Sherlock 4x01

Sherlock 4x01

Mit der Folge The Six Thatchers meldet sich die UK-Serie Sherlock aus der langen Pause zurĂŒck. WĂ€hrend ein gewisser Moriarty scheinbar im Schatten lauert, wecken zerstörte Statuen von Margaret Thatcher die Aufmerksamkeit von Sherlock.

Martin Freeman und Benedict Cumberbatch in „Sherlock“ / (c) BBC One
Martin Freeman und Benedict Cumberbatch in „Sherlock“ / (c) BBC One
© artin Freeman und Benedict Cumberbatch in „Sherlock“ / (c) BBC One

Normalisierung am Anfang

Mit dem dritten Staffelfinale His Last Vow meldete sich Jim Moriarty (Andrew Scott) zurĂŒck. Außerdem erschoss Sherlock (Benedict Cumberbatch) den letzten Gegenspieler Charles Magnussen (Lars Mikkelsen), womit unser Detektiv einen Mord beging - und so etwas hat fĂŒr gewöhnlich Konsequenzen. FĂŒr gewöhnlich.

Autor Mark Gatiss bleibt hier zu Beginn nichts Anderes ĂŒbrig, als die Lage fĂŒr Sherlock ein gutes StĂŒck zu entschĂ€rfen. Und das macht er in der Tat selbst. Denn dank Mycroft (Mark Gatiss) und dessen Team sieht es jetzt nicht mehr so aus, als ob Sherlock Magnussen eine Kugel verpasst hĂ€tte. Ein Problem auf Sherlocks Liste weniger - „Ok, cheers.“ - und somit die Möglichkeit, wieder in London zusammen mit John Watson (Martin Freeman) neuen FĂ€llen nachzugehen.

Und Moriarty? Sherlock vermutet, dass die Videobotschaft nicht das letzte war, was er von Moriarty hören wird. Dieser ist zwar tot, hat aber vermutlich fĂŒr den Fall seines Ablebens noch ein neues Spielchen vorbereitet. Ob und wann dieses in Kraft tritt, bleibt abzuwarten, was Sherlock dann auch tut. Spannungstechnisch ist das ein guter Schachzug, denn auch wir wissen nicht, wann Moriarty sich mit einem neuen anspruchsvollen und fiesen Plan zurĂŒckmelden wird. Also die Augen offenhalten und abwarten.

Sherlock Holmes in „Sherlock“
Sherlock Holmes in „Sherlock“ - © BBC One

The Six Thatchers

Nachdem der Anfang geklĂ€rt wurde, erleben wir ein bisschen vom Alltag unserer Figuren. Mary (Amanda Abbington) bekommt ihr Kind, es gibt eine Taufe und Sherlock löst einen Fall nach dem anderen, wĂ€hrend Watson den Blog aktuell hĂ€lt und sich um seine Familie kĂŒmmert. AuffĂ€llig dabei: Obwohl Watsons Familie einen zentralen Punkt in Sherlocks Leben darstellt, wirkt dieser in fast allen Szenen abwesend. Selbst wĂ€hrend der Taufe spielt er lieber an seinem Handy herum, als auch nur den Versuch zu starten, sich besser in das Leben seines Freundes zu integrieren. Zwar bekrĂ€ftigt er mehrmals in dieser Episode, dass er seinem Schwur nachgehen wird. Es kommt aber nur selten das GefĂŒhl auf, dass ihm die anderen wichtig wĂ€ren - was sich gegen Ende der Episode ein wenig rĂ€cht. Aber mehr dazu spĂ€ter.

Sherlocks Aufmerksamkeit wird schließlich durch einen Fall geweckt, der Lestrade (Rupert Graves) vor ein scheinbar unlösbares RĂ€tsel stellt. Der Zuschauer wittert sogleich, dass die Episode jetzt erst richtig losgeht. Aber die verbrannte Leiche im Wagen entpuppt sich schnell als falsche FĂ€hrte - Sherlock löst das RĂ€tsel in Windeseile. Seine Aufmerksamkeit wird vielmehr durch einen zuvor stattgefundenen Einbruch am gleichen Tatort geweckt, bei dem eine BĂŒste von Margaret Thatcher zerstört wurde.

Der Fall selbst ist dabei grob an die Geschichte „The Adventure of the Six Napoleons“ angelehnt und Sherlock verfolgt nun den Einbrecher, der es immer nur auf die BĂŒsten abgesehen hat, von denen es sechs StĂŒck gibt. Thematisch stehen dabei Vorahnung und Schicksal im Vordergrund, was in der Episode mehrfach betont wird - unter anderem durch die Geschichte „Appointment in Samarra“ (deutsch: Begegnung in Samarra) von John O'Hara. Als Zuschauer kommt man schnell auf den Gedanken, dass der ominöse Einbrecher und dessen Zerstörungswut gegenĂŒber den BĂŒsten irgendwie mit Moriarty zusammenhĂ€ngt. Auch Sherlock drĂŒckt diese Vermutung aus, womit wir erneut auf eine falsche FĂ€hrte gelockt werden.

Die betreffende Person, mit der die EinbrĂŒche zusammenhĂ€ngen, entpuppt sich schließlich als Mary, deren Vergangenheit in Form ihres ehemaligen VerbĂŒndeten Ajay (Sacha Dhawan) nun an ihre TĂŒr klopft. Zu diesem Zeitpunkt lĂ€sst sich schon ahnen, dass die Geschichte fĂŒr Mary kein gutes Ende nehmen wird.

Die Schnitzeljagd nach der Auflösung wird dabei großartig gestaltet. WĂ€hrend wir Schritt fĂŒr Schritt mit Marys gefĂ€hrlicher Vergangenheit vertraut gemacht werden und die Motive von Ajay sowie den kommandierenden Personen der damaligen AGRA-Gruppe erfahren, werden wir von einem tollen Set zum nĂ€chsten gefĂŒhrt, dĂŒrfen Sherlock bei einem prĂ€chtig inszenierten Zweikampf beiwohnen und bekommen auch das gewohnt erstklassige Schauspiel aller Darsteller zu sehen.

Dr. John Watson und Mary Watson in „Sherlock“
Dr. John Watson und Mary Watson in „Sherlock“ - © BBC One

Ein kleineres Manko lĂ€sst sich vielleicht darin finden, dass Sherlock bei der Suche nach Hinweisen nicht auf seine ĂŒblichen deduktiven Methoden zurĂŒckgreifen kann, beziehungsweise dazu nur begrenzt in der Lage ist. So gibt es zwar ein paar Codewörter und kryptische Hinweise, aber zur Auflösung ist er stets auf Informationen Anderer angewiesen - in diesem Fall auf die Worte von Ajay und Mary, zumal letztere sich anfangs strĂ€ubt, ihm und ihrer Familie die wichtigen Details zu nennen und lieber versucht, die Sache in die eigene Hand zu nehmen.

Ein Detail, das hingegen stĂ€rker stört, sind die USB-Sticks, die jedes AGRA-Teammitglied besitzt und auch bei allen EinsĂ€tzen mitfĂŒhrt. Es mutet schon verdammt dĂ€mlich an, dass die einzelnen Mitglieder ihre Informationsquellen jederzeit mit sich gefĂŒhrt haben. Was, wenn einer von ihnen (wie Ajay) bei einem Einsatz gefangen genommen wird und sich vorher nicht des Sticks entledigen kann? Da wĂŒrde sogleich das ganze Team auffliegen und der potenzielle ÜbeltĂ€ter könnte - Ă€hnlich wie Sherlock - den Rest der Truppe problemlos ausfindig machen.

Finale

Das Finale der Folge, welches uns ins Londoner Aquarium fĂŒhrt und den emotionalen Höhepunkt abliefert, ist im Großen und Ganzen gelungen. Marys Tod ist ein schwerer Schlag in die Magengrube und mit Blick auf Sherlocks Schwur bahnen sich dadurch tiefgreifende Konsequenzen fĂŒr die Freundschaft zwischen ihm und Watson an, welche John auch gleich zum Ausdruck bringt. Dieses Ereignis wird jedenfalls Spuren hinterlassen, auch wenn John in dem Moment vermutlich emotional schwer angeschlagen ist und erst spĂ€ter realisieren wird, dass Mary sich bewusst geopfert hat, um seinen Freund vor der tödlichen Kugel zu bewahren.

Hier rĂ€cht sich nun auch ein wenig, dass uns Sherlock bei Johns Familienleben eher abwesend beziehungsweise mit anderen Dingen beschĂ€ftigt prĂ€sentiert wurde. Zugegeben, was Emotionen angeht, fĂ€llt es unserem Detektiv stets schwer, diese zum Ausdruck zu bringen. Dennoch wirkt er hier zu kalt und zu unbetroffen, nachdem Mary die Augen fĂŒr immer geschlossen hat. Der anschließende Besuch beim Psychiater (Tanya Moodie) verschafft zwar etwas Abhilfe, aber komplett ĂŒberzeugend ist auch der nicht.

D.I. Hopkins und Detective Inspector Lestrade in „Sherlock“
D.I. Hopkins und Detective Inspector Lestrade in „Sherlock“ - © BBC One

Auf der anderen Seite haben wir Watson und seine mysteriöse Busbekanntschaft. Hier wurde im Folgenverlauf eine sich anbahnende AffĂ€re angedeutet, was ĂŒberhaupt nicht zu Watson passt und dem tragischen Finale ebenfalls ein bisschen die Emotionen raubt. Es wird zwar mit Sicherheit noch mehr hinter Johns neuer Bekanntschaft stecken, als sich momentan vermuten lĂ€sst; die EinfĂŒhrung dieser neuen Figur lĂ€sst sich jedoch bestenfalls als holprig und mit Blick auf das Finale gar als unpassend bezeichnen.

Fazit:

Sherlock meldet sich in sehr guter Form zurĂŒck und erzeugt Spannung auf die kommenden beiden Episoden der vierten Staffel. Allerdings ist The Six Thatchers keine herausragende Folge, die einen aufgrund von ĂŒberraschenden Wendungen oder Offenbarungen am Ende mit offenem Mund dasitzen lĂ€sst. Nicht falsch verstehen - die prĂ€sentierte Geschichte ist weit davon entfernt, eine schwache zu sein. Aber es fehlt hier an der sonst so eindrucksvollen Wirkung, welche die wirklich herausragenden Episoden der Reihe hinterlassen. Von mir gibt es vier von fĂŒnf Sternen.

Verfasser: Christian SchÀfer am Montag, 2. Januar 2017

Sherlock 4x01 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 1
(Sherlock 4x01)
Deutscher Titel der Episode
Die sechs Thatchers
Titel der Episode im Original
The Six Thatchers
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Sonntag, 1. Januar 2017 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 4. Juni 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Sonntag, 4. Juni 2017
Autoren
Mark Gatiss, Steven Moffat, Arthur Conan Doyle
Regisseur
Rachel Talalay

Schauspieler in der Episode Sherlock 4x01

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