Pretty Little Liars 7x17

© ucy Hale als Aria in „Pretty Little Liars“ / (c) Freeform
Die letzten Episoden vor dem Serienfinale von Pretty Little Liars zeichneten sich vor allem durch eine gewisse Wankelmütigkeit aus: Wo hier und dort gehörig Spannung aufgebaut wurde und rote Fäden einigermaßen sinnig zusammenfanden, breitete sich andererorts eher nichtssagende Langeweile aus, die oft genug von ärgerlichen Unwahrscheinlichkeiten und allzu faulem Storytelling getragen wurde.
Letzteres traf insbesondere auf das hintergründige Thema der abschließenden Staffel zu: Die allumgreifende Nostalgie hinsichtlich der romantischen Beziehungen von Aria (Lucy Hale), Emily (Shay Mitchell), Hanna (Ashley Benson), Alison (Sasha Pieterse) und Spencer (Troian Bellisario). Dieser sind, so konstruiert sie stellenweise auch daher kommen mag, gleichsam wunderbar sentimentale Szenen zu verdanken - ein wenig Kitsch darf sich diese Serie, die doch ohnehin an großen Effekten nicht spart, gerne hier und da erlauben. So auch im Fall von Caleb (Tyler Blackburn) und Hanna, die sich in Driving Miss Crazy) einander versprechen. Überhaupt scheint diese Wiedervereinigung eine der wenigen zu sein, die tatsächlich nachvollziehbar bleibt.
Neben großen Gesten wartet Driving Miss Crazy aber auch mit allerhand spannungsreichen Wendungen auf. Das parallele Auftauchen von Mary (Andrea Parker) und einer entlarvenden Tondatei im Hause der Hastings durch die alptraumverfolgte Doppelagentin Aria könnte da für sich genommen eine ganze Episode füllen; dem aber nicht genug.
Auch Janel Parrish) glänzt einmal mehr als zwielichtige Mona, die als IT-affines Mastermind gewissermaßen das dunkle Ebenbild zu Caleb darstellt. Während sie in Driving Miss Crazy) einerseits Emily bei der Suche nach dem anonymen Spender hilft, erzeugt ihre tiefe, aber zu großen Teilen im stillen Kämmerlein versammelte Einsicht in A.D.s Game wieder einmal Ambivalenzen: Auf welcher Seite steht sie?
I hope you can forgive me
Bereits in der Vergangenheit taten sich die Handlungsstränge um die Familie Hastings, deren Leben eng mit jenem des DiLaurentis-Clans verknüpft war und ist, durch besondere Intensität hervor. Das ist oft genug der darstellerischen Leistung und dem stimmigen Spiel zwischen Troian Bellisario und ihrer Serien-Mutter Lesley Fera zu verdanken, die in Driving Miss Crazy) sogar einen Auftritt in einem fieberhaften Alptraum von Aria hinlegt.
Die Tondatei, die ein Gespräch zwischen Peter Hastings (Nolan North, dessen Spiel an dieser Stelle ebenfalls lobend erwähnt sei) und Mary Drake beinhaltete, könnte in ihren Auswirkungen kaum gravierender sein. Wie wir später auch in einem Flashback erfahren, planten Peter und Jessica gemeinschaftlich die Ermordung von Mary, die immer mehr als das wahre Opfer von Umständen und ihrer intriganten Zwillingsschwester erkenntlich wird; vergessen in einer Anstalt für psychisch kranke Menschen. Um diesem plötzlichen Umschlag von absolut bösartiger zu absolut bemitleidenswerter Figur Einhalt zu gebieten, gewähren die Autoren all dem insofern Aufschub, als dass sie in Erinnerung rufen, dass auch Mary falsche Entscheidungen traf.
Die dunklen Verstrickungen dieser beiden Familien hätte durchaus mehr Aufmerksamkeit beziehungsweise Screentime zugedacht werden können - die Dynamik zwischen den Figuren (und Darstellern) und die über Staffeln hinweg vorbereitete Dekonstruktion einer heilen Familienidylle stellt mithin das interessanteste dar, was Pretty Little Liars zu bieten hatte.
Der Weg zu dem Zerwürfnis der Hastings ist selbstverständlich von ähnlich hoher Bedeutung innerhalb der aktuellen Entwicklungen. Um endlich an die Akte zu gelangen, mit der A.D. Aria erpresst - von der sich Aria allerdings, so viel muss gesagt sein, eher epressen lässt - ist sie es, die das Burnerphone mit der Tondatei bei den Hastings unterbringt. Die innere Zerissenheit und das quälende Gewissen kann Aria nun kaum mehr verstecken. Das zeigt sich nicht nur durchgängig in der Interaktion mit ihren Freundinnen und insbesondere mit Ezra (Ian Harding), der Arias Verhalten zuerst in Zusammenhang mit der bevorstehenden Hochzeit und später mit sich und seiner fragwürdigen Vergangenheit bringt. Darüber hinaus, und insofern liegt Ezra richtig, wird Arias inneres Zerwürfnis in einer fieberhaften Traumsequenz in Szene gesetzt. Dort befindet sie sich mit ihm in einem Elvis Presley-Video aus den 1950er Jahren: Aufseherin Mona singt den Jailhouse Rock, Veronica Hasting verkündet am Ende als pastorale Richterin nicht die Trauung von einem geschundenen Ezra mit Aria, sondern spricht als das Gewissen Letztgenannter ein hartes Urteil: Forgive You? Oh, honey. I wouldn't piss on you, if you were on fire.
All eyes on...
...Mona. Gewähren die Autoren ihrer Figur etwas mehr Screentime, kann am Ende kaum eine schlechte Episode vermeldet werden; so auch im Fall von Driving Miss Crazy So sind es nicht nur die bereits oben erwähnten, nach wie vor spannenden Ambivalenzen, die sich an ihre Rolle heften, sondern auch der spitzzüngige Humor, den Janel Parrish hervorragend trägt. Mona darüber hinaus etwa auf die Rolle einer intriganten, respektive genialen Outsiderin festzuschreiben, würde zu kurz greifen: Sie selbst war jahrelang Opfer einer ausgemachten Queen Bee.
Und so ist sie nun Rächerin und Heldin in einem; für wen genau, ist nach wie vor nicht eindeutig zu beantworten. Während sie einerseits Emily aus eigener Initiative bei der Suche nach dem Samenspender hilft und den Freundinnen in Bezug auf A.D.s Game natürlich weit voraus ist, fließen in der letzten Szene dieser Episode alle Zweifel und sämtliche Erinnerungen an Team A, das Dollhouse und das Lost Woods Resort zusammen. In ihrer eigenen Wohnung führt Mona sämtliches Beweismaterial zusammen, eine Kopie des Spielbretts findet sich an der Wand, Zeitungsartikel über CeCe/Charles und: Die Spaten, die Hanna zuvor noch verzweifelt suchte, und mit denen die Liars wohl die Leiche von Archer Dunhill im Wald begruben.
Fazit
Mit gewaltigen Handlungsfortschritten geht es in Driving Miss Crazy dem Ende entgegen. Sämtliche Stränge können dabei überzeugen; insbesondere ist es die destruktive Dynamik im Hause der Hastings, die nicht zuletzt von soliden darstellerischen Leistungen getragen wird.
Darüber hinaus erfreut der Fokus auf Mona, deren Figur eine der wenigen ist, die kaum bis nie auf die Nerven fallen. Auch das ist nicht nur dem Können von Janel Parrish, sondern der mit Abstand aufwendigsten Charaktertiefe einer Rolle zu verdanken. Dass uns ihre Figur bis zum Schluss begleitet, wäre wünschenswert. Deutlich blasser, aber nicht uninteressant werden im Vergleich dazu auch Arias Kämpfe gebührend in Szene gesetzt. Wo das nostalgische Liebesglück in dieser Hinsicht noch auf der Kippe steht, wird durch die Traumsequenz immerhin auf bekannte Affinitäten ihrer Figur rekurriert.
Trailer zu dieser Episode der US-Serie „Pretty Little Liars“, „Choose or Lose“ (7x18):
Verfasser: Hannah Klein am Mittwoch, 7. Juni 2017Pretty Little Liars 7x17 Trailer
(Pretty Little Liars 7x17)
Schauspieler in der Episode Pretty Little Liars 7x17
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