The Orville 1x12

The Orville 1x12

Die Macher von The Orville stellen am Ende der Staffel die Message vor den Schockeffekt und liefern eine Studie menschlicher Einmischung in fremde Kulturen, die uns verdammt bekannt vorkommt, aber mit positiven Gefühlen in die lange Pause entlässt.

Das Team aus „The Orville“ (c) FOX
Das Team aus „The Orville“ (c) FOX
© as Team aus „The Orville“ (c) FOX

Was passiert?

Plötzlich taucht ein Planet vor der USS Orville auf, dessen Bevölkerung sich auf dem Stand der Erde der Bronzezeit befindet. Durch eine Unachtsamkeit wird Kelly von einem Kind gesehen und muss diesem dann auch noch medizinische Hilfe leisten. Als der Planet später wieder auftaucht, sind dort 700 Jahre vergangen und es scheint sich eine Religion entwickelt zu haben, an der Kellys Eingriff nicht ganz unschuldig ist...

Dies & das

  • Seth MacFarlane liefert erneut das Drehbuch ab - er hat somit acht Episoden geschrieben, fünfmal ließ er einem Kollegen den Vortritt.
  • Brannon Braga führt bereits zum dritten Mal Regie und ist damit Staffelrekordhalter.
  • Kelly Hu ist erneut als Admiral Ozawa mit von der Partie. Chad Coleman kehrt als Klyden zurück.

Spruch

Into parts of every cultures evolution, it's one of the stages of learning - and eventually it brought us here.“ - „You must have faith in reason, in discovery and in the endurance of the logical mind.“ (Erstaunlicherweise ist dies kein Dialog aus „Star Trek“)

Das hättest du bei „Star Trek“ sicher nicht gesehen

Der Captain und sein erster Offizier mit schwerem Kater beim morgendlichen Brückendienst - hier mit Ed und Kelly in der Hauptrolle.

Wir müssen zunächst etwas aus dem Weg räumen - Part 1

Bevor es losgehen kann, muss man über einen Umstand hinwegkommen, der für graue Haare, Stirnrunzeln und hochgezogene Augenbrauen in Kombination sorgt. Bei einigen Zeitgenossen kommt unter Umständen sogar noch Übelkeit dazu. Bereits zum zweiten Mal (und somit zu diesem Zeitpunkt exakt zweimal zu häufig) kommt die Handlung nämlich durch einen Shuttle-Absturz in Gang. Dabei handelt es sich um ein derartig abgenutztes Klischee aus diversen „Trek“-Serien, dass es in den sichersten Giftschrank der Autorenwelt gehört. Eigentlich. Doch wir wollen uns ja nicht aus trivialen Gründen den Spaß verderben lassen. Warum ignorieren wir diese Angelegenheit also nicht einfach? (Fühlt euch geblitzdingst...)

Das Team muss sich den örtlichen Gepflogenheiten anpassen.
Das Team muss sich den örtlichen Gepflogenheiten anpassen. - © FOX

Wir müssen zunächst etwas aus dem Weg räumen - Part 2

Von einem Staffelfinale erwartet man vielleicht etwas Bombastisches, Großformatiges. Also eine Episode, die eventuell auf durchlaufende Elemente der Serie (hier etwa: Die Krill-Bedrohung) Bezug nimmt und eine spannende Geschichte erzählt, die vielleicht gar in einen Cliffhanger mündet und somit Neugierde aufs nächste Jahr weckt. Ausnahmen bestätigen aber auch in „Star Trek“ natürlich die Regel. Die erste Staffel von Star Trek: Voyager endete in The 37s mit einer spannenden Entdeckung und schloss den Kreis eher emotional, indem man zeigte, dass trotz aller Widrigkeiten niemand der Crew das Schiff verlassen wollte. Bei Star Trek: Deep Space Nine wählte man mit In the Hands of the Prophets ebenfalls ein alleinstehendes Abenteuer, das sich mit den kulturellen Problemen befasste und stark auf die Figuren einging.

Und Star Trek: The Next Generation und Star Trek: Enterprise präsentierten mit The Neutral Zone und Shockwave Part 1 einen Quasi- und einen reinen Cliffhanger. Man sieht: Viele Wege führten in den ersten „Trek“-Jahren zum Ziel. Somit ist die hier gewählte Form - besonders angesichts der vielleicht lange unsicheren Zukunft der Serie - absolut nachvollziehbar (Blitzdings, die zweite).

Wir müssen zunächst etwas aus dem Weg räumen - Part 3

So sehr man sich eigentlich jede Woche eine originelle Geschichte wünschen würde - „The Orville“ hat schon mehr als einmal die Hommage- bis Plagiatskeule geschwungen. Wenn das Gezeigte dennoch Charme und/oder einen neuen Kniff besitzt, die Figuren gut einsetzt oder einfach Spaß macht, fällt das meist weniger und nur selten mehr ins Gewicht. Hier jedoch muss man so ehrlich sein, dass das komplette Drehbuch - abseits der Ed/Kelly-Thematik - ein Mischmasch aus Who Watches the Watchers und Blink of an Eye ist. Wie ihr auch hier bei Serienjunkies in den Rezensionen nachlesen könnt, handelt es sich bei beiden Episoden für mich um absolute Highlights der „Trek“-Geschichte.

Seth MacFarlane nimmt sich für seine Zwecke derart viele Elemente aus beiden Episoden (dazu später mehr), dass von Zufall keine Rede sein kann. Hier wurden eher kalkuliert zwei starke Werke ausgeschlachtet, zu einem neuen zusammengesetzt und über die Figuren emotional grundiert. Ist das schlimm? Nicht wirklich. Man muss bei einer positiven Besprechung nur akzeptieren, dass die Episode abseits der Bewertung für das, was sie ist, jeden Dreistigkeitspreis gewinnen würde. Und da ich mich vorweihnachtlich beseelt entschlossen habe, mir das Vergnügen nicht verderben zu lassen, ziehe ich der Episode für alle genannten Problemchen nur ebenso dreist geringe 0,5 Sterne von der Wertung ab und schaue, was man mit dem Rest anfangen kann. Deal?

Die Rezension beginnt nun. Ja, wirklich!

Im Kern geht es um die Einmischung in eine Kultur, die sich auf einem niedrigeren Entwicklungsstand befindet als die eigene. Dabei gerät man eigentlich unabsichtlich in das Schlamassel, da vorher niemand ahnen konnte, dass der Planet überhaupt auftauchen würde. Dass Kelly dann jedoch alleine losläuft und in einer Verkettung von Vorhersehbarkeiten zuerst auf Kinder trifft (von denen sie einem helfen muss) und dann noch von den Erwachsenen gesehen wird, wäre wirklich vermeidbar gewesen.

Von diesem Punkt an ist jeder weitere Schritt der Crew dann ebenfalls ein Fehltritt - sei es aus Trotteligkeit (als man die Kleidung klauen will und Kelly dann noch einen Segen spenden lässt) oder aus guten Absichten heraus, die sich als Fehlschuss herausstellen (das Treffen mit dem geistigen Führer). Dieser ganze Part ist in groben Zügen der genannten „TNG“-Episode nachempfunden, bei der Picard zu einer Gottheit erkoren wird und sich eine Religion um ihn bildet.

Fakt ist: Bereits mit dem ersten Eingriff von Kelly war die Saat gelegt. Nach einer großen Runde Technobabble erfahren wir, dass der Planet zwar alle elf Stunden für kurze Zeit wieder auftaucht, dann jedoch dort immer rund 700 Jahre vergangen sind. So erhalten wir die Chance, den Fortgang der Geschichte im Zeitraffer zu erleben. Klingelt's? Bei der ebenfalls angesprochenen „Voyager“-Episode passiert etwas ganz Ähnliches. Dort vergeht die Zeit schlicht deutlich schneller als auf dem Schiff im Orbit und wir erleben die Entwicklung dieser Kultur in verschiedenen Schritten. Auch dort manifestiert sich eine Religion - allerdings um das Raumschiff, das da Jahrtausende lang am Himmel leuchtet.

„The Orville“
„The Orville“ - © FOX

Charmant ist jedoch, wie man hier in die Vollen geht. Von einer Kelly-Statue über Wandmalereien bis hin zu Kirchenfenstern - Kelly ist überall. Sogar den Kindern wird erzählt, dass ihre Gottheit immer hinschaut und straft, wenn gegen die Regeln verstoßen wird. Dass dem so ist, zeigen die öffentlichen Hinrichtungen, bei denen die Gottheit entscheiden soll, ob jemand zu Unrecht am Pranger steht - was natürlich nie passiert. All das ist teilweise sogar weitergedacht, teilweise aber auch direkt aus der Picard-Episode übernommen. Würde ich mir die Mühe machen, alle inhaltlichen Überschneidungen detailliert herauszuarbeiten, wäre das eher ein Fall für eine Examensarbeit. Haken wir es also erneut ab. (Ist Blitzdingsen eigentlich gesundheitsschädlich? Naja, egal. Hier habt Ihr Eure Dosis.)

Für die Crew bleibt die Erkenntnis: Egal, was sie versucht, es scheint keine Auswirkungen mehr zu haben. Zumindest nicht in eine Richtung, die sie sich wünschen würde. Also kommt man auf eine gänzlich andere Idee: Man schickt Isaac für 700 Jahre hinunter, damit er die Situation mit dem Faktor Zeit auf seiner Seite angehen kann. Da Isaac ein anderes Zeitempfinden besitzt, nicht altert und den Wert dieser speziellen Forschungsreise erkennt, eine ideale Wahl. Und es tut mir leid, aber in diesem Fall sei die Erwähnung noch mal erlaubt: Bei diesem Kniff handelt es sich natürlich ebenfalls um die krasse (und kalkulierte statt unabsichtliche) Version der Holodoc-Story aus der „Voyager“-Episode. Sind alte „Trek“-Drehbücher eigentlich gerade irgendwo preisreduziert im Dutzend zu bekommen? Somit verläuft der Hauptanteil der Geschichte zwar unspektakulär, unterhält aber durchweg.

Es gibt einen Clou

Erst kurz vor Schluss liefert MacFarlane dann noch etwas, was ich als gelungene Kreativleistung gelten lasse. Obwohl Isaac 700 Jahre auf dem Planeten verbracht hat, ist sein Einfluss auf die Entwicklung gering. Die nun deutlich fortgeschrittenen Aliens erklären, dass Kelly nur ein austauschbares Individuum war. Wäre sie nicht gewesen, hätte sich eine ähnliche Religion um jemand anderen entwickelt. Fortschritt geht eben nicht ohne Abstriche oder Kollateralschäden. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Gutes gelingt selten im Schlaf. Niemand ist eine Insel. Ich denke, Ihr versteht mich. Die Message ist simpel, aber durchaus wertvoll. Unterstrichen wird die Aussage zum Beispiel gekonnt durch die Szene, in der man den höchsten Geistlichen zwar überzeugen kann, ein anderer aber sofort aus Angst vor Machtverlust das Heft des Handelns ergreift und alles beim Alten belässt.

Der Ed-und-Kelly-Faktor

Möchte man noch etwas finden, was serienexklusiv ist, muss man sich auf das Liebeswirrwarr rund um Ed und Kelly einlassen. Nachdem die beiden vor einiger Zeit erfahren haben, dass Kellys Betrug an Ed durch den Einfluss von Darulo verursacht worden sein könnte, finden sie hier nun endgültig wieder zueinander - bis hin zu einem Date mit Abendessen, Alkohol und wilden Küssen. Der Weg dorthin ist keine große Kunst, macht aber Spaß. Besonders, weil MacFarlane und Adrianne Palicki eine gute Chemie mitbringen und hier auch der Serienchef schauspielerisch voll überzeugen kann. Dass Ed für Kelly lügt, ist gut gemeint, aber wenig professionell. Dass er später einen direkten Befehl verweigert, schlägt in die gleiche Kerbe. Summa summarum ist das jedoch exakt der Punkt des Ganzen: Gemeinsam zu dienen ist schwierig - und offenbar sind die beiden noch nicht bereit dafür. Am Ende stehen wir also wieder am Anfang - und irgendwie doch nicht. Ed und Kelly haben durch den gemeinsamen Dienst wieder zueinandergefunden, müssen wegen dieses Dienstes nun aber auf weitere Schritte in ihrer Beziehung verzichten. Fortsetzung folgt - wetten?

Ed und Kelly beim Date in „The Orville“
Ed und Kelly beim Date in „The Orville“ - © FOX

Beobachtungen

Wir erhalten witzige Einblicke in die Kultur der Moclans. Das gezeigte Spiel hätte sicher auch Worf gefallen, besonders, weil man den Sieg durch Schmerz und Mut erringt. Ed hätte auf den Titel aber sicher gerne verzichtet. Außerdem darf der Captain eine Spezialität kosten - der dickflüssige Drink liegt ihm jedoch schwer im Magen beziehungsweise sucht sich einen schnellen Weg hinaus... Kermit ist erneut auf dem Schreibtisch von Ed Mercer zu sehen. Während bei Star Trek: Discovery der Tribble auf Lorcas Tisch irgendwann verschwand, ist der grüne Freund dieses Captains offenbar ein wenig anhänglicher.

Monopoly scheint noch ein Thema in dieser Zukunft zu sein. Gordon schlägt ein Spiel gegen die Langeweile vor. Die Szenen im Besprechungsraum sind eine glasklare Hommage an die identischen Sequenzen aus vielen „TNG“-Episoden, in denen ein Besatzungsmitglied am Bildschirm steht und der versammelten Führungsriege die Situation darlegt. John LaMarr erhält in seiner neuen Funktion als Chefingenieur hier Szenen, wie man sie ebenfalls aus „TNG“ von Geordi LaForge oft gesehen hat - stehend an einer Brückenkonsole als Experte in der Krise.

Technisch betrachtet

Die Darstellungen der Einwohner des Planeten gefallen, gehen jedoch kaum ins Detail. Das Drehbuchpuzzle von Seth MacFarlane kann auf wunderbare Vorlagen zählen und wird durch einen der emotionalsten Handlungsstränge des ersten Jahres ergänzt. In der Summe funktioniert das erstaunlich gut. Die Regie von Brannon Braga ist solide und unaufgeregt.

Gib dem Kind einen Namen

Mad Idolatry: Der Titel ist erstaunlich simpel und platt für eine Episode, die thematisch so hoch greift und wirkt dadurch eher deplatziert.

Fazit

Zum Abschluss der Staffel verzichten die Produzenten auf einen Cliffhanger oder game changer, sondern liefern im Kern eine kleine Studie über die Gefühlswelt von Ed und Kelly ab, reichern diese durch ein paar Randgeschichten der Crew an und stellen vordergründig große Fragen zu Religion, kultureller Beeinflussung und Götterbildung. Das passt zwar nicht immer zusammen und ist in großen Teilen viel zu bekannt, unterhält aber immerhin problemlos und macht Appetit auf neue Abenteuer in der zweiten Staffel. Man muss akzeptieren, dass die Serie auf einem schmalen Grat wandert. Kann man das, ist Freude garantiert. Kann man es nicht, ist meine Wertung viel zu hoch und Frust dominiert. Eure Entscheidung.

Das war sie also, die erste Staffel von „The Orville“ und zu unser aller Glück war „Mad Idolatry“ jedoch nicht die letzte Episode, da FOX bereits die Verlängerung für ein zweites Jahr verkündet hat. Es geht also weiter mit Ed, Kelly & Co - und ich freue mich schon jetzt auf die neuen Abenteuer!

Verfasser: Björn Sülter am Freitag, 8. Dezember 2017

The Orville 1x12 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 12
(The Orville 1x12)
Deutscher Titel der Episode
Gotteskult
Titel der Episode im Original
Mad Idolatry
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 7. Dezember 2017 (Hulu)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 8. Mai 2018
Autor
Seth MacFarlane
Regisseur
Brannon Braga

Schauspieler in der Episode The Orville 1x12

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