Orphan Black 2x03

Orphan Black 2x03

Mit der Episode Mingling Its Own Nature With It treten in Orphan Black zwei neue Figuren in Erscheinung. Während eine der beiden bereits verstorben ist, repräsentiert die andere für Sarah die Chance auf ein normales Leben. Doch die heile Welt bleibt eine Illusion.

Sarah (Tatiana Maslany) befindet sich in „Orphan Black“ mit Felix (Jordan Gavaris) auf der Flucht... / (c) BBC America
Sarah (Tatiana Maslany) befindet sich in „Orphan Black“ mit Felix (Jordan Gavaris) auf der Flucht... / (c) BBC America

In Mingling Its Own Nature With It gehen die Klone getrennte Wege. Dabei werden sie allesamt mit Herausforderungen konfrontiert, die sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit führen. Die allgemeine Tristesse wird nur kurz durch warmherzige oder humorvolle Lichtblicke aufgeheitert. Im Ganzen eine sehr bedrückenden Folge von Orphan Black.

Flucht in den Alltag

Sarah (Tatiana Maslany) ist mit Felix (Jordan Gavaris) und ihrer Tochter Kira (Skyler Wexler) weiterhin auf einer Flucht, die sich schnell als weit weniger ziellos entpuppt, als es zunächst den Anschein hat. Der Wildfang unter den Klonen muss einsehen, dass ihr rastloser Lebensstil sich kaum mit einer verantwortungsvollen Mutterschaft vereinbaren lässt. Kira weiß trotz ihrer jungen Jahre bereits, dass man anhand von Kreditkarten aufgespürt werden kann. Und obwohl das weise Kind durchaus dazu in der Lage zu sein scheint, zwischen „richtig“ und „falsch“ zu unterscheiden, möchte Sarah ihre Tochter davor bewahren, ein Dasein als Ladendiebin zu fristen. Egal in welchem Moment genau sich Sarah dazu entschließt, ihren Exfreund Cal Morrison (Michiel Huisman; Game of Thrones) aufzusuchen und dadurch - mehr oder weniger bewusst - den Anlauf auf ein geregeltes Leben zu wagen, sie hält ihren Plan noch vor Felix geheim.

Zwischen Felix und Cal

Ihrem Stiefbruder, der laut eigener Aussage schon allzu oft mit Sarahs eigenwilligem Betragen in Kontakt gekommen ist, scheint dieser neuerliche Vertrauensbruch schwer zuzusetzen. Wie sonst wäre es zu erklären, dass Felix der lang-gehegten Phantasie von einem Leben an ihrer Seite so kampflos den Rücken kehrt? Anstatt Felix aufzuhalten, lässt Sarah ihn ziehen. Das Schweigen beim Anblick ihres am Boden zerstörten besten Freundes macht dabei einen fast kaltherzigen Eindruck.

Obwohl bei ihrer Entscheidung, stattdessen an Cal festzuhalten, sicherlich auch ein gewisser Egoismus mitwirkt, ist Sarahs oberste Priorität doch Kiras Wohlergehen. Wie sich in den herzergreifenden Schilderungen ihrer elternlosen Kindheit zeigt, wünscht sich Sarah für ihre Tochter in erster Linie Stabilität. Und wer wäre besser dafür geeignet als Kiras leiblicher Vater?

Leider handelt es sich bei Sarah aber nicht um eine gewöhnliche Frau, weswegen die löbliche Bereitschaft, sich zu ändern, nicht genug ist. Nach nur wenigen Tagen wird die Illusion der Normalität kaltblütig von Rachels Handlanger Daniel (Matthew Bennett) vernichtet. Nicht genug damit, dass Sarah nun schon wieder von Kira getrennt wird - sie wird in kurzer Folge auch noch das Opfer eines brachialen Unfalls. Es bleibt zu hoffen, dass sich der Klon ebenso schnell von Zusammenstößen mit heranbrausenden Fahrzeugen erholen kann, wie es bei ihrer Tochter der Fall ist.

Blick in eine verstörende Zukunft

Die gemeinsame Forschungsarbeit von Cosima und Delphine (Evelyne Brochu) wird in Mingling Its Own Nature With It bedeutungsvoller und bedrückender zugleich. Allem Anschein nach bemüht sich Delphine gegenüber ihrer Freundin tatsächlich um eine größtmögliche Transparenz und konfrontiert sie mit dem Videotagebuch eines weiteren Klons. Doch die Freude darüber, mit Jennifer ein weiteres genetisches Duplikat kennenzulernen und dementsprechend eine weitere Kostprobe der bemerkenswerten Wandelbarkeit von Tatiana Maslany präsentiert zu bekommen, währt nur kurz. Denn die gänzlich unschuldig und liebenswert erscheinende Lehrerin ist bereits der Lungenkrankheit zum Opfer gefallen, von der auch Cosima selbst betroffen ist.

Indem man Jennifer beim Dahinsiechen beobachtet, scheint einem gleichzeitig ein Blick in Cosimas Zukunft gewährt zu werden. Der verstörende Höhepunkt dieser bedrückenden Prognose wird bei der Obduktion von Jennifers Leichnam erreicht. Obwohl dem Anblick der offengelegten Organe hier eine verstörende Wirkung innewohnt, ist es doch am schlimmsten, wenn die Kamera wieder und wieder auf dem von Krankheit und Tod entstellten Gesicht der Toten verharrt.

Obgleich Cosima die Anzeichen ihrer Furcht und ihrer Betroffenheit dabei auf ein Minimum zu reduzieren vermag, dürfte in ihrem Inneren die Befürchtung an Substanz gewinnen, ebenso zu enden wie ihre Doppelgängerin. Doch vielleicht trägt ja die Erkenntnis, dass die mysteriöse Krankheit ihren Ursprung in den Gebärmuttern der Klone zu haben scheint, dazu bei, endlich eine Heilung zu finden.

Der tiefe Fall der Alison

Als Felix sich endlich dazu entschließt, der traumatisierten Alison zu Hilfe zu kommen, ist es bereits zu spät. Zwar kommt im Umgang mit (Kristian Bruun) noch einmal kurz ihre Kämpfernatur zum Vorschein, als sie ihren verhassten Beobachter per Staubsauger und einer schroffen Zurückweisung von dessen sexuellen Avancen („I just took a shower!“; „Ich habe gerade geduscht!“) traktiert.

Doch bereits als Alison auf stümperhafte Weise von Angie (Inga Cadranel) angegangen wird, macht sich bemerkbar, dass Alison rapide auf die Grenzen ihrer Belastbarkeit zusteuert. Als die Hausfrau dann bei der Premiere ihres gräulichen Musicals konstant mit der posthumen Präsenz Aynsleys, und zugleich mit Donnie konfrontiert wird, bricht Alison schließlich unter der Last ihrer unfreiwilligen Sonderstellung und dem Einfluss eines potenten Cocktails aus Tabletten und Spirituosen zusammen.

Da man Alison in der Vergangenheit gerade aufgrund der verbissenen Weigerung, ihren Anspruch auf Normalität aufzugeben, ins Herz geschlossen hat, trifft einen ihr - nicht nur sprichwörtlich zu verstehender - Fall besonders hart.

Helena

Obwohl es traurig stimmt, Alison in ihrem isolierten Leid zu beobachten, überwiegt doch die Betroffenheit, die man beim Anblick der betäubten Helena in den Fängen von Henrik Johanssen (Peter Outerbridge) und seiner prolethianischen Sekte empfindet. Die Tatsache, dass der Pastor Helena - im Gegensatz zu seiner Tochter Gracie (Zoe De Grand Maison) - nicht mit überbrodelnder Verachtung begegnet („She does have a soul and she does have a purpose“; ungefähr: „Sie hat eine Seele und ihr Leben hat einen Zweck“), täuscht nicht darüber hinweg, dass der gebeutelten Kreatur hier schon wieder ein schweres Unrecht angetan wird.

So erinnert der Ritus, in dem sich Johanssen mit Helena verbinden lässt, in Kombination mit deren weißem Gewand und der Art, wie sie von dem Pastor auf Händen getragen wird, unheilschwanger an eine Heirat. Man möchte gar nicht daran denken, was der Zuchtenthusiast mit seinem hilflosen Opfer als nächstes vorhat. Zwar hat sich Art (Kevin Hanchard) mittlerweile bis an das Hauptquartier der Fanatiker herangetastet. Dennoch suggeriert die Art der Inszenierung, dass die Intervention des Polizisten hier nicht mehr rechtzeitig geschehen wird.

Fazit

Obwohl Kira mit ihrer Feststellung, „Onkel Felix beim Zelten ist witzig“, wie so oft den Nagel auf den Kopf trifft, hinterlässt die Episode in ihrer Gänze einen niederschmetternden Eindruck. Während man sich in Bezug auf Sarahs Überleben wohl keine allzu großen Sorgen machen muss, schürt das Schicksal der keuchenden Cosima ebenso Mitleid wie das von Alison.

Doch die schreckliche Weise, in der Helena neuerlich misshandelt und instrumentalisiert wird, macht regelrecht wütend. Diese Emotion wird noch dadurch verstärkt, dass der blonde Klon sich nach wie vor durch eine kindliche Zutraulichkeit auszeichnet, und - selbst nachdem ihre Zwillingsschwester sie töten wollte - noch voller Zuneigung von ihr und der Nichte Kira berichtet.

Maslany leistet wie immer eine großartige Arbeit und kann besonders in dem tränenreichen Zwiegespräch mit Kira begeistern. In Bezug auf Jennifer stimmt es traurig, dass wir diese neue Facette der Schauspielerin wohl nicht noch intensiver kennenlernen werden.

Auch Michiel Huisman, der in Game of Thrones für Ed Skrein als Daario Naharis eingesprungen ist, kann in seiner Rolle überzeugen. Es bleibt zu hoffen, dass das immense Vertrauen, das Sarah in den früheren Konstrukteur von geflügelten Bestäubern setzt, nicht enttäuscht wird.

Cosimas Telefonat mit Alison stellt in Mingling Its Own Nature With It den einzigen zwischenklonigen Kontakt dar. Und obwohl Orphan Black in dieser Episode beweist, dass die verschiedenen Doppelgängerinnen auch im Alleingang in ihren Bann ziehen können, wäre es doch wünschenswert, wenn die Interaktionen der Klone in Zukunft wieder zunimmt. Denn der Zauber der Serie und ihrer bemerkenswerten Hauptdarstellerin entfaltet sich gerade dann am eindrucksvollsten.

Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 5. Mai 2014
Episode
Staffel 2, Episode 3
(Orphan Black 2x03)
Deutscher Titel der Episode
Schein und Sein
Titel der Episode im Original
Mingling Its Own Nature With It
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Samstag, 3. Mai 2014 (Space)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 2. Dezember 2014
Autor
Alex Levine
Regisseur
T.J. Scott

Schauspieler in der Episode Orphan Black 2x03

Darsteller
Rolle
Jordan Gavaris
Kevin Hanchard
Art
Evelyne Brochu
Maria Doyle Kennedy
Ari Millen

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