Pretty Little Liars 7x15

© ??Pretty Little Liars“ / (c) Freeform
Nach einer zweiwöchigen Pause knüpft eine der letzten Episoden von Pretty Little Liars an die großen Handlungsfortschritte der vorangehenden Folge an. Dabei gelingt es den Autoren einerseits, drängende Fragen aufzugreifen und einzelne Bögen zu einem vorzeitigen Abschluss zu führen: Die versöhnliche wie aussichtsreiche Verarbeitung der wohl schockierendsten Entwicklung von Power Play, die in nichts weniger als der Tatsache bestand, dass Alison (Sasha Pieterse) womöglich Emilys (Shay Mitchell) Kind austragen wird, überrascht in In The Eye Abides The Heart besonders positiv.
Zumindest dann, wenn man sich als Zuschauerin der allumgreifenden Nostalgiewelle anschließen möchte, die auch an anderer Stelle immer wieder präsent ist. Dass beispielsweise Caleb (Tyler Blackburn) und Hanna (Ashley Benson) vermutlich ein kinderreiches Happy End gegönnt sein wird, deutet sich in kurzen Träumereien seitens Letztgenannter an, und auch, wenn sich die Dinge zwischen Aria (Lucy Hale) und Ezra (Ian Harding) derzeit mehr als kompliziert gestalten, ist ein versöhnliches Ende weiterhin denkbar. Anders sieht das dagegen bezüglich Spencer (Troian Bellisario) und Toby aus. Zwar steht die Affäre (oder gerade beginnende Beziehung) zwischen Detective Marco Furey (Nicholas Gonzalez) durch neuste polizeiliche Erkenntnisse auf der Kippe. Da Toby aber erst vor wenigen Momenten seine Verlobte verlor, bedarf es entweder eines weiteren Zeitsprungs am Ende dieser Season, oder einiger hanebüchener Wendungen, um auch diese ursprüngliche Konstellation wieder miteinander zu vereinen.
Gegenstand von In The Eye Abides The Heart ist jedoch nicht nur das Beziehungsgeflecht von Aria, Hanna, Emily, Spencer und Alison. Dass es A.D. tatsächlich gelingen konnte, Aria in sein/ihr Team zu holen, ist nach wie vor bedingt glaubwürdig. Darüber hinaus ist nicht klar, ob diese nur ihr eigenes Können überschätzt, das darin bestünde, die Gefährdung ihrer Beziehung zu Ezra abzuwenden und dabei gleichzeitig das Wohl ihrer Freundinnen zu schützen - oder ob sie mögliche Opfer schlichtweg in Kauf nimmt. In beiden Fällen ist ihrer Figur kein Gefallen getan.
Genie in a Bottle
Während Aria also nicht mehr nur erwägt, die Seiten zu wechseln oder zumindest mit A.D. in gewisser Weise zu kooperieren, sind auch Spencer und Hanna auf Alleingängen unterwegs. Diese sind zwar mitunter weniger verfänglich und moralisch fragwürdig als Arias Entschluss; könnten aber zu ähnlich unliebsamen Konsequenzen führen.
Da ambivalenten, und gerade deshalb so interessanten Figuren wie Mona (Janel Parrish) auch nach sieben Staffeln nie hunderprozentig zu trauen ist, kann Hannas Entschluss, sie in die neuste kranke Genialität von A.D. einzuweihen, als im besten Sinn vertrauensselig bezeichnet werden. Dass die wörtliche Entsprechung zur Naivität nicht weit entfernt liegt, deutet sich bereits an der amüsanten, aber gleichzeitig alarmierenden Faszination von Mona für das geniale Spiel an, das eigens zu dem Zweck entworfen wurde, die Freundinnen zu quälen. Bis zu diesem Punkt nimmt man Mona jedoch die einerseits unmittelbare, andererseits durchaus kritisch reflektierte Begeisterung für eben jenes Ingenium ab: Gerade weil sie sich selbst jedoch nicht traut, ist zu fragen, inwiefern es die Liars in solch einer Situation tun sollten. Immerhin scheint es nun Gewissheiten um Lucas zu geben: Ob sich Arcturus the Protector nach wie vor im Namen von Charles/Charlotte rächt?
Derweil wird Spencer von ihrer von Beginn an zum Scheitern verurteilten Beziehung zu Detective Furey eingeholt. Der Widerspruch zwischen dem gesetzestreuen Cop und der geheimnisumhüllten Spencer bot bis zu diesem Punkt eher romantisches, als tatsächlich spannungsaufbauendes Potential - schlicht und ergreifend deshalb, weil der Kollaps so vorhersehbar ist. Marco weiß nun also um die Verwicklung in Archer Dunhills Tod, oder hat zumindest hinreichende Ahnungen. Auch wenn er Spencer wohl nicht unverzüglich verhaften wird, scheint es eher unwahrscheinlich, dass sich beide Positionen miteinander versöhnen lassen. Dass Spencer darüber hinaus nun die Chance zu einem unter Auschluss der anderen vereinbarten Treffen mit Mary verpasst, stellte eine weitere, eigentlich vermeidbare Konsequenz dieser Verbindung dar.
Do you love her?
Den mithin rundesten Handlungsbogen bestreiten Emily, Alison und Paige (Lindsey Shaw). In In The Eye Abides The Heart entfaltet sich damit auch die Gewissheit, dass Alison definitiv mit Emilys Eizellen befruchtet wurde - und dass die Samenspende wiederum nicht von Archer Dunhill stammte. Mit diesen Vorzeichen räumen die Autoren also schon einmal das wohl größte Hindernis in wenigen Szenen aus dem Weg. Dem aber nicht genug: Die gerade noch in einer rührenden Szene wiederaufgenommene Beziehung zwischen Paige und Emily findet dank dieser Entwicklung - Emily möchte das Kind gerne großziehen - ein schnelles, tränenreiches Ende. Der angenehm erwachsene und sehr versöhnliche Abschied zwischen Alison und Paige würde mithin zu den besten Szenen dieser Episode zählen - wäre er nicht eingebettet in ein Übermaß an plötzlich postiven Ausgängen, die so gar nicht zu A.D.s Destruktionstrieb passen wollen.
So ist durchaus auch die plotexterne Frage aufzuwerfen, ob sich die Autoren mit dieser Fortentwicklung aus der Verantwortung ziehen, und zwar hinsichtlich einer Positionierung in Bezug auf das Thema Schwangerschaftsabbruch. Dieser wurde nur bis zu dem Zeitpunkt, als klar wurde, dass Alison eben nicht von ihrem pathologischen Ehemann befruchtet wurde, in Erwägung gezogen. Jetzt, da es scheinbar keine objektiven Gründe mehr gäbe, sich gegen diese Schwangerschaft zu entscheiden, schlagen die Autoren zwei Fliegen mit einer Klappe: Happy End für Em und Ali, heikles Thema erfolgreich umschifft. Das Unbehagen, das sich in dieser Hinsicht ausbreitet, entspricht in etwa dem zögerlichen, aufgewühlten Entschluss seitens Alison. Um sich ihre Liebe für Emily einzugestehen, hätte es diesem jedenfalls nicht bedurft.
Fazit
In In The Eye Abides The Heart findet vor allem der Handlungsbogen um Emily, Alison und Paige ein schnelles und rundes Ende. Zwar erfreut der demgemäß reife Umgang der Figuren unter- und miteinander. Die wohlwollende Auflösung desselben entspricht aber weder einer konsequenten Darstellung von A.D.s Grausamkeit. Noch zeichnet sie sich durch eine durchaus angebrachte, ernsthaftere Auseinandersetzung mit dem Thema Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbruch aus.
Die Entscheidung, Aria auf die dunkle Seite der Macht zu ziehen, bedient zwar jahrelange Spekulationen auf Fanseite, wird dadurch aber nicht zwingend plausibler. So wird Arias Figur immer wieder eine Naivität und Unberechenbarkeit zuteil, die mehr irritiert, als interessante Ambivalenzen zu eröffnen.
Trailer zu der nächsten Episode der US-Serie „Pretty Little Liars“, „The Glove That Rocks the Cradle“ (7x16):
Verfasser: Hannah Klein am Mittwoch, 24. Mai 2017Pretty Little Liars 7x15 Trailer
(Pretty Little Liars 7x15)
Schauspieler in der Episode Pretty Little Liars 7x15
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?