Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 6x04

Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 6x04

In der Folge Code Yellow der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. finden wir uns auf der Erde wieder. Die Mission von Sarge und seinem Team wird deutlicher, während wir erfahren, was Deke Shaw in der Zwischenzeit getrieben hat. Agent Keller erwartet eine unangenehme Überraschung.

Szenenfoto aus der „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.“-Folge „Code Yellow“ (c) ABC
Szenenfoto aus der „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.“-Folge „Code Yellow“ (c) ABC
© zenenfoto aus der „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.“-Folge „Code Yellow“ (c) ABC

Code Yellow

Der Auftakt im „Framework" zeigt Deke (Jeff Ward) und Trevor (Shainu Bala) auf der Flucht vor uns unbekannten Verfolgern. Wobei die übertriebene Action in Verbindung mit Dekes Onelinern schnell den Verdacht aufkommen lässt, dass er sich in einer virtuellen Realität befindet. Spätestens mit Daisys (Chloe Bennet) Auftritt wird dieser Verdacht zur Gewissheit und schließlich mit Sequoias (Maurissa Tancharoen - übrigens Co-Showrunnerin der Serie) Unterbrechung seines Ausflugs bestätigt. Anschließend wird uns in Windeseile präsentiert, dass Shaw eine Firma gegründet hat, die sich dem technologischen Fortschritt - nicht nur in der virtuellen Realität - widmet. Während Sequoia und die anderen rätseln, wo er seine Ideen her hat, kommen uns die sehr bekannt vor. Dieses gemeinsame Wissen mit dem Zuschauer wird letztlich noch durch Dekes Blick direkt in die Kamera vermittelt.

Diese kleine Einführung in die Welt von Deke Shaw nach Staffel fünf ist sehr amüsant gestaltet und zeigt nebenbei die wichtigsten Faktoren auf, die später noch für die Handlung relevant werden. Gleichzeitig finden wir den alten Deke darin wieder, der sich noch immer gerne ins „Framework" flüchtet, um der Realität zu entfliehen und hier und dort durchblicken lässt, dass er seine Vergangenheit mit sich trägt (Stichwort: Armband). Auch sonst finden sich einige Anspielungen auf Staffel fünf wieder (wie zum Beispiel „Remorath Rumble"), was neben einer guten Portion Fanservice auf eine recht konsequente Weiterentwicklung der Figur schließen lässt.

Ein wenig Stirnrunzeln kommt erst später auf, als sich Trevor Khan als ein S.H.I.E.L.D.-Agent entpuppt und Deke das neue Ziel von Sarge (Clark Gregg) und seinen Spießgesellen wird. Trevor hat folglich die ganze Zeit geduldet, dass Deke die Technologie von S.H.I.E.L.D. nutzt und neu- oder gar weiterentwickelt? Das erscheint leider ähnlich unglaubwürdig wie die Äußerung von Mack (Henry Simmons) in diesem Zusammenhang, Sarge solle sich hinten anstellen, wenn er Shaw ans Leder will. Nach dem sehr humoristisch geprägten Auftakt will der Übergang zum actionreichen und dramatischen Teil des Handlungsstrangs nicht so recht gelingen, woran auch Sequoia einen beträchtlichen Anteil hat.

Die geht einem mit ihrer Social-Media-Affinität schon in ihren ersten Szenen leicht auf den Senkel. Weshalb Deke mit ihr zusammen ist/war, bleibt wohl ein Rätsel. Wobei man mit der Figur durchaus Spaß haben kann (beispielsweise, als Deke sie in der Toilette findet und sie genau wie Daisy im „Framework" auf ihre Rettung reagiert) und der Epilog mit ihren Aufnahmen sehr köstlich ist. Der Folge kostet ihre Anwesenheit allerdings einiges an Ernsthaftigkeit, zumal ihre Auftritte ohnehin zu gewollt für meinen Geschmack wirken. Denn wer würde sich angesichts der Lage noch mit dem Smartphone beschäftigen und versuchen, alles auf Kamera festzuhalten? Wohl kaum jemand, dessen Leben gerade auf dem Spiel steht.

An Deke habe ich derweil kaum etwas auszusetzen. Er schlägt sich gut durchs Abenteuer, wobei sein Gespräch mit „Coulson" ein wenig hervorsticht, den er als Fake entlarven kann. Bei Shaw passt auch der präsentierte Humor wesentlich besser zu seiner Person und fügt sich stimmig ins Geschehen ein. Einzige Ausnahme ist sein Blick direkt in die Kamera zu Beginn. Das (wenn auch nur kurze) Durchbrechen der vierten Wand erzeugt da bei mir gemischte Gefühle. Ein derartiges Augenzwinkern über das Selbstbewusstsein eines Charakters als Figur einer Serie kann funktionieren. Und in der Vergangenheit deuteten hier und dort mal ein paar bekannte Gesichter an - oft in Form ironischer Selbstbetrachtung - dass sie vielleicht nur Teil einer Unterhaltungsserie sind. Aber ich frage mich, ob man den Bogen durch Dekes Blick ins Publikum nicht vielleicht doch überspannt hat. Mich hat dieser kleine Moment jedenfalls aus dem Geschehen gerissen, wenngleich er nicht wirklich unstimmig war.

Agents of S.H.I.E.L.D.

In der S.H.I.E.L.D.-Zentrale halten Mack, Yo-Yo (Natalia Cordova-Buckley), May (Ming-Na Wen) und Keller (Lucas Bryant) derweil Ausschau nach Hinweisen auf Sarge und seine Gefährten. Dessen nächstes Opfer in Form von Harold Simcoe (Phil Abrams) lässt nicht lange auf sich warten. Bis dahin stehen die Beziehungen zwischen Yo-Yo, Mack und Keller im Vordergrund.

Keine Ahnung, ob es nur mir so geht, aber irgendwie hat mich die Dreiecksgeschichte diese Woche überhaupt nicht abgeholt. Dabei fand ich sie in den ersten zwei Folgen noch ganz in Ordnung oder zumindest eine nette Beigabe zum Rest des Geschehens. Vielleicht ist auch nur die Luft raus, weil Mack über Yo-Yo und Keller bereits im Bilde ist und keinerlei Anstalten macht, um den beiden Steine in die Wege zu legen. Er mag - wie Keller vermutet - noch nicht über Yo-Yo hinweg sein, handelt aber nicht danach, sondern konzentriert sich auf seine Führungsrolle.

Damit sollte unserem Pärchen eigentlich nichts mehr im Wege stehen, aber diese Woche fällt auf, dass die Beziehung bereits abgekühlt ist. Oder es fehlt an der berühmt-berüchtigten Chemie zwischen Yo-Yo und Keller. Oder beides. Die kleine Aussprache im Fahrstuhl erweckt bei mir jedenfalls nicht den Eindruck, dass da noch eine große Flamme lodert. Entsprechend haben mich auch die weiteren Ereignisse - inklusive Kellers Tod - nicht sonderlich berührt. Aber das hätten sie müssen, um den Drama-Faktor entsprechend auszureizen und mich als Zuschauer mitfühlen zu lassen, wenn Yo-Yo schließlich keine andere Wahl hat, als Keller schnell das Messer in die Brust zu rammen. Letztlich ist an meiner fehlenden Anteilnahme vielleicht auch schuld, dass Keller (ähnlich wie Agent Fox im Auftakt) noch keine große Gelegenheit hatte, mir als Figur ans Herz zu wachsen.

In Sachen (Body-)Horror wäre jemand wie David Cronenberg sicher stolz auf die Bilder, die wir diese Woche präsentiert bekommen. In der Hinsicht liefert die Folge auch gut ab und gestaltet einen spannenden Kampf mit der übergroßen Fledermaus (?), die sich in menschliche Körper einnistet und diese zu einer explosiven Angelegenheit macht. Dr. Marcus Benson (Barry Shabaka Henley) ist sichtlich überfordert mit der Situation, muss sich noch immer in seinem neuen Umfeld zurechtfinden und vermag es nicht, eine Lösung zur Rettung Kellers zu finden, wenngleich er die Lage wenigstens gut genug zu analysieren vermag. Kam eigentlich noch jemandem der Gedanke, dass man das Messer (welches Benson unvorsichtigerweise entfernt) bloß schnell genug (Yo-Yo) wieder an seinen Platz hätte stecken müssen, um größeres Unheil zu verhindern?

Insgesamt wirkt die entdeckte Bedrohung wie eine Mischung aus „Alien" (in Körper einnisten), „Dracula" (bloß nicht den Pflock entfernen) und „Die Fliege" (siehe Simcoes und Kellers Körper). Kein Wunder, dass Sarge und seine Kumpane es auf diese „Anomalien" abgesehen haben. Womit wir zum nächsten Absatz kommen.

Sarge

Wir erhalten diese Woche ein besseres Verständnis davon, was die Mission von Sarge beinhaltet. Vielleicht waren die Bilder aus dem Video der zweiten Folge also nur ein Hinweis darauf, was passiert, wenn sein Team versagt? Quasi um uns zu verdeutlichen, wie groß die Bedrohung werden kann, die dort einen ganzen Planeten auszulöschen scheint.

Sind Sarge, Jaco (Winston James Francis), Pax (Matt O'Leary) und Snowflake (Brooke Williams) - die ich in den letzten Reviews immer als „Butterfly" bezeichnet habe, aber scheinbar hat sich ihr Rollenname nun in allen Datenbanken (die ich dafür aufsuche) verändert - nun also die Guten? Keineswegs, denn dafür hinterlassen sie zu viele (unschuldige) Leichen. Gerade Snowflake dürfte der beste Beweis dafür sein, wie mordlustig die Truppe ist. Die kommenden Verhandlungen mit S.H.I.E.L.D. werden sich folglich schwierig gestalten, ehe man vielleicht auf einen gemeinsamen Nenner kommt.

Die Konfrontation der beiden Teams lässt derweil nur wenig zu wünschen übrig. Neben May darf auch Mack im Zweikampf aktiv werden, wobei das Resultat der Auseinandersetzungen die Spannung wieder steigen lässt. Während Pax (von Mack ausgeknockt) und Jaco (in der virtuellen Realität lahmgelegt) nun recht sicher im Gewahrsam von S.H.I.E.L.D. sind, befindet sich May in den Händen von Sarge und Snowflake. Fraglich ist allerdings, ob Sarge einen Gefangenenaustausch anstrebt. Seine Worte vermitteln da was anderes, ohne wirklich preiszugeben, worum es sich handelt.

Sicher ist aber, dass Sarge mehr über Phil Coulson wissen möchte. Er befragt Deke schon in dieser Richtung - eine Gelegenheit, die Harold Simcoe nicht erhielt - und ist neugierig auf diesen Coulson, für den ihn alle halten. Vielleicht auch ein Grund, weshalb er Snowflake zurückhält, als sie einen neuen „Schmetterling" aus May machen möchte? In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wie viel Sarge über seine eigene Vergangenheit wirklich weiß. Gegenüber Deke erwähnt er, dass er Leute wie ihn schon sein ganzes Leben gejagt hat - aber irgendwie fällt es schwer zu glauben, dass davor nicht noch etwas anderes war. Rein spekulativ, aber doch sehr bestimmt, formiert sich da bei mir der Gedanke, dass Sarge ein Klon von Coulson sein könnte, der von einem noch nicht genannten Auftraggeber „rekrutiert" und auf seine Missionen geschickt wurde - gegebenenfalls auch mit Gedächtnislöschung.

Zuletzt ist noch interessant, dass Deke anders klassifiziert wird als Simcoe. Mit den Fledermäusen hatte man offenbar schon öfter Kontakt (siehe Video aus Folge zwei), aber das scheinen nicht die einzigen Anomalien zu sein, hinter denen man her ist. Die ominöse Karte scheint da alles zu zeigen, was nicht in die jeweilige Welt gehört und somit als Bedrohung eingestuft wird. Außerdem spielen die Ley-Linien eine große Rolle, worauf Keller erneut hinweisen darf. Da dürfen wir sehr gespannt sein, worauf das alles hinauslaufen wird. Und natürlich, ob tatsächlich jede Anomalie vernichtet werden muss. Bei den Fledermäusen steht das womöglich außer Frage, bei Deke muss da diskutiert werden. Und würde Enoch (Joel Stoffer) als Anomalie gelten, wenn er noch auf der Erde wäre?

Fazit

ABC
ABC - © ABC

Nora Zuckerman und Lilla Zuckerman liefern mit Code Yellow eine Episode ab, die einerseits am Humor der Vorwoche anknüpfen, andererseits aber auch Horror und Drama mit sich bringen soll. Leider sind die unterschiedlichen Faktoren hier nicht sehr gut ausbalanciert, was bereits der Handlungsstrang um Deke aufzeigt. Zudem will das Drama um Yo-Yo und Keller nicht so recht zünden, während die Bedrohung gut präsentiert wird. Was aber (wieder) prächtig funktioniert, sind die Einsätze von Sarge & Co. sowie die Auseinandersetzungen mit den Agents. Von mir gibt es diese Woche 3 von 5 Sternen. Und von euch?

Vorschau auf die Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.-Folge The Other Thing:

Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 2. Juni 2019
Episode
Staffel 6, Episode 4
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 6x04)
Deutscher Titel der Episode
Code Gelb
Titel der Episode im Original
Code Yellow
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 31. Mai 2019 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 26. Februar 2021
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 26. Februar 2021
Autoren
Nora Zuckerman, Lilla Zuckerman
Regisseur
Mark Kolpack

Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 6x04

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