Orphan Black 2x09

Orphan Black 2x09

In der Episode Things Which Have Never Yet Been Done begeistert Orphan Black wieder durch denkwürdige Entwicklungen in gleich mehreren Erzählsträngen. Auf packende Weise stellt die Serie dabei die Weichen in Richtung des zweiten Staffelfinales.

In „Orphan Black“ lässt sich Delphine (Evelyne Brochu) von Rachel täuschen. / (c) BBC America
In „Orphan Black“ lässt sich Delphine (Evelyne Brochu) von Rachel täuschen. / (c) BBC America

Nachdem nicht alle Elemente der Vorgängerepisode Variable And Full Of Perturbation (2x08) überzeugen konnten, findet Orphan Black in Things Which Have Never Yet Been Done wieder zu der hohen Form zurück, die die Serie in ihrer zweiten Staffel bislang an den Tag gelegt hat. Während die Handlung in schnellem Tempo voranprescht, kommen weder Humor noch „WTF-Momente“ zu kurz.

Endlich wieder Helena!

Endlich gibt es in Orphan Black ein Wiedersehen mit der lang vermissten Helena (Tatiana Maslany), die sich nach wie vor in den Fängen von Henrik Johanssen (Peter Outerbridge) und seiner prolethianischen Sekte befindet. Ihr ausgeprägter Wunsch nach einer eigenen Familie lässt Helena zunächst über die - gelinde gesagt - fragwürdigen Eigenheiten hinwegsehen, die die religiösen Fanatiker in ihrer Enklave an den Tag legen.

Obwohl der Klon auch in der Vergangenheit bereits des Öfteren demonstriert hat, dass sie zu beachtlicher Grausamkeit fähig ist, verfügt sie gleichzeitig auch über ein ausgeprägtes Wertesystem. Als die Prolethianerin Alexis - übrigens gespielt von Kathryn Alexandre, die in der Serie sonst als Tatiana Maslanys Körperdouble fungiert - sich an einem kleinen Mädchen vergreift, beschwört dies so sofort den unheiligen Zorn Helenas herauf. Später muss in einer überaus verstörenden Szene auch Johanssen am eigenen Leibe erfahren, wozu dieses Opfer seiner unappetitlichen Experimente fähig ist.

Das Ende des Johanssen?

Als das Hauptquartier der Fanatiker in Flammen aufgeht, liegt die Vermutung nahe, dass der gruselige Johanssen die Geburt seiner diversen Nachkommen wohl nicht mehr erleben wird. Auf der anderen Seite muss Helenas grausige „Bestrafung per Kuhsamen“ trotz der sicherlich damit einhergehenden Schmerzen nicht unbedingt tödlich verlaufen sein. Zudem wird den Zuschauern der Anblick von Henriks Leiche vorenthalten, weswegen ein Wiedersehen mit dem gruseligen Fanatiker nicht ausgeschlossen werden kann.

Doch selbst wenn der Pastor überlebt haben sollte, wäre Henriks Vereinigung immens geschwächt. Der Rückzugsort ist mitsamt der unheiligen Forschungsutensilien in Rauch aufgegangen. Dabei hofft man, dass Helena außer dem Container, der wohl ihre übrigen „Babys“ beherbergt, zuvor auch die prolethianischen Kinder in Sicherheit gebracht hat. Zudem haben sich sowohl seine Tochter Gracie (Zoé De Grand Maison) als auch sein ergebener Handlanger Mark (Ari Millen) von Johanssen abgewendet.

Die Rebellion des Liebespaares gegen den Patriarchen der Sekte und die damit einhergehende Verbrüderung mit Helena kommt ist zwar ein wenig zu überstürzt. So schien die fanatische Verblendung auf Seiten von Mark („You gave me a purpose!“; „Du hast meinem Leben einen Sinn gegeben“) ebenso ausgeprägt gewesen zu sein, wie Gracies Verachtung von Helena. Nichtsdestotrotz ist es höchst befriedigend zu sehen, wie die beiden endlich die Konsequenzen aus Johanssens menschenverachtendem Treiben ziehen.

Eine Zukunft für Cosima?

Glücklicherweise hat Cosima nicht nur ihren dramatisch inszenierten Anfall überlebt. Dank Kiras (Skyler Wexler) beachtlicher Opferbereitschaft und ihrem Knochenmark besteht nun die Chance, dass die Wissenschaftlerin noch rechtzeitig von ihrer lebensbedrohlichen Krankheit geheilt werden könnte. Obwohl man sich nach dem Cliffhanger der Vorgängerepisode zu Recht etwas verschaukelt vorkommen darf, überwiegt hier doch die Freude darüber, sich noch nicht von dem liebevollen Charakter verabschieden zu müssen.

Abgründe

An anderer Stelle liefert Orphan Black auf vielschichtige Weise neue Einsichten über Rachel. In einem privaten Vorführraum wird ersichtlich, wie tief bei ihr die Spuren davon sind, einst der Geborgenheit ihrer Familie entrissen worden zu sein. Anstatt wegen ihres eigenen Traumas empfänglich für den Schmerz zu sein, den eine Trennung von Sarah und Kira für Mutter und Kind bedeuten würde, ersinnt sie einen gerissenen Plan. Es gelingt ihr - mit der unfreiwilligen Hilfe von Delphine (Evelyne Brochu) - der bislang einzigen Klon-Tochter habhaft zu werden. Doch was veranlasst Rachel zu diesem Schritt? Hat sie einzig den wissenschaftlichen Fortschritt im Sinn? Oder sieht sie in Kira vielleicht die einzige Möglichkeit, sich doch einer Mutterschaft erfreuen zu können?

Die Freuden der Leichenbeseitigung

Zwischen Zwangsbesamung und Kindesentführung gelingt es Orphan Black wieder einmal mit der Hilfe der großartigen Alison Hendrix, den Schrecken durch Einschübe einer bitterbösen Komödie aufzulockern. Obwohl der versehentliche Mord an Dr. Leekie im Grunde genommen ebenso verwerflich einzustufen ist wie die nachfolgende „Beseitigung“ seiner Leiche oder der Sex auf seinem zwischenzeitlichen Aufbewahrungsort, kommt es hier zu einer Reihe von humoristischen Höhenflügen. Während die energische Alison in der Vergangenheit schon mehrmals ihre kaltblütige Seite demonstrieren durfte, erfreut in dieser Episode besonders auch Donnie (Kristian Bruun), dessen Tage als Waschlappen hoffentlich auch langfristig gezählt sind.

Der Zauber liegt hier in kleinen Details wie dem rosafarbenen Klebeband, mit dem Leekie abgepackt wird, oder Vics (Michael Mando) Poser-Geste, als er von Donnie gemeinsam mit der wiederum stümperhaften Angie (Inga Cadranel) fotografiert wird. Alisons hysterische Dexter-Referenz und die Tatsache, dass sie und ihr Mann sich nach dem Umgang mit einem Leichnam pflichtbewusst die Hände desinfizieren, fungieren hier als Sahnehäubchen. Der ganze skurrile Handlungsstrang ist so stark, dass ich mich durchaus für ein Spin-off begeistern könnte, in dem Alison und Donnie als Vorstadt-Version von Bonnie und Clyde mordend durch die Lande ziehen - während ihre Kinder hypnotisch auf die Glotze starren...

Fazit

Obwohl es einem ein diebisches Vergnügen bereitet, Mr. und Mrs. Hedrix bei ihrem mörderischen Treiben zuzusehen, ist es auch schön, als sich in einem Skype-Gruppenchat andeutet, dass Alison künftig wieder stärker mit den übrigen Klonen zusammenarbeiten wird. Überhaupt leistet diese vorletzte Episode der zweiten Staffel gute Arbeit dabei, die verschiedenen Doppelgängerinnen rechtzeitig für das große Finale mit einem gemeinsamen Ziel auszustatten.

Mit der zeitweise recht wahnsinnig erscheinenden Rachel hat sich nach Kiras Entführung ein klares Feindbild herauskristallisiert, das es nun gemeinsam zu bekämpfen gilt. Es besteht die Hoffnung darauf, dass sich neben Sarah und Cosima auch Alison und Helena der Aufgabe verpflichten könnten, Kira aus ihrem pinken Verlies zu befreien.

Obwohl die Aufgabe von Things Which Have Never Yet Been Done in erster Linie darin besteht, die verschiedenen Figuren für das Staffelfinale in Position zu bringen, kann sie dabei doch auch mit einer Reihe von eigenen Höhepunkten aufwarten. Donnies neue Durchsetzungsfähigkeit kann einen ebenso in den Bann ziehen wie die neuerliche Demonstration von Helenas Durchschlagskraft und der überraschende aber nichtsdestotrotz willkommene Sinneswandel von Gracie und Mark. Bevor man sich allzu lange den Kopf darüber zerbrechen kann, ob sich Helena hier wohl als vielversprechende Mutterfigur outet, wird man bereits durch die neueste Ausgabe des klonischen Identitätentauschreigens aus der Bahn geworfen.

Im Episodenverlauf werden zwar immer wieder dezente Hinweise darauf geboten, dass sich Rachel als Sarah ausgeben wird - wie die Kapuze, die sie sich überstreift, oder das genaue Betrachten vom Foto ihrer fruchtbaren Doppelgängerin. Dennoch lässt man sich unweigerlich täuschen, als die vermeintliche Sarah an Kiras Krankenbett auftaucht. Ein kleiner Trost besteht vielleicht darin, dass auch Mrs. S (Maria Doyle Kennedy) und sogar Felix (Jordan Gavaris) die feinen Unterschiede zur echten Sarah entgangen sind. Chapeau, Maslany!

Nach einem kurzzeitigen Qualitätseinbruch hat sich Orphan Black nun wieder so weit rehabilitiert, dass man dem Finale By Means Which Have Never Yet Been Tried mit hohen Erwartungen und einer ungetrübten Vorfreude entgegenblicken kann.

Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 16. Juni 2014
Episode
Staffel 2, Episode 9
(Orphan Black 2x09)
Deutscher Titel der Episode
Offene Rechnungen
Titel der Episode im Original
Things Which Have Never Yet Been Done
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Samstag, 14. Juni 2014 (Space)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 16. Dezember 2014
Autor
Alex Levine
Regisseur
T.J. Scott

Schauspieler in der Episode Orphan Black 2x09

Darsteller
Rolle
Jordan Gavaris
Kevin Hanchard
Art
Evelyne Brochu
Maria Doyle Kennedy
Ari Millen

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