The Shannara Chronicles 1x06

Halbelf Wil (Austin Butler) und Amberle (Poppy Drayton) frohlocken sexy im Wald. Während wir uns noch fragen, ob wir etwas verpasst haben und wie es plötzlich zu diesen offenkundigen Leidenschaftsbekundungen kommen konnte, entpuppt sich das Ganze als feuchter Traum von Amberle, der alsbald vom Dagda Mor (Jed Brophy) gekapert wird.
Mit dem Formwandler auf dem Thron in Arborlon müssen sich die Elfen natürlich auf einigen Dämonenschabernack gefasst machen, von dem niemand etwas ahnt. So kommt es Prinz Arion (Daniel MacPherson) auch nicht verdächtig vor, als König Eventine (John Rhys-Davies) ihn auf ein Zauberschwert aufmerksam macht, welches der Druide (Manu Bennett) ihnen vorenthalten haben soll. Es soll in der Lage sein, den Dagda Mor zu besiegen und sich unter dem Palast befinden. Das unnötig böse Aufblitzen der Augen einer insgeheim schurkischen Figur, was lediglich zur Erinnerung für das Publikum geschieht und natürlich nur stattfindet, wenn sich die hinters Licht Geführten gerade umdrehen, wird natürlich auch hier nicht ausgelassen. Aber ich nehme an, dies ist ein erzählerisch praktisches Klischee, das sich Genrefilme und -serien nie abgewöhnen werden.
The Fellowship of the Ellcrys
Im Gegensatz zu dem, was ich in meinem letzten Review schrieb, handelte es sich bei der vom Dämon besetzten Location in der Episode Reaper nicht etwa um das zu erreichende Safehold, sondern lediglich um eine Festung, die als Zwischenstation dienen sollte. Eigentlich hatte ich auch gesagt, nicht mehr auf den „Lord of the Rings“-Parallelen herumreiten zu wollen, doch wenn Wil und seine Gefährten plötzlich einem verschneiten, kaum zu überschreitenden Berg gegenüberstehen und sich eine nicht minder gefährliche Alternative durch das Gebirge anbietet, wird Euch hoffentlich mein Dilemma klar.

Der Reaper-Dämon aus der letzten Episode ist übrigens, wie uns in einer kurzen Auferstehungsszene vermittelt wird, wohlauf. Weniger fit ist Wahrsagerelf Bandon (Marcus Vanco), dessen Geist noch immer vom Dagda Mor als Geisel genommen wird. Selbst Superdruide Allanon ist machtlos und lässt sich beinahe selbst von seinem pervertierten Widersacher überwältigen. Dass er in diesem kurzen Moment Prinz Arion angreift, der ihm ohnehin bereits kritisch gegenübersteht, hat seiner Mission auch nicht unbedingt geholfen. Aber nicht nur die Elf-Mensch-Beziehungen werden auf die Probe gestellt, auch der kleine Erkundungstrupp, bestehend aus Prinz Ander (Aaron Jakubenko), Commander Tilton (Emelia Burns) und dem Gnom Slanter (Jared Turner) werden auf dem Weg auf die Probe gestellt, was mit der Flucht des Gefangenen endet.
The Elven Janitor
Die Abkürzung durch den Berg führt die Gefolgschaft nach Pykon, einer elfischen Festung, um die sich einiges an Legenden rankt. Vor Ort sind allerdings nur noch ein hagerer Elf namens Remo (Jon Brazier, den ich aufgrund seiner Kopfform kurz für den Dagda Mor hielt) und ein unheimliches Halbelfenmädchen namens Mag (Anais Shand), welches schnell eine Beziehung zu ihrem Halbblutgenossen Wil aufbaut. Cephalo (James Remar) riecht im Gegensatz zu den anderen den offensichtlich faulen Braten, was die Gruppe jedoch nicht davor bewahrt, sich vergiften zu lassen. Als sie wieder zu sich kommen, gibt Amberle schließlich ihre Identität als Prinzessin preis, was, wie Eretria (Ivana Baquero) richtig anmerkt, keine gute Idee ist. Vielleicht ist sie noch etwas pikiert, dass Amberle ihre Avancen im Bad abgeschlagen und somit gleichzeitig dem schamlosesten Fanservice Einhalt geboten hat.
Unterdessen spitzt sich das Doppelgängerdrama im Arborlon-Palast zu. Nachdem Prinz Arion und Bandons Freundin Catania (Brooke Williams) am denkbar miesesten Sicherheitssystem vorbei an das besagte Schwert gekommen sind, klärt der unter Druck geratene Allanon die blaublütigen Elfen darüber auf, dass es sich bei dem Artefakt um einen bösen Talisman handelt, der aus gutem Grund weggeschlossen worden war (was das fragwürdige Sicherheitssystem noch unentschuldbarer macht). Als er merkt, was im Thronsaal vor sich geht, ist es bereits zu spät und Arion durchbohrt den Druiden auf Anweisung des falschen Königs mit der Dämonenklinge.
Andernorts sieht es nicht besser aus für die Guten. Ander und Commander Tilton können sich zwar den Anfang einer möglichen Allianz mit den Gnomen freuen, nachdem Slanter von der Dämonengefahr überzeugt zurückkehrt, doch die Freude hält nicht lange an. Eine unbesiegbar erscheinende Dämonenarmee hat sich bereits versammelt und die schiere Zahl an feindlichen Kreaturen entfacht nicht gerade Zuversicht. In Pykon entpuppt sich Remo als Eventines ehemaliger Folterspezialist, der seiner sadistischen Ader auch nach dem Krieg freien Lauf lässt. Wil und seine kleine neue Freundin können ihn zwar davon abhalten, eine Lobotomie an Amberle durchzuführen, doch, als er wie ein „Slasherfilmkiller“ noch einmal wiederaufersteht, stellt sich das Mädchen seinem für Wil bestimmten Pfeil in den Weg und stirbt.

Als wäre das alles noch nicht genug, taucht auch der Reaper plötzlich auf der Bildfläche auf und nimmt Crispin (James Trevena-Brown) von den begleitenden Elfensoldaten mit sich, wodurch nur noch die drei Hauptcharaktere und Cephalo übrig bleiben. Wil geht mit den nun wieder aktiven Elfstones gegen den Balrog-Ersatz vor, ehe Cephalo ihn und seine weiblichen Begleiterinnen gemeinsam mit dem Monster in einen Abgrund stürzen lässt. Wie nach der ersten Doppelepisode wieder ein Cliffhanger, der nicht besonders spannend ist, da ohnehin klar sein dürfte, dass unsere drei Helden an dieser Stelle keinesfalls das Zeitliche gesegnet haben werden.
Fazit
Pykon lässt in kürzester Zeit dermaßen viel Elend und Verzweiflung auf dem Bildschirm erscheinen, dass es dem Zuschauer schwer gemacht wird, ausreichend Empathie für die verlorenen Charaktere aufzubauen. Eine Verschnaufpause zwischen den Todesszenen ist schon notwendig. Das Ableben meines Lieblingsdruiden Allanon hätte sich mindestens so schwerwiegend anfühlen müssen wie die Ermordung des Königs in der letzten Folge, wurde aber unter einem Haufen von Nebenfigurtoden begraben. Vielleicht vermute ich aber noch seine Rückkehr, wodurch sich meine Trauer in Grenzen hält.
Ohne den Extrabösewicht des „Hostel“-Elfen wäre die Episode überschaubarer gewesen und hätte den weitaus wichtigeren Momenten der Hauptstory mehr Raum zum Atmen gegeben. Der Reaper hätte die Gruppe ohnehin in der Festung gefunden und die Bonuskinderleiche wäre neben Allanon und Crispin nicht nötig gewesen. Ich bezweifle auch, dass diese Exkursion so im Buch vorgekommen ist - und wenn doch, wäre sie im Rahmen einer Adaption etwas, von dem man sich gut hätte trennen können.
Verfasser: Mario Giglio am Mittwoch, 3. Februar 2016(The Shannara Chronicles 1x06)
Schauspieler in der Episode The Shannara Chronicles 1x06
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