Orphan Black 1x07

Orphan Black 1x07

Die siebte Episode von Orphan Black offenbart Details über die Bösewichte, die Sarah und die übrigen Klone bedrohen. Obwohl Dr. Leekie und Olivier etwas zu stereotypisch daherkommen, ist die Serie besonders dank Maslany so mitreißend wie eh und je.

Helena (Tatiana Maslany) tanzt in „Orphan Black“ ausgelassen mit einem Schwanz in der Hand. / (c) BBC America
Helena (Tatiana Maslany) tanzt in „Orphan Black“ ausgelassen mit einem Schwanz in der Hand. / (c) BBC America

In der Episode Parts Developed in an Unusual Manner wird der Zusammenhalt der Klone ausgerechnet durch eine der ihren auf eine harte Probe gestellt. Doch die Orphans im Umfeld von Sarah Manning (Tatiana Maslany) müssen sich nicht nur vor Helena in Acht nehmen - auch Olivier (David Richmond-Peck) und Dr. Aldous Leekie (Matt Frewer) kommen ihnen gefährlich nahe.

Couples Retreat

Alison hat sich mit ihrem Mann Donnie (Kristian Bruun) für einen romantischen Kurztrip zurückgezogen, um ihre Beziehung nach den aufreibenden Erlebnissen der Episode Variations Under Domestication (1x06) wieder in harmonischere Bahnen zu lenken. Dies wirkt wie ein sympathisches Augenzwinkern der Drehbuchschreiber in Bezug auf die oft verwendete Strategie, die Abwesenheit eines Schauspielers durch eine - meist unplausible - Begebenheit zu erklären. Denn bei Orphan Black ist Tatiana Maslany schließlich ohnehin am Set.

Die Schurken?

Die Inszenierung ist auf überzeugende Weise auf die Situation des jeweiligen Klons abgestimmt: Im Falle von Helena wirkt alles so verschwommen und verzerrt wie ihr Geisteszustand, während sie weiterhin von Tomas (Daniel Kash) - dem Mann mit dem Fischring - gepflegt wird. Endlich bekommen wir auch dessen Gesicht zu sehen. Überhaupt ist die Episode Parts Developed in an Unusual Manner in gewisser Weise den augenscheinlichen Bösewichten gewidmet. Im Handlungsstrang von Cosima lernen wir den unangenehmen Wissenschaftler und „Neolutionisten“ Aldous Leekie etwas näher kennen. Dieser versucht, sich mithilfe seiner hübschen Geliebten Delphine (Evelyne Brochu) und einem aussichtsreichen Jobangebot das Vertrauen der misstrauischen Cosima zu erarbeiten. Doch der clevere Klon dreht den Spieß um und begibt sich in eine leidenschaftliche Kussoffensive.

Sarah hingegen wird über Paul (Dylan Bruce) in die Einflusssphäre des undurchsichtigen Olivier gezwungen. Genau wie der - bei Cosimas Anblick geifernde Leekie - wirkt auch Olivier ein wenig überzeichnet, während er in seiner Freizeit ausgerechnet kleine Wolpertinger zusammensetzt. Es hatte stets den Anschein, dass er mit den Schöpfern der Klone im Bunde war - wie sonst wäre er auf Beth aufmerksam geworden oder warum hätte er ihr mit Paul einen Wächter - samt dessen ansehnlicher Wohnung - finanzieren sollen? Doch die ausgeprägte Faszination, die er Sarah und ihren Doppelgängerinnen entgegenbringt, spricht dafür, dass auch er nur über Teile des rätselhaften Puzzles informiert ist, das die Klone nun selbst zusammensetzen müssen.

Zwischen Sarah (Tatiana Maslany) und Mrs. S (Maria Doyle Kennedy) kommt es zur Versöhnung. © BBC America
Zwischen Sarah (Tatiana Maslany) und Mrs. S (Maria Doyle Kennedy) kommt es zur Versöhnung. © BBC America

Helena

Sämtliche Abneigung, die man der Ukrainerin Helena entgegenbringen könnte, überträgt sich restlos auf Tomas. Und zwar spätestens dann, als seine perfide Strategie der Manipulation und die Gewalt zutage treten, mit der er seine Schutzbefohlene instrumentalisiert: „You are the original, you are the light.

Tomas, der den Klonen aufgrund religiösen Fanatismus nachstellt oder seine Jagd zumindest vor Helena auf diese Weise rechtfertigt, zwingt Helena, auch Sarah zu überwältigen. Obwohl Helena zu dieser eine besondere Verbindung spürt...

An Maslanys Darstellung der Ukrainerin könnte höchstens der Akzent bemängelt werden, der ab und an etwas künstlich wirkt. Alles andere jedoch - die Gestik, die Mimik - ist absolut phänomenal, während der Charakter anhand nur weniger Schlüsselszenen in Höchstgeschwindigkeit zum Leben erweckt wird. Ihre Essgewohnheiten (Wackelpudding mit Zucker) bezeugen nicht nur, dass Helena nicht mit der westlichen Esskultur vertraut ist. Durch ihr Verhalten wird zudem auf prägnante Weise Helenas innere Kindlichkeit nach außen getragen. Doch egal, wie gerne man diese gemarterte Kreatur ins Herz schließen möchte - es bleibt die Angst, dass sie Sarah am Ende doch noch töten will. So stellt sie ihrem genetischen Ebenbild - nach einem niedlichen Rülpserchen - auch ein Ultimatum: Sie verlangt die Namen der anderen Klone, sonst soll Sarah ihr erstes Opfer werden.

Polizeiarbeit mit Cliffhanger

Endlich kommt es zu einem überfälligen Wiedersehen mit Beths früherem Partner Art (Kevin Hanchard), der sich in einem - von Tatiana Maslany unabhängigen Handlungsstrang - austoben darf. Eingeleitet wird die Polizeigeschichte auf etwas alberne, aber nicht unpassende Weise, indem Felix' (Jordan Gavaris) Statement der „identical DNA“ nach einem Szenenwechsel ohne Umschweife von Art aufgegriffen wird. Doch die Gesetzeshüter stehen in ihrem Erkenntnisprozess noch ganz am Anfang. Die spontane Schlussfolgerung „Das sind sicher Klone!“ wäre ja auch tatsächlich etwas viel verlangt. Zum Glück macht diese Handlung dann aber noch einen Sprung, wodurch die Polizeigeschichte genau auf das richtige Maß verkürzt wird. In dem Cliffhanger stößt Art über Katjas Fingerabdrücke auf Sarahs Vorstrafenregister - und die frappierende Ähnlichkeit zu seiner Kollegin Beth entgeht ihm ebenfalls nicht.

Liebesdienste

In seinem Verhör durch Olivier hält Paul stoisch an seiner Loyalität gegenüber Sarah fest. Gleichzeitig manifestiert sich ein dunkles Geheimnis, das mit Pauls Zeit in Afghanistan zu tun hat und ihn erpressbar macht. Es ist ein Stück weit unverständlich, warum Paul selbst sein Leben riskieren sollte, um ein Mädchen zu retten, das er erst seit kurzem kennt. Sein Opfer wird ihm aber glücklicherweise durch Sarah vergolten. Nachdem sie Paul zuvor noch verschweigt, neben Alison auch Helena und Cosima getroffen zu haben, wagt sie sich nach Pauls selbstloser Warnung in die Höhle des Löwen Olivier, um ihn zu retten. Auch dieser altruistische Akt lässt sich wohl nur dadurch erklären, dass Liebe die Sinne sehr effektiv vernebeln kann...

Hier kann man die Körpermodifikation von Olivier (David Richmond-Peck) ein letztes Mal aus der Nähe betrachten. © BBC America
Hier kann man die Körpermodifikation von Olivier (David Richmond-Peck) ein letztes Mal aus der Nähe betrachten. © BBC America

Klone in Hochform

Wie so oft begeistern auch in dieser Episode von Orphan Black besonders die verschiedenen Klone. Mrs. S (Maria Doyle Kennedy) gibt ihrem Pflegekind Sarah einige wichtige Hinweise auf ihre Vergangenheit. Dabei wird erstmals auch der Charakter Carlton - Sarahs vermutlicher Retter - eingeführt. Dann kommt es zwischen den beiden Frauen endlich zu einer versöhnlichen Umarmung, die große Gefühle heraufbeschwört.

Während Cosima und Sarah in einer schönen Sequenz trotz all ihrer offenkundigen Unterschiede mit „Bitch!“ eine erheiternde Ähnlichkeit entfleucht, ist der Klonstar der Woche aber eindeutig Helena. Neben den bereits angeführten unreifen Charakteristika, die sich erneut in ihrem wirklich wunderbaren Alltagsgespräch mit Pauls Foto manifestieren, begeistert ihre Figur auch in ihrem gottesfürchtigen Wahn. In einer brutaleren Vartiante des doppelten Lottchens verhilft Helena nicht nur Sarah und Paul zur Flucht, sondern schneidet auch Oliviers hinzugezüchteten Schwanz ab, was sie im Anschluss grandios ausgelassen auf der Tanzfläche zelebriert. Wie sehr der Klon in seinem mitreißend gruseligen Feldzug von religiösen Werten geprägt ist, manifestiert sich noch einmal in der Mutmaßung über Oliviers „Add-on“: „Did you lay with a beast?

Fazit

Obwohl die Episode Parts Developed in an Unusual Manner den Zuschauern eine Reihe von Antworten präsentiert, ist das Miträtseln noch lange nicht vorbei: Wie genau stehen die Schöpfer der Klone mit den Neolutionisten in Verbindung? Warum hat Beth Maggie Chan, die allem Anschein nach mit den religiösen Fanatikern im Bunde steht, erschossen? Warum ist Sarah in Helenas Augen etwas Besonderes?

Erst langsam ordnet sich das Chaos, das die Klone umgibt. Verbindungen und Feindschaften manifestieren sich, neue Bündnisse werden geschmiedet.

Die Liebe, die sich zwischen Paul und Sarah quasi auf den ersten Blick entwickelt haben muss, wirkt noch etwas unplausibel. Auch machen die Bösewichte - der „religiöse Fanatiker“ oder auch der „skrupellose Wissenschaftler“ - teilweise einen recht stereotypischen Eindruck. Doch die schiere Masse an Bedrohungen für die Klone erhält das Gefühl der unterschwelligen Bedrohung, das die Serie so auszeichnet, ebenso aufrecht, wie der großartige Klon Helena. Orphan Black präsentiert die Science-Fiction-Elemente - wie den in an unusual manner entwickelten Schwanz - nun etwas expliziter. Das ist zwar Geschmackssache, tut der Spannung aber keinen Abbruch!

Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 12. Juni 2013
Episode
Staffel 1, Episode 7
(Orphan Black 1x07)
Deutscher Titel der Episode
Am Haken
Titel der Episode im Original
Parts Developed in an Unusual Manner
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Samstag, 11. Mai 2013 (Space)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 23. Mai 2014
Autor
Tony Elliott
Regisseur
Brett Sullivan

Schauspieler in der Episode Orphan Black 1x07

Darsteller
Rolle
Jordan Gavaris
Kevin Hanchard
Art
Maria Doyle Kennedy
Evelyne Brochu

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