The Orville 2x03

The Orville 2x03

Abschied: Eine beliebte Figur geht viel zu früh und das Drumherum erfüllt gerade noch Mindestkriterien. The Orville bietet mit der dritten Episode der Staffel zwar willkommene Charakterarbeit und nette Gastauftritte, aber auch eine unklare Personalentscheidung und zelebriert zu viel Gemächlichkeit.

Szenenbild der „The Orville“-Episode „Home“. (c) FOX
Szenenbild der „The Orville“-Episode „Home“. (c) FOX
© zenenbild der „The Orville“-Episode „Home“. (c) FOX

Was passiert?

Alara Kitan scheint ihre Kräfte zu verlieren. Einzig eine Rückkehr auf ihren Heimatplaneten kann der jungen Sicherheitschefin helfen. Die Crew der Orville ahnt nicht, dass es ein One-Way-Ticket für die Kollegin ist...

Dies & das

  • Halston Sage verlässt mit dieser Episode sehr früh die Serie. Natürlich bleiben alle Türen für eine Rückkehr offen, die Frage nach den Gründen beschäftigt jedoch die Fans. Gerüchte sprechen über eine Affäre zwischen McFarlane und Sage, die zum Ende des ersten Jahres scheiterte. Hoffen wir einfach, dass keine derart lapidaren und albernen Gründe hinter ihrem Aus stecken, sondern Sage vielleicht eher eine sinnvolle Lebens- oder Karriereentscheidung getroffen hat. Schade ist es in jedem Fall.
  • Mit Tharl erhalten die Fans einen Interims-Sicherheitschef. Unter dem Makeup befindet sich mit Patrick Warburton erneut ein Star aus Seinfeld. Nächste Woche wird dann mit Jessica Szohr dem Vernehmen nach die Neubesetzung der Stelle präsentiert. Sie spielt ebenfalls eine Xelayanerin namens Talla. Diese profitiert dann von den Erkenntnissen der Crew, die Alara nicht mehr nutzen wollte. Doch musste diese neue Figur wirklich unbedingt eine Xelayanerin sein? Irgendwie befremdlich. So schreit dieser Schritt den Fans entgegen: Es ist vollkommen egal, wer die Schiffs-Xelayanerin spielt. Und das ist keine schöne Message.
  • Eine Rückkehr feiert Robert Picardo als Vater von Alara. Der „Nachbar" von Alaras Eltern in ihrem Feriendomizil wird von keinem Geringeren gespielt als John Billingsley, Dr. Phlox aus Star Trek: Enterprise. Somit wohnen hier die Ärzte der letzten beiden klassischen Trek-Serien Haus an Haus.
  • Auch Barkeeper Olix (Jason Alexander) und Yaphit (Norm MacDonald) sind kurz mit von der Partie.

Spruch

I am so very proud that you are my daughter. And I'm so sorry that you got me for a father.“ (Professor Ildis Kitan)

Das hättest du bei Star Trek sicher nicht gesehen

In dieser Episode hätte eigentlich jeder Moment exakt so in einer Trek-Episode vorkommen können, vielleicht einmal abgesehen von Tharl, der alles „krank" findet und auf der Brücke einen Snack einnimmt. Über diese wenig witzigen Momente hüllen wir aber lieber den Mantel des Schweigens.

This is goodbye

Der erste Downer kam gleich zu Beginn. Die extremen Schäden am Schiff aus der vergangenen Episode sind längst behoben - in schlechtester Trek-Tradition wohlgemerkt. Selbstverständlich liegt die Erklärung für diesen Umstand darin, dass man die zweite Episode der Staffel aus dem ersten Jahr nach hinten schob. Dennoch macht diese viel zu einfache Lösung keine Freude.

Der Kern der Episode ist ebenfalls schnell erzählt: Alara Kitan muss auf ihre Heimatwelt zurückkehren, da ihre Kräfte nach und nach verschwinden. Kurz thematisiert wird die Möglichkeit, ohne ihre Kräfte weiter an Bord zu bleiben und ihren Job zu behalten. Doch schließt man diesen Weg sofort aus. Auch Ed widerspricht Alara nicht, als sie ihre unverständlichen Gründe darlegt. Doch was ist das bitte für eine Message? Eine kleine, schlanke Frau kann niemand ernst nehmen? Niemand würde sie respektieren ohne ihre Superkräfte? Was ist das für ein unsäglicher Quatsch, mit dem man uns da kommt, und warum lässt man das Drehbuch mit einer solchen Aussage durchkommen? Ein dickes Armutszeugnis für den Aufhänger der Geschichte und inhaltlich nicht zu entschuldigen.

Als Alara dann bei ihrem Abschied auf der Brücke verspricht, zurückzukehren, durfte man als Fan noch den Beginn eines kleinen Arcs in Betracht ziehen, der die junge Frau irgendwann zeitnah zurück aufs Schiff führen sollte. Doch war damit noch nicht alles gesagt. Zunächst gab es aber definitiv keinen Grund anzunehmen, dass Alara freiwillig länger als nötig bei ihrer mehr als anstrengenden Familie würde bleiben wollen. Besonders ihr Vater stellte sich erneut als unfassbarer Miesepeter und sturer Egomane heraus. Immerhin zeigte Alaras Schwester so etwas wie Empathie und Stolz.

Szenenbild der Orville-Episode Home.
Szenenbild der Orville-Episode Home. - © FOX

Generisch geht der Plot zugrunde

Damit war über den Status Quo im Hause Kitan eigentlich alles gesagt. Dass man dann obendrauf noch einen absolut austauschbaren Geiselnahme-Plot rund um Alaras Familie strickte, zeigt nur, wie dünn die A-Handlung bereits war. Doch bleibt auch die B-Handlung recht simpel. Es passt natürlich ins Bild, dass Alara nicht aus ihrer Haut kann und andererseits ihrer Familie auch etwas beweisen möchte und ermittelt. Das Problem rund um den Nachbarn mit Rachegedanken kommt aber zu sehr aus dem Nichts und auch genau zur richtigen Zeit. So entwickelt sich aus einem harmlosen Abendessen eine Geiselnahme mit kranken Foltermethoden und möglicherweise tödlichen Konsequenzen.

Auf der anderen Seite muss man aber auch festhalten, dass John Billingsley als Psycho einen fabelhaften Job macht und die Trauer über den Verlust seines Sohnes in der Kürze der Zeit gut herausgearbeitet wird. Weniger gut gelingt der (eigentlich äußerst relevante) Kommentar darüber, wie wichtig Kinder für ihre Eltern sind oder sein sollten und wie schwer der Verlust eines Kindes wiegt. Hier sollte ganz bestimmt ein Erkenntnisgewinn seitens Alaras Vater erfolgen, der Subtext ist aber zu schwach ausgearbeitet. Dieser gilt auch für den Perfektionismus des Vaters, der sich eindeutig in alle Lebensbereiche erstreckt. Die Episode gräbt hier nicht annähernd tief genug sondern streift diese spannenden Themen nur. Verschenkt!

Auch nicht überraschend kommt, dass Alara am Ende der Krise wieder aus ihrem Stuhl aufsteht und ihren Willen und ihre Kraft demonstriert. Dass sie dabei ihrem Vater genau das sagen darf („You can do it."), was sie immer von ihm hatte hören wollen, bewegt sich fast schon auf GZSZ-Niveau. Dramaturgisch erfolgreicher ist allerdings die kurze Unterhaltung von Ildis Kitan mit Gordon, in der Alaras Vater eine wichtige Lektion lernt: Seine Tochter ist immer da, wenn Not am Mann ist. Picardo spielt glänzend in allen seinen Szenen, insbesondere aber in den finalen Momenten, die ihm starke Dialoge an die Hand geben und letztlich das Thema der Episode und das zu kittende und bisher arg gestörte Vater-Tochter-Verhältnis doch noch effektiv ins Ziel bringt. Das Drehbuch zeichnet sich somit immer wieder durch gute Einfälle aus, aber eben leider nicht gerade durch eine konsequente Linie, sondern bleibt durchweg holperig und unfokussiert.

Was auch zu denken gibt: Gemeinsam mit dem erfolgreichen Versuch der Orville-Crew, Alara doch noch zu helfen, hätte man die junge Frau direkt wieder mit an Bord nehmen können. Die Story hätte es hergegeben. Stattdessen entschied man - storytechnisch absolut korrekt - der Familie eine zweite Chance zu geben und Alara trotz des beigelegten Problems auf ihrem Heimatplaneten zu belassen. Rein inhaltlich und aus Sicht der Figur ist diese Entscheidung emotional optimal gelöst, weil die Chance, als Familie neu zusammenzuwachsen, über allem stehen sollte. Dass dazu eine so beliebte Figur zu diesem frühen Zeitpunkt gehen muss, bleibt aber unschön. Somit ist die Serie zwar mutig und konsequent, der Weg aber fragwürdig nach nur einer Handvoll Episoden.

Halten wir fest: Wenn Halston Sage auf eigenen Wunsch gehen wollte, haben die Macher das beste aus der Entscheidung herausgeholt. In jedem anderen Fall darf man das durchaus anders sehen.

Der zweite Abschied vom Captain (samt Geschenk für Mercer) und in großer Runde im Shuttle-Hangar gerieten dann wieder höchst emotional (wenn auch unfassbar rührselig und kitschig). Alles fühlt sich an dieser Stelle nach einem Abschied für immer an. Die Inszenierung lässt sogar vermuten, dass sich hier eher Sage von ihren Kolleginnen und Kollegen verabschiedet hat. Drei Minuten derartigen Tränendrüsenalarms muss sich eine Serie erst einmal gönnen!

Szenenbild der Orville-Episode Home.
Szenenbild der Orville-Episode Home. - © FOX

Beobachtungen

Auch in Star Trek: The Next Generation verließ nach einer Staffel die Sicherheitschefin das Schiff. Dort wurde Worf der Nachfolger, was hier auf Bortus hätte schließen lassen können. Man entschied sich aber für eine neue Xelayanerin, die wir erst noch kennenlernen werden. Keine Frage: Starke Frauenfiguren sind sicher einer bemühten Hommage an TNG vorzuziehen. Am Rande bemerkt: Die kurzen Sequenzen mit dem Interims-Sicherheitschef waren deplatziert und vollkommen sinnlos.

Erneut fällt auf, wie bemüht einige Witze in einem ernsten, dramatischen Stoff wie diesem wirken. Es ist unklar, ob die Serie in diesem Bereich ein neues Gleichgewicht finden wird. Aktuell schlägt das Pendel eindeutig zu typischen Trek-Episoden mit zwei, drei dummen Scherzen pro Abenteuer aus, was ein wenig Eigenständigkeit kostet und die Serie weniger zu einer Hommage, als vielmehr wirklich zu einer neuen Trek-Serie mit unpassendem Humor macht. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

Technisch betrachtet

Rein optisch (Planet, Gebäude, Tierwelt) ist die Episode ein Traum. Auch der Score macht munter mit, drückt am Ende aber viel zu sehr auf die Tube und klingt minutenlang fast Rosamunde Pilcher.

Notiz am Rande: Kann es sein, dass man bei dem kurzen Flashback, als Alara am Strand reitet, ihre Riffeln auf Stirn und Nase vergessen hat?

Cherry Chevapravatdumrong versucht in ihrem Drehbuch, die Geschichte so flüssig, emotional und interessant wie möglich zusammenzuklöppeln, scheitert aber an der generischen Prämisse und verfolgt zu viele lose Enden nicht konsequent. Größtes Manko bleibt aber eindeutig der Umgang mit der Frage, ob Alara auch ohne ihre Kräfte für ihren Job qualifiziert wäre. Sechs, setzen! In der ersten Staffel hatte Chevapravatdumrong übrigens Firestorm geschrieben.

Die Regie von Jan Cassar geht als kompetent durch. Der Veteran im TV ist insbesondere für 24 bekannt, hatte in der ersten Staffel aber ebenfalls schon eine starke Arbeit abgeliefert: Krill.

Die Einschaltquoten haben sich noch nicht wieder eingespielt. Nach dem Hoch zum Auftakt (5,68 Millionen dank Sportübertragung vorab) fiel die Serie zur zweiten Episode in den Keller (2,82 Millionen), konnte sich nun aber immerhin wieder etwas berappeln (3,06 Millionen).

Gib dem Kind einen Namen

Home: Der Titel bietet nicht nur eine Parallele zur dritten Episode aus der vierten Staffel von Star Trek: Enterprise, er ist vor allem überaus generisch. Nach den Schäden in der vergangenen Episode hätte man eher annehmen können, das Schiff würde für Reparaturen nach Hause, also zur Erde, zurückkehren.

Fazit

Die (vorerst) letzte Episode über Alara Kitan hätte zwar durchaus auch noch schlechter geraten können, sie hätte aber auch viel besser werden müssen. Der Fauxpas im Aufhänger schmerzt, dabei ist der Plot durchaus gut gemeint. Dennoch bleibt die Ausarbeitung generisch und die Möglichkeiten werden reihenweise verschenkt. Warum die Serie zu einem so frühen Zeitpunkt und ohne schlüssige Erklärung (seitens der Macher) einen Teil ihres Tafelsilbers verramscht, bleibt unklar und irritiert.

Gut ist hingegen, dass man sich zumindest die Mühe machte, den Abgang überhaupt zu thematisieren, dabei konsequent bei der Figur blieb und zudem einige starke Momente und Schauspielleistungen generierte. Ein Stimmungskiller ist der Abschied von der sympathischen Figur aber in jedem Fall.

Nächsten Donnerstag läuft in den USA die vierte neue Episode mit dem wunderschönen Titel „Nothing Left on Earth Excepting Fishes".

Der offizielle Trailer zur „The Orville"-Episode „Nothing Left on Earth Excepting Fishes" (2x04):

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Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 13. Januar 2019

The Orville 2x03 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 3
(The Orville 2x03)
Deutscher Titel der Episode
Zu Hause
Titel der Episode im Original
Home
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 10. Januar 2019 (Hulu)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 1. Juli 2019
Autor
Cherry Chevapravatdumrong
Regisseur
Jon Cassar

Schauspieler in der Episode The Orville 2x03

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