Orphan Black 2x04

Orphan Black 2x04

Die Episode Governed as It Were by Chance begeistert vor allem durch die packenden Passagen, die geradewegs dem Horror-Genre entliehen sind. Obwohl man zeitweise nicht genau weiß, was in Orphan Black gerade vor sich geht, genießt man doch die wilde Fahrt.

Helena (Tatiana Maslany) muss in „Orphan Black“ schon wieder durch die Hölle gehen... / (c) BBC America
Helena (Tatiana Maslany) muss in „Orphan Black“ schon wieder durch die Hölle gehen... / (c) BBC America

Nach der Episode Governed as It Were by Chance ist es nur verständlich, wenn einem ein wenig der Kopf schwirrt. Die Zuschauer werden von alptraumhaften Schreckensbildern heimgesucht und nicht nur in Bezug auf die Rolle, die Mrs. S (Maria Doyle Kennedy) in Orphan Black spielt, mit einer Fülle von neuen Informationen konfrontiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass die verschiedenen Verschwörungen im Umfeld der Klone signifikant an Klarheit gewinnen würden...

Helena

Der Ehering an Helenas (Tatiana Maslany) Finger scheint eine bitterböse Gewissheit mit sich zu bringen, die einen in Bezug auf die gematerte Kreatur nicht nur tiefes Mitleid, sondern auch ohnmächtige Wut empfinden lässt. Erst später wird in Form von meisterhaft verstörend inszenierten Erinnerungsfetzen deutlich, dass Henrik Johanssen (Peter Outerbridge) Helena zwar nicht vergewaltigt hat, dass ihr aber von ihm mindestens eine Eizelle gestohlen wurde.

Nicht nur im Umgang mit Henriks verblendeter Tochter Gracie (Zoé De Grand Maison) ist es die Figur der Helena, die den Großteil der dramatischen Höhepunkte zu dieser Episode von Orphan Black beisteuert. Der Klon scheint in dem blutüberströmten Hochzeitskleid zwar optisch geradewegs aus der Hölle entsprungen zu sein. Dennoch sieht Helena davon ab, Gracie als Rache für deren hasserfüllten Übergriff zu töten. Und auch als sie später in Rachels Cold Bitch Digest-Apartment auftaucht, rettet sie ihre Zwillingsschwester Sarah aus den Fängen des ruchlosen Daniel (Matthew Bennett), anstatt sich bei ihr für den Mordanschlag zu rächen.

Sarah

Bevor es in Rachels Badezimmer zu einer packend inszenierten Wiedervereinigung mit ihrer Schwester kommt, hält Sarahs Erzählstrang einige Überraschungen bereit, die zum Stirnrunzeln verleiten. So wirkt es fast ebenso erstaunlich, dass es Cal Morrison (Michiel Huisman) gelingen konnte, seinen zeitlichen Rückstand wieder wett zu machen, um in das Auto von Daniel zu krachen, wie die Tatsache, dass er Sarahs Leben auf eine derartig risikobehaftete Weise gefährden konnte.

Die am eindeutigen Unfallort vorbeirasende Polizeistreife hat von einem Zwischenstopp sicherlich aus dem Grunde abgesehen, dass sie sich auf dem Weg zu einem erschossenen Kollegen befunden hatte. Dies erklärt jedoch nicht, warum sich auch später kein Beamter auf den Weg zu dem Autowrack macht, der unter den flüchtig drappierten Zweigen fraglos auf den bewusstlosen Daniel hätte stoßen müssen.

Trösten kann man sich hier mit dem liebevollen Eindruck, den Cal nach wie vor macht, obwohl es kurz einen verdächtig erscheinenden Zoom auf das Gesicht von Kiras (Skyler Wexler) Vater gibt, als vom „Militär“ die Rede ist.

Cosima

Während Sarah auf ihrer Spurensuche auch aus einem Agententhriller hätte stammen können und die Begebenheiten um Helena einen das Gruseln lehren, bahnt bei Cosima ein betrübliches Drama an. So wird sie nach der kurzen Lagebesprechung, die trotz des spionagedurchtränkten Umfelds ausgerechnet via Skype abgehalten wird, von einem schrecklichen Hustenanfall geschüttelt. Es bleibt zu hoffen, dass die sympathische Wissenschaftlerin nicht das gleiche Schicksal ereilt wie ihren Klon Jennifer, deren Präsenz in Form ihres Videotagebuches ein besorgliches Licht auf Cosimas Zukunft wirft.

Alison

Von allen Handlungssträngen taugt der um die strauchelnde Alison noch am ehesten dazu, das düstere Szenario von Orphan Black aufzulockern. So ist es äußerst erquicklich, wie sich die Hausfrau im Gespräch mit Felix (Jordan Gavaris) darüber echauffiert, dass eine weitere Insassin ihrer Entzugsklinik sich die Achseln rasiert habe. Doch als dann Donnie (Kristian Bruun) in Alisons Zimmer erscheint und indirekt damit droht, sie von ihren beiden Kindern fernzuhalten, bleibt einem das Lachen ebenso im Halse stecken wie Alison ihre wütenden Beleidigungen.

Die beiden Sprösslings der Familie Hendrix sind zwar bereits so lange nicht mehr in der Serie in Erscheinung getreten, dass man sie als Zuschauer beinahe vergessen könnte. Doch für Alison stellt Donnies unterkühlte Demonstration seiner Macht selbstverständlich eine schreckliche Bedrohung dar.

Mrs. S

Nachdem Mrs. S zuletzt in ihrer frappierenden Brutalität schockiert hatte, offenbart sie in Governed as It Were by Chance nun eine weitere Facette. Die Leidenschaft, die sie gegenüber ihrem früheren Weggefährten Carlton (Roger R. Cross) an den Tag legt, hätte man der sonst eher in mütterliches Licht getauchten Figur zwar kaum zugetraut. Das Intermezzo mit dem Mann, der einst Sarah nach Kanada geschmuggelt hatte und die Tatsache, dass Mrs. S allem Anschein nach doch nicht mit den Wissenschaftlers der „Operation LEDA“ im Bunde ist, tragen jedoch einen großen Teil dazu bei, dass man sich wieder ein Stück für ihre Figur erwärmen kann.

Fazit

In dieser Episode von Orphan Black gibt es gleich mehrere Begebenheiten, die innerhalb der Serienrealität einen unrealistischen Eindruck machen oder die man zumindest nicht gänzlich nachvollziehen kann. Neben Cals Kamikaze-Strategie ist es so auch sonderbar, dass Art (Kevin Hanchard) beim Anblick von Helena nicht sofort deren Verfolgung aufnimmt.

Auf der anderen Seite bringt Governed as It Were by Chance jedoch auch eine ganze Reihe von Szenen mit sich, deren Anblick Stürme der Begeisterung heraufbeschwört. So ist die Serie selbst beinahe so facettenreich wie das Spiel ihrer famosen Hauptdarstellerin, die in dieser Folge besonders in der Panik beim Anblick der Schreckensvision namens Helena begeistern kann.

Inmitten der Spannung und der emotionalen Höhenflüge tun sich in der Serie auch neue Rätsel auf. Wer war es wohl, der sich im Schrank von Mrs. S versteckt hatte? So wird der Saum des Ledermantels schließlich kaum zu Helena gehört haben. Und was verspricht sich Hendriks davon, sich selbst zum Schöpfer neuen Lebens aufzuschwingen? Man darf gespannt bleiben.

Verfasser: Thordes Herbst am Sonntag, 11. Mai 2014
Episode
Staffel 2, Episode 4
(Orphan Black 2x04)
Deutscher Titel der Episode
Verschlungene Pfade
Titel der Episode im Original
Governed as It Were by Chance
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Samstag, 10. Mai 2014 (Space)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 2. Dezember 2014
Autor
Russ Cochrane
Regisseur
David Frazee

Schauspieler in der Episode Orphan Black 2x04

Darsteller
Rolle
Jordan Gavaris
Kevin Hanchard
Art
Evelyne Brochu
Maria Doyle Kennedy
Ari Millen

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