Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 7x11

Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 7x11

In der Folge Brand New Day der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. muss unser Team kreativ werden, um Sibyl und Nathaniel aufzuhalten. Aber geht das überhaupt? Und wie wollen sie die Zeitlinie reparieren, nachdem bereits so viel Schaden angerichtet wurde?

Szenenfoto aus der Episode Brand New Day der US-Ser Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. (c) ABC
Szenenfoto aus der Episode Brand New Day der US-Ser Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. (c) ABC
© zenenfoto aus der Episode Brand New Day der US-Ser Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. (c) ABC

Brand New Day

Eine ungeschriebene Regel bei Serien wie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. ist, dass vor dem großen (Serien-)Finale zunächst alles schlimmer wird, ehe unsere Helden doch noch den Tag beziehungsweise die Zeitlinie retten können. In Brand New Day werden uns zunächst einige Hoffnungsschimmer mit auf den Weg gegeben. Wenn zum Beispiel Daisy (Chloe Bennet), Sousa (Enver Gjokaj) und Mack (Henry Simmons) die Verfolgung der Zephyr aufnehmen und sich damit als unvorhersehbar wähnen oder wenn May (Ming-Na Wen), Yo-Yo (Natalia Cordova-Buckley) und Coulson (Clark Gregg) versuchen, aus Kora (Dianne Doan) eine Verbündete zu machen, dann werden uns Möglichkeiten aufgezeigt, die funktionieren könnten.

Und ungleich Dekes (Jeff Ward) kleiner „Nakatomi Plaza“-Bemerkung (schöne Referenz), die direkt von Garrett (James Paxton) im Keim erstickt wird, dauert es bei den anderen länger, ehe das dicke Ende beziehungsweise der Cliffhanger kommt: die Zerstörung von S.H.I.E.L.D. durch frisch eingetroffene Schiffe der Chromicons. Kabumm.

Zeitlinien

Der Episodentitel und Koras Ausführungen zu einem „Neustart“, die unter anderem Daisys weitere Existenz erklären sollen, bereiten mir doch ein paar Kopfschmerzen. Denn seit Beginn der Staffel ist es das erklärte Ziel, die Vergangenheit zu bewahren und Veränderungen möglichst gering zu halten, damit die Geschichte so verlaufen kann, wie wir und unsere Figuren sie kennen. Dieses Ziel wird jetzt relativiert, und zwar derart, dass die 80er jetzt die Gelegenheit zu einem „brandneuen Tag“, einem neuen Anfang liefern sollen. Sibyl (Tamara Taylor) und die Chromicons müssen zwar nach wie vor aufgehalten werden, aber der Rest, wie zum Beispiel die ganzen Figurenschicksale, wirkt dadurch irrelevant. Denn wozu die Zeitlinie noch bewahren, wenn die Auswirkungen auf unser Team nicht bemerkbar sind?

In meinen Augen rudern die Macher hier ein gutes Stück von der anfänglichen Prämisse zurück und biegen sich die (auf den Kopf gestellte) Geschichte zurecht. Es entsteht der Eindruck, unser Team sei in einer parallelen Zeitlinie, womit Ereignisse wie Koras Überleben oder Jiayings (Dichen Lachman) Tod ohne Konsequenzen bleiben. Jeder kann walten, wie er oder sie möchte, was sich meiner Ansicht nach widerspricht. Denn, wenn die Werdegänge unserer Charaktere unangetastet bleiben, hätten sie sich die ganzen Zeitreisen auch sparen und in der Gegenwart bleiben können - die Veränderungen durch Sibyl & Co treten schließlich nur in einer parallelen Zeitlinie auf.

Aber vielleicht irre ich mich ja auch oder habe etwas falsch verstanden. Verwirrt bin ich allerdings auf jeden Fall und gleichzeitig gespannt auf die finale Doppelfolge. Denn vielleicht löst sich dort die ganze Angelegenheit der Zeitreisen noch erleuchtend auf.

Zephyr

Liebend gerne hätte ich gesehen, wie Deke sich als John McClane daran macht, Nathaniels Leute einen nach dem anderen auszuschalten und schließlich Malick mit einem „Yippee-ki-yay, motherf*cker!“ aus dem Spiel nimmt. Andererseits hatten wir bereits unsere große 80er Episode und die Frage nach Fitz (Iain De Caestecker) steht ohnehin schon viel zu lange im Raum. Insofern verschmerzbar, wenn die Handlung sich um Simmons (Elizabeth Henstridge) und Fitz dreht, dessen Aufenthaltsort es für Nathaniel zu ergründen gilt.

Mit Deke hat Malick zudem ein Druckmittel in der Hand, um Jemma zur Kooperation zu bringen. Aber egal, was Nathaniel auch unternimmt, Fitz bleibt vorerst in Sicherheit. Wobei mir im Folgenverlauf erneut auffällt, dass wir hier nicht gerade den besten Bösewicht vor uns haben. Eher ein kleines, bockiges Kind, welches seinen Willen nicht bekommt. Aber genug von Malick, schauen wir lieber auf das, was uns über FitzSimmons gezeigt wird.

Wir erhalten ein paar Einblicke in die sehr lange Zeit, die die beiden zusammen mit Enoch (Joel Stoffer) verbracht haben, um schließlich per Zeitreise ins sechste Staffelfinale einzugreifen. Während Jemma auf die Mission konzentriert ist, hätte Fitz gerne eine kleine, wohlverdiente, gemeinsame Auszeit. Denn Zeit spielt keine Rolle, wenn man schließlich dazu in der Lage ist, Zeitsprünge zu unternehmen. Sorgen bereiten uns derweil ein paar Blutergebnisse, die kurz angeschnitten werden und vielleicht einen Hinweis darauf geben, dass etwas mit Fitz im Argen liegen könnte.

Mein erster Gedanke war zunächst, dass Jemma womöglich schwanger sein könnte und Fitz sich deshalb eine (etwas längere) Zeit mit ihr und dem Nachwuchs gönnen möchte. Aber aus dem weiteren Gesprächsverlauf ergibt sich etwas anderes, Negatives, was Jemma zusammen mit dem Aufenthaltsort vergessen soll. Ist Fitz vielleicht krank und seine Lebensdauer begrenzt? Aber weshalb sollte ihnen dann genug Zeit zur Entwicklung ihres Vorhabens bleiben? Die Auflösung erwartet uns sicher nächste Woche, bis dahin darf gerne spekuliert werden. Dass Jemma allerdings vergisst, wer Fitz ist, bereitet zumindest mir noch etwas größere Sorgen mit Blick auf das kommende Finale...

Daisy, Mack und Daniel

ABC
ABC - © ABC

Handlungstechnisch mag an Bord des Quinjets nicht viel passieren, denn Mack, Daisy und Daniel Sousa erreichen ihr Ziel diese Woche noch nicht und werden zuletzt Zeugen davon, wie die Chromicons eintreffen und die S.H.I.E.L.D.-Standorte unter Beschuss nehmen. Aber meine persönlichen Highlights dieser Episode finden sich in den Dialogen dieser drei Figuren.

Dabei weiß jede Kombination zu gefallen. Daisys Ängste davor, dass sich Enochs Voraussage erfüllt und das Team aktuell auf der letzten Mission ist, sind ein guter Aufhänger, der auch uns Zuschauer zum Grübeln bringt. Denn wir wissen ebenfalls, dass wir gerade die letzte Mission unserer Agenten verfolgen und uns nach der Doppelfolge nächste Woche von ihnen verabschieden müssen. Insofern können wir uns ausgezeichnet in Daisy hineinversetzen, teilen ihre Ängste gewissermaßen und finden schließlich zusammen mit ihr in Macks Worten ein wenig Trost.

Aber es geht natürlich nicht die ganze Zeit um den Ernst des bevorstehenden Abschieds. Die Stärke der Serie sind die Figuren, ihre Entwicklungen und Werdegänge sowie gut platzierte humoristische Einlagen, die jede Situation wieder ein wenig auflockern (ohne es zu übertreiben). Entsprechend kommt Sousa zum Einsatz, der von Mack darauf hingewiesen wird, dass Daisy „Quake“ Johnson ein Auge auf ihn geworfen hat.

Ich kann Autor Chris Freyer und Regisseur Keith Potter (sowie dem Cast) an dieser Stelle nur gratulieren. Die Szenen an Bord des Quinjets liefern uns anhand drei Figuren quasi die Essenz der Serie, stimmen uns nachdenklich, lassen uns mitfühlen, bringen uns aber auch zum Lachen und schüren die Hoffnung auf ein Happy End für alle Beteiligten. Auch wenn das mit Blick auf den Cliffhanger fast unmöglich erscheint.

Lighthouse

Im Hauptquartier des Leuchtturms steht derweil Kora im Mittelpunkt, die vorgibt, mit unserem Team kooperieren zu wollen. Das riecht natürlich nach einer Falle - und zwar so offensichtlich, dass man sich wünscht, Daisy hätte zu Beginn nicht lockergelassen. Aber unsere Agenten wären nicht die Figuren, die wir kennen, wenn sie nicht wenigstens versuchen würden, Kora vor Augen zu führen, was der Unterschied zwischen Gut und Böse ist.

Es dürfte jedenfalls keine Überraschung gewesen sein, dass Kora mit einem Plan in den Leuchtturm gekommen ist. Die simple Aufgabe: Sibyl Zugriff aufs System zu bescheren, damit diese die Orte aller S.H.I.E.L.D.-Stützpunkte herausfinden und an die Chromicons weitergeben kann. Wobei ich mich direkt frage, ob Sibyl die Orte nicht allein durch ihre Einblicke in die Zukunft beziehungsweise Vergangenheit hätte bereits wissen müssen. Sie wusste schließlich auch von Area 51 und den Arbeiten dort - eines der ersten Ziele dieser Staffel. Aber gut, hinterfragen wir lieber nicht weiter Sinn und Zweck dieses Plans.

Was zu gefallen weiß, sind die Auftritte von May und Coulson, die sich in Aufgabenbereichen wiederfinden, aus denen wir sie bislang nicht kannten. Coulson als Ersatz für Daisy, der versucht, Sibyl daran zu hindern, die gewünschten Informationen zu erlangen und May als diejenige, die Kora von der Boshaftigkeit Nathaniels überzeugen soll. Yo-Yo bekommt derweil nur am Rande ein wenig zu tun, aber das ist schon in Ordnung.

Mehr oder weniger unterschwellig erfahren wir (nochmals), dass May und Coulson sich verändert haben und wohl nicht mehr zusammen ihren Ruhestand verbringen werden. Ich hätte zwar nichts dagegen, wenn sich die Lage im Finale wieder in Richtung Happy End der beiden entwickelt, aber drauf wetten würde ich jetzt nicht.

Sicher bleibt derweil, dass Kora sich selbst vom Tod Jiayings durch Nathaniel nicht beeindrucken lässt. Nur kurz erleben wir, wie sie versucht, Jiaying wiederzubeleben und von deren Tod mitgenommen ist. Danach geht es in die alte Leier zurück: „Leben retten, indem bestimmte Zielpersonen getötet werden.“ Oder mit einem Wort: „Killing!“ Ein Motto, was spätestens bei der Erwähnung von Grant Ward (Brett Dalton), der zu diesem Zeitpunkt noch ein Kind ist, unmissverständlich falsch wirken muss. Ich halte es zwar nicht für gänzlich unmöglich, dass Kora sich noch gegen Nathaniel richtet, aber der Zug für eine derartige Wendung ist aus meiner Sicht abgefahren. Was auch daran liegt, dass Kora, ähnlich wie Nathaniel, als Figur kein Eigenleben besitzt. Nathaniel bleibt Sibyls Marionette und Kora bleibt Nathaniels Marionette. Gut geschriebene Bösewichte sehen einfach anders aus und können den Zuschauer mindestens ansatzweise mal in ihren Bann ziehen, was ich bei den beiden nicht für gegeben halte.

Fazit

Ich bin diese Woche hin- und hergerissen. Der Cliffhanger erhöht durchaus die Spannung aufs Finale, aber gleichzeitig scheinen die Macher die eigene Prämisse aus den Augen verloren zu haben. Bei unserem Team gibt es starke Charaktermomente zu verbuchen, wir sehen endlich ein bisschen was von Fitz und rein figurentechnisch wird es ebenfalls spannend, wie diese Mission für alle enden wird. Andererseits sind da wieder Nathaniel und Kora, die als Bösewichte eher schwach wegkommen. Von mir gibt es daher dreieinhalb von fünf Sternen (ein Auge zugedrückt). Und von Euch?

Hier abschließend noch der Serientrailer zur nächsten Episode The End Is at Hand (7x12) der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.:

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Verfasser: Christian Schäfer am Donnerstag, 6. August 2020

Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 7x11 Trailer

Episode
Staffel 7, Episode 11
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 7x11)
Deutscher Titel der Episode
Ein Neuanfang
Titel der Episode im Original
Brand New Day
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 5. August 2020 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 1. Dezember 2021
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Mittwoch, 1. Dezember 2021
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 1. Dezember 2021
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 1. Dezember 2021
Autor
Christopher Freyer
Regisseur
Keith Potter

Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 7x11

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