Orphan Black 2x02

Die Episode Governed By Sound Reason and True Religion ist, wie auch die anderen Folgen der zweiten Staffel von Orphan Black, nach einem Zitat des Philosophen Francis Bacon benannt.
Die Kräfte des Rationalen und die der Religion, die sich im Titel wiederfinden, werden in der Serie von den Neolutionisten auf der einen, und den Prolethianern auf der anderen Seite verkörpert. In der neuen Episode kristallisiert sich dabei mit den Anhängern des Pastors Henrik Johanssen (Peter Outerbridge) eine neue Gruppierung heraus, die ebenfalls im letztgenannten Lager verortet ist. Während im Umfeld der Klone ein immer komplexer werdendes Netz aus Verschwörungen floriert, wird Sarah (Tatiana Maslany) endlich wieder mit ihrer Tochter Kira (Skyler Wexler) vereint. Unerwartet kommt es dabei auch zu einem Wiedersehen mit Mrs. S (Maria Doyle Kennedy). Doch das verläuft weit weniger herzlich, als man es der Vefolgten gewünscht hätte...
Das Mysterium Mrs. S
Was hat es nur mit Mrs. S auf sich? Einerseits beweist Sarahs Adoptivmutter in Governed By Sound Reason and True Religion eindringlich, dass sie zu extremen Grausamkeiten fähig ist. Auch die Tatsache, dass Kira der Frau trotz ihrer engen Beziehung misstraut, nährt die Skepsis. Zudem belügt Mrs. S Sarah, als sie die Kenntnis über das Project Leda zunächst abstreitet, bevor sie es dann jedoch ihrerseits gegenüber Brenda (Nora McLellan) zur Sprache bringt. Den Verrat durch ihre früheren „Birdwatcher“-Mitstreiter - die mittlerweile zum Prolethianismus konvertiert sind - bestraft Mrs. S so gnadenlos und brutal mit Messer und Gabel (WTF!), dass man von der Gewalt regelrecht überwältigt wird.
Zweifellos werfen ihre zahlreichen Geheimnisse ein fragwürdiges Licht auf Mrs. S. Doch indem sie nicht nur ihre früheren Weggefährten erschießt, sondern Sarah zudem auch mit Kira entkommen lässt, scheint sie doch ihre Loyalität gegenüber der Stieftochter zu untermauern.
Eine schreckliche Gewissheit
Die arme Alison hat es in Governed By Sound Reason and True Religion wahrlich nicht leicht. Der Geist ihrer Freundin Aynsley Norris verfolgt sie auch posthum in Form von überdimensionalen Portraits. Als Alison dann auch noch feststellen muss, dass es doch ihr Ehemann Donnie (Kristian Bruun) war, der sie im Auftrag des Dyad Institute observiert, bricht für Alison gänzlich die Welt zusammen. Nicht nur ist ihre gesamte Ehe eine Lüge. Auch der Vertrag mit Dr. Aldous Leekie (Matt Frewer), der ihr doch ein Ende der Überwachung zugesichert hatte, stellt sich als Farce heraus.
Alison, auf sich gestellt
Alisons Interaktion mit Felix (Jordan Gavaris) steuert zwar nach wie vor verlässlich die humorigen Höhepunkte für Orphan Black bei (so tröstet ihr unwahrscheinlicher Freund sie auch auf unnachahmliche Weise, indem er Aynsleys Schal eine Mitschuld an deren Verderben einräumt). Doch ausgerechnet als sich für Alison jegliche Chance auf ihre geliebte Normalität in Luft auflöst und sie von der Tragweite ihrer unterlassenen Hilfeleistung eingeholt wird, versagt Felix ihr die Hilfe. Verraten vom Ehemann, getäuscht von ihren „Erzeugern“ und vom Rest des „Klon Clubs“ isoliert, wird Alison nun wohl verstärkt im Schoß von Tabletten und Alkohol Zuflucht suchen.
Obwohl man die sympathische Figur zu diesem Zeitpunkt zutiefst bemitleidet, birgt Alisons Lage doch auch ein gewisses Potential. Denn zum einen könnte es nun bald zum ersten Aufeinandertreffen mit Cosima kommen. Und zum anderen besteht die Chance, dass die Hausfrau im Rausch wieder zur Klebepistole greift...
Cosima
Der Handlungsstrang von Cosima würde durchaus durch den frischen Wind profitieren, der Alisons Charakter so verlässlich umweht. Denn momentan beschränken sich die Auftritte des Klones auf Flirtereien mit Delphine (Evelyne Brochu), das Kräftemessen mit Rachel („I was clever when I was like six...“; ungefähr „Clever war ich mit sechs schon...“) und das Einrichten ihres neuen Labors.
Helena
Die Tatsache, dass Helena ihre Hinrichtung überlebt hat, dürfte beim einen oder anderen Zuschauer der Anlass für Kritik gewesen sein. Doch in dieser Episode gelingt es Orphan Black gut, das vermeintliche Wunder im Nachhinein zu rechtfertigen. So erfahren wir zum einen, dass Mark (Ari Millen) ihr gerade noch rechtzeitig zu Hilfe gekommen war. Zum anderen - und das ist wohl die maßgeblichere Offenbarung - liegen bei Helena die Organe auf der „falschen“ Seite. Das Situs inversus-Phänomen, das übrigens auch in der Realität in sehr seltenen Fällen und vor allem bei Zwillingen vorkommen kann, erklärt auch, warum der Schuss auf die linke Brust Helena nicht getötet hat.
Im Namen Einsteins?
Nun befindet sich Sarahs ukrainischer Zwillingsschwester in der Gewalt des Pastors Henrik Johanssen. Zwar verzichtet der Gottesmann darauf, die Klone als „it“ zu bezeichnen und somit zu versächlichen. Doch gleichzeitig veranlasst er seinen Handlanger Mark dazu, Helenas „Ziehvater“ Tomas (Daniel Dash) per Bolzenschussgerät im „No Country for Old Men“-Stil von seinen masochistischen Leiden zu erlösen.
Wenn der Pastor nicht gerade Einstein zitiert und sich dabei für eine ganzheitliche Betrachtung von Religion und Wissenschaft stark macht, besamt er Kühe. Sein im Grunde genommen unverfängliches Hobby schürt erst in Kombination mit seinen Mutmaßungen über Helenas Fruchtbarkeit die Angst. Steht der stets entrechteten und oft misshandelten Frau bereits die nächste Tortur bevor?
Fazit
Auch die Episode Governed By Sound Reason and True Religion verzichtet darauf, allzu viel Licht in die vielschichtige Dunkelheit eindringen zu lassen. Während die Handlung nicht in allen Erzählsträngen Fortschritte verbucht, ist es dabei doch endlich gelungen, die Figur von Art (Kevin Hanchard) aufzuwerten, indem er nun zum Mitwisser und Teil des Klon Clubs befördert wurde. Nachdem sich Sarah, Kira und Felix nun erst einmal auf der Flucht befinden und es möglich wäre, dass wir das Trio für eine Weile nicht zu Gesicht bekommen, wäre es doch sehr wünschenswert, wenn der charismatische Polizist dann statt Sarah in den Kontakt mit einem der anderen Klone treten würde.
Vielleicht kann sich Art ja sogar mit Alison zusammentun, die in dieser Episode geradewegs auf einen neuen Tiefpunkt zusteuert. Man wünscht ihrer entmutigten Figur („Even my own clones think I am useless“; „Sogar meine eigenen Klone halten mich für nutzlos“) in jedem Falle, dass ihre Niedergeschlagenheit nicht von Dauer ist. Denn ein Orphan Black ohne den erfrischenden Alison-Humor ist ein deutlich entwertetes Orphan Black.
Sowohl für die Neolutionisten als auch für die Prolethianer im Umfeld des interessanten Pastors Johanssen ist die Tatsache, dass Sarah ein Kind bekommen konnte, von wesentlicher Bedeutung. Während man auf Seiten der Wissenschaftler hier den Durst nach neuen Erkenntnissen und sicherlich auch Profitgier als Motivation vermuten könnte, sind die Motive der religiösen Splittergruppe noch unergründlich. Trotz eines unheilschwangeren Gefühls bezüglich Helena kann man es kaum erwarten, tiefer in dieses verlockende Geflecht aus Lügen und verschleierten Interessen einzutauchen.
Ach ja, und Tatiana Maslany hat die mittlerweile hohen Erwartungen auch in dieser Episode nicht enttäuscht...
Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 29. April 2014(Orphan Black 2x02)
Schauspieler in der Episode Orphan Black 2x02
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