Pretty Little Liars 6x09

Mit dem Senior Prom steht der Abschluss der Highschool kurz bevor und damit eigentlich ein Grund zum Feiern. Es kommt wenig überraschend, dass auch dieser wichtige Moment im Leben von Aria (Lucy Hale), Spencer (Troian Belissario), Hanna (Ashley Benson), Emily (Shay Mitchell) und Alison (Sasha Pieterse) von A beziehungsweise Charles torpediert wird. Der „Pity-Prom“ (wie Hanna ihn nennt), den sich ihre Mütter als Ersatz ausgedacht haben, tröstet darüber nur bedingt hinweg. Dank Alisons Alleingang bekommen die vier dann aber doch ihren „Last Dance“ - und die Zuschauer den fiesesten Cliffhanger der sechsten Staffel.
Abseits kleinerer Unstimmigkeiten gelingt es den Autoren mit Last Dance, die Spannung auf das unmittelbar bevorstehende Sommerfinale auf einen neuen Höhepunkt zu bringen. Während die parallel laufende Handlung um die vier Mütter der Mädchen eine beachtenswerte Abwechslung und Bereicherung der Serie im Allgemeinen und der Episode im Besonderen darstellt, überraschen darüber hinaus einige Details um die Nebenfiguren. In diesem Zusammenhang liegt die Vermutung nahe, dass ein erneuter Zeitsprung nach dem Sommerfinale auf die Zuschauer wartet.
Pity Prom
Zugegeben, in Bezug auf Charles wird den Zuschauern auch in „Last Dance“ wenig Neues eröffnet. Die Rahmenhandlung rund um den Senior Prom (beziehungsweise den Pity Prom, wie Hanna gewohnt trocken und bissig feststellt) hält aber dennoch interessante Twists bereit, so zum Beispiel in Bezug auf Clark (Titus Makin Jr.). Wie bei nahezu jeder neu eingeführten Figur kam auch hier schnell Misstrauen auf. Zuletzt machte sich Clark auf Arias Vernissage verdächtig: Neben seltsam unstimmigen Äußerungen hinsichtlich seiner Familie und seiner Karriere als Fotograf alarmierte vor allem das geheime „Treffen“ mit Rhys Matthews (Caleb Lane) in der alten Puppenfabrik. Als die vier Freundinnen samt Anhang schließlich Alison von ihrem gefährlichen Alleingang auf dem Senior Prom abhalten wollen, wird Clark zufällig als Undercovercop enttarnt.
Rückblickend ließe sich zwar über seine Qualitäten in dieser Position streiten - als Undercovercop sollte man schließlich eine einigermaßen plausible Backgroundstory auf Lager haben, siehe das Gespräch zwischen ihm und Aria. Trotzdem kommt die Enthüllung überraschend. Vor allem aber ist sie eine gelungene: Eine weitere Verwicklung einer neuen Figur in das gesamte A-Chaos wäre wirklich zu viel des Guten gewesen.
Im Zentrum des Geschehens steht aber natürlich anderes. Alisons Wunsch nach Klarheit, ihre ambivalenten Gefühle für den verschollenen Bruder und ihr Zurückfallen in alte Charaktermuster führen in der Summe schließlich dazu, dass sie alles auf eine Karte setzt. Unnötig zu erwähnen, dass die Gegenüberstellung von Charles und Alison natürlich in einem Cliffhanger endet. Dieser ist aber vor allem deshalb unerträglich, weil endlich klar wird, dass sie Charles schon längst kennt, er also auch eine uns Zuschauern bekannte Person ist. Darüber hinaus dürften nun einige Charles-Theorien über Bord geworfen werden, andere dafür weiter Futter erhalten. So ist nunmehr ausgeschlossen, dass es sich um einen der Freunde der Mädchen handelt. Es sei denn, Alison steht in diesen Szenen nicht Charles, sondern Red Coat gegenüber (roter Mantel, genau), der/die Alison lediglich Hinweise geben will. An diesem Punkt wären wir vielleicht wieder bei CeCe Drake...
Neben den eigentlichen Erkenntnissen lohnt ein erneuter Blick auf die Charakterentwicklung von Alison. Schon in vorherigen Reviews wurde bemängelt, dass die erhoffte Entfaltung der Figur ausbleibt. Nach wie vor umgibt sie die Aura einer ehemaligen Queen Bee, die immer und immer wieder in alte Muster zurückfällt - auch wenn diese einer anderen Motivation folgen. Letztlich schafft es Alison nicht, ehrlich zu sein. Aktuell lässt sich dieser Umstand am besten an der noch jungen Beziehung zu Lorenzo veranschaulichen. In Anbetracht ihrer familiären Gefühle für Charles ist es relativ nachvollziehbar, dass sie an möglichst viele Informationen kommen möchte. Nach wie vor verfährt Alison aber nach einem altbekannten, rücksichtslosen Credo: Der Zweck heiligt die Mittel. Und der Zweck ist in den seltensten Fällen einer, der abseits ihrer eigenen Befindlichkeit auch anderen Menschen zugutekommt.

Lying is like oxygen to them
Die parallel laufende Handlung der beschwipsten Mütter in Last Dance überzeugt sowohl dank humoristischer als auch inhaltlich vorantreibender Elemente. Pam Fields (Nia Peeples), Veronice Hastings (Lesley Fera), Ashley Marin (Laura Leighton) und Ella Montgomery (Holly Marie Combs) unterhalten sich erstmals gemeinsam über die Bedrohung und die Folter, die ihre Töchter seit Jahren erleiden müssen. Das vor Augen, wundert es fast, dass eine solche Zusammenkunft nicht längst stattgefunden hat - auch deshalb, weil diese Szenen mitunter sehr unterhaltsam gestaltet wurden. Vom Rotwein benebelt plaudert Veronica unabsichtlich das größte Familiengeheimnis der Hastings aus, alsbald folgt dann auch der impulsive Entschluss, Ken DiLaurentis in Bezug auf sämtliche Vorkommnisse zur Rede zu stellen.
Die vier stoßen in Kens Haus schließlich nicht nur auf das Foto von Jessica, Charles und Jason, sondern treffen dort auch auf Rhys Matthews, der angeblich auf der Suche nach Ken war, um mit ihm über die Carissimi-Stiftung zu sprechen. So ergeht es ihnen wie den Töchtern, als sie die erstaunliche Ähnlichkeit zwischen Jason und Rhys bemerken - und dann in Kens Keller eingesperrt werden. Gerade, was Rhys Matthews betrifft, ist nicht absehbar, wo dieser Handlungsstrang hinführen soll. Es bleibt weiterhin überaus wahrscheinlich, dass er nicht Charles sein kann, maximal also einer seiner Helfer (womöglich finanziell). An dieser Stelle bleibt zu hoffen, dass das Sommerfinale mehr Aufschluss bietet und wir es nicht mit dem abertausendsten losen Faden zu tun bekommen, dessen Auflösung bis zum Staffelfinale hinausgezögert wird.
Fazit
Mit Last Dance) wird die Spannung vor dem bevorstehenden Sommerfinale deutlich erhöht. Alison befindet sich endlich in Angesicht zu Angesicht mit Charles und der Cliffhanger ist zumindest in einer Hinsicht vielversprechend: Die Zuschauer werden aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mit einer vollends unbekannten Person enttäuscht. Abseits der Ereignisse um den echten, wie auch den Ersatzprom, finden die vier Mütter der Mädchen zusammen. Dank einer ähnlich waghalsigen Aktion wie der ihrer Töchter landen sie schließlich eingesperrt im Keller der DiLaurentis.
Selbstredend werden die Zuschauer mit der kommenden Episode langersehnte Antworten erhalten, denn bald hat A nicht nur einen Namen, sondern auch ein Gesicht. Trotzdem liegt die Befürchtung nahe, dass mit der Enthüllung nicht zwangsläufig eine Art Aufarbeitung der Ereignisse folgt. Wahrscheinlicher ist, dass Charles vor allem gemeinsam mit anderen agierte, von ihnen vielleicht sogar gesteuert wurde - die Enthüllung dieser Personen stünde also noch aus. All das ist letztlich Spekulation. Endgültige Antworten warten im kommenden Sommerfinale.

Pretty Little Liars 6x09 Trailer
(Pretty Little Liars 6x09)
Schauspieler in der Episode Pretty Little Liars 6x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?