Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 6x07

© zenenfoto aus der „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.“-Folge „Toldja“ (c) ABC
Toldja
Im Zentrum von Toldja steht diese Woche Sarge (Clark Gregg), der sich nun zusammen mit seinem kleinen Team in der Gewalt unserer Agenten befindet. Sarge strotzt vor Selbstsicherheit und verkündet bereits anfangs gegenüber Mack (Henry Simmons), dass er am Ende des Tages keine Fesseln mehr tragen, sondern die Kontrolle haben wird. Und tatsächlich kommt am Schluss ein „Toldja“ daher, wenn auch nicht ganz aus dem Grund, der Sarge erst vorschwebte (und Jaco (Winston James Francis) als Überraschungsfaktor beinhaltete).
Clark Gregg legt sich hier sichtlich ins Zeug, um uns und Mack den Anführer der Shrike-Bekämpfer zu präsentieren. Stets ein kleines Lächeln im Gesicht, macht Sarge keinen Hehl daraus, dass man auf ihn angewiesen ist, sofern der Planet gerettet werden soll. Informationen gibt er nicht preis - die erhält Mack erst, als es für seine Agenten fast zu spät und nachdem er auf Sarges Forderungen eingegangen ist. Dabei ist es geradezu beängstigend, wie dicht Sarge teilweise an Phil Coulson herankommt und damit ist jetzt nicht (nur) das Aussehen gemeint. Vielmehr ist es die Vorgehensweise und die Ruhe während der Dialoge mit Mack, die an den einstigen Anführer von S.H.I.E.L.D. erinnert. Da ist jemand, der schon fast alles erlebt und gesehen hat und der eben nicht unvorbereitet in der Lage des Gefangenen steckt. Sarge geht geradezu strategisch vor, wartet auf Jacos Einsatz und als dieser ausbleibt, sieht er sogleich die nächste Gelegenheit, um sich einbringen zu können und seine Führungsposition im Kampf gegen die Shrike zu untermauern. Da steckt eine gute Portion Coulson in Sarge, wenngleich Gregg den Antagonisten mimt.

Natürlich kann und darf unser Team die Methoden von Sarge nicht gutheißen. Dort befinden sich auch die größten Unterschiede zwischen ihm und Coulson. Der Tod von Agent Fox musste unbedingt angeführt werden, um das zu verdeutlichen. Aber auch das Bestehen darauf, den Wirten der Shrike ein Messer in die Brust zu rammen (und gar nicht erst zu versuchen, den Wirt zu retten), zeigt die kompromisslose Vorgehensweise auf, die mit einem Phil Coulson schlicht unvereinbar ist. Als Zuschauer findet man sich da schnell in einem Zwiespalt wieder, denn einerseits sind Sarges Ziele (soweit wir das derzeit überblicken können) gut und darauf ausgerichtet, die Erde vor den Shrike und deren Schöpfer zu retten. Andererseits geht er aber bereitwillig über Leichen und zeigt keinerlei Mitgefühl für die (unschuldigen) Opfer, die seinen Weg pflastern. Sympathien meinerseits für Sarge sind daher wohl bestenfalls als ambivalent zu bezeichnen, wenngleich mir Greggs Darstellung sehr gefällt und die Neugierde auf die Verbindung zwischen Coulson und Sarge immer größer wird.
Jaco
Jacos Zustand scheint sich zunehmend zu verschlechtern, wobei wir uns schon zu Beginn fragen können, wie das möglich ist. Denn, wenn ich mich recht entsinne, kam er zuvor bereits neun Jahre ohne die Atmosphäre seines Heimatplaneten aus. Kleinere Hinweise darauf, dass hier was anderes im Busch ist, liefert derweil Snowflake (Brooke Williams), die in der Zelle nebenan sitzt. Das Resultat ließ sich dennoch nicht kommen sehen, denn wer hätte schon gedacht, dass Jaco ein menschlicher Drache ist und Feuer spucken kann?
Für Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. bedeutet diese Offenbarung einen kleinen, aber gewagten Schritt in leicht trashige Gefilde. Da kann man schon von Glück sprechen, dass Jaco nicht auch noch Flügel gewachsen sind. Andererseits haben wir aber schon ganz andere Sachen in der Serie zu sehen bekommen, von daher lässt sich der Feuerspucker sicher noch gut verkraften. Pluspunkte gibt es derweil für Jacos kleine Hintergrundgeschichte, die er Yo-Yo (Natalia Cordova-Buckley) mitteilt und die uns verständlich macht, weshalb er mit Sarge unterwegs ist.
Agents of S.H.I.E.L.D.

In Sachen Charakterarbeit gibt es bei unseren Agenten ebenfalls diese Woche einiges zu verbuchen. Leider nicht so ausführlich wie bei Fitz (Iain De Caestecker) und Simmons (Elizabeth Henstridge) letzte Woche, aber bei der Vielzahl an Figuren wäre das in einer Episode auch nur schwer zu bewerkstelligen gewesen. So kommt May (Ming-Na Wen) beispielsweise etwas kurz und teilt hauptsächlich Blicke aus.
Von Daisy (Chloe Bennet) gibt es da ein wenig mehr zu sehen. Ohne sie hätte Jaco womöglich auch seine Zellentür weggeschmolzen und noch mehr Unheil angerichtet, aber ich blicke da mehr auf das Gespräch mit Mack. Endlich spricht mal jemand den merkwürdigen Beziehungsstatus zwischen ihm und Yo-Yo an. Leider wird der Dialog vorzeitig von Deke (Jeff Ward) unterbrochen, womit Mack ihr noch eine Antwort schuldig bleibt. Aber ihre Sorgen um den Status der beiden zeigen kurz auf, dass sich unsere Figuren - trotz sehr langer Abwesenheit von Daisy - füreinander und das Wohl des anderen interessieren, wie es bei den beinahe familienhaften Verhältnissen dieser Charaktere auch sein sollte.
Deke versucht derweil, Daisy zu imponieren (mit Schuhen von Michael Jordan, köstlich) und wird von Mack wieder ins Team aufgenommen. Wobei ich tatsächlich erstaunt bin, dass man Deke nicht über den Tod seines Großvaters Fitz unterrichtet hat oder davon, dass man versucht, dessen Vorgänger-Version zurückzuholen. Das sieht Mack eigentlich nicht ähnlich und die Erklärung - „du warst ja nicht mehr im Team" - ist nicht wirklich eine. Außerdem hatte Mack ja kein Problem damit, Deke von Agent Khan (Shainu Bala) beobachten zu lassen. An Dekes Stelle wäre da wohl jeder sauer und hätte nicht in der nächsten Szene schon wieder bei der aktuellen Mission geholfen. Mich freut es zwar, dass Deke wieder dabei ist und nützlich noch dazu, aber das ging definitiv zu schnell.
Insgesamt fällt auf, dass Mack im Folgenverlauf als Anführer immer weiter demontiert wird. Neben den gerade genannten Punkten, die kleinere oder größere Hinweise für Fehlentscheidungen liefern, läuft die Episode schließlich auf seine Ratlosigkeit am Ende hinaus. „Was machen wir jetzt?" - tja, wir richten unsere Blicke auf Sarge. Dabei hätte dieser Ausgang sich leicht verhindern lassen, indem man die beiden Shrike nicht zusammen in die gleiche Zelle gesperrt hätte. Eine Vorsichtsmaßnahme, die tatsächlich nicht weit hergeholt sein sollte - schließlich bewegten die beiden Punkte auf der Karte sich aufeinander zu, woraus man bereits Schlüsse hätte ziehen können. Bleibt nur abzuwarten, ob Sarge nun tatsächlich das weitere Vorgehen bestimmen und wie das aussehen wird.
Kitson
Die Nebenhandlung draußen in den Weiten des Weltalls führt Enoch (Joel Stoffer) und FitzSimmons ungewollter Weise zurück nach Kitson, was uns einen äußerst amüsanten Start beschert. Die meisten Lacher gehen auch im weiteren Verlauf auf Enochs Konto, dessen trockene Bemerkungen und Gesichtsausdrücke in den nächsten Folgen sicher vermisst werden. Denn da heißt es am Ende, Abschied zu nehmen.
Unsere drei Protagonisten werden dieses Mal zu Mr. Kitson (Anthony Michael Hall) gebracht, der noch die eine oder andere Rechnung aus dem letzten Aufenthalt unserer Figuren in seinem Etablissement offen hat. Außerdem gibt es mit Izel (Karolina Wydra) eine neue Mitspielerin zu verbuchen, die FitzSimmons und Enoch aus der Patsche hilft und sogar eine Rückkehr zur Erde im Angebot hat.
Insgesamt eine Nebenhandlung, die zwar amüsiert, aber mich nicht so ganz mitnehmen konnte. Einerseits, weil das Spielchen mit den Guillotinen auf mich keinen ernsten Eindruck macht - selbst FitzSimmons, um deren Köpfe es geht, scheinen die Situation nicht ernst genug zu nehmen. Andererseits, weil die Auflösung durch Izel quasi vom Himmel fällt. Das wirkt wie eine auf die Schnelle zusammengeschusterte Handlung, um unsere Figuren über einen kleinen Umweg ganz fix ans Ziel zu bringen.
Wobei ich auf Izel durchaus ein wenig neugierig bin. Um welche Artefakte es ihr wohl gehen mag? Vielleicht um die, die auch kürzlich das Interesse von Benson (Barry Shabaka Henley) geweckt haben? Liegt irgendwie nahe, wobei noch ausgeführt werden müsste, mit welchen Absichten (und warum gerade jetzt) Izel danach sucht.
Fazit

Die Haupthandlung auf der Erde weiß unterm Strich zu gefallen, wenngleich sie sicher nicht kritikfrei ist. Ein gut aufgelegter Clark Gregg ist hier die halbe Miete, wodurch die angeführten Mängel bei mir auch weniger stark ins Gewicht fallen. Die Nebenhandlung auf Kitson lässt derweil zu wünschen übrig, obwohl die Lachmuskeln gehörig strapaziert werden. Da wird im Schweinsgalopp zum nächsten Ziel gelaufen. Von mir gibt es diese Woche 3,5 von 5 Sternen. Und von euch?
Trailer zur Episode Collision Course (Part I) der Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. (6x08):
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Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 30. Juni 2019Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 6x07 Trailer
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 6x07)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 6x07
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