Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 6x05

© zenenfoto aus der „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.“-Folge „The Other Thing“ (c) ABC
I'm your nightmare
May (Ming-Na Wen befindet sich in den Fängen von Sarge (Clark Gregg) und Snowflake (Brooke Williams), wodurch sich die Gelegenheit ergibt, etwas mehr über Sarge zu erfahren. Wir erhalten hier dauerhaft Rückblicke zu den letzten Tagen von Coulson, die er gemeinsam mit May verbrachte. Diese zeigen sowohl Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede der beiden Figuren auf, die sich wie ein Ei dem anderen ähneln. Sarge ist recht neugierig auf Coulson, wobei sein Hauptanliegen aber darin besteht, May ins eigene Team zu holen, welches in der letzten Folge um zwei Figuren erleichtert wurde.
Dieser Handlungsstrang hat mir mit Abstand am besten gefallen. Wir (und May) wissen nun, wie lange Sarge schon seinen Missionen nachgeht, die die Shrike und deren Schöpfer - vermutlich der Endgegner der Staffel - aufhalten sollen. Die Einflechtung der Rückblicke ist sehr interessant gestaltet und zeigt anhand gemeinsamer Ausdrucksformen von Coulson und Sarge auf, dass zwischen beiden eine Verbindung bestehen muss, auch wenn sie unterschiedlicher kaum agieren könnten. Überdeutlich tritt da bereits der farbliche Kontrast zwischen Rückblicken und Gegenwart hervor, aber der springende Punkt sind die unterschiedlichen Verhaltensmuster von Coulson und Sarge. Ein gutes Beispiel ist da die Feuertaufe, der sich May unterziehen muss und wo sie Bekanntschaft mit der globalen Bedrohung macht. Unser Coulson hätte sich wohl kaum einer derartigen Methode bedient. Das große Geheimnis der Verbindung wird dabei allerdings noch nicht gelüftet, sondern gibt weiterhin Rätsel auf. Mit Blick auf das Alter von Sarge wird das Rätsel sogar noch größer, denn offenbar - sofern keine Zeitreisen involviert sind, was durchaus möglich wäre - hat Sarge schon lange vor Coulson existiert. Die Spannung auf die Auflösung wird folglich noch gesteigert, obwohl wir einige Informationshappen erhalten.
Neben diversen charakterlichen Einblicken, die in den anderen Strängen leider rar gesät sind, wird uns hier auch die meiste Action geboten. Und die ist ebenfalls sehr gut umgesetzt. Schon der Kampf zwischen May und dem Shrike konnte sich sehenlassen. Aber die Auseinandersetzung mit Sarge im Führerhaus des LKWs ist mein persönliches, choreographisches Highlight der Woche. Kämpfe auf engstem Raum sind einfach mein Ding.

Handlungstechnisch gelingt es May, Snowflake und Sarge zu überwältigen. Da dürfen wir gespannt auf die Rückkehr zur Zentrale sein und ob die unterschiedlichen Teams sich zusammenraufen werden. Müssen sie eigentlich schon, aber die Frage ist, wie kompromissbereit sich beide Seiten da zeigen werden - schließlich wirken die Vorgehensweisen von Sarge & Co. erstmal unvereinbar mit den Methoden von S.H.I.E.L.D.
Agents of S.H.I.E.L.D.
Der zweite Handlungsstrang auf der Erde bleibt leider hinter den Erwartungen zurück. Natürlich hat der Tod von Keller (Lucas Bryant) Spuren hinterlassen, vor allem bei Yo-Yo (Natalia Cordova-Buckley). Aber von einer adäquaten Verarbeitung der letzten Geschehnisse ist (zumindest vorerst) nichts zu spüren. Yo-Yos Gespräch mit Mack (Henry Simmons) wirkte da auf mich eher befremdlich. Erst im Austausch mit Benson (Barry Shabaka Henley) wird man da als Zuschauer halbwegs zufriedengestellt. Wobei Benson endlich ein bisschen Hintergrundgeschichte erhält. Mit Blick auf seinen Verlust lässt sich auch nachvollziehen, weshalb er gerne mal ins Glas schaut.
Ansonsten scheint man sich ausschließlich darauf zu konzentrieren, mehr über die gefährliche Kreatur zu erfahren, die Keller das Leben gekostet hat. Vermisst habe ich die Befragungen von Pax (Matt O'Leary) und Joco (Winston James Francis), die Off-Screen stattfinden und mit einem Nebensatz abgespeist werden. Sollte es nicht Priorität haben, May zu retten? Pax und Joco könnten da bei einer intensiven Befragung womöglich Anhaltspunkte liefern. Außerdem werden die beiden mehr über die Shrike wissen, als unser Team hier im Folgenverlauf herausfindet. Dass eine solche potenzielle Informationsquelle nicht genutzt wird, erscheint somit doppelt merkwürdig.
Die Verbindung zu den Monolithen ist derweil eine interessante Sache und kommt überraschend. Dadurch wird die aktuelle Geschichte mit der Mythologie der vorherigen Staffeln verbunden und die Tragweite der Bedrohung noch einmal vergrößert. Da darf man gespannt sein, ob Benson in Yucatán noch etwas zu Tage fördern kann und auch, wie sich am Ende alles zusammenfügen wird. Mit Blick auf die Eigenschaften der Monolithen könnten sich da jede Menge Erklärungen zu den aktuellen Fragen ergeben - zu den Shrike, zu Sarge/Coulson und womöglich auch zum neu aufgekommenen Problem der Chronicoms.
Zuletzt sei noch angemerkt, dass ich mit Benson diese Woche besser klar komme, als mit den anderen Figuren in diesem Handlungsstrang. Der hat eine Menge an neuen Informationen über die letzten Folgen erhalten und verdauen müssen und wird diese Woche von Mack vor die Frage gestellt, ob er „all in" ist - was am Ende mit einem großen „Ja" beantwortet wird. Und dabei war er ursprünglich „nur" dafür vorgesehen, für die S.H.I.E.L.D. Akademie einen Beitrag zu leisten. So langsam macht er sich, auch wenn er natürlich kein Ersatz für FitzSimmons ist. Die Ankunft der Zephyr mit Daisy (Chloe Bennet), Piper (Briana Venskus) und Davis (Maximilian Osinski) ist derweil vielversprechend und wird hoffentlich eine gute Portion Schwung in die Zentrale bringen - denn daran fehlte es hier diese Woche sehr deutlich.
Bestie!

In den Tiefen des Alls erhalten wir mit Atarah (Sherri Saum) eine neue Figur, die Enoch (Joel Stoffer) kennt und hinter Fitz (Iain De Caestecker) her ist. Genauer gesagt, hat sie Fitz bereits in ihren Händen und setzt Jemma (Elizabeth Henstridge) und der restlichen Crew der Zephyr zu. Der Heimatplanet der Chronicoms wurde zerstört und eine Zeitreise soll dafür sorgen, dass dieses Ereignis rückgängig gemacht wird.
Es fällt hier sehr leicht, anzunehmen, dass die Shrike für die Zerstörung des Planeten verantwortlich sind, womit auch dieser Handlungsstrang langsam aber sicher mit der größeren Bedrohung verbunden wird. Handlungstechnisch wird leider mehr erzählt als gezeigt, was immer schade ist, wenn sowas passiert. Atarahs Geschichte wird uns lediglich verbal vorgekaut, da wären - gerade im Vergleich zum Handlungsstrang um May - ein paar kleine Rückblicke angebracht gewesen, die uns ihre Motivation veranschaulichen. Worte sind eben weniger beeindruckend als Bilder, dahingehend wäre es sinnvoller gewesen, auf ein paar Szenen der Schiffe im All zu verzichten und lieber die Gelder in ein paar Aufnahmen der Zerstörung des Heimatplaneten zu investieren.
Aber gut, für Fitz und Simmons wird eine neue Prämisse gesetzt und ich kann es Enoch nicht wirklich verübeln, dass er hier die Beziehung von FitzSimmons an Atarah weitergibt, um die „Motivation" von Fitz zu steigern. Unterm Strich (und auch mit Blick darauf, dass es um Enochs Heimatwelt geht), kann ich seine Entscheidungen jedenfalls nachvollziehen. Wenn sich die Erde schon durch Zeitreisen retten ließ, haben andere Welten das sicher auch verdient - was niemanden wundern sollte. Außerdem sah es für einige Mitglieder unseres Teams zeitweise sehr düster aus. Da hat Enoch schon recht, dass er einen schlimmeren Ausgang verhindert hat.
Ansonsten fand ich die Szenen mit Piper und Davis sehr amüsant und habe mich generell über das Wiedersehen von FitzSimmons gefreut, auch wenn es aktuell unter einem eher schlechten Stern steht. Aber die beiden werden das Kind schon schaukeln. Leicht verwundert bin ich derweil über den Umgang von Atarah mit Enoch, denn der hat sehr lange Zeit seine Aufgaben erfüllt und mit seinen kürzlichen charakterlichen Veränderungen einen guten Punkt, wenn er meint, dass sein persönlicher Wandel ein Vorteil ist. Außerdem ist er einer der letzten Chronicoms, was ohnehin zählen sollte.
Fazit
Schwierig. Extrem gut ist die Handlung um May und Sarge in Szene gesetzt, denn da fehlt es an nichts. Die anderen beiden Handlungsstränge hinken da hinterher, wenngleich sie doch einiges zu Tage fördern, was die Spannung auf die weiteren Folgen steigert. Überhaupt wird handlungstechnisch einiges geboten, aber leider hauptsächlich in erzählender Art und Weise wiedergegeben. Ich würde meinen, dass wir hier unterm Strich eine gute Folge vor uns haben, die aber ihr Potenzial in einigen Belangen verschenkt. Von meiner Seite gibt es 3,5 von 5 Sternen. Und von euch?
Trailer zur Episode Inescapable der Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. (6x06):
Hier kannst Du „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.: Staffel 6“ bei Amazon.de kaufen
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 16. Juni 2019(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 6x05)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 6x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?