Pretty Little Liars 7x14

© hay Mitchell und Sasha Pieterse in der Serie „Pretty Little Liars“ / (c) Freeform
Wäre jede Episode wie Power Play, ließe sich erheblich weniger an der Serie Pretty Little Liars kritisieren - nicht, weil sie weniger absurde Züge tragen würde, sondern vielmehr, weil es den Autoren gelingt, mitreißende Spannung aufzubauen. Dass diese nämlich oftmals gerade dadurch erstickt wird, dass den Zuschauern fehlende Zusammenhänge viel zu lange vorenthalten werden, lässt sich an der davon deutlich Abstand nehmenden Erzählweise in Power Play zeigen.
Rätsel und Geheimnisse, die zum Teil drei ganze Staffeln zurückliegen, finden nun also endlich eine Auflösung. Im Zentrum des Geschehens steht dabei nicht etwa nur eine große Frage. Gleich mehrere lose Fäden finden zusammen; die ungewohnte Dichte an Information erzeugt dabei eine unterhaltsame Spannung, die der Serie lange Zeit nicht mehr gelungen war.
Mit der Rückkehr von Spencers (Troian Bellisario) Vater Peter Hastings (Nolan North) erfahren die Zuschauer nicht nur, wer damals Marys Zwillingsschwester Jessica DiLaurentis ermordete und im Garten der Hastings begrub. Auch das Dickicht aus dunklen Familiengeheimnissen wird durchschaubarer. Langsam, aber sicher fügen sich Details zusammen, die ein einigermaßen stimmiges Gesamtbild ergeben. Eine weitere Überraschung wartet hinter der Tür einer längst in Vergessenheit geratenen Nebenfigur: Mary scheint den Liars und insbesondere ihrer leiblichen Tochter Spencer näher zu sein als gedacht.
Darüber hinaus scheint A. D. in seiner/ihrer Rolle als psychotisches Mastermind nun vollends aufzugehen. Mit Alison (Sasha Pieterse) ist nun die Person am Zug, die - das kann leicht vergessen werden - eigentlich der Ursprung all dessen ist, was uns Zuschauer seit insgesamt sieben Staffeln präsentiert wird. Vielleicht liegt das neue Level an Grausamkeit und Irrsinn, das Alison nun ertragen muss, in diesem Umstand begründet. Unnötig zu betonen, dass eine Rationalisierung dieses Wahnsinns ohnehin sinnlos ist: Er ist reiner Selbstzweck, denn A. D. geht es in erster Linie darum, die Freundinnen zu quälen und nicht um irgendeinen Profit wie Charlottes Geld oder dergleichen.
It's no fun being on the loser team
Mit Power Play wird eine im vorangehenden Review aufgeworfene Frage überraschenderweise beantwortet. Es ist die Frage nach Sydneys (Chloe Bridges) Motivation für eine Mitarbeit in A. D.s Team, denn bislang erschließt sich nicht, weshalb sie als mittelbare Handlangerin für ihn oder sie durch Jenna überhaupt an all dem teilhat. Der Einfluss Jennas kann erst dann als hinreichend gelten, wenn klarwird, ob und, wenn, inwiefern Sydney von Jenna abhängig ist, oder in welchem Maße sie von A. D.s Team profitieren könnte. Tatsächlich zeigt sich in einer der aufsehenserregenden Szenen dieser Episode, in der nämlich Aria (Lucy Hale) einen schon lange Zeit spekulierten Seitenwechsel in Erwägung zieht, dass Sydney allem Anschein nach von A. D. regelrecht manipuliert wurde.
Unter dem Eindruck von Nicoles plötzlichem Auftauchen und dem Gefühl, von ihren Gefühlen bezüglich Ezra und seiner Glaubwürdigkeit hin- und hergerissen zu sein, erhält Aria also Drohnachrichten von A. D, beziehungsweise Sydney. Was sich in den Akten, die Jessica DiLaurentis einst anlegte, genau befindet, ist zwar unklar - der Inhalt würde allerdings mit Sicherheit ausreichen, um A. D.s Drohung wahrzumachen, und damit die Beziehung zwischen Aria und Ezra massiv zu gefährden. So nachvollziehbar die Angst um diese Beziehung und vor ihrem Ende auch ist, so wenig glaubhaft ist Arias Entschluss, einen Seitenwechsel in A. D.s Team ernsthaft in Erwägung zu ziehen.
Die Problemskizze, die die Autoren hier etwas abgeschmackt entwerfen, lässt sich auf die einfache Frage „Liebesbeziehung oder Freundschaften?“ herunterbrechen. Ärgerlich daran ist, dass sie den Figuren in ihrer Entwicklung ein weiteres Mal nicht gerecht wird, dass sie die Charaktere vor moralische Entscheidungen stellen, denen sie aufgrund ihrer Erfahrung mit jahrelangem Psychoterror eigentlich längst gewachsen sind: Aria weiß, dass sie A. D. nicht trauen kann. Sie weiß, davon abgesehen, dass ihren Freundinnen ohne sie weiterhin und gegebenenfalls noch schrecklichere Dinge zustoßen werden, dass sie darüber hinaus sogar dafür mitverantwortlich sein wird. Und zu guter Letzt weiß sie auch, dass das Wohl ihrer Beziehung in erster Linie von Ezra abhängt.
Parallelisiert wird dieser Entscheidungsmoment etwas gelungener, wenn auch erheblich unbedeutender in dem Handlungsstrang um Paige (Lindsey Shaw), Emily (Shay Mitchell) und Alison (Sasha Pieterse). Dass sich Paige unter dem aufrichtig betroffenen Eindruck von Alisons Schwangerschaft (beziehungsweise dem Termin zu deren Abbruch) dazu entschließt, bei Emily zu bleiben, handelt ihrer Figur nicht nur einige Sympathiepunkte ein, sondern führt schließlich auch zu einer Kussszene, die die Schwere aus dieser Episode nimmt.
A. D. started playing God
Selbstverständlich wird dieser Entschluss mit einer der schockierendsten und gleichsam absurdesten Ereignisse von Power Play konterkariert. Tatsächlich war Emilys Eizellenspende etwas in Vergessenheit geraten, sogar so sehr, dass die eigentlich im Rahmen dieser Serie erwartbare Wendung im Fall von Alisons Schwangerschaft wie ein Donnerschlag daherkommt.
Obwohl nicht gänzlich klar ist, wer der Samenspender war - ob es Archer Dunhill selbst ist, ein anonymer Spender oder eine andere bekannte Person -, ist zumindest mit einer gehörigen Portion Optimismus auch ein positiver Ausgang dieser Wendung denkbar. Im Zuge der allumfassenden Nostalgietendenz in Sachen Beziehungen wäre es zum Beispiel nicht abwegig, dass Alison und Emily das Kind gemeinsam aufziehen - oder aber Paige und Emily, nachdem erstgenannte den Schock verdaut hat. Gegenwärtig steht natürlich Alisons Trauma im Vordergrund, das in beklemmenden Szenen sehr eindringlich inszeniert wurde.
Durch diese dramatischen Ereignisse drohen die Informationen, die sich durch Mr. Hastings sowie Spencers und Hannas (Ashley Benson) Nachforschungen ergeben, fast etwas unterzugehen: Endlich bröckelt auch Lucas' Fassade. Allem Anschein nach kannte er Charlotte, Mary Drakes und Teds (Edward Kerr) Tochter, von Kindestagen an. Dass er nach wie vor in A. D.s Team ist, dass er womöglich selbst hinter all dem steckt, ist somit nicht auszuschließen. Ob Mr. Hastings hingegen die Wahrheit sagt, ob Mary also wirklich Jessica aus Rache tötete, ist weniger eindeutig.
In all dem Irrsinn ist einerseits niemandem zu trauen und andererseits könnte es durchaus sein, dass Peter Hastings nur Schlüsse zog, während der oder die eigentliche Verantwortliche für Jessicas Tod Uber-A beziehungsweise A. D. gewesen ist.
Fazit
Die Episode Power Play zählt zu den mithin gelungensten der aktuellen Season. Etliche lose Fäden und alte Rätsel finden zusammen: Allen voran sind es die (wenn auch fragwürdigen) Informationen über Jessica und Mary sowie die Verbindungen zwischen Charlotte und Lucas, die für Aufsehen sorgen. Die dramatische Wendung in Bezug auf Alisons Schwangerschaft zählt objektiv zwar zu den absurdesten Einfällen seitens der Autoren aller Zeiten. Im Rahmen dieser Serie ergeben sie aber durchaus Sinn und tragen gehöriges dramaturgisches Potential in sich.
Ambivalent verhält es sich auch hinsichtlich der Entwicklungen um Aria. Zwar werden lang schwelende Fanspekulationen um ihre Glaubwürdigkeit bedient. Gleichzeitig werden die Autoren der Figurenentwicklung, ihrem Wachsen, jedoch nur bedingt gerecht.
Trailer zu der nächsten Episode der US-Serie „Pretty Little Liars“, „In the Eye Abides the Heart“ (7x15):
Verfasser: Hannah Klein am Mittwoch, 10. Mai 2017Pretty Little Liars 7x14 Trailer
(Pretty Little Liars 7x14)
Schauspieler in der Episode Pretty Little Liars 7x14
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