Pretty Little Liars 6x12

Obwohl die zweite Hälfte der sechste Staffel gerade erst begonnen hat, können schon nach Charlotte's Web erste, größtenteils positive Veränderungen ausgemacht werden. So stellte sich unlängst die Frage, inwiefern es gelingen kann, einen Zeitsprung von ganzen fünf Jahren glaubhaft abzubilden - ohne allzu dick aufzutragen. Während die Zuschauer_innen auch in dieser Episode nach und nach mehr erfahren über das neue Leben der vier Freundinnen, scheint sich der durchweg ambivalente „Geist“ des Neuanfangs auch in einer veränderten Erzählweise wiederzufinden.
Die betont unhektische Fokussierung auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und Veränderungen im Leben von Aria (Lucy Hale), Spencer (Troian Belissario), Emily Shay Mitchell) und Hanna (Ashley Benson) sieht sich natürlich zu großen Teilen der logischen Notwendigkeit verpflichtet, ebenjenen Zeitsprung in die Handlung einzuweben. Zumindest darf an dieser Stelle aber die Hoffnung geäußert werden, dass genau dieser Ton beibehalten wird: Derzeit profitiert Pretty Little Liars nämlich vor allem von der Abwesenheit unüberschaubarer Verstrickungen. Mit Sicherheit wird es davon in naher Zukunft mehr als genug geben. Bis es soweit ist, steht das spannende Aufeinandertreffen von überwunden geglaubten „Gewohnheiten“und der verdrängten Vergangenheit mit dem Leben fernab von Rosewood im Vordergrund.
Genau dieses Wechselspiel wird in Charlottes's Web auf doppelter Ebene illustriert. Nach dem Mord an Charlotte DiLaurentis stehen die Liars einmal mehr im Fokus der Ermittlungen, und einmal mehr macht sich eine der vier Freundinnen besonders verdächtig. Arias Treffen mit ihrem traumatisierten Exfreund Ezra (Ian Harding) in der Nacht des Mordes lässt die trauernde Alison (Sasha Pieterse) aufhorchen, sodass sich die übrigen Freundinnen gezwungen sehen, alte Methoden anzuwenden. Durch den Überraschungsbesuch von Hannas Verlobten Jordan (David Coussins) werden die vergangenen Jahre hingegen weiter aufgerollt - bis zu unerwarteten Andeutungen in Bezug auf Caleb (Tyler Blackburn) und Spencer.

There is nothing to tell
Warum genau Aria alles in Bewegung setzt, um ihr Treffen mit Ezra in der Nacht des Mordes zu verheimlichen, darüber kann nur gemutmaßt werden. Schließlich hätte sie, spätestens ab der Taxifahrt, einen weiteren Zeugen und damit ein Alibi für den Zeitraum des Mordes gehabt. Weshalb also verlässt sie überstürzt Rosewood, nicht ohne Ezra zuvor zu beschwören, das Treffen zu verschweigen? Eine am ehesten naheliegende, aber dennoch unzureichende Erklärung scheint sich in ihrer Beziehung zu Liam (Roberto Aguire) zu finden. Allem Anschein nach weiß ihr Freund und Arbeitskollege nicht alles über die gemeinsamen Vergangenheit von Aria und dem Autor Ezra Fitz, dessen neues Buch sie verlegen sollen und das dieser offenbar zurückziehen möchte. Ezra wiederum, so wird auch in dieser Episode abermals deutlich, leidet sehr unter dem Tod von Nicole, die während einer gemeinsamen Südamerika-Reise von Rebellen entführt und ermordet wurde. Will Aria also schlicht ihre frühere Beziehung zu Ezra verheimlichen, aus Angst, sie könne damit ihren Job und ihre aktuelle Beziehung gefährden?
Soweit, so unklar. Arias anfängliche Lüge über ihr nächtliches Verschwinden fliegt jedenfalls auf, sodass sich Hanna, Spencer und Emily gezwungen sehen, zu handeln. Weitaus interessanter als die plötzliche Wendung im Falle der Verdächtigen - Ezra scheint nach Arias Fahrt ins Hotel nämlich nicht nach Hause gegangen zu sein - sind die Spannungen, die sich daraus ergeben. Besonders auffällig ist an dieser Stelle das plötzlich aufkommende Misstrauen, das die vergangene Zeit auch rückwirkend langsam zu vergiften droht. Zwar scheinen Spencer, Hanna und Emily zu keinem Zeitpunkt ernsthaft zu glauben, Aria hätte etwas mit dem Mord an Charlotte zu tun - ein Zweifeln ist dennoch kaum zu übersehen. Ezras labile psychische Verfassung hingegen, gepaart mit seiner Wut auf die Ungerechtigkeit der Dinge, scheinen dagegen Anhaltspunkte genug zu sein, um seine Unschuld in Frage zu stellen.
Der Zweifel und ein Anflug von Misstrauen nagen aber vor allem auch an Alison, die ihre ursprüngliche Aussage revidiert und vor Lorenzo zugibt, dass sie eine Beteiligung ihrer Freundinnen am Mord der geliebten Schwester nicht ausschließen kann. Nun könnte man sich ohne Weiteres darüber echauffieren, dass hier offensichtlich niemand aus vergangenen Fehlern gelernt hat, sprich: Noch immer reden alle aneinander vorbei, die Wahrheit wird oft aus unerklärlichen Gründen verschwiegen, die Charaktere handeln unüberlegt und impulsiv.
Something old, something new, someone's death
Vor allem in den Szenen um Hanna und Spencer wird dieses Verhalten aber einigermaßen nachvollziehbar. Durch den Umstand, dass Hanna Aria sofort auf ihr Verschwinden anspricht, wird erkennbar, dass sie durchaus bemüht ist, mit alten Mustern und Gewohnheiten zu brechen. Darüber hinaus scheint ihr Verlobter recht genau über ihre Vergangenheit informiert zu sein - immerhin organisiert er ihr sogleich einen Anwalt, um einer abermals skandalösen Behandlung durch die Polizei vorzubeugen. Gleiches gilt für Spencer, die schon den Wahlkampf ihrer Mutter bedroht sieht, und sie augenblicklich auf einen Kriminalbericht aufmerksam macht, den sie auf dem College schreiben musste - und der den Umständen von Charlottes Tod auf unheimliche Weise ähnelt.

Dieses Bemühen, gleich von Beginn an die Karten auf den Tisch zu legen, wird aber spätestens während des Dinners mit Alison konterkariert. Der Knackpunkt scheint auch hier bei einem tiefsitzenden Misstrauen zu liegen, das man den Freundinnen nach allem, was sie erleiden mussten, kaum verübeln kann. Alison traut ihren Freundinnen nicht, sie trauen ihr nicht - am Ende der Episode ist das Überwachungsvideo, auf dem Ezra und Aria zu sehen sind, gelöscht, und das Chaos damit vorprogrammiert.
Neben den doch eher unerwarteten Andeutungen um Caleb und Spencer, die sich auf ihrer jeweiligen Reise durch Europa begegneten und allem Anschein nach sehr über dieses Treffen freuten, sind vor allem die Entwicklungen um Emily erwähnenswert. Noch immer ist nicht ganz klar, was sie verheimlicht. Bislang scheint nur sicher, dass sie ihr Studium nach dem Tod des Vaters abbrach und nun in einer Bar jobbt - wovon weder Mrs. Fields noch ihre Freundinnen etwas wissen. Ihr Besuch im Krankenhaus, gepaart mit dem kurzen Gespräch mit Sabrina (Lulu Brud), der neuen Chefin des Brew, deuten hingegen auf noch mehr Unglück hin - die Möglichkeit einer ernsthaften Erkrankung wird immer wahrscheinlicher.
Fazit
In Charlotte's Web werden die Ermittlungen um den brutalen Mord an Alisons Schwester Charlotte aufgenommen. Während sich Aria aufgrund eines nächtlichen Treffens mit Ezra plötzlich im Kreis der Verdächtigen befindet, stehen die zwischenmenschlichen Entwicklungen und Untertöne ebenso im Zentrum der Handlung.
Dabei gelingt es, einen nachvollziehbaren Einblick in die inneren Vorgänge der Hauptfiguren zu gewähren. Die unfreiwillige Hin- und Hergerissenheit zwischen den alten Verhaltensmustern der verdrängen Vergangenheit und der Aufrechterhaltung des jeweils neuen Lebens wird auch in den kommenden Episoden einen Großteil der Spannung ausmachen. Fast alle Figuren haben schon jetzt mit Misstrauen, Zweifeln und Geheimnissen zu kämpfen - sei es in Bezug auf den Mord, sei es hinsichtlich persönlicher Beziehungen und Geschehnisse, wie im Fall von Emily oder Aria.
Zwar liegt die Stärke dieser Episode eindeutig in der Verhandlung dieser Charakterentwicklungen. Die kurze, aber unangenehme Präsenz von Sara Harvey (Dre Davis), deren Friedhofsbesuch in einer visuellen Verbindung mit der letzten Szene der Episode steht, deutet aber auf ebenso spannende Handlungsstränge hin. Bislang verspricht der zweite Teil der sechsten Staffel, ein erfrischender Neustart zu werden.
Promo zur Episode 6x13 der Serie „Pretty Little Liars“:
Verfasser: Hannah Klein am Mittwoch, 20. Januar 2016Pretty Little Liars 6x12 Trailer
(Pretty Little Liars 6x12)
Schauspieler in der Episode Pretty Little Liars 6x12
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