Konsequenz aus seiner Zeit als Borgdrone Locutus zu sein, was aber ein entscheidender Hinweis sein könnte, worauf man mit diesem Storyteil hinaus möchte: Gerade in Anbetracht einer bereits bestellten zweiten Staffel wird man es sicher nicht eilig haben, dem Protagonisten und mehr als nur beliebten Legende ein vorzeitiges Ende zu bescheren. Vor allem aber liegt vielmehr nahe, dass man damit einfach nur die Dringlichkeit für ihn erhöhen möchte, Soji zu finden. Diese ist nämlich ganz sicher nicht zufällig Expertin auf dem Gebiet der Verbindung von organischer Physiologie und Borg-Technik... Wer sich übrigens immer schon einmal fragte, wie es unter dem mit dem Körper verschmolzenen Okular einer Drohne aussieht, bekommt hier eine reichlich unappetitlich detaillierte Antwort darauf. Etwas, was man zu „TNG“-Zeiten, genau wie das auch hier gelegentlich herausgestellte Fluchen der Charaktere, wohl eher nicht erlebt hätte. Das ist jetzt nicht zwangsläufig negativ behaftet, aber dennoch gewöhnungsbedürftig.

CBS All Access
CBS All Access - © CBS All Access

Im Laufe der Episode erfahren wir einige wissenswerte Details über den aktuellen Stand der Alpha- und Betaquadranten: So existiert das Romulanische Imperium nicht mehr, sondern trägt nun den Titel „Romulan Free State“ - also Romulanischer Freistaat. Zudem scheint es ihnen nicht erlaubt zu sein, einen Geheimdienst aufzubauen, weswegen der Tal Shiar wohl naheliegenderweise aufgelöst wurde und die Entdeckung des Zhat Vash weitreichende Konsequenzen für die Romulaner haben dürfte.

Jean-Luc demonstriert sein Mantra, Personen nicht in Gefahr bringen zu wollen, die ihm nahestehen, indem er zum einen Laris (Orla Brady) und Zhaban (Jamie McShane) nicht weiter in die Sache hineinziehen möchte und zum anderen auch seine alten Crewmitglieder, wohl wissend, dass diese ihm ohne zu zögern bis ans Ende der Galaxie folgen würden, herauszuhalten versucht. Könnte man ihm ein Stück Naivität vorwerfen und behaupten, er hätte wissen müssen, wie die Sternenflotte auf seine Anfrage reagiert? Vielleicht, aber es zeigt meiner Meinung nach vielmehr nachvollziehbar die entstandenen Differenzen und die Kluft zwischen den beiden Parteien auf, denn längst scheinen sich die Prioritäten und die Mentalität innerhalb der Föderation verändert zu haben. Sein moralischer Kompass und die Tugenden, für die er einst stand, stehen dementsprechend nicht mehr an vorderster Front der Institution, der er sein Leben widmete. Einen goldigen Moment gibt es dafür an der Rezeption, als er schon ein wenig pikiert feststellen muss, dass man ihn dort nicht mehr zwangsläufig erkennt.

CBS All Access
CBS All Access - © CBS All Access

Während Patrick Stewart die Strahlkraft der Serie bleibt, die auch weiterhin einen technisch hochwertigen Eindruck macht, schwankt Maps and Legends an einigen Stellen aufgrund ungeschickter Exposition. So stellen Soji und Narek bei ihrem Bettgeflüster ein bisschen unnatürlich ausführlich die Umstände des Borg-Kubus und ihres Aufenthalts dort vor. Und auch Lieutenant Rizzos und Nareks Gespräch nach dem Motto „Hallo Schwester, bist du immer noch undercover?“ wurde ein wenig plump gelöst, um uns gemeinsam mit Commodore Oh (Tamlyn Tomita) die Bösewichte vorzustellen.

Eleganter wäre es gewesen, uns diese Informationen eher durch Bilder und Taten zu liefern, als all dies direkt in Gesprächen fallenzulassen. Damit verwehrt man sich durch diese frühe Kennzeichnung auch mögliche Überraschungselemente. Das soll dafür aber keine Klage über die Schauspieler sein, diese machen meiner Meinung nach einen wirklich guten Job. Und als kleine Anmerkung am Rande: Die Sternenflotte setzt ihre Tradition von Admirals in ihren Reihen fort, die mit Ausnahme von bekannten Hauptcharakteren entweder inkompetent oder böse zu sein scheinen. Kein Wunder, dass Jean-Luc bei solchen Kollegen den Ruhestand und das Exil vorgezogen hatte...

Fazit

Nach einem durchaus starken Auftakt schleichen sich in Maps and Legends ein paar Defizite in Form von ungeschickt inszenierter Exposition in diversen Dialogen ein, die man cleverer hätte etablieren können. Zwar mag die Episode im Vergleich zum exzellenten Piloten nicht so komplett abgerundet wie dieser wirken, doch es bleibt stets unterhaltsam und auch die Mysterien bleiben weiterhin einladend. Auch die Charaktere, allen voran natürlich Picard, wirken genügend Faszination aus, um gespannt auf die nächste Episode zu blicken, in der wir allem Anschein nach mit einigen weiteren Crewmitgliedern von Jean-Lucs neuer Truppe rechnen können.

Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie Star Trek: Picard, The End Is the Beginning (1x03):

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Verfasser: Tim Krüger am Freitag, 31. Januar 2020

Star Trek: Picard 1x02 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 2
(Star Trek: Picard 1x02)
Deutscher Titel der Episode
Karten und Legenden
Titel der Episode im Original
Maps and Legends
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 30. Januar 2020 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 31. Januar 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 31. Januar 2020
Autoren
Michael Chabon, Akiva Goldsman
Regisseur
Hanelle M. Culpepper

Schauspieler in der Episode Star Trek: Picard 1x02

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