Pretty Little Liars 6x06

Eines muss man den Autoren lassen: Dank ihrer âausgewogenenâ 90/10 Politik - 90 Prozent FĂŒller, zehn Prozent relevante Handlung und Antworten - bewegen sie sich gerade noch auf einem Level, auf dem der Geduldsfaden ihrer Fans zwar deutlich strapaziert, aber noch nicht gerissen ist. Momentan funktioniert Pretty Little Liars wieder nach gewohntem Muster, FĂŒller folgt auf FĂŒller, irrelevanter love interest (als plot device) ergĂ€nzt das Gesamtbild. Gegen Ende einer jeden Episode werden dann einige doch ganz interessante Details gestreut, AnsĂ€tze und Hinweise geliefert, der Cliffhanger perfekt - nur, um in der nĂ€chsten Episode mit dem gleichen TheaterstĂŒck der Langeweile aufzuwarten.
Dass es auch anders geht, wurde vor allem gegen Ende der vergangenen und am Anfang der aktuellen Staffel bewiesen. Daher ist es umso bedauernswerter, dass eine Balance aus Handlungsfortschritt und der einen oder anderen FĂŒllerepisode - denn diese kann zweifelsohne auf anderer Ebene ebenso ergiebig sein - nicht recht gelingen mag. In dieser Hinsicht nervt nicht der Umstand an sich, die Handlung in die LĂ€nge zu ziehen (will man eine ganze Staffel fĂŒllen, ist das selbstverstĂ€ndlich unumgĂ€nglich), vielmehr geht es um das Wie. So auch in No Stone Unturned.
Dear Daddy...
Das bereits Kritisierte lĂ€sst sich wohl am ehesten anhand der Storyline um Lesli Stone (Elizabeth McLaughlin) skizzieren. Bereits in der vorangegangenen Episode dĂŒrfte klar gewesen sein, dass diese lediglich als falsche FĂ€hrte fungiert, als speed bump (Hanna, Ashley Benson) auf der Suche nach As IdentitĂ€t. Sicherlich mĂŒsste man sich mittlerweile durchaus an diese Struktur gewöhnt haben. Nach all dem, was Hanna, Spencer (Troian Bellisario), Aria (Lucy Hale) und Emily (Shay Mitchell) jedoch nicht zuletzt in Charles Puppenhaus ĂŒberstehen mussten, irritiert die abermalige NaivitĂ€t aber umso mehr.
Anstelle zumindest annĂ€hernd ĂŒberlegten Handelns ziehen die vier wie gewohnt voreilige SchlĂŒsse und greifen jede noch so abwegige Option auf (der Episodentitel funktioniert hier fast ironisch). Dieser Umstand ist teilweise begrĂŒndet, so viel ist nachvollziehbar, durch pure Verzweiflung. Warum sie nach wie vor die gleichen Fehler begehen, bleibt jedoch restlos unverstĂ€ndlich. So schlieĂt beispielsweise Aria erneut Ezra (Ian Harding) aus, statt ihm von As Drohung in Form einer Aria-Puppe (mit Messer im Auge) zu erzĂ€hlen. Als Spencer, Hanna und Aria schlieĂlich Leslis Arbeitsplatz aka Tierversuchslabor auf Beweise absuchen, stellt sich dank Mona (Janel Parrish) dann das heraus, was die Liars lĂ€ngst hĂ€tten wissen oder vermuten können: Charles lebt, A ist kein MĂ€dchen und erst recht nicht Lesli.
ZugegebenermaĂen zweifelte zumindest Hanna an den GesamtzusammenhĂ€ngen um Charles. Laut Mona sind jedenfalls sĂ€mtliche Organspendeunterlagen (wer will eine mit Medikamenten vollgepumpte Leber?) sowie Todesurkunden gefĂ€lscht - und Charles ist irgendwo da drauĂen, vielleicht schreibt er gerade eine zweite GeburtstagsgruĂkarte an seinen Vater Ken DiLaurentis (Jim Abele)...
Immerhin finden die drei heraus, dass Charles sie mit GPS-Chips orten kann. Somit erklĂ€rt sich, weshalb die MĂ€dchen betĂ€ubt und auf Operationstischen liegend im Puppenhaus aufwachten. Gesetzt den Fall, Mona behĂ€lt Recht, ergeben sich allerdings etliche LogiklĂŒcken - es sei denn, an dieser Stelle wurde etwas ĂŒbersehen: Wenn Lesli nicht A ist und von Charles erst bei dessen Ausbruch aus Radley wusste, weshalb ist sie dann hinter den Liars her? Gut, möglicherweise wird die Laboreinrichtung ohne ihr Wissen von Charles genutzt.
Mona jedenfalls streitet eine Verbindung zwischen den beiden ab, gibt jedoch zu, dass Lesli Bethany Young hasste. Dass Sara Harvey (Dre Davis) spĂ€ter von Leslis Auto angefahren wird, dĂŒrfte ein weiterer Wink mit dem Zaunpfahl sein: Es ist davon auszugehen, dass Emily in dieser Episode eine gewisse totgeglaubte Bethany Young kĂŒsste. Wie konnte auĂerdem Charles Ausbruch geheim gehalten werden? „Summer of Answers“? Wohl eher Sommer der tausend neuen Fragen.
Kimye und andere Belanglosigkeiten
Ein wenig kommt die gleich vierfache Einbindung neuer und alter love interests daher wie ein Pflichtprogramm, das (vielleicht zugunsten einer bestimmten Zielgruppe), komme was wolle, abgespielt werden muss: Ach, Aria hatte schon lÀnger nichts Ernstes mehr? WÀrmen wir doch die Ezria-Story ein bisschen auf. Die Beziehung zwischen Toby und Spencer birgt nicht mehr genug Potential, ist eigentlich lÀngst eingeschlafen? Ein Neuer muss her...

Wenngleich Ă€hnlich belanglos in seiner Notwendigkeit, konnte zumindest der Handlungsstrang um Caleb (Tyler Blackburn) und Hanna ĂŒberzeugen. Dessen Entwicklung war zwar kaum ĂŒberraschend - vielleicht ist es daher die grundsĂ€tzliche Sympathie fĂŒr beide Figuren, die ihn rettet. ErwĂ€hnenswerter und amĂŒsanter Höhepunkt der Episode in dieser Hinsicht war Calebs Versuch, Sara ĂŒber das PhĂ€nomen âKimyeâ aufzuklĂ€ren: âKanye and Kim... You know what, actually you don't even need to know. No one does.â Hinzu kommt Hannas nachvollziehbare Entwicklung: Gewohnt bissig kĂ€mpft sie sich durch ihr Trauma zurĂŒck in einen Alltag und kann es ihrem Charakter entsprechend daher nicht ertragen, vor allem aber nicht gebrauchen, von Caleb wie ein rohes Ei behandelt zu werden. Das macht ihm Ashley an spĂ€terer Stelle klar und, siehe da, es lĂ€uft. Es kann auch kurz und schmerzlos gehen.
Zu erstgenannten Entwicklungen lĂ€sst sich dagegen nicht viel sagen, zumindest nichts Positives. Spannend könnte es aber zwischen Sara aka Bethany und Emily werden. Einerseits, weil Sara seit Paige fĂŒr Emily wohl die erste Person ist, fĂŒr die sie tiefere GefĂŒhle entwickelt hat, andererseits natĂŒrlich deshalb, weil niemand so richtig weiĂ, wer dieses MĂ€dchen ĂŒberhaupt ist. Da Emily bisher mehr Pech als GlĂŒck in der Liebe zuteil wurde, bleibt zu hoffen, dass ihr eine weitere EnttĂ€uschung erst einmal erspart bleibt.
Fazit
Im GroĂen und Ganzen besteht No Stone Unturned hauptsĂ€chlich aus einer Ansammlung mal mehr, mal weniger unterhaltsamen FĂŒllern. Zu erstgenannten zĂ€hlen vielleicht die Entwicklungen um Caleb und Hanna, deren kleine Beziehungskrise wieder ĂŒberwunden scheint, sowie die Potentiale, die sich durch Emily und Sara ergeben.
Leider ĂŒberwiegt, einem bekannten Muster folgend, jedoch die Tendenz zur Wiederholung und zu einem zĂ€hen ErzĂ€hltempo, das die Geduld vieler Zuschauer auf die Probe stellt. Viel spannender als die abermalige Einstreuung von falschen FĂ€hrten und MutmaĂungen, die vorhersehbarerweise ins Leere laufen, wĂ€re eine fokussierte Auseinandersetzung mit der Geschichte um Charles.
Diese mĂŒsste natĂŒrlich nicht Schlag auf Schlag und mit groĂen Schritten voranschreiten. Möglichkeiten gĂ€be es genug: Allein eine nĂ€here Beleuchtung der FamilienverhĂ€ltnisse und -geheimnisse der DiLaurentis oder Flashbacks zu Jessica und Ken, zu Radley und zu Bethany Young wĂ€ren in dieser Hinsicht lohnenswert. GröĂere EnthĂŒllungen und Fortschritte (wie die Erkenntnisse im Puppenhaus ĂŒber Charles) verhalten sich so jedoch wie der Tropfen auf dem heiĂen Stein und die Puzzleteile des RĂ€tsels um A scheinen sich stetig zu vermehren, statt sich zu einem Ganzen zu verbinden.
âPretty Little Liarsâ - Promo zur Episode âO Brother, Where Art Thouâ (6x07): Verfasser: Hannah Klein am Mittwoch, 15. Juli 2015Pretty Little Liars 6x06 Trailer
(Pretty Little Liars 6x06)
Schauspieler in der Episode Pretty Little Liars 6x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?