Pretty Little Liars 6x07

Im Gegensatz zur vorangegangen Episode stellt sich in Oh Brother, Where Art Thou zumindest gefühlt der Eindruck von Bewegung, von Handlungsfortschritt ein. Charles lebt, und Hanna (Ashley Benson), Spencer (Troian Belissario), Emily (Shay Mitchell) und Aria (Lucy Hale) nehmen die Verfolgung auf. Neben der nicht uninteressanten Dynamik, die sich zwischen den vier Freundinnen entwickelt, werden endlich auch in Vergessenheit geratene Leerstellen gefüllt. Mike (Cody Allen Christian) erscheint wieder auf der Bildfläche - und trifft erstmals seit ihrem Verschwinden auf Mona (Janel Parrish). Für Belustigung sorgt dagegen Tobys (Keegan Allen) unfreiwilliger Drogentrip. Die Wirkung von Pot scheint dabei in den USA der von LSD zu gleichen ... Toby jedenfalls hat den „Spaß“ seines Lebens.
Gleichzeitig kommt in Bezug auf Charles' Geschichte Verwirrung auf: Haben wir es hier mit einem schizophrenen Charakter zu tun? Oder ist er letzten Endes lediglich eine Marionette von „Über-A“; Hin- und Hergerissen zwischen Hass und Liebe für die eigene Familie?
Come alone or not at all
Mr. DiLaurentis (Jim Abele) bricht in Panik aus. Verübeln kann man es ihm nicht, schließlich hinterlässt sein totgeglaubter Sohn Charles plötzlich nette Geburtstagseinladungen auf der Veranda. Weshalb er allerdings nur Alison (Sasha Pieterse) in Sicherheit bringen will, seinen Sohn Jason (Drew Van Acker) aber zurücklässt, erschließt sich nicht so ganz. Ebenso wenig wie der Umstand, dass Charles' Einladungen zunächst dem Vater, Momente später dann aber seinem Halbbruder Jason gelten. Haben wir es hier mit einem plot hole zu tun oder änderte Charles schlicht seine Strategie? Hinfällig ist Erwähntes sowieso, denn - wer hätte es geahnt - das geheime Treffen platzt.
Sieht man über die nicht zufälligen Zufälle hinweg, kam im Vorfeld der Aktion sogar Spannung auf. Nach geleisteter Überzeugungsarbeit seitens Spencer und Hanna schneiden sich die vier kurzerhand selbst die von Charles implantierten GPS-Chips aus dem Nacken. Gut, auch an dieser Stelle ließe sich die ein oder andere Bemerkung über Logik und Wahrscheinlichkeit machen - geschenkt. Weitaus interessanter ist die aufkommende Dynamik, die sich zwischen den Freundinnen immer deutlicher beobachten lässt: Aria ist ein nervliches Wrack. Nach Außen um Stärke und Selbstbeherrschung bemüht, fungieren die Puppenszenen mittlerweile als Marker ihrer psychischen Fragilität.
Es ist nicht auszuschließen, das hinter denselben doch noch mehr steckt - zumindest in dieser Episode schienen die Parallelen aber eindeutig zu sein. So ist sie es, die sich neben Emily am vehementesten gegen eine Verfolgungsjagd ohne Polizei wehrt - und Letztere immerhin beinahe doch noch anruft. Dass diese Tat der Vernunft von Alison kommt, dürfte ebenso überraschend gewesen sein wie der Umstand, dass niemand so recht wahrnimmt, was in Aria gerade vorgeht. Irritierend ist in diesem Zusammenhang wohl auch eine der letzten Szenen der Episode. Mike speist seine weinende, zusammengekauerte Schwester („Why do I feel so scared...all the time?“) mit einem gutgemeintem Lächeln ab und lässt sie allein.
Auflockerung, wenn auch dem Handlungsfortschritt nicht dienlich, boten die Szenen um Toby und Spencer. Die Sache mit der Ehrlichkeit muss die Gute wohl aber noch üben: So weiht sie ihren Freund zwar endlich in neueste Erkenntnisse um Charles, nicht aber in ihre persönlichen Probleme ein. Toby setzt sich durch und begibt sich mitsamt Lorenzo (Travis Winfrey) und Spencers Brownies im Gepäck auf die Suche nach Charles und Jason. Die Wirkung der Pot-Brownies setzt natürlich genau im entscheidenden Moment in der Spielhalle ein, Charles kann fliehen. Zuvor jedoch amüsieren diese Szenen unfreiwillig: Der Anblick des „leicht“ benebelten Toby, der von einer Softball-Maschine bombardiert wird, zählt wohl zu den unabsichtlich komischsten Momenten von Pretty Little Liars. Gleichzeitig kam spätestens auf der Polizeiwache Mitleid auf - dank der gar nicht mal so schlechten schauspielerischen Leistung von Keegan Allen. Wobei er es mit der Darstellung eines Polizeibeamten auf Pot wohl ein wenig zu gut meinte: Wüssten wir es nicht besser, wäre hier die Assoziation zu Toby auf Heroin ebenso naheliegend - unterhaltsam waren die Szenen allemal.
Unverhoffte Geschenke und andere Merkwürdigkeiten
Am Rande des Geschehens werden über all das hinaus nicht minder interessante Hinweise gegeben. Was hat es beispielsweise mit der ominösen „Carissimi Group“ auf sich, die Hanna ein Stipendium über 30.000 Dollar beschert? Ihr Misstrauen, vor allem hinsichtlich der Verbindungen zur Familie DiLaurentis, scheint mehr als angebracht. Auch Arias Zusage für die Auswahlrunde eines Kunststipendiums am Ende der Episode kommt zu offensichtlich zeitgleich.
Ernüchterung, mindestens aber Verwirrung ergibt sich im Fall von Sara (Dre Davis) und Emily. Da sich die beiden mit Claire, einer ehemaligen Freundin Sara Harveys treffen, muss zumindest stark angezweifelt werden, dass es sich bei Letztgenannter doch um Bethany Young handelt. Denkbar ist allenfalls, dass Claire mit Sara/Bethany unter einer Decke steckt und ihre wahre Identität quasi schützt. Vielleicht war all das zu passend - oder den Autoren ist in diesem Fall ein wirklich kluger Zug gelungen.

Der große Coup steht aber natürlich am Ende der Episode. Einerseits deshalb, weil die Familienvideos von Charles' („Freddy“) Geburtstagsparty mit Alison und Jason dann irgendwie doch zu harmonisch wirken. Andererseits, weil ebendieser schließlich eine Art „Film-Still“ von einem Unbekannten erhält. Dem gerahmten Foto von Jason, Alison und Charles liegt eine Karte bei: „Happy Birthday. Your friend and ally.“ Wer ist diese/r Verbündete/r? Womöglich Lesli Stone? Oder doch Mona?
Fazit
Gefühlt geht es endlich wieder voran. Auch wenn das große Finale, die Enthüllung von Charles DiLaurentis, weiter auf sich warten lässt, konnten dennoch neue Erkenntnisse gesammelt werden. So deutet sich einerseits an, dass er zumindest nicht ausschließlich von Hass angetrieben wird - und womöglich Helfer hat, die ihn unterstützen und ihm vielleicht sogar überlegen sind. Ruft man sich in diesem Zusammenhang Marlene I. Kings Hinweis ins Gedächtnis, A sei von Anfang an eine verdächtige Person aus dem Umkreis von Hanna, Aria, Emily und Spencer gewesen, kommt Verwirrung auf. Ist es vielleicht doch Mona? Oder Alison? In dieser Hinsicht gelingt es, die Spannung aufrechtzuerhalten.
Mit Abstrichen überzeugten auch einige Randhandlungen. Hervorzuheben ist an dieser Stelle vor allem der Blick auf die Gruppendynamik. Während Aria zunehmend an dem psychischen Druck zu zerbrechen droht, sehnt sich Emily nach Nähe, und weniger nach Verfolgungsjagd. Hanna und Spencer hingegen wirken nahezu verbissen in ihrem Bestreben, Charles endlich das Handwerk zu legen. Es wäre wünschenswert, würde diesen Zwischentönen mehr Aufmerksamkeit (und Screentime) geschenkt werden. Im Gegenzug darf gerne auf sämtliche love interests verzichtet werden.
Promo zur Episode (6x08) der Serie „Pretty Little Liars“: Verfasser: Hannah Klein am Donnerstag, 23. Juli 2015Pretty Little Liars 6x07 Trailer
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Schauspieler in der Episode Pretty Little Liars 6x07
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