Secret Invasion 1x01

Secret Invasion 1x01

In „Secret Invasion“ kehrt der von Samuel L. Jackson verkörperte Nick Fury auf die Erde zurück, nur um festzustellen, dass sie von einer militanten Gruppe von Skrulls unterwandert wurde. Lässt sich die Invasion der Gestaltwandler noch aufhalten?

Szenenfoto aus der „Secret Invasion“-Folge „Auferstehung“
Szenenfoto aus der „Secret Invasion“-Folge „Auferstehung“
© Disney+

Die Filme und Serien aus dem Marvel Cinematic Universe experimentieren gerne mal mit unterschiedlichen Genres und Erzählfarben. Secret Invasion mit Samuel L. Jackson als Ex-S.H.I.E.L.D.-Chef Nick Fury ist dabei, den ersten beiden Episoden nach zu urteilen, ein waschechter Verschwörungsthriller, wie ihn auch John le Carré hätte abliefern können.

Schnell wird etabliert, dass man selbst vermeintlich bekannten Gesichtern nicht über den Weg trauen kann, wenn die gestaltwandlerischen Skrulls in Sekundenschnelle die Identitäten anderer annehmen können. Das muss Fury am eigenen Leib erfahren...

Worum geht es in „Secret Invasion?“

Nick Fury ist nach dem Blip nicht mehr derselbe. Die letzten Jahre hat er im Weltall verbracht und kommt nun aufgrund eines Hilferufs von Talos (Ben Mendelsohn) wieder auf die Erde. Bereits vor rund 30 Jahren hat er den friedlichen Skrulls rund um Talos versprochen, eine neue Heimatwelt für sie zu finden. Doch die Bemühungen haben keine Früchte getragen und Furys Verschwinden verstimmt die Beziehungen mit einigen der Gestaltwandlern.

Gravik (Kingsley Ben-Adir), der einst im Konflikt mit den Kree seine Eltern verloren hat, hat offenbar genug vom Pazifismus und gründet eine Splittergruppe der Aliens, die die Erde in den letzten Jahren sukzessive unterwandert hat - und das bis in die höchsten Positionen. In Russland bereiten er und seine Gefolgschaft bei einer friedlichen Feier eine Anschlagserie vor, die die internationalen Beziehungen empfindlich belasten könnte. Dass das geschehen konnte, hat Fury nicht kommen sehen und nun muss er - mit begrenzten Mitteln - verhindern, dass es zum Worst Case kommt.

Fury und seine Verbündeten, darunter Talos und Maria Hill (Cobie Smulders) setzen alles in ihrer Macht Stehende ein, um die militanten Skrulls aufzuhalten. Dabei spielt auch Talos' Tochter G'iah (Emilia Clarke) eine Rolle, doch ihre Beziehung zu ihrem Vater ist schon lange angespannt, wobei der Tod ihrer Mutter Soren (Sharon Blynn) die beiden nun an einen Scheideweg führt.

Fury, der sonst gerne mehrere Schritte voraus ist, stolpert in eine feindliche Übernahme, bei der er sich nie sicher sein kann, wer nun eigentlich der Feind ist. Die Situation ist wie der Kalte Krieg, nur mit feindseligen Aliens, die jede Form annehmen können...

Wem kann man trauen?

Szenenfoto aus der „Secret Invasion“-Folge „Auferstehung“
Szenenfoto aus der „Secret Invasion“-Folge „Auferstehung“ - © Disney+

Der Grundkonzept von Secret Invasion ist relativ spannend und basiert auf einem großen Crossover-Event von Brian Michael Bendis und Leinil Francis Yu. Dort unterwandern die Skrulls vordergründig allerdings die Welt der Superhelden, so dass einige prominente Namen ausgetauscht werden und viel Paranoia entsteht.

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Für die TV-Serie verlagert man dies nun auf eine angepasste Rahmenhandlung mit Playern, die man aus der Spionageecke des MCUs kennt. Bereits in der ersten Szene stellt sich Everett Ross (Martin Freeman) als Skrull-Opfer heraus, wobei der Echte sicherlich mit CIA-Einsätzen oder Wakanda beschäftigt sein dürfte. Diese politischere Ecke von Marvel haben wir bereits in „Captain America: The Return of the First Avenger“ oder The Falcon and the Winter Soldier kennengelernt und in einer deutlich pulpigeren Version auch in Marvel's Agent of S.H.I.E.L.D. gesehen, was allerdings wohl kein offizieller Teil des Kanons ist...

Secret Invasion“ wirkt jedoch noch einige Nummern düsterer als der bisherige Politstoff von Marvel. Fury hat schon deutlich bessere Tage gesehen und sein Versagen in der Skrull-Angelegenheit wird ihm immer wieder vorgeworfen, denn der Optimismus der 90er ist einem Versagen und einer Desillusionierung gewichen. Eindringlich wird demonstriert, dass Skrulls überall lauern könnten und man wahrscheinlich niemandem über den Weg trauen sollte. Das ist eine Paranoia, wie man sie im Kalten Krieg kannte, weswegen die Handlung in den ersten Folgen auch viel in Russland angesiedelt ist, was im Kontext der echten geopolitischen Lage nicht immer ganz angenehm erscheint...

Gleichzeitig nutzt man „Secret Invasion“ zudem als Charakterstudie für Sam Jacksons Figur, die bereits seit „Iron Man“ aus dem Jahr 2008 zum Marvel-Portfolio gehört, wobei über ein Privatleben generell wenig bekannt wurde. Schon in den ersten Folgen gibt es hier somit ein paar Introspektiven und auch geheime Offenbarungen zu ihm.

Fury kann sich nicht mehr auf reichhaltige Regierungsmittel verlassen, will aber trotzdem die Invasion im Keim ersticken, bevor es zum Super-GAU kommt. Doch das geht nicht ohne herbe Verluste einher, denn in Russland kommen über 2000 Menschen um und im allgemeinen Trubel wird auch Maria Hill am Ende der Auftaktfolge Auferstehung erschossen. Man ist natürlich gewohnt, dass man im MCU mit einigem davonkommt, doch es sieht in diesem Fall schon sehr ernst aus, so dass Fury durch den Verlust seiner engsten Vertrauten erst recht motiviert wird, Graviks Gruppe aufzuhalten.

Marvels Antwort auf Dad TV?

Die Grundstimmung ist düster. Fury ist im Prinzip nur ein normaler Mann ohne große Superkräfte und demzufolge verlässt sich die Serie statt auf imposante Actionszenen, von denen es trotzdem welche gibt, eher auf Dialogszenen zwischen Personen, die im Schatten die Entscheidungen treffen.

So kommt es zum Comeback von Don Cheadle als James „Rhodey“ Rhodes, der immerhin deutlich mehr zu tun bekommt als noch in „The Falcon and the Winter Soldier“ oder dem Debüt der neuen Figur Sonya Falsworth (Olivia Colman), die offenbar so etwas wie ein weiblicher Fury ist und es in manchen Belangen faustdick hinter den Ohren hat. Ihre Agenda wird jedoch nicht unmittelbar klar.

Insgesamt ist das Tempo der ersten Folgen jedoch gemächlich, so dass sicherlich nicht jeder Marvel-Fan direkt mit Secret Invasion warmwird, selbst wenn man die Figur von Fury bisher gern gesehen hat. Es wirkt auf mich fast so, als wäre dieses Disney+-Format das Marvel-Äquivalent zur „Star-Wars“-Serie Andor oder aber die Marvel-Version von „Dad-TV“, denn so richtig kurzweilig ist die Handlung nicht.

Szenenfoto aus der „Secret Invasion“-Folge „Auferstehung“
Szenenfoto aus der „Secret Invasion“-Folge „Auferstehung“ - © Disney+

Ben-Adir als Gravik ist die Art von Schurke, die als wenig zimperlich dargestellt wird. Denn für seinen Plan ist er bereit, zahlreiche Opfer auf Menschenseite in Kauf zu nehmen, aber auch Schwächen in den eigenen Reihen direkt zu bestrafen, wenn vom großen Plan der Weltherrschaft der Skrulls abgewichen wird. Allerdings hat er auch eine Freude, mit Fury zu spielen und ihn zu provozieren, weil er sich ihm überlegen fühlt.

Stellt sich die Frage: Warum will sich Nick Fury unbedingt allein einer gigantischen Armee von militanten und gewaltbereiten Außerirdischen stellen, die bei Erfolg ihrer Mission die Erde übernehmen könnten. Immerhin wird diese Frage von Fury selbst aufgegriffen, ob die Antwort dabei befriedigt oder nicht, muss man für sich selbst entscheiden. Man kann jedenfalls gespannt sein, wie Fury und seine wenigen Verbündeten im Verlauf der sechs Folgen einer solche Übermacht Herr werden wollen.

Was wurde nach „Captain Marvel“ aus den Skrulls?

Szenenfoto aus der „Secret Invasion“-Folge „Auferstehung“
Szenenfoto aus der „Secret Invasion“-Folge „Auferstehung“ - © Disney+

Ob man sich für „Secret Invasion“ erwärmen kann, hängt sicherlich auch damit zusammen, wie spannend man die Offenbarungen rund um Nick Fury aus „Captain Marvel“ findet. Denn darauf baut das Format größtenteils auf. Es gibt Rückblicke in die 90er, als sich Fury und die Skrulls kennenlernten. Es gibt neuen Kontext dazu, was seitdem passiert ist und mit Talos kommt natürlich auch eine Figur zurück, die dort eine prominente Rolle spielte, wobei in der Zwischenzeit viel vorgefallen ist, was eine einst freundschaftliche Beziehung belastet haben könnte. Denn unter der Oberfläche brodeln Geheimnisse mit viel Sprengkraft...

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Fazit

Wie immer bei einer Serie von Marvel habe ich überlegt, ob ich begleitende Reviews zur Serie schreiben werde, aber nach den beiden Episoden, die ich vorab schauen konnte, glaube ich, dass es das Beste wäre, erst abschließend noch einmal ein Fazit zu ziehen, wenn es meine Zeit erlaubt. Denn die ersten Episoden sind nicht im gleichen Ausmaß ergiebig wie es ein Loki oder ein Hawkeye waren, vermitteln meiner Meinung nach aber einen guten Ersteindruck des Stoffs.

Begeisterungsstürme verursacht „Secret Invasion“ bei mir damit hingegen nicht, dafür aber durchaus ein solides Grundinteresse, wie sich die Skrull-Verschwörung entfaltet und welche Chance Fury ob dieser scheinbaren Übermacht überhaupt hat. Für die ersten beiden Folgen gibt es dreieinhalb narbige Augen von fünf.

Hier abschließend noch ein aktueller Trailer zur Serie „Secret Invasion“:

Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 21. Juni 2023

Secret Invasion 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Secret Invasion 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Auferstehung
Titel der Episode im Original
Resurrection
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 21. Juni 2023 (Disney+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 21. Juni 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Mittwoch, 21. Juni 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 21. Juni 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 21. Juni 2023
Autoren
Kyle Bradstreet, Brian Tucker, Jonathan Hirschbein
Regisseur
Ali Selim

Schauspieler in der Episode Secret Invasion 1x01

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