Pretty Little Liars 6x08

Die Enthüllung von Charles steht - zumindest laut wochenlanger Ankündigungen - kurz bevor. Nur noch zwei Episoden trennen die Zuschauer von dem großen Showdown (Game Over, Charles). Kein Wunder also, dass wir es in den vorangehenden Episoden und auch im Fall von FrAmed) größtenteils mit Füllern zu tun haben. Aktuell gelingt aber ein einigermaßen ausgewogener Wechsel von interessanten Nebenhandlungen und weniger packenden Hinweisen in Bezug auf Charles.
Letztgenannte entpuppen sich dabei leider wieder als Ärgernis. Mit einem gewissen Rhys Matthews (Caleb Lane) wird innerhalb kürzester Zeit die bereits dritte hauptverdächtige Person eingeführt (zuvor: Andrew und Lesli). Dass das Jason-Look-Alike zwar keine weiße Weste hat, dürfte dabei ebenso klar sein wie das Greifen eines altbekannten logischen Umkehrschlusses: Sobald Hanna (Ashley Benson), Spencer (Troian Belissario), Emily (Shay Mitchell) und Aria (Lucy Hale) überzeugt davon sind, A endlich enttarnt zu haben, ist vom Gegenteil auszugehen.
No Son Lindas
Abseits der erstaunlichen, aber hinfälligen Beobachtung seitens Spencer und Hanna, in Rhys Matthews, Mitarbeiter der Carissimi Group, ein Jason-Look-Alike gefunden zu haben (und damit Charles), spielen sich rund um Arias Fotoausstellung durchaus interessante Szenen ab. Lt. Tanner (Roma Maffia) muss angesichts der neusten Drohung durch Charles feststellen, dass sich sämtliche Vorsichtsmaßnahmen, die im Vorfeld zur Beruhigung von Arias Mutter Ella Montgomery (Holly Marie Combs) getroffen wurden, als nutzlos erweisen. Charles und Red Coat sind sowohl den Liars, als auch der Polizei immer einen Schritt voraus.
Dass letztgenannte mit Charles beziehungsweise A zusammenarbeitet, dürfte nicht weiter überraschend sein - wohl aber der implizite Hinweis darauf, dass Red Coat womöglich Charles „Ally“ - und damit verantwortlich für sein Geburtstagsgeschenk aus vorangehender Episode sein könnte. Neben den alten Verdächtigen für Red Coat (beispielsweise CeCe Drake) steht nun vielleicht auch Sara Harvey (Dre Davis) ganz oben auf der Liste: Sie machte sich vor allem in den letzten Episoden, auch durch die merkwürdige Zusammenkunft mit Claire, verdächtig - letztlich ist über ihre Vergangenheit noch immer wenig bis nichts bekannt. In der letzten Szene freuen sich die beiden Phantome jedenfalls schon mal auf den bevorstehenden Senior Prom.
Die Verstrickungen, die sich nun nach und nach ergeben, werden den Zuschauern mitunter unerträglich zäh präsentiert. Trotzdem sind einige davon positiv hervorzuheben, so zum Beispiel die Einbindung von Lt. Tanner ins Geschehen. Charles beweist wie immer Liebe zum Detail, so auch mit den vielsagenden Untertiteln der Fotografien aus dem Puppenhausgefängnis, die anstelle von Arias Arbeiten auf die Besucher der Vernissage warten: „Stolen Dolls. No Son Lindas.“ Sie gehören nicht Linda. Mit dem doppeldeutigen spanischen Satz („No Son Lindas“ - „Sie sind nicht hübsch“) erweitert Charles den Kreis seiner Opfer und zielt auf die leitende Ermittlerin (Tanner ist bilingual aufgewachsen) im Fall der Entführung von sechs Mädchen.
Der kleine Einschub à la CSI holt die - recht objektiv betrachtet - absurde Story um einen psychisch kranken Stalker gewissermaßen auf den Boden. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Einblick in die laufende Ermittlung, den wir dank Alisons (Sasha Pieterse) Alleingang ins Police Department erhalten, welcher von Tanner torpediert wird. Alison scheint sich zunehmend gegen die Darstellung ihres verschollenen Bruders als psychisch krankes Monster zu wehren - denn so recht will sich dieses Bild nicht ihren kargen Kindheitserinnerungen anpassen. Nach der Standpauke für Alisons Einbruch mithilfe Lorenzos (Travis Winfrey) Ausweis konfrontiert die Ermittlerin sie dann aber mit ihrem Fachwissen über derartige Fälle.
Während Alison Charles' Sammelwut (Babyrassel, Kindervideos) als wehmütige Sehnsucht nach Nähe zur Familie interpretiert wissen will, geht Tanner eher von pathologischem Verhalten aus: Die Souvenirs fungieren ihrer Ansicht nach als Motivation, als direkte Verbindung zu seinen Opfern. Nach alledem, was wir bisher von As Grausamkeiten wissen und gesehen haben, ist letztgenannte Option die wahrscheinlichere.
I'm freezing cold
Wie bereits eingangs erwähnt, ist der Person Rhys Matthews nur bedingt Aufmerksamkeit zu widmen. Schließlich ist all das einmal mehr zu offensichtlich, zu passend: das Aussehen, die Verbindung zu Radley, das Geld, sein merkwürdiges Verhalten. Lediglich in Bezug auf Clark, Arias Freund aus dem Fotolabor, kann aufgehorcht werden - doch ob die beiden tatsächlich in direktem Zusammenhang zu Charles und Red Coat stehen, ist anzuzweifeln. Auf persönlicher, zwischenmenschlicher Ebene sieht das allerdings anders aus. Was auch immer Clark verheimlicht - Misstrauen ist grundsätzlich angebracht, angesichts all dessen, was bisher passiert ist. Davon betroffen ist abermals die deutlich angeschlagene Aria.

Der Fokus auf die psychischen Risse und Auswirkungen der Folter durch Charles erweist sich als dringend notwendig, da er der gesamten Handlung mehr Tiefe verleiht. So wird in FrAmed der Bogen zu vorangehender Episode geschlagen, von „I'm scared, all the time“ zu „I'm freezing cold, all the time“. Aria sucht nach Halt, zunächst in der Familie, jetzt bei Ezra - dem sie in einem Anflug von Eifersucht eine Beziehung zu Nicole unterstellt. Arias Rückzug, ihr Erstarren in Angst und Verzweiflung scheint immer mehr in Resignation zu münden. Dagegen befindet sich Hanna auf amüsante, aber gleichsam nachvollziehbare Art in der Offensive.
Als sie gemeinsam mit Spencer das Büro von Rhys Matthews durchsucht, trifft sie als einzige all die Vorsichtsmaßnahmen, die man den vier Liars schon seit der ersten Staffel entgegen schreien will (beziehungsweise dem Bildschirm): Sie vermutet Kameras und doppelte Spiegel, will sich mit Spencer nur über Zettel unterhalten, ermahnt sie, nichts anzufassen (Fingerabdrücke). In Bezug auf Matthews ist all das dann vielleicht wirklich „kind of paranoid“ (Spencer) - aber wer kann es ihr verdenken? Ebenso wild entschlossen und hart weist sie Alisons Anflug an familiären Gefühlen für Charles zurück.
In Bezug auf die Charakterentwicklung von Alison stellt sich langsam, aber sicher Enttäuschung ein. Die Hoffnung, ihrer Figur würden neue Facetten verliehen werden, wurde bislang kaum erfüllt - selbst die Handlungsstränge um ihren ersten love interest) Lorenzo wirken seltsam blass und eindimensional. Sie ist weder völlig integriert in den Kreis der Liars noch steht sie auf entgegengesetzter Seite, momentan schwebt der Charakter irgendwo dazwischen. Das wäre nicht weiter schlimm, im Gegenteil - ein wenig mehr nicht eindeutige Doppelbödigkeit kann Pretty Little Liars nur zugutekommen. Viel dabei herumgekommen ist bisher aber leider nicht. Bisher kaum genutztes Potential bietet nach wie vor die Familiengeschichte der DiLaurentis. Ihre innere Zerrissenheit in Bezug auf Charles scheint zumindest ein Anfang zu sein.
Fazit
In FrAmed gilt Charles nun auch offiziell als Hauptverdächtiger im Falle der Entführung und Folter von sechs Teenagern. So wird nun auch Lt. Tanner Opfer seiner Attacken. In dieser Hinsicht bieten die Einblicke in die polizeilichen Ermittlungen und in das Fachwissen über solche Fälle eine willkommene Abwechslung zum gewohnten Blickwinkel.
Darüber hinaus taucht mit Rhys Matthews eine neue verdächtige Person auf. Wie so oft ist aufgrund der Annahme, er sei Charles, vom genauen Gegenteil auszugehen. Dennoch ist die Verbindung zu Clark von Interesse - und bestätigt damit erneut das Misstrauen, das grundsätzlich jeder neuen Figur entgegengebracht werden kann.
Weitaus interessanter als erwähnte Füller, die die bevorstehende Enthüllung in die Länge ziehen sollen, wurde der Fokus auf die persönliche Verfassung der Liars gestaltet. Aria und Hanna verhalten sich dabei gewissermaßen wie Gegenpole. Während erstere in Angst erstarrt, befindet sich Hanna in Angriffshaltung. Diese Entwicklung ist auf doppelter Ebene positiv hervorzuheben. Einerseits scheint zumindest eine der vier endlich etwas aus dem jahrelangen Martyrium gelernt zu haben. Andererseits wird der Tatsache Rechnung getragen, dass ebendieses nicht spurlos an den Mädchen vorbeigegangen sein beziehungsweise innerhalb kürzester Zeit verarbeitet werden kann.
Promo zur Episode „Last Dance“ (6x09) der Serie „Pretty Little Liars“: Verfasser: Hannah Klein am Mittwoch, 29. Juli 2015Pretty Little Liars 6x08 Trailer
(Pretty Little Liars 6x08)
Schauspieler in der Episode Pretty Little Liars 6x08
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