The Orville 1x11

© aul Vogt in „The Orville“ (c) FOX
Was passiert?
Just hat man den bisherigen Chefingenieur Newton an einen spannenderen Job verloren, da verschlägt es die USS Orville in die Nähe einer gefährlichen Anomalie - natürlich ohne Antriebskraft. Mit den herannahenden Krill, einem selbstgemachten Konflikt um Eds Kommando und dem Versuch, John LaMarr das Sprungbrett in eine neue Karriere zu bieten, hat die Crew schnell alle Hände und Tentakel voll zu tun...
Dies & das
Victor Garber darf zum dritten Mal als Admiral Halsey auftreten.
Spruch
„Nobody does anything alone.“ (Kelly erklärt Ed die Welt)
Das hättest Du bei „Star Trek“ sicher nicht gehört
„I am really fond of drinking beer and passing out.“ (LaMarr ist ehrlich)
Das hättest Du bei „Star Trek“ sicher nicht gesehen
Ein Gelatine-Crewmitglied erzeugt einen Tentakel, um im Magen eines Kollegen nach einem verlorenen Körperteilchen zu suchen. Na, Mahlzeit.
Give it to me, baby!
Ich weiß, ich weiß. Die erste Staffel ist noch nicht ganz zu Ende. Dennoch ist die Episode wunderbar dazu geeignet, ein kleines Fazit zu ziehen.
Wenn man dem Team von The Orville eines unbedingt attestieren muss, dann definitiv, wie sehr es sich für die Figuren einsetzt. Es entsteht zu keiner Zeit ein Ungleichgewicht und besonders MacFarlane selbst nimmt sich oft mehr als dezent zurück. Das Ergebnis dieser Mühen: Alle haben bereits Soloepisoden bekommen und jeder erhält in der Regel Anteil an der aktuellen Handlung. Wir durften diese Crew in nur elf Episoden kennenlernen, mit ihr mitfiebern, viel lachen und vor allem lieb gewinnen. In diesem Aspekt liegt eine der größten Stärken der Show.
Diesmal kommt man uns zudem mit einem Twist, der unvorhersehbar war. Newton, den man als Chefingenieur eingeführt und immer wieder am Rande gezeigt hatte, verlässt das Schiff, um sich anderen Aufgaben zu widmen. Ein vollkommen normaler Vorgang, der aber in „Trek“ oft oft gar nicht vorkam. Dort wurde zwar immer mal sinniert, am Ende aber doch geblieben - man denke an Riker oder Mayweather. Einzig Trip ließ sich übergangsweise mal versetzen, nur um kurz darauf an seinen Stammplatz zurückzukehren. Hier überraschen die Macher uns mit einer Nebenstory, die gerne auch noch mal aufgegriffen werden darf. Als Ersatz wäre nun eigentlich Yaphit (der Gelatine-Blob) der nächste in der Reihe. Dieser startete zwar als reiner Kalauerkönig, gewann zuletzt aber deutlich an Format und wäre - absurderweise - sogar eine völlig angemessene und interessante Wahl gewesen. Doch Kelly hat andere Pläne: Ausgerechnet durch eine alberne Verfehlung von Malloy und LaMarr findet sie heraus, dass dieser John LaMarr eigentlich ein äußerst helles Köpfchen ist. Vielleicht an Bord der USS Orville gar der hellste Kopf nach Isaac. Doch warum benimmt der Kerl sich dann die meiste Zeit wie ein Vollpfosten?
Boom!
Die Episode erzählt somit die Geschichte vom mittelmäßigen Clown, der insgeheim viel mehr auf dem Kasten hat. Dabei geht es nicht nur um die Enthüllung über seine Vergangenheit, sondern vielmehr erneut um das Thema brachliegender Fähigkeiten und dem nötigen Vertrauen, diese zeigen zu können. Wir haben es hier mit dem vielleicht zentralen Motiv der Serie zu tun. Ed Mercer war durch Kellys Handlungen in ein tiefes Loch gefallen und vom Hoffnungsträger zur Persona non grata abgestiegen. Dank Kellys Fürsprache erhielt er jedoch eine unerwartete Chance und nutzte sie. Alara Kitan war eigentlich viel zu jung und unerfahren für den Posten der Sicherheitschefin gewesen, fand jedoch in Mercer einen Fürsprecher und wuchs über sich hinaus. Yaphit wirkte zu Beginn wie eine alberne Figur, mit der Zeit schärfte man jedoch seine Konturen (was bei einem Gelatine-Blob nicht ganz einfach ist) und machte ihn zu einem wichtigen Mitglied der Crew. Gordon Malloy bekam den Job nur dank Ed Mercer - und zeigte ebenfalls schon wiederholt, dass mehr in ihm steckt als der biertrinkende Spaßvogel.
In diese Reihe stellt man nun auch LaMarr, der zunächst nur durch coole Sprüche und Eskapaden auf sich aufmerksam machte. Dass er in seiner Kindheit für seine außergewöhnliche Intelligenz gemobbt wurde, ist nicht nur an sich eine hübsche Idee, sondern macht ihn auch mehr als sympathisch. Dieser Mann hat es sich nun in einer schlichten Existenz bequem gemacht und fliegt lieber unter dem Radar - er möchte einfach nicht auffallen. Dass dennoch mehr in ihm steckt, erkennt erst Kelly, dann Ed und schließlich seine Kollegen. So wird man über Nacht zum Chefingenieur - seine abschließende Szene ist 100% LaMarr und verspricht zukünftig einen coolen Style im Maschinenraum. Boom!

Einziger Kritikpunkt: Sein Verhalten in Majority Rule machte nicht wirklich den Eindruck, als hätte er wirklich so viel auf dem Kasten. Doch mit diesem Kniff muss man nachträglich leben. Ein Dr. Bashir wirkte vor seiner großen Enthüllung als genetisch verbesserter Supermensch schließlich auch oft genug naiv und albern. Doch was rede ich? Ich selbst vergesse es leider auch viel zu gerne mal: „It's just a tv-show for god's sake.“
Whiney Eddy
Den zweiten Fokus nimmt Captain Ed Mercer ein. Dieser erfährt durch eine Unachtsamkeit Kellys, dass er sein Kommando zu großen Teilen ihrer Fürsprache verdankt. Den guten Captain wirft diese Information in ein für meinen Geschmack viel zu tiefes Loch aus Selbstzweifeln. Das ist einfach nur weinerlich und macht ihn zu sehr zum typischen 08/15-Kerl mit Ego-Problem. Dass Mercer das am Ende jedoch erkennt, ist zwar ganz fein, kommt aber auch dramaturgisch mit dem Traumschiff-Brecheisen. Problem, Auflösung, heile Welt, Ende. Auch seine „Ich-muss-das-tun“-Haltung bezüglich der Shuttle-Mission passt da leider absolut ins Bild. Subtil ist anders, wobei das Ganze immerhin in emotionaler Hinsicht passt.
Viel hübscher finde ich an dieser Front, wie positiv Admiral Halsey den Captain inzwischen sieht. Er hat sich zu Recht das Vertrauen seiner Vorgesetzten erarbeitet und wird nun tatsächlich ernst genommen. Und auch Kellys Analogie zu Gordon (dem Ed an Bord geholfen hatte) ist gerade im Kontext der vielen Figuren, die über sich hinauswachsen, gut eingebettet worden. Am Ende sieht es dann noch fast danach aus, als könnte es für Ed und Kelly irgendwann ein Liebescomeback geben. Na gut - das war selbstverständlich zu erwarten, die Art und Weise der letzten Unterhaltung der beiden Exeheleute macht aber Spaß.

Let's get flat
Bleibt noch die Rahmenstory der Episode. Hier belässt man es bei einer Situationsbeschreibung, die irgendwie das awe and wonder mit sich bringt, aber auch Nebenkriegsschauplätze wie den Abstecher auf die Raumstation, Newtons Versetzung, den Schmuggler oder auch die Krill-Bedrohung zulässt. Dass das Gesamtwerk dann am Ende derart homogen wirkt, ist dem unaufgeregten, aber stimmigen Drehbuch und der soliden Regie geschuldet. Die Episode zeigt eine lebendige Welt mit atmenden, sich real anfühlenden Figuren und macht vermutlich gerade deshalb so viel Spaß.
Beobachtungen
Die Art, wie der alltägliche Rassismus auf die Schippe genommen wird, als Yaphit sich beklagt, dass ihm - der Gelatine-Lebensform - ein farbiger Mensch vorgezogen wird, könnte man einerseits als geschmacklos bezeichnen, wirkt auf mich jedoch eher charmant. Hier wird ein gesellschaftliches Problem clever demaskiert und vorgeführt. Der bereits häufiger gezeigte Chefingenieur Newton geht überraschend von Bord, um beim Bau einer Raumstation zu helfen. Schade um den sympathischen Mimen Larry Joe Campbell, den wir vermutlich aber noch mal wiedersehen werden. Auch Dr. Finns Kinder Ty und Marcus sind erneut dabei und nehmen ein wenig an der Handlung teil.
Der aus den Fahrstuhlszenen bekannte „Elevator Guy“ darf hier ebenfalls wieder ein wenig mitmischen. Ein schöner Running Gag. Ein ebensolcher wird vermutlich auch der Crewman werden, dessen Namen Ed Mercer sich ums Verrecken nicht merken kann. Und wirklich: Es gibt so viele ignorante Chefs, die exakt auf diese Art Tag für Tag durch ihr Revier laufen. Herrlich! Gordon Malloy wünscht sich eine Brückenkatze und empfiehlt Isaac ebenfalls die Anschaffung - eine klare Referenz an Data und Spot (beziehungsweise Johnny). Die Serien Doctor Who und Peanuts erhalten ebenfalls eine Erwähnung, als es darum geht, dass das Shuttle innen größer ist als außen.
Außerdem: Kelly erklärt LaMarr die Welt exakt so, wie wir sie auch aus Star Trek kennen. Als eine Utopie, in der es nur noch darum geht, sich selbst zu verbessern - und den Rest der Menschheit. Als eine Lebensweise, in der man Geld nicht mehr als Upgrade der eigenen Existenz ansieht, sondern das, was man aus sich macht. Keine Frage: Drehbuchautor und Serien-Mastermind Seth MacFarlane kennt seinen „Trek“!

Technisch betrachtet
Die Umsetzung der zweidimensionalen Lebensform gerät dem Effektteam drollig und retro. Fast würde man noch einen Pac-Man erwarten, der irgendwo umherstreift. Auch der Effekt, wie man die Orville und das Shuttle in diese Welt einbindet, macht Laune. Ein besonderes Lob gibt es noch für die Maske des außerirdischen Schmugglers. In Sache kreative Masken haben Babylon 5 und Farscape hier endlich einen würdigen Nachfolger gefunden. Was das Drehbuch von Seth MacFarlane, die Regie von Kelly Cronin, den Score und die Gastdarsteller angeht, gibt es sonst nichts zu bemängeln oder besonders anzumerken. Die Episode ist ein einfach durch und durch stimmiges Gesamtkonstrukt ohne höchste Höhen und tiefste Tiefen.
Gib dem Kind einen Namen
New Dimensions: Eine hübsche Mehrdeutigkeit in Bezug auf die fremdartige Lebensweise, Mercers Erkenntnis über sich und sein Kommando sowie die allgemeine Betrachtung von und über John LaMarr.
Fazit
Erneut steht die Entwicklung einer Figur im Zentrum des Interesses und erneut punktet die Serie damit spielend. Dass diesmal zudem der Plot kreativer und frischer daherkommt als im Alara-Kitan-Vehikel zuletzt, schadet dabei nicht, dafür wirkt hier der Humor jedoch auch etwas gedämpfter. Dennoch: Die Episode besitzt Herz und überträgt das homogene Gefühl einer frühzeitig gewachsenen Serie auf den Zuschauer. Das macht Woche für Woche einfach Spaß!
Anmerkung: Vergangene Woche war ich - mit etwas Abstand betrachtet - zu hart zur Episode „Firestorm“. Diese wurde nun noch einen halben Punkt aufgewertet.
Verfasser: Björn Sülter am Freitag, 1. Dezember 2017The Orville 1x11 Trailer
(The Orville 1x11)
Schauspieler in der Episode The Orville 1x11
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?