Pretty Little Liars 6x11

Pretty Little Liars 6x11

Nach dem aufreibenden Sommerfinale der sechsten Staffel tauchen die Zuschauer/-innen nun geschlagene fünf Jahre später erneut in die dunkle Welt der Geheimnisse und Gefahren ihrer Heldinnen ein. Ein lohnenswerter Zeitsprung, der verspricht, dieser Serie interessante Wendungen zu ermöglichen.

Die „Pretty Little Liars“ sind zurück. / (c) Freeform
Die „Pretty Little Liars“ sind zurück. / (c) Freeform

Nach dem höchst aufreibenden und nicht weniger ambivalenten und diskutablen Sommerfinale Game Over, Charles erweckt der Handlungssprung von ganzen fünf Jahren zunächst den Eindruck eines Neustarts. Natürlich werden Aria (Lucy Hale), Spencer (Troian Bellisario), Emily (Shay Mitchell) und Hanna (Ashley Benson) aber schneller zurück in ihre Vergangenheit katapultiert, als sie „A“ sagen können. Denn Alison DiLaurentis (Sasha Pieterse), die nun als Highschoollehrerin arbeitet und neben Toby (Keegan Allen) ihr Dasein weiterhin in Rosewood fristet, sorgt mit der Bitte, sich für Charlottes (Vanessa Ray) Entlassung auszusprechen, für die unmittelbare Konfrontation mit jahrelanger Folter.

Weitaus reizvoller als die absehbare Konfrontation mit einem neuen, bösartigen Gegenspieler/einer Gegenspielerin ist indes das Spannungsfeld, das sich (bedingt durch die verstrichene Zeit) aus der charakterlichen Weiterentwicklung der Freundinnen und ihrem Umgang mit einer neuen, potentiellen Bedrohung ergibt. Genau diesen Reiz lotet Of Late; I Think Of Rosewood insofern aus, als dass auch kommende Episoden mit Spannung und Interesse erwartet werden können - wenn auch mit gesunder Skepsis. Denn egal, wie (mehr oder weniger) erfolgreich die vier jungen Frauen nun ihr Leben führen, darf schon jetzt bezweifelt werden, inwiefern sie tatsächlich aus all dem gelernt haben.

Do you still have nightmares?

Ein knappes Resümee vorab: Cece Drake wurde als Charles beziehungsweise Charlotte und damit als „A“ enttarnt; Sara Harvey (Dre Davis) als Red Coat und Black Widow, etliche Familiengeheimnisse sind gelüftet, das Leben geht weiter; Aria, Hanna, Spencer und Emily verlassen die Stadt. Jahre später in der Rosewood Highschool: Alison DiLaurentis steht samt Kleidchen im Stil der 1950er Jahre und Strickweste vor einer Schulklasse, liest mit samtweicher Stimme aus einem Buch vor und setzt einen Moment später Briefe an die längst „geflohenen“ Freundinnen auf.

Wie genau die Wandlung der ehemaligen „Queen Bee“ zur mitfühlenden, gutmütigen und bodenständigen Highschoollehrerin vonstattenging, darüber lässt sich noch immer nur rätseln. Alisons neuerlicher Hang zu pittoresken Blumenarrangements und Teeservices wird spätestens dann zum skurrilen Kontrast, wenn sie ihre Freundinnen von damals mit einer haarsträubenden Bitte nach Rosewood zitiert: Aria, Hanna, Spencer und Emily sollen sich vor Gericht für Charlottes Entlassung aus der psychiatrischen Einrichtung des Krankenhauses aussprechen.

Hineinversetzt in die egozentrische Gedankenwelt der Alison DiLaurentis ist dieser Wunsch nur logisch: Ihr Bedürfnis nach einer intakten Familie, bedingt durch die feste Überzeugung, Charlotte sei „geheilt“, steht weit über ihrem Einfühlungsvermögen in die Traumata ihrer Freundinnen. So sehr Charlotte in den wenigen kurzen Szenen, in denen wir sie lebend sehen, tatsächlich den Eindruck erweckt, bei relativ stabiler psychischer Gesundheit zu sein: Alisons Forderung, abermals für sie zu lügen, ist schlichtweg unglaublich (aber natürlich konstitutiv für die Handlung).

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Huw Colllins und Sasha Pieterse in %26bdquo;Pretty Little Liars%26ldquo; © Freeform

Mindestens genauso unglaublich ist infolgedessen die Reaktion der vier Freundinnen. Zwar zeigen sie sich anfangs alles andere als begeistert, entschließen sich am Ende jedoch, Alison diesen „Gefallen“ zu tun - abgesehen von Aria, die während der Anhörung eine Art Panikattacke mit grausamen Flashbacks erleidet. So scheint es vorgeblich die Überzeugung zu sein, bereits seit fünf Jahren ein jeweils freies, unabhängiges und größtenteils erfolgreiches Leben fernab von Rosewood zu führen, die zu der Annahme verleitet, man befinde sich außer Gefahr. Dass dem nicht so ist, hätte den Freundinnen genauso klar sein dürfen, wie es den Zuschauer/-innen sicherlich ist.

So ist es weniger die mögliche Bedrohung, die von Charlotte ausgehen könnte - wie bereits erwähnt, ist diese ohnehin infrage zu stellen - als die mehr als ärgerliche Naivität, die die vier noch immer an den Tag legen, und von der diese Serie größtenteils lebt und sämtliche plot twists und dergleichen regelrecht bedingt. Würde man sich nur an diesem Punkt festhalten, klafft zwischen der vorangestellten Reife - illustriert durch den karrieristischen Werdegang und den Anschein, dass die vier, allen voran Spencer und Hanna, ein ziemlich „erwachsenes“ Leben führen - sowie den tatsächlichen Entscheidungen und Handlungen der Freundinnen eine unübersehbare Lücke. Nun ist ja längst nicht aller Tage Abend. Es wird sicher genügend Gelegenheiten geben, um unter Beweis zu stellen, dass die vier wissen, mit wem oder was sie es bald zu tun haben werden.

Toast to Charlotte

Im Zuge der Vorankündigungen seitens der Autor/-innen, nämlich dass es die Liars nun mit einer noch gefährlicheren Variante von „A“ zu tun haben werden, war Charlottes Tod also einigermaßen erwartbar. Interessanter als die ebenso vorhersehbare Verwicklung der vier in den Umstand, dass Charlotte offenbar ermordet und ihre Leiche schließlich aus dem Kirchturmfenster geworfen wurde, stellt sich indes der Auftritt einer gewissen Black Widow dar.

Spencer und Emily erhalten wohl schlechte Neuigkeiten. © Freeform
Spencer und Emily erhalten wohl schlechte Neuigkeiten. © Freeform

Sara Harvey wurde im vergangenen Sommerfinale als Black Widow einerseits und als Red Coat und damit Verbündete von „A“ andererseits enttarnt. Nicht zuletzt deshalb, weil sie erst zu Beginn der sechsten Staffel eine tragende Rolle spielte, löste diese Entscheidung seitens der Autor/-innen großes Kopfschütteln aus. Sowohl Red Coat als auch Black Widow stellten wichtige, unbekannte Figuren dar, die nun mit einem Charakter gefüllt wurden, dessen Motivation für die Kollaboration mit „A“ nach wie vor im Dunkeln bleibt. Vielleicht ist Sara Harveys Auftauchen auf Charlottes Beerdigung deshalb als Zeichen dafür zu deuten, dass dieses Rätsel nun alsbald gelöst werden könnte - nach Pretty Little Liars-Maßstäben, versteht sich.

Geht nun alles wieder von vorne los? Die Frage, wer Charlotte ermordet hat, wird uns aller Voraussicht nach also die kommenden Folgen begleiten. „I wanna go home“, gibt Spencer mit Blick auf den Kirchturm ihrem aufkommenden Gefühl der Bedrohung Ausdruck. „We are home“, antwortet Hanna und wird mit ihrer bitteren Erkenntnis wohl Recht behalten.

Fazit

Ein eher ruhig erzählter, gleichzeitig durchaus interessant gestalteter Auftakt zur zweiten Hälfte der sechsten Staffel gewinnt schon jetzt durch den Zeitsprung von fünf Jahren. Während Spencer, Hanna, Aria und Emily durch berufliche wie private Höhen und Tiefen gehen, holt sie die Vergangenheit in Form von Alisons Bitte schneller ein, als ihnen lieb ist.

Mit dem Mord an Charlotte und der damit logischerweise verbundenen Fragen, wer sie ermordet hat und was Sara Harvey möglicherweise mit alldem zu tun hat, sind die Weichen für kommende Episoden gestellt. Das Wechselspiel zwischen diesen Angelpunkten und der Ebene der Charakterentwicklung macht indes den großen Reiz dieses Neustarts aus: Wie werden die nun deutlich älteren, hoffentlich weniger unvorsichtigen Freundinnen auf die neusten Vorkommnisse reagieren? Es bleibt zu hoffen, dass die Autor/-innen ein Stück mehr von der altbewährten Methode abrücken, sämtliche Ereignisse und deren Verschlimmerung auf die fehlende Voraussicht von Aria, Hanna, Spencer und Emily zurückzuführen - und der Serie damit, vor allem auf der Charakterebene, etwas mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Promo zur nächsten Episode, „Charlotte's Web“ (6x12), der US-Serie „Pretty Little Liars“:

Verfasser: Hannah Klein am Mittwoch, 13. Januar 2016

Pretty Little Liars 6x11 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 11
(Pretty Little Liars 6x11)
Deutscher Titel der Episode
Wieder einmal in Rosewood
Titel der Episode im Original
Of Late I Think of Rosewood
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 12. Januar 2016 (Freeform)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 22. März 2016
Autor
Joseph Dougherty
Regisseur
Ron Lagomarsino

Schauspieler in der Episode Pretty Little Liars 6x11

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