The Orville 2x13

The Orville 2x13

Der Auftakt zum zweiteiligen Finale der zweiten Orville-Staffel bringt die Ed/Kelly-Problematik mit einem hübschen Twist zurück in den Fokus, bleibt sonst aber größtenteils beliebig und liefert ein dickes Paradoxon für die Zukunft der Serie.

Szenenfoto aus der „The Orville“-Episode „Tomorrow, and Tomorrow, and Tomorrow“ (c) FOX
Szenenfoto aus der „The Orville“-Episode „Tomorrow, and Tomorrow, and Tomorrow“ (c) FOX
© zenenfoto aus der „The Orville“-Episode „Tomorrow, and Tomorrow, and Tomorrow“ (c) FOX

Was passiert?

Die Crew experimentiert mit Zeitreisen. Dadurch taucht eine zweite Kelly auf, die allerdings sieben Jahre jünger ist, als ihr Pendant von der Orville, was nicht nur Ed Mercer sehr verwirrt...

Dies & das

  • Neben Klyden ist auch wieder mal Yaphit zu sehen.

Spruch

You've made my future a disappointment.“ (Kelly zu Kelly)

Die ewige Ballade von Ed & Kelly

Die Autoren geben - wie auch ihr Captain - einfach nicht auf. Erneut muss Ed Mercer seiner Kelly unterwürfig gestehen, wie sehr er sie liebt und, dass er für einen zweiten Anlauf jederzeit bereit wäre. Fast möchte man peinlich berührt zu Boden schauen, weil die Schreiber ihrer Figur dieses Dilemma immer wieder antun. Folgerichtig hagelt es auch die obligatorische Abfuhr. Klar ist, dass man für die Zuschauer einfach nochmal den Status zusammenfassen wollte, um die Episode einzuleiten. Ob das jedoch mit einer solchen Expositionsszene sein musste, die wir zudem schon gefühlt zehnmal hatten, lassen wir mal dahingestellt.

Kellys Gründe abzulehnen, sind derweil weiterhin nachvollziehbar. Sie ist erster Offizier, Mercer ihr Captain. Zudem wird sie immer noch von den Geistern der gemeinsamen Vergangenheit heimgesucht und fühlt vermutlich auch nicht mehr das gleiche wie zuvor. Dass es Ed anders geht ist tragisch.

Dieser äußert dazu später in der Episode eine eindeutige Sichtweise: Er wünscht sich, die Fehler der Vergangenheit geradezurücken. Er bereit seine Taten. Genauer: Er will die Vergangenheit ändern! Was für ein unglaublicher Zufall, dass parallel im Labor LaMarr und Isaac mit Zeitreisetechnologien experimentieren...

Der neue Hit mit Kelly & Ed (& Kelly)

Hach ja. Das alles ist schon sehr vorhersehbar konstruiert. Zuletzt sahen wir die hierfür genutzte Maschine im Pilotfilm der Serie. Dort ließ man eine Banane auf die Schnelle altern. Nun scheint es so, dass seitdem konstant mit dem Gerät herumgespielt wird, um die Technik zu erforschen. Vielleicht auch, um potenziell Zeitreisen möglich zu machen? Klar, dass das auch durch Zufall und eine Raumverzerrung der Woche sofort funktioniert. Weil Kelly zuletzt in der Nähe der Maschine stand und sie gerade an ihr erstes Date mit Ed gedacht hat, erscheint ihr jüngeres Ich - sieben Jahre aus der Vergangenheit und einen Tag nach diesem ersten Date - auf dem Schiff. Drama vorprogrammiert?

Aber selbstverständlich. Während wir verschiedene hübsche Szenen erhalten, die sich um die andere Kelly drehen und insgesamt alles Spaß macht, was mit Crew-Interaktion betrifft, ist die Intention der Autoren klar: Sie erschaffen hier eine Chance für den Captain. Ed ist bereit, sich auf die jüngere Version seiner Ex-Frau einzulassen. Für diese ist das natürlich auch kein Problem. Sie hat gerade „gestern" diesen Mann gedatet und schätzen gelernt. Nebenbei geht es natürlich auch noch um Abgrenzung. Die junge Kelly bekommt hier eine Version von sich vorgestellt, die ihr nicht zusagt. Kelly hatte immer von drei Dingen geträumt, die ihr älteres Ich allesamt noch nicht erreicht hat. Schlimmer: Sie war bereits verheiratet und hat die Sache aber nicht hinbekommen.

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Klar, dass man dann den Anspruch entwickelt, alles besser zu machen. Ob es dabei besonders erwachsen von Ed ist, sich auf die Sache zunächst einzulassen, sei mal dahingestellt. Krass ist auch, dass er der älteren Kelly vorher noch die Chance gibt, es doch mit ihm zu versuchen. „Wenn du nicht willst, nehme ich eben die Jüngere" scheint er zu sagen. Gaga! Immerhin kommt der Captain später noch zur Einsicht, wenn auch durch eine äußerst simple Sequenz, in der er und Gordon erkennen, dass in sieben Jahren viel passieren kann und die coolste Disco irgendwann einfach nicht mehr ganz so gut zu einem passt. Das Drehbuch macht es sich an vielen Stellen zu leicht und führt uns auf Autopilot durch einen unterhaltsamen, emotional durchaus rührenden Plot, wagt aber nicht allzu viel.

Die Aussage ist aber wichtig: Wir entwickeln uns! Es ist weder möglich, Fehler in der Vergangenheit rückgängig zu machen, noch im Hier und Jetzt. Wir leben, wir lernen, wir scheitern, wir entwickeln uns. Ziele verändern sich und werden angepasst. Es gibt kein Zurück. Höchstens einen neuen Anfang, für den dann aber auch beide bereit sein müssen.

Die Rückkehr der Ballade

Sich in der Disco fehl am Platze zu fühlen, war allerdings nur der erste Schritt zur Einsicht, den Sex mit der neuen, alten Flamme als nicht richtig zu empfinden, war dann der zweite. Doch bleibt trotz dieses Wechselbades alles cool. LaMarr und Isaac finden eine Möglichkeit, Kelly zurück in ihre Zeit zu bringen. Man verabschiedet sich, verträgt sich, sagt nette Dinge und am Ende ist Kelly wieder sieben Jahre in der Vergangenheit am Tag nach dem Date mit Ed. Doch was ist hier los? Offenbar hat Dr. Finns Gedächtnislöschung versagt, denn Kelly lehnt Eds Angebot auf ein zweites Date diesmal brutal ab! Die Auswirkungen dürften durchaus interessant werden! Wie werden die Karrieren von Ed, Kelly und Gordon dadurch verlaufen sein? Sind sie überhaupt gemeinsam auf der Orville? Droht uns hier eine Episode wie Yesterday's Enterprise? Das Ende ist ohne Frage der interessanteste Aspekt der Episode und schürt pure Vorfreude auf die Fortsetzung.

Beobachtungen

Auch wenn es aus dem Titel nicht hervorgeht, handelt es sich hier eindeutig um den ersten Teil einer Doppelfolge, die mit dem Finale fortgesetzt werden muss.

Isaac wird erneut in die Handlung einbezogen, während man seinen Status und die gesamte Kaylon-Problematik aber wieder größtenteils ignoriert. Zwar tauchen immer wieder Kalyon-Schiffe auf, diesen geht man jedoch aus dem Weg. Dass man solche Angst hat, Schiffe dieser Spezies zu treffen, ist eine gänzlich neue Information und verwirrt eher. Hier hat man seitens der Schreiber definitiv einige Lücken gelassen und keine gute Arbeit geleistet.

Das Verstecken der Orville unter einer Eisschicht ist allerdings immerhin ein cooler Effekt, wirkt aber ehrlicherweise auch wie Selbstzweck.

Die beiden streitlustigen Moclaner Bortus und Klyden werden hier mal wieder komödiantisch eingesetzt, was irgendwo zwischen albern und witzig landet. Auch Yaphit erhält einen eher spaßigen Auftritt im Disco-Setting, darf aber auch seinem normalen Job nachgehen.

In der Serie wird von Beginn an ohnehin viel getrunken, hier hat man aber das Gefühl, dass ohne Alkohol gar nichts bei den Figuren geht.

Dass die Crew in Pyjamas auf die Brücke kommen muss, weil alle aus dem Bett geklingelt werden, ist eine hübsche Idee. Manchmal fehlt die Zeit eben!

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Das Holo-Prügelspiel von Ed und Gordon macht Laune und spielt auf witzige Weise mit den Problemen von Älteren, sich mit den vielen Knopf-Kombinationen eines Controllers zurechtzufinden.

Talla scheint sich als eine Art Schiffscounselor zu sehen. Oder ist sie einfach nur etwas einsam an Bord?

In Sachen Einschaltquoten holte die Serie in den USA wieder über 2,7 Millionen Zuschauer vor die Schirme und somit etwas mehr als letzte Woche. Zu einer dritten Staffel ist weiterhin nichts bekannt.

Technisch betrachtet

Visuell gefällt insbesondere die Aktion „im Eis". Der Rest ist Standard.

Das Drehbuch lieferte zum ersten Mal im Rahmen der Serie Janet Lin, die aber auch als Co-Produzentin an Bord ist. Sie schrieb zuvor beispielsweise für Bones. Ihr Drehbuch spielt geschickt mit den Klischees und Mechanismen von Zeitreisen, besitzt durchaus Humor und bietet obendrauf einen spannenden Twist.

Regie führt ebenfalls ein Neuling: Gary Rake. Es ist zudem sein allererster Job als Regisseur, den er überzeugend durchzieht. Vorher war er bei vielen Serien wie The Walking Dead Assistent des Regisseurs, auch bei The Orville.

Schauspielerisch gefallen alle. Allerdings muss man Adrianne Palicki bescheinigen, dass ihr die Transformation in ihr jüngeres Ich ausgesprochen gut gelingt.

Der Trek-Faktor

Dass eine Figur in zwei Teile gespalten wurde oder eine Version mit anderen Erinnerungen dazustieß, hatten wir in „Star Trek“ schon oft. Man denke an Tuvix oder Thomas Riker. Bei Letzterem führte das ebenfalls zu Problemen mit Ex-Flamme Deanna Troi. Da man die Geschichte jedoch gut mit Ed und Kellys Beziehungsstatus verknüpft, fällt das nicht negativ auf.

Gib dem Kind einen Namen

„Tomorrow, and Tomorrow, and Tomorrow": Ein typischer Titel für eine Zeitreise- oder Zeitparadoxon-Episode, der aber weniger aussagt, als man hoffen möchte. Er klingt einfach witzig und erinnert uns daran, dass es immer nur vorwärts geht im Leben, nie zurück.

Fazit

Die Episode macht Spaß, bietet Humor und Emotionen, zieht ihr Thema aber weitestgehend vorhersehbar und ohne Wagnisse durch, liefert dafür aber immerhin eine Handvoll interessante Erkenntnisse für die Figuren und gefällt durch den finalen Twist, der uns ein spannendes Staffelende bescheren dürfte.

Trailer zur Episode „The Road Not Taken" der Serie „The Orville" (2x14):

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Verfasser: Björn Sülter am Montag, 22. April 2019

The Orville 2x13 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 13
(The Orville 2x13)
Deutscher Titel der Episode
Morgen, und morgen, und dann wieder morgen
Titel der Episode im Original
Tomorrow, and Tomorrow, and Tomorrow
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 18. April 2019 (Hulu)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 9. September 2019
Autor
Janet Lin
Regisseur
Gary S. Rake

Schauspieler in der Episode The Orville 2x13

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