The Orville 2x12

The Orville 2x12

Klasse, Orville! Die Episode erzählt eine kleine, aber relevante Geschichte, die sowohl die politische Situation und die beteiligten Völker wie auch die Figurenkonstellationen ernst nimmt und obendrauf mit einer Reihe von Trek-Helden vor und hinter der Kamera aufwarten kann.

Szenenfoto aus der „The Orville“-Episode „Sanctuary“ (c) FOX
Szenenfoto aus der „The Orville“-Episode „Sanctuary“ (c) FOX
© zenenfoto aus der „The Orville“-Episode „Sanctuary“ (c) FOX

Was passiert?

Neben ein paar Waffenupdates befördert die Crew auch noch zwei Moclaner. Wie sich herausstellt, verstecken diese eine gemeinsame Tochter, was jedoch erst noch zu einer viel größeren Entdeckung in einem Nebel führt...

Dies & das

  • Marina Sirtis alias Deanna Troi (TNG) erhält hier einen Gastauftritt als Lehrerin. Dazu gesellt sich noch F. Murray Abraham alias Ru'afo aus „Star Trek: Insurrection“, Tony Todd alias Kurn aus TNG und der alte Jake Sisko aus DS9 und erneut Ron Canada, der in TNG, DS9 und Voyager Gastrollen hatte als Admiral Tucker. Was für ein Trek-Paket!
  • Klyden und Topa sind ebenfalls wieder mit dabei. Dazu kommt noch der zweite Auftritt von Rena Owen als Heveena. Diese kennen wir bereits aus About a Girl.
  • In Sachen Admirals gibt es diese Woche ebenfalls das große Aufgebot: Neben dem bereits erwähnten Canada als Tucker sind Victor Garber als Halsey, Kelly Hu als Ozawa und Ted Danson als Perry zu nennen.
  • Das Drehbuch stammt von Joe Menosky, der zuletzt eine starke Episode für Star Trek: Discovery schrieb („Lethe"), um dann auf die Orville umzusiedeln. In seiner Vita stehen wunderbare Trek-Abenteuer wie „Darmok", „Time's Arrow", „Clues" oder „In Theory" (TNG) sowie „Future's End", „Distant Origin", „Scorpion", „Year of Hell", „Living Witness", „Timeless", „Equinox", „Blink of an Eye" oder „Muse" (alle Voyager).
  • Regie führte obendrauf auch noch Riker-Darsteller Jonathan Frakes, der im ersten Jahr für die Episode Pria verantwortlich gezeichnet hatte.

Spruch

Every revolution begins with a single act of defiance.“ (Heveena)

Moclans forever

Es ist schon lange ein offenes Geheimnis, das einigen schmeckt und anderen nicht: Die Moclaner liegen Seth MacFarlane und seinem Autorenstab sehr am Herzen! Hatten sich bereits in der ersten Staffel diverse Episoden um Bortus, Klyden und ihr Volk gedreht, kamen in der zweiten Staffel gleich noch mehrere hinzu. Im Fokus stand dabei zuletzt oft das belastete Verhältnis des Paares nach der geschlechtsangleichenden Operation bei Topa, die als Mädchen geboren und insbesondere auf Wunsch des traditionsbewussten Klyden zum Jungen umoperiert worden war.

Diesmal nun kommt es für Bortus allerdings in mehrfacher Hinsicht ganz dick: Zuerst muss er entdecken, dass Klyden Topa mit seinen verbohrten Sichtweisen füttert, dann, dass zwei Besucher seines Volkes versuchen, ihre Tochter vor den Behörden zu verstecken (wobei Bortus schließlich sogar ohne zu zögern hilft), um schließlich noch zu realisieren, dass es einen ganzen Planeten mit über 6000 Moclanerinnen gibt, die unter der Führung von Heveena (die wir bereits aus About a Girl kennen, eine neue Kultur aufbauen.

Für den Offizier der Orville ist das Ganze jedoch genaugenommen nur wenig schockierend. Dass er kein Verfechter des alten Weges seines Volkes ist, wissen wir bereits. Dass er so offen wie in dieser Episode bereit ist, sich gegen seinesgleichen zu stellen, überrascht aber zumindest ein wenig.

Talkin' 'bout a revolution

Der Song von Tracy Chapman hätte ganz wunderbar zu dieser Episode und ihren Themen gepasst. Dass MacFarlane sich anders entschied, werden wir aber noch besprechen.

Doch geht es den Moclanerinnen genaugenommen nur um ihren Weg und die Freiheit, ihn selbst zu wählen. Dass eine Revolution dazu notwendig ist, nehmen sie als Konsequenz aus der Engstirnigkeit ihrer Welt zusätzlich hin. Heveena hatten wir bereits in der Verhandlung rund um Topas Schicksal als eine energische Frau erlebt, die für ihre Überzeugung einsteht. Dass sie zudem diese Untergrundbewegung anführt, überrascht somit nur kurz. Die Drehbuchautoren bringen immer wieder Figuren für spätere Entwicklungen in Stellung. Das kann man nur als saubere Arbeit und kluges Vorausplanen bezeichnen.

Den Großteil der Episode nimmt die Aufarbeitung des aktuellen Problems ein. Auf der einen Seite reist Ed Mercer zur Erde, um dort an einer großen Versammlung der Unionsvölker teilzunehmen. Entschieden werden soll hier über das Schicksal der Kolonie. Eine einfache Angelegenheit? Moralisch bestimmt, unter den aktuellen politischen Voraussetzungen aber leider gar nicht mehr. So verpuffen die Drohgebärde der Moclaner auch leider nicht ungehört. Die Völker der Union können nicht so einfach ihrem Gewissen folgen, sie müssen das Wohl aller in ihre Überlegungen einbeziehen.

Szenenfoto aus der Orville-Episode Sanctuary
Szenenfoto aus der Orville-Episode Sanctuary - © FOX

Oder sagen wir es deutlich: Ihre Angst isst ihre Seelen auf. So weist Ed zwar richtigerweise darauf hin, dass man an dieser Stelle keine Kompromisse eingehen darf, stellt kluge Fragen nach den Idealen der Union und wiederholt in diesem Zusammenhang auch frühere Überlegungen zu den Moclanern und ihrer Kultur, muss aber nicht nur anhand der bangen Blicke seiner Vorgesetzten erkennen, dass hier andere Mechanismen am Werke sind.

Auf der anderen Seite tobt rund um die Kolonie ein Kleinkrieg, den die Moclaner eskalieren lassen wollen. Dass sie damit auch direkt gegen die Vereinbarung innerhalb der Union verstoßen, macht sie nicht sympathischer. Dank des beherzten Einsatzes von Kelly, Talla und Bortus gelingt aber eine Entschärfung; bis endlich die neuen Befehle kommen. Jeder muss an dieser Stelle selbst entscheiden, ob Kämpfe im All und auf dem Planeten zu den Klängen von Dolly Parton albern oder lustig sind. Ich habe herzlich gelacht. Heveena suchte sich nämlich statt der Chapman die Parton aus der Schiffsbibliothek aus und machte den Song „9 to 5" zur Hymne ihrer Bewegung. Orville eben.

Go, Dolly!

So wurde wie in den besten Trek-Episoden am Ende viel diskutiert. All die verschiedenen Standpunkte zählten am Ende aber nicht viel. Es musste eine Lösung her, die allen Seiten gerecht wurde.

Ein wenig diskutabel ist es dabei schon, dass eine Entscheidung bezüglich der Moclaner somit weiter aussteht. Nachvollziehbar ist das Ganze aber wie bereits erwähnt ebenfalls. In der aktuellen Krise kann es sich die Union schlicht nicht leisten, die Moclaner (und ihre Waffen) und vielleicht auch noch die Krill als Verbündete gegen die Kaylon zu verlieren. Moral bleibt da erstmal auf der Strecke, wenn es ums nackte Überleben geht. So wenig Ed Mercer und uns das gefällt, so sehr muss man doch verstehen, warum Halsey am Ende seinen (faulen?) Kompromiss einbringt.

Er möchte den Status Quo (zurzeit!) um jeden Preis halten; zumindest so lange, bis eine bessere Idee auf den Tisch kommt. Wenn man es genau nimmt, fehlen der Union einfach die Alternativen. Inter Arma Enim Silent Leges? Unter den Waffen schweigen die Gesetze? Bestimmt. In diesem Falle sind es allerdings eher die Moralvorstellungen. So ist diesen also mit dem Kompromiss (noch) nicht final gedient. Wie Heveena es richtig sagt, hat man aber immerhin ein Etappenziel erreicht.

Vielleicht ist das auch die Kernaussage der Geschichte: Wenn das Ziel fest im Blick bleibt und Schritte in die richtige Richtung getan werden, ist das allemal etwas wert. Insbesondere, wenn vorerst alle in Sicherheit sind. Dolly Parton würde bestimmt zustimmen.

Dass das Bündnis mit den Moclanern dennoch ein fauler Kompromiss bleibt, verschweigt die Episode uns nicht; das Thema wird - eine Fortsetzung der Serie vorausgesetzt - bestimmt noch akuter werden als diesmal. So gut können wir uns inzwischen auf die Autoren verlassen. „The Orville“ beherrscht einfach die alte und fast vergessene Kunst, ein Procedural mit Serial-Facetten zu schmücken und dem Zuschauer somit zwei Erlebnisse zum Preis von einem zu schenken.

Das Ende ist allerdings eine Spur zu dick aufgetragen, als Bortus Topa beim Spielen mit Olivia beobachtet. Hier zelebriert die Serie zu viel heile Welt auf einmal, wenngleich die Botschaft natürlich eine wichtige ist. Schade ist auch, dass man (ähnlich wie in der Episode mit Tim Russ) Marina Sirtis hier nicht noch einen weiteren einrahmenden Auftritt gönnte.

Beobachtungen

Isaac nimmt wie selbstverständlich an den Brückenoperationen teil. In dieser Hinsicht haben die Serie und somit vor allem die Autoren wirklich schlampige Arbeit abgeliefert, da bisher nicht in einer einzigen Szene auf seine Taten in der Doppelfolge rund um die Kaylon-Attacke eingegangen wurde. Schwach!

Der Song „9 to 5" von Dolly Parton ist zweimal zu hören und wird zur Inspiration für die Bewegung der Moclanerinnen. Das passt: Als Inspiration für das Lied diente nämlich eine Vereinigung, die sich seit 1973 für die Gleichberechtigung von Frauen am Arbeitsplatz einsetzte.

Bortus sagt Klyden endlich einmal richtig die Meinung: Lange kann das mit den beiden eigentlich nicht mehr gutgehen.

Das erneute Auftauchen von Heveena zeigt, dass die Autoren wirklich kaum etwas grundlos etablieren. Klasse!

Szenenfoto aus der Orville-Episode Sanctuary
Szenenfoto aus der Orville-Episode Sanctuary - © FOX

Seth MacFarlane hat diese Woche schauspielerisch eine ganz miese Szene; als Halsey Ed die Hilfestellung mit den Kommunikationsproblemen gibt, spielt der Serien-Boss die Reaktion seiner Figur wirklich grausam schlecht. Dass MacFarlane kein Schauspiel-Gott ist, wissen wir ja. Dennoch schafft er es für meinen Geschmack meistens, gute Leistungen abzuliefern. An dieser Stelle wirkte er jedoch wirklich einmal sehr unbeholfen.

In Sachen Einschaltquoten holte die Serie in den USA nach einer mehrwöchigen Pause nur noch rund 2,6 Millionen Zuschauer vor die Schirme und verlor somit erneut. Ob es mit den beiden abschließenden Episoden nochmal aufwärts wird gehen können?

Technisch betrachtet

Visuell betrachtet bietet die Episode insbesondere mit dem Nebel (der aber vielleicht eine Spur zu knallig bunt daherkommt) und der Ratskammer der Union Futter für die Augen. Dazu gesellen sich viele Aliens, deren Masken in ihrer Detailverliebtheit erneut schön an Babylon 5 erinnern. Doch werden auch die Ohren verwöhnt, da man neben dem erwähnten Parton-Song auch noch einen abwechslungsreichen Score aufbietet, der teilweise an Trek, teilweise an „Star Wars“ erinnert.

Das Drehbuch von Joe Menosky ist dessen erste Arbeit für die Serie, nachdem er zur zweiten Staffel von der USS Discovery herübergewechselt war. Er besinnt sich auf das, was Trek groß gemacht hat, fokussiert sich auf eine kleine Geschichte und die Figuren in ihr. Das gelingt größtenteils sehr überzeugend, wenn auch ein paar Szenen eine gewisse Redundanz aufweisen. Die Rede von Heveena ist hingegen ganz großes Kino und auch die Diskussion von Ed mit den Admirals über die Werte der Union und das Abwägen der verschiedenen Interessen weiß definitiv zu gefallen.

Regie führte Jonathan Frakes, der sich nichts zuschulden kommen lässt, das Ganze aber auch zugegebenermaßen sehr traditionell aufzog. Definitive Retro-SF.

Der Trek-Faktor

Wie könnte eine Episode, die von Joe Menosky geschrieben wurde, bei der Jonathan Frakes Regie führte und Marina Sirtis neben vielen anderen Trek-Gesichtern eine Gastrolle erhielt nicht an irgendetwas aus Trek erinnern?

Doch gibt es keine eindeutigen Vorbilder zu benennen, da die Episode viel zu sehr im eigenen Serienkosmos verhaftet ist und organisch daraus hervorgeht. Einzig witzig ist, dass F. Murray Abraham erneut in einer Episode (oder einem Film) mitspielt, in dem es um eine Zwangsumsiedlung eines Teils eines Volkes geht. Diesmal steht er aber auf Seiten der Guten.

Gib dem Kind einen Namen

„Sanctuary": Der Titel ist ein wenig vielschichtiger als es zunächst wirkt. Die Kolonie ist ein Rückzugsort, eine Schutzzone, eine Zuflucht für die Moclanerinnen und ihre Angehörigen. Eds Vorschlag hätte zudem dazu geführt, dass die Union eine Art Zuflucht für diese Abtrünnigen geworden wäre. Und die Waffen der Moclaner (sowie das Bündnis mit den Krill) bieten der Union Schutz. Es geht letztlich ums Überleben; auf allen Ebenen.

Im Deutschen bietet sich übrigens - angelehnt an die erste Staffel - folgender Titel an: „Planet der Frauen".

Fazit

Während andere Serien gen Staffelende nur noch dramaturgisch hohldrehen, besinnt sich „The Orville“ weiterhin auf die Figuren, bereits etablierte Vorgänge sowie serieninterne Konflikte und behält damit das große Ganze fest im Blick.

Das ist ganz bestimmt keine große Kunst und sicher auch keine spektakuläre Denker-SF, wird aber dem Setting sehr gerecht und führt uns vor Augen, dass auch kleine Einzelschicksale fesseln können.

Der Endspurt ist eingeleitet: Kommende Woche folgt „Tomorrow and Tomorrow and Tomorrow", danach das Staffel- oder Serienfinale „The Road Not Taken". Bisher fehlt noch eine Aussage von FOX zur Zukunft der Serie über die zweite Staffel hinaus. Aktuell bewirbt man die Episoden jedoch mit „Staffelfinale" - ein kleiner Hinweis?

Trailer zur Episode „Tomorrow, and Tomorrow, and Tomorrow" der Serie „The Orville" (2x13):

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Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 13. April 2019

The Orville 2x12 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 12
(The Orville 2x12)
Deutscher Titel der Episode
Im Inneren des Nebels
Titel der Episode im Original
Sanctuary
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 11. April 2019 (Hulu)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 2. September 2019
Autor
Joe Menosky
Regisseur
Jonathan Frakes

Schauspieler in der Episode The Orville 2x12

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