Orphan Black 1x08

Orphan Black 1x08

Die Orphan Black-Episode Entangled Bank treibt einige Klone auseinander und führt die Zuschauer auf falsche Fährten. Als Zugabe gibt es gleich mehrfachen Sex, einen Mord und einen gravierenden Schock-Moment. Und jede Menge Maslany.

Cosima (Tatiana Maslany) und Delphine (Evelyne Brochu) kommen sich in „Orphan Black“ sehr nahe. / (c) BBC America
Cosima (Tatiana Maslany) und Delphine (Evelyne Brochu) kommen sich in „Orphan Black“ sehr nahe. / (c) BBC America

In der vorangegangenen Episode Parts Developed in an Unusual Manner durfte Tatiana Maslany besonders in ihrer Rolle der Helena begeistern. In der achten Folge von Orphan Black brilliert die Schauspielerin wieder an mehreren Fronten.

Sex, Drugs and Alison

Trotz ihres romantischen Kurztrips konnte Alison die Beziehung zu ihrem Ehemann Donnie (Kristian Bruun) nicht retten. Weil die vielen Geheimnisse ihr keine Luft mehr zum Atmen lassen, zieht sie nun selbst eine Scheidung in Betracht. Dieser drastische Einschnitt in Alisons Leben und ihre „reclaiming my life“-Bemühungen, bei denen sie sich augenscheinlich auch durch Sarah hat inspirieren lassen, treiben eine Reihe von unterhaltsamen Blüten:

In der neuen Kompromisslosigkeit nimmt die Hausfrau den Kampf gegen ihre neugierige Freundin Aynesley Norris (Natalie Lisinska) auf, in der sie ihren persönlichen Observer vermutet. Alisons Annäherung an deren Mann Chad (Eric Johnson) kommt in diesem Zusammenhang zwar nicht gerade unverhofft, ist aber deswegen nicht minder erquicklich: Nach ein paar Joints und sportlichem Dirty-Talk geht es zwischen den beiden „Sharks“ in Chads Auto zur Sache. Angesichts der komödiantischen Gesamtwirkung, die von diesem Intermezzo ausgeht, kann man der Inszenierung sogar das alberne Gehupe vergeben.

Reue

Gerade als sich Alison an ihrem unmoralischen Ausbruch ergötzt - indem sie sehr passend „I'm a sinner I'm a saint“ vor sich hin singt -, taucht Aynesley auf der Bildfläche auf. Ohne lange zu zögern stürzen sich die beiden in einen stimmig ausgearbeiteten Cat Fight.

Damit sind Alisons Paradeszenen jedoch noch nicht gezählt. Später sitzt sie zusammen mit Sarah in der Küche von Mrs. S (Maria Doyle Kennedy) in Toronto und fragt sich, warum sie - im Gegensatz zu ihrem rebellischen Klon - nie vernünftig „F it“ sagen kann. An der Interaktion der beiden Doppelgängerinnen, in der zaghaftes Trost-Spenden auf theatralisches Selbstmitleid trifft, wird wieder einmal eindrucksvoll deutlich, wie großartig es Tatiana Maslany gelingt, aus ihren verschiedenen Rollen überzeugende Individuen erwachsen zu lassen.

Entfremdung

Zwischen Cosima und Sarah geht es weniger harmonisch zu: Der wissenschaftlich versierte Klon denkt weiterhin über ein Bündnis mit den Neolutionisten im Dunstkreis von Dr. Aldous Leekie (Matt Frewer) nach, was schließlich in einem Klonstreit resultiert. Bittere Vorwürfe werden ausgetauscht: „You were the one who turned our killer against our creators.“ Felix veranlasst die Auseinandersetzung zu einem seiner typischen, pointierten Statements: „Hang up, she is a Freaky-Leekie!

Zwischen Alison (Tatiana Maslany) und Aynesley (Natalie Lisinska) kommt es gleich zu einem Streit. © BBC America
Zwischen Alison (Tatiana Maslany) und Aynesley (Natalie Lisinska) kommt es gleich zu einem Streit. © BBC America

Annäherung?

Allem Anschein nach ist das Misstrauen von Felix und Sarah nicht unbegründet: Zunächst deutet alles darauf hin, dass Cosima ihren Einfluss auf die Gefühlswelt von Delphine (Evelyne Brochu) unterschätzt hat. So legt die Französin ihre postkoitale Lethargie ab und stößt in Cosimas Wohnung auf deren Aufzeichnungen über die verschiedenen Klone. Besonders an der Tatsache, dass Delphine ihrem Mentor und Liebhaber Leekie trotzdem nicht von Kiras (Skyler Wexler) Existenz berichtet, wird jedoch deutlich, dass sie Cosima wahrhaftig ins Herz geschlossen hat.

Mord und Rätsel

Als Leekies Reflektion im Spiegel neben der des verwundeten Olivier (David Richmond-Peck) zu sehen ist, betont die Beleuchtung der beiden auf stimmige Weise, dass der nun tatsächlich finstere Wissenschaftler Böses mit Olivier im Sinn hat. Als wenig später ein Mann im Arztkittel den Amputierten ins Jenseits befördert, ist es so nicht allzu schwer, eine Verbindung zu Leekie zu ziehen. Dass der Killer dennoch die Grüße seines Auftraggebers ausrichten muss, ist zwar wenig subtil. Doch in einer Welt, die so undurchsichtig ist wie die von Orphan Black, ist es doch schön, zumindest in einem Aspekt Gewissheit zu haben. Ungewiss hingegen bleibt das Schicksal von Paul (Dylan Bruce), der durch seine Manipulation von Oliviers Überwachungsvideos eine gewisse Mitschuld an dessen Tod hat. Leekie entlarvt Oliviers Lüge über die Anzahl der Klone in seinem Etablissement so spielerisch, dass als nächstes wohl dem Ex-Soldaten Gefahr droht - schließlich hatte er Olivier erst zu der Falschaussage gebracht.

Auch an anderer Stelle tun sich neue Rätsel auf: Alison, Beth und auch Cosima wuchsen bei Müttern auf, die mittels künstlicher Befruchtung schwanger geworden waren. Die ungeklärte Frage, warum ausgerechnet Sarahs Mutter sich von ihrem vermeintlichen Wunschkind getrennt hatte, führt wieder in das Irland von Sarahs Kindheit. Dort verliert sich eine Antwort jedoch in diffusen Andeutungen über Carlton, der dort allem Anschein nach Kindern zur Freiheit verholfen hatte, an denen experimentiert wurde...

Einsamkeit

Alles an den Helena-Sequenzen ist mitreißend: Das Sounddesign spiegelt sich in einer Reihe von Tiefenschärfenwechseln wider, in denen sich wiederum der verworrene Geisteszustand des Klons abzeichnet. Ein Brief von Sarahs Tochter an ihre Mutter führt den zuckeraffinen Blondschopf aus der dunklen Einsamkeit geradewegs zum Haus von Mrs. S.

Helena (Tatiana Maslany) nimmt zaghaft Kontakt zu Kira (Skyler Wexler) auf. © BBC America
Helena (Tatiana Maslany) nimmt zaghaft Kontakt zu Kira (Skyler Wexler) auf. © BBC America

Der Schock

Dort nimmt Helena Kira - die merkwürdigerweise lieber der Fremden die Tür öffnet, als ihre geliebte Mutter zu begrüßen - mit auf einen kleinen Spaziergang, der für das Kind wahrscheinlich in der Obhut des grausamen Tomas (Daniel Kash) hätte Enden sollen. Die Strecke, die dabei erst von der Ukrainerin und dann von der sie panisch verfolgenden Sarah zurückgelegt wird, macht - was die Entfernung in Anbetracht der verschiedenen Laufgeschwindigkeiten angeht - einen geradezu magischen Eindruck. Aber anstatt sich noch länger über diese kleine Unstimmigkeit zu wundern, wird man schnell von der unschuldigen Wärme Kiras in Beschlag genommen. Auch Helena zeigt sich so berührt, dass sie das Mädchen wieder zu seiner Mutter zurückkehren lassen will. Doch dann wird Kira in einem verstörenden Schock-Moment von einem Wagen erfasst. Abgesehen von der Tragödie, die der Unfall an sich darstellt, manifestieren sich im Geiste der Rezensentin sofort auch alle möglichen Konsequenzen und eine Traurigkeit über die vereitelte Aussöhnung zwischen Helena und Sarah.

Fazit

In der Episode Entangled Bank tappen die Zuschauer oft und lange im Dunkeln - genau wie die Orphans selbst. Die Annahme, dass es sich bei Aynesley um eine Wächterin handelt, wurde zwar ein wenig entkräftet, aber nicht abschließend widerlegt. Überhaupt hat man höchstens Gewissheit darüber erlangt, dass Leekie über Leichen geht. Und das mit unbedarftem Schwung.

Das große Manko vieler Serien - die Inkonsistenz im Handlungsverlauf - wird in Orphan Black wie ein aufmerksamkeitsgenerierendes Element genutzt. So wird in dieser Folge der erhobene Zeigefinger der aufmerksamen Zuschauer provoziert, indem es der Polizei scheinbar entgangen sein soll, dass Sarah Manning gleich zweifach verstorben sein soll. Dieser vermeintliche Bruch in der inner-serieellen Logik, löst sich erst nach einigen Minuten in Luft auf.

Mittlerweile kann man - dank einer gewissen Schauspielerin, die für ihre Mehrfach-Leistung gerade mit einem Critics' Choice Award belohnt wurde „50454“ - zu jedem der Klone eine Verbindung spüren. Nach der achten Episode empfindet man besonders für Sarah und die tragische Gestalt Helena tiefes Mitgefühl, während man Alison für die humoristische Aufheiterung dankt. Maslany, meisterhaft!

Verfasser: Thordes Herbst am Donnerstag, 13. Juni 2013
Episode
Staffel 1, Episode 8
(Orphan Black 1x08)
Deutscher Titel der Episode
Verschlungene Wege
Titel der Episode im Original
Entangled Bank
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Samstag, 18. Mai 2013 (Space)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 23. Mai 2014
Autor
Karen Walton
Regisseur
Ken Girotti

Schauspieler in der Episode Orphan Black 1x08

Darsteller
Rolle
Jordan Gavaris
Kevin Hanchard
Art
Maria Doyle Kennedy
Evelyne Brochu

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