Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 7x10

© zenenfoto aus der Folge Stolen von Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. (c) ABC/Marvel TV
Stolen
Während John Garrett (James Paxton - übrigens der Sohn von Bill Paxton) seinen „best day ever“ hat, sieht es für unser Team diese Woche alles andere als rosig aus. Die Zeitlinie, die es zu erhalten gilt (wir erinnern uns: „ripples, not waves“), scheint nun unrettbar in einem Sturm der Veränderungen unterzugehen. Daisys (Chloe Bennet) Existenz wird nicht nur durch das Überleben von Kora (Dianne Doan) gefährdet - wodurch Jiaying (Dichen Lachman) möglicherweise nicht mehr Daisys Vater kennenlernt - sondern mit dem Tod von Jiaying quasi besiegelt. John Garrett erhält Gordons (Fin Argus) Fähigkeit der Teleportation, während Gordon ebenfalls das Zeitliche segnet. Am Ende wird noch Simmons (Elizabeth Henstridge) mitsamt der Zephyr entführt, womit der Cliffhanger ordentlich sitzt.
Autor Mark Linehan Bruner und Regisseur Gary A. Brown bescheren uns mit Stolen eine spannende, temporeiche Episode, liefern gewohnt gute Charaktermomente sowie eine gelungene Überraschung mit dem Hintergrund zu Simmons Entführung. Und natürlich muss die Lage zunächst noch aussichtsloser werden, ehe im zweiteiligen Finale in zwei Wochen hoffentlich wieder alles geradegerückt wird. Wobei ich aktuell noch nicht sehe, wie das möglich sein wird - was die Angelegenheit umso spannender macht.
Fitz

Da hatte ich letzte Woche noch darüber geschrieben, dass Fitz (Iain De Caestecker) unmöglich tot sein kann, weil er die Zeitsprünge der Zephyr steuert und was passiert diese Woche? Eine Bemerkung von Daisy bringt Jemma ins Grübeln und lässt sie in Erwägung ziehen, dass der Kurs der Zephyr vorprogrammiert war und Fitz tot ist. Deke (Jeff Ward) mag hier ungläubig reagieren und darauf bestehen, dass Fitz noch lebt. Aber Jemmas Überlegungen hinterlassen bei mir zunächst den Eindruck, dass sie zutreffend sein könnten. Schließlich starrt unser Team auch mehrfach auf den Timer für den nächsten Zeitsprung, der still bleibt - vielleicht nur ein technisches Problem, aber was ist, wenn da tatsächlich niemand mehr ist, der weitere Sprünge festlegt? Doch, da kommt man schon ins Grübeln und fragt sich, ob Fitz verloren ist.
Jedenfalls bis zum Ende. Unser Team mag einige Rückschläge bis dahin eingesteckt haben, aber uns Zuschauer und Jemma erwartet doch etwas Erleichterung. Fitz muss noch irgendwo da draußen sein, denn sonst hätten Sibyl (Tamara Taylor) und Nathaniel (Thomas E. Sullivan) wohl kaum Interesse daran, über Simmons zu ihm zu gelangen und ihn auszuschalten. Ein netter Twist, auch wenn ich es weiterhin sehr schade finde, dass wir bereits zehn Folgen der letzten Staffel ohne Fitz verbringen mussten.
Nathaniel Malick

Nathaniel Malick ist nicht gerade der beste Bösewicht, den uns die Serie bis dato präsentiert hat. Für mich der größte Schwachpunkt dieser Episode und bislang auch der zweiten Staffelhälfte. Seine Motivation scheint nur aus einem Wort (Anarchie) zu bestehen, seine Pläne verlassen sich ganz und gar auf Sibyls Worte - ohne jemals auf die Idee zu kommen, ihre (wahre) Motivation zu erfragen - und Charisma scheint ihm gänzlich zu fehlen. Das fällt natürlich direkt auf, wenn ein junger John Garrett uns daran erinnert, wie Bill Paxton diesen Charakter in der ersten Staffel spielte.
Malick ist nur deshalb eine Gefahr, weil Sibyl ihm (und seinen Anhängern) Blicke in die Zukunft gewährt und weil er in der Lage ist, die Fähigkeiten der Inhumans auf seine Gefolgsleute zu transferieren. Dennoch mangelt es ihm an Bedrohlichkeit, kommt er nie als ernstzunehmender Gegner rüber und fühlt sich die meiste Zeit bloß wie Sibyls Marionette ohne Eigenleben an. Weshalb er diese Woche überlebt, ist wohl allein der Tatsache geschuldet, dass man jetzt nicht noch einen weiteren (besseren) Gegenspieler etablieren möchte und kommt erzwungen daher.
Natürlich spreche ich jetzt über die Szenen, die auf Jiayings Tod durch Nathaniel folgen. Da wird Daisy sehr cool in Szene gesetzt und ist kurz davor, die „Zerstörerin der Welten“ auf Malick loszulassen. Mays (Ming-Na Wen) Auftritt kommt leider dazwischen, womit der Moment direkt seine Wirkung verliert und obendrein scheint May das Zielen verlernt zu haben und kann Nathaniel nur einen Streifschuss verpassen. Erzwungener kann ein Davonkommen des Bösewichts kaum wirken.
John Garrett
James Paxton in der Rolle seines verstorbenen Vaters hinterlässt bei mir derweil einen sehr positiven Eindruck. Man kann John Garrett direkt wiedererkennen, noch ehe er seinen Namen nennt. Das Grinsen, die Sprüche und die (Aus-)Sprache, die Mimik - passt alles. Einzig der Größenunterschied - James ist doch wesentlich größer als sein Vater - passt natürlich nicht. Aber darüber kann man hinwegsehen und sich stattdessen drüber freuen, hier nochmals eine Version von John Garrett präsentiert zu bekommen, die gewissermaßen auch einen Bogen zur ersten Staffel schlägt.
Rein charakterlich bleibt bei der jungen Version von Garrett noch Luft nach oben. Auch hier geht mir die Rekrutierung durch Malick ein wenig zu schnell, wenngleich sie doch überzeugender als vor zwei Wochen bei Kora über die Bühne geht. Aber das Ziel dürfte ohnehin gewesen sein, uns mit dieser Figur eine gute Portion Nostalgie zu bescheren und dieses Ziel wurde erreicht. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es mit John Garrett weitergeht.
Mütter und Töchter
Mit Jiaying, Daisy und Kora dreht sich viel um die Familienverhältnisse dieser Figuren, wobei die Beziehung zwischen Mutter und Tochter im Vordergrund steht. Daisy erfährt, dass sie eine Schwester hat, während Jiaying erfährt, dass sie Daisys Mutter ist. Gerade zwischen Jiaying und Daisy gibt es ein paar sehr schöne Dialoge zu verzeichnen, die uns alle Charaktere und ihre (derzeitigen) Einstellungen näherbringen. Nur gut, dass Daisy auf Sousas (Enver Gjokaj) Rat hört und tatsächlich in Erfahrung bringt, wie ihre Mutter vor den Ereignissen der zweiten Staffel einmal war.
Ich glaube, sofern sich Jiaying von ihrem Tod erholt (mit ihren Fähigkeiten sicher im Bereich des Möglichen, oder?), könnte Daisy endlich die Mutter erhalten, die sie nie hatte. Wie sich das auf die Zeitlinie und Daisys Existenz auswirkt, ist natürlich fraglich - da würden doch deutliche Veränderungen auftreten, was aber ohnehin schon der Fall ist. Aber vielleicht lassen sich die großen Wellen der Veränderung ja doch ein wenig glätten.
Kora bleibt bei alledem aber das Sorgenkind. Charakterlich werde ich nicht warm mit dieser Figur und kann auch nicht nachvollziehen, wie sie ein „gutes Herz“ haben soll - Li (Byron Mann) würde mir da sicher beipflichten. Mir schwant zwar, dass Kora eventuell die Seiten wechseln wird und ihre Fehler erkennt, aber dazu müssten sich die Macher schon gewaltig anstrengen, nachdem uns gerade erst präsentiert wurde, wie sie kaltblütig einen Mordbefehl ausführt.
Sonstiges
Sousa als Kavalier an Daisys Seite macht sich weiterhin gut, was selbst Jemma bemerkt. Es knistert jedenfalls weiterhin zwischen den beiden und er steht ihr mit Rat und Tat beiseite. Gerne mehr davon.
Coulson (Clark Gregg) macht mal wieder in jeder seiner Szenen Spaß. Sei es beim ersten Treffen mit John Garrett oder im Austausch mit Gordon. „You are hilarious“ sind sogar Gordons letzte Worte, was mit Blick auf die Szene etwas unpassend wirkt, aber doch irgendwie im Rahmen bleibt.
Fazit

Eine weitere gute Episode. Temporeich, spannend und mit einer tollen Gastfigur-Einlage von James Paxton. Für unser Team wird es zunächst aussichtsloser denn je, aber immerhin gibt es gegen Ende etwas Erleichterung über eine bestimmte Hauptfigur. Schade nur, dass das Lager der Bösewichte (mit einer Ausnahme) kaum zu überzeugen vermag. Von mir gibt es diese Woche vier von fünf Sternen. Und von euch?
Der Trailer zur Episode Brand New Day der Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. (7x11):
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Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 1. August 2020Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 7x10 Trailer
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 7x10)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 7x10
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