Orphan Black 1x03

In der dritten Episode von Orphan Black muss sich Sarah Manning (Tatiana Maslany) mühevoll das Vertrauen von Beths Partner Art (Kevin Hanchard) zurückerobern. Doch obwohl sie im Laufe von Variation Under Nature endlich die 75.000 Dollar an sich bringen kann, kommt es nicht zu einer Flucht. Stattdessen wird Sarah immer tiefer in einen fantastischen Strudel hinabgerissen, der sich schnell als tödlich erweisen könnte: Welcome to the „Game of Clones“!
Triple Trouble
In dem skurrilen ersten Aufeinandertreffen von Sarah, Cosima und Alison können nicht nur die Verantwortlichen für die Special Effects bei Orphan Black ihre Expertise unter Beweis stellen - die Schauspielerin Tatiana Maslany stellt in jeder der von ihr porträtierten Figuren durch facettenreiches und stimmiges Spiel die Weichen für künftige Begebenheiten. Die drei Frauen begegnen ihrer jeweiligen Überforderung so auf gänzlich verschiedene Weise: Während aufseiten der bislang uneingeweihten Sarah noch der Unglaube dominiert, schlägt sich die wissenschaftlich veranlagte Cosima erstaunlich gelassen und pragmatisch. Die Nerven von Alison hingegen werden in dieser illustren Runde so weit strapaziert, dass sie schließlich genervt die nicht länger zu verleugnende Bombe platzen lässt: „We are clones. We are someone's experiment and they are killing us off.“
Als Sarah von Cosima dafür gerügt wird, Felix (Jordan Gavaris) mit sich gebracht und somit „die erste Regel des Klonclubs“ gebrochen zu haben, überspielt sie durch ihre erquickliche Anspielung an den Film „Fight Club“ („What? Never tell anyone about clone club?“) nicht nur ihre eigene Unsicherheit, sondern stellt auch ihren Galgenhumor unter Beweis. Dieser störrische Witz ist nach Cosimas Meinung eine entscheidende Qualität, wenn es darum geht, nicht - wie Beth - den Verstand zu verlieren...
Polizeiprobleme
Der „Clone Count“ ist bereits bei acht verschiedenen „Ausgaben“ von Sarah angelangt. Die Reaktion der Kleinkriminellen, sich aus dem Staub zu machen, sobald sie Beths Geld an sich gebracht hat, ist also durchaus nachvollziehbar. Doch zunächst muss sie Art davon überzeugen, dass Beth wieder sie selbst ist - in Anbetracht Sarahs komplettem Mangel an Polizeiwissen keine leicht Aufgabe.
Nach der bedrohlichen Hiobsbotschaft, dass jemand den Klonen nach dem Leben trachtet, widerfährt der Geschichte durch dieses Dilemma eine deutliche Auflockerung, mit der jedoch zu jeder Zeit auch die Spannung des potentiellen Entlarvt-Werdens einhergeht. Das „Roger“, mit dem Sarah ihren Funkkontakt mit der Polizeizentrale bereichert, sorgt bei Art für verwirrtes Staunen und schürt gleichzeitig aufseiten der Zuschauer die Sympathien für die ungelenke Betrügerin.

Ihr erster Einsatz konfrontiert Sarah ausgerechnet mit dem Leichnam von Katja - den sie doch selbst vergraben hatte. Zum Glück für die falsche Polizistin wurde der Körper des deutschen Klons durch die Baumaschinen derartig verunstaltet, dass die frappierende Ähnlichkeit zumindest vorerst nicht auffällt.
In der Folge schlägt sich Sarah im Präsidium - wenn man die vertrackten Umstände bedenkt - geradezu fantastisch. Nicht nur macht sie mit Raj (Raymond Ablack) sofort den richtigen Techniker ausfindig, um an Beths Logindaten zu kommen. Zusätzlich kann Sarah eine gefährliche Nachricht über die Übereinstimmung von Katjas Fingerabdrücken verschwinden lassen. Es grenzt zwar an ein Wunder, dass Sarah im Zuge dieser Bemühungen nicht als Betrügerin auffliegt - doch die Straßenschläue und der ausgeprägte Instinkt ihres Charakters verhelfen dem Erfolg zu einer gewissen Plausibilität.
Flucht vereitelt
Allein die Tatsache, dass Sarah mit den anderen Klonen quasi in einem Boot sitzt, hätte die fluchtaffine Kleinkriminelle sicher nicht davon abhalten können, ihre Leidensgenossinnen nicht nur im Stich zu lassen, sondern Alison dabei auch um ihre 75.000 Dollar zu erleichtern. Doch die weisen Worte von Mrs. S (Maria Doyle Kennedy) und das Bedürfnis, in Bezug auf ihre kleine Tochter das Richtige tun zu wollen, vereiteln ein Verschwinden Sarahs - fürs Erste. Zudem liegt der Schluss nahe, sich Verbündete wie die Studentin Cosima, die mit wertvollen Informationen über das Klonen aufwarten kann, besser warmzuhalten. Auch die „Soccer Bitch“ Alison erweist sich bereits jetzt in einem unerwarteten Aspekt als nützlich für Sarah, indem sie ihr die Schießkünste näherbringt, auf die sie bei ihrer Arbeit so dringend angewiesen ist.
Ode an Maslany
Dafür, wie Tatiana Maslany ihrer Figur der Sarah die immense Überforderung in ihrem Polizeieinsatz auferlegt, würde ihr die Rezensentin am liebsten sofort einen Emmy überreichen. Es ist wirklich mehr als beachtlich, wie stark sie sich in dieser Rolle von den anderen - ebenfalls authentisch porträtierten - Charakteren unterscheidet. So ist Sarah bei ihrer Verfolgung zwischen Angst und dem grimmigen Willen, der Wahrheit näherzukommen, hin und hergerissen.
Der Feind im eigenen Körper
Je weiter die Episode voranschreitet, desto stärker kristallisiert sich der entscheidende Aspekt von Variation Under Nature heraus: Wer ist der Killer, der zumindest Katja auf dem Gewissen hat, und dessen Motivation sich - den wirren Bibelzitaten zufolge - aus einer tiefen Verachtung der Klone zu speisen scheint?

Als Sarah bei ihrer Verfolgung der unbekannten Zielperson auf einmal überwältigt wird, kommt die Spannung zu ihrem Höhepunkt: Geschickt vermeidet es die Kamera, den Fokus auf das Gesicht des Motorradfahrers zu lenken, bis „er“ sich schließlich in einem gelungenen Überraschungsmoment als weiterer Klon entpuppt. Sarahs weitere Doppelgängerin erinnert in ihrer blonden Lockenpracht ein wenig an die Sängerin Shakira, ihr Akzent kündet von einer ausländischen Herkunft. Während die Fremde kurz mit ihrem Messer verharrt, kann Sarah die Verwunderung der Angreiferin - die glaubte, es mit Beth zu tun zu haben - ausnutzen und die Gefahr auf sehr aggressive Weise abwehren.
Die letzte Szene von dieser dritten Folge von Orphan Black präsentiert so das verstörende Bild einer Eisenstange, die sich der „Shakira-Klon“ aus dem Leib zieht. Außerdem kann der Zuschauer einen Blick auf den nackten Rücken der jungen Frau werfen: Die Haut ist mit Wunden übersät, die von furchtbaren Torturen berichten. Ist diese Folter der Grund für ihren wirr anmutenden Geisteszustand, der so düster aus ihrem mörderischen Treiben und der Obsession für verstümmelte Barbies hervorgeht?
Fazit
Die wirklich ausgezeichnete schauspielerische Leistung der vielfachen Protagonistin ist im Zuge dieser Kritik bereits eingehend zur Sprache gekommen. Doch auch die Charaktere, die ausnahmsweise nicht durch Maslany gemimt werden, können in dieser Episode überzeugen. Wieder sorgt Felix durch sein unorthodoxes Auftreten für erquickliche humoristische Passagen, von denen sich nicht nur Alisons Kinder Gemma (Millie Davis) und Oscar (Drew Davis), die sich äußerlich auffällig stark von ihren Eltern unterscheiden, begeistert zeigen. In diesem Zusammenhang soll auch der Charakter vom Ehemann der „Soccer Bitch“ Erwähnung finden. Der Text von Kristian Bruun in seiner Rolle des Donnie Hendrix ist zwar sehr kurz. Die wenigen Worte sprechen in ihrer nörgelnden Lethargie aber Bände über die Natur von Alisons Beziehung, indem sie ein denkbar tristes Bild der vorstädtischen Routine zeichnen. Überhaupt sind alle Klone so distinktiv und vielversprechend angelegt, dass man es kaum erwarten kann, mehr über die warmherzige Studentin Cosima oder den mysteriösen und bedrohlichen „Shakira-Klon“ zu erfahren.
Besonders Sarah selbst hat sich durch ihre clevere und von menschlichen Schwächen gezeichnete Art bereits jetzt unentbehrlich gemacht. Die Herausforderungen, mit denen sie in Beths Privatleben - insbesondere in Bezug auf den ungehaltener werdenden Paul (Dylan Bruce) - konfrontiert wird, erweisen sich als ebenso unterhaltsam wie ihre steilen beruflichen Hürden. Die Episode Variation Under Nature kann so rundum überzeugen und macht Lust darauf, noch tiefer in die verschwörerische Welt von Orphan Black einzutauchen...
Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 3. Juni 2013(Orphan Black 1x03)
Schauspieler in der Episode Orphan Black 1x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?