Pretty Little Liars 7x16

© roian Bellisario in der Serie „Pretty Little Liars“ / (c) Freeform
Etwas diffus, aber temporeich knüpft die Episode The Glove That Rocks The Cradle an die turbulenten Entwicklungen ihrer Vorgängerin an: Weil Detective Marco Furey (Nicholas Gonzalez) nun eigentlich nur noch wenige Tage bis zum Eintreffen des eindeutigen Beweismaterials benötigt, um Spencer (Troian Bellisario) und ihre Freundinnen des Mordes an Archer Dunhill zu überführen, wird es eng für die Liars.
Angesichts ihrer langjährigen Erfahrung mit der Polizei von Rosewood und ihrem professionellem Vertuschen von belastenden Beweisen überrascht die Gedankenlosigkeit, mit der Spencer dem Detective begegnet. Einmal mehr drängt sich in diesem Zusammenhang der störende Gedanke auf, dass gerade diese Handlungsstränge mithin am stärksten konstruiert, ergo am schlechtesten entwickelt wurden. Beobachten lässt sich dabei leider immer wieder Folgendes: Plotholes werden mit Plotholes begründet, die Figuren entwickeln sich oft bloß entlang einer größtmöglichen Spannungskurve - die leider genau deshalb oft verfehlt wird -, was ein deutliches Ungleichgewicht von konsistenter Figurenerzählung und Storytelling zur Folge hat.
Denn die figurenbezogenen Entwicklungen können nur dann halbwegs glaubwürdig erscheinen, wenn sie sich nicht ausschließlich auf das Beziehungs- oder Familienleben beschränken, sondern sich auch in dem Umgang mit den äußeren Bedrohungen niederschlagen. Auch der siebten und letzten Staffel von Pretty Little Liars ist das nicht besonders gut gelungen. Zu oft handeln und entscheiden sich Aria (Lucy Hale), Spencer, Hanna (Ashley Benson), Emily (Shay Mitchell) und Alison (Sasha Pieterse) in einer Art und Weise, die ihre Charakterentwicklung untergräbt, genauso wie das eigentlich jahrelange Erfahrungswissen um A, die Polizei und die Frage, wem zu trauen ist.
Please just this one
Besonders augenfällig wird dies in den Szenen zwischen Marco und Spencer; sowohl auf der Polizeiwache, als auch in Marcos Wohnung. Während man sich zunächst fragt, wer sich von beiden nun unprofessioneller und unglaubwürdiger verhält - der angeblich so pflichtbewusste Cop, der eine Verdächtige in einem Mordfall in seine Privatwohnung hinein lässt - oder Spencer, die bei selbigem ein halbes Schuldeingeständnis ablegt.
Weil sich Spencer offenkundig in einer weitaus verfänglicheren Lage befindet, gebührt ihr wohl die zweifelhafte Ehre. Es ist schlicht unbegreiflich, dass sie sich angesichts der doch sehr belastenden Beweise gegen sie und die anderen - A.D.s Videomaterial einmal ganz außen vor gelassen - allen Ernstes vor Marco noch angreifbarer macht, indem sie ihn bittet, nur dieses eine Mal einen Fall auf sich beruhen zu lassen. Bereits die Vertuschung von Archer Dunhills Tod, der ein Unfall und kein Mord war, zu eben diesem aber konstruiert wurde, diente einerseits als Aufhänger der aktuellen Staffel. Andererseits konnte auch entlang dieses Handlungsstrangs nur mit viel Wohlwollen darüber hinweggesehen werden, dass er vor Plotholes nur so strotzte. Die immer wieder vorgetragene Universalbegründung, die Polizei würde ihnen ohnehin nicht glauben, hat sich nach sieben Staffeln tatsächlich ungewollt zur self-fulfilling prophecy gemausert. Denn ja, inzwischen ist der sprichwörtliche Zug wohl tatsächlich abgefahren; auch wenn es trotzdem nicht völlig unwahrscheinlich ist, dass die Aufklärung von Archer Dunhills Tod als Unfall nach wie vor möglich wäre.
Was sich am Rande dieses Handlungsbogen in Bezug auf Lucas (Brendan Robinson) ergibt, ist ebenfalls wenig spektakulär. Der Verweis auf eine zweite, nie vollendete und sich nun in A.D.s Händen befindliche Graphic Novel ist zwar ein nettes Hintergrunddetail, trägt zum inhaltlichen Handlungsfortschritt aber wenig bei. Immerhin können sich die Freundinnen, insbesondere Hanna, nun halbwegs sicher sein, dass Lucas keine gemeinsame Sache mit dem psychopathischen Mastermind betreibt.
Anders stehen die Dinge diesbezüglich um Mona. Wie in vorangehenden Reviews oft dargestellt wurde, zählt sie zu den ambivalentesten und daher interessantesten Figuren. Weil Hanna sie nun in der vorangehenden Episode in A.D.s Game einweihte, der Rest allerdings nichts von Monas Teilhabe weiß, befindet sie sich nun in einer durchaus privilegierten Position, sofern sie in irgendeiner Form an den Machenschaften beteiligt ist. Das zu glauben fällt aber immer wieder schwer, insbesondere in den Szenen, in denen die Freundschaft zwischen Hanna und Mona in ihrer Bedeutungstiefe zum Tragen kommt. So auch in The Glove That Rocks The Cradle, als sie Hanna fragt, wie oft sie die Gruppe eigentlich noch retten müsse, bis man ihr Vertrauen schenkt und sie „aufnimmt“. Will Mona Freundschaft oder Zugang zu den Freundinnen, um Informationen einzuholen?
I wanna do this together
Einen großen Charaktersprung nach vorn wagt in dieser Episode Alison, deren Handlungsbogen damit sogleich das Highlight derselben bestreitet. Die schon nahe am Kitsch inszenierte Aussprache zwischen Paige und der schwangeren Alison deutete bereits darauf hin, dass sich Letztgenannte endlich gegenüber Emily öffnet, dass sie sich darüber hinaus grundsätzlich verändert hat. Das Eingeständnis ihrer Gefühle für die langjährigen Freundinnen, aus denen nun Liebende wurden - was sie in unterschiedlicher Ausprägung insgeheim schon lange waren - zählt im Zuge der nostalgischen Rundumschläge zu den gelungensten.
Zumindest auf der dramaturgischen Ebene. Darstellerisch mangelt es der Kombination Mitchell/Pieterse leider sichtlich an stimmiger Chemie, zumindest was die Darstellung von gegenseitiger Anziehung betrifft. So erinnerte die Kussszene mehr an Highschool-Girls, die einen ebensolchen im Geheimen üben, als an zwei Verliebte, die sich aufgrund ihrer langen Freundschaft erst einmal auf die verwirrenden Gefühle füreinander einstellen müssen.
Selbiges gilt gewissermaßen für Ezra (Ian Harding) und Aria, deren Beziehung nach wie vor seltsam in der Schwebe ist. Die Umstände sind bekannt; hinzu kommt Arias Doppeldasein als Verfolgte und Verfolgerin, die die Sache nicht gerade erleichtert. All die Probleme zwischen Ezra und Aria können aber kaum überdecken, dass es an dieser Stelle hauptsächlich um Fanservice geht, statt um Nachvollziehbarkeit. Seit ihrer Wiedervereinigung besteht die Beziehung ausschließlich aus Problemen -wo genau die gegenseitige Wertschätzung derzeit vergraben liegt, ist nicht so recht ersichtlich.
Fazit
Die Episode The Glove That Rocks The Cradle kann, nur vier Episoden vor dem Serienfinale, nur bedingt mitreißen. Während der Handlungsbogen um Spencer, Detective Furey und den Versuch, das Beweismaterial zu vernichten, einmal mehr an seiner Konstruiertheit krankt, fällt die damit einhergehende Disharmonie von Figuren- und Plotentwicklung besonders negativ auf.
Trotz der darstellerisch eher mäßigen Stimmigkeit zwischen Pieterse und Mitchell zählt Alisons charakterlicher Durchbruch, das Eingeständnis ihrer Gefühle für Emily, zu den positiveren Momenten der Episode.
Trailer zu dieser Episode der US-Serie „Pretty Little Liars“, „Happily Ever After... Not“ (7x17):
Verfasser: Hannah Klein am Mittwoch, 31. Mai 2017Pretty Little Liars 7x16 Trailer
(Pretty Little Liars 7x16)
Schauspieler in der Episode Pretty Little Liars 7x16
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?