Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 3x16

Die düstere Strecke von Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. wird auch in der Episode Paradise Lost fortgesetzt. Die Grundstimmung ist dunkel und schwer und man spürt, dass das Team rund um Director Coulson (Clark Gregg) schon einmal bessere Tage gesehen hat. Dabei verraten Flashbacks in die Jugend der Malick-Brüder mehr über deren Familientradition, die sie vom Vater vermacht bekommen haben.
Dad never believed in Whitehalls Hydra
Die Episode wird durchzogen von Flashbacks, die die Gebrüder-Malick mit dem ehemaligen Hydra-Anführer Daniel Whitehall (Reed Diamond mit dickstem deutschen Fake-Akzent) zeigt. Dabei wird deutlich, dass einer der Brüder strikt gegen Whitehalls Version von Hydra ist, doch der andere sich nur schwer überzeugen lässt. Allerdings stößt sie der damalige Anführer, der sich hinter Schloss und Riegel befindet, auf ein Version des Romans „Paradise Lost“ von ihrem Vater, die ihre Welt ins Wanken bringt. Statt beim Ritual rund um die Lotterie des Travellers mitzumachen, hatte er dort einen Stein mit einer spürbaren Einkerbung versteckt, der dafür sorgt, dass der Vater nie ausgewählt und dem Monster It per Teleportation auf Maveth geopfert wird. Es sieht zwar so aus, als würde der junge Gideon Malick (Cameron Palatas) ihn gemeinsam mit seinem Bruder Nathaniel (Joel Dabney Courtney) in einen See werfen, doch das ist nur eine Finte, wie sich viele Dekaden später herausstellt. Malick (in der Gegenwart Powers Boothe) ist selbstsüchtig und feige und hat seinen Bruder ins offene Messer laufen lassen. Wie It (Brett Dalton) ihm vor seiner Tochter Stephanie (Bethany Joy Lenz ) knallhart demonstriert.
Machtdemonstration ist sowieso ein gutes Stichwort für die It-Malick-Beziehung, denn zu Malicks Überraschung ist It in sein Privatgemach gekommen, hat den inneren Kreis von Hydra eingeladen und bezirzt Stephanie. Dabei zeigt er den Anwesenden sein wahres Ich, dass allen Secret-Warriors-Lesern bekannt sein dürfte. Die Tentakel sind unverkennbar Hive. Von vorne sieht man ihn jedoch bislang weiterhin in dieser Form noch nicht. Der versammelten Mannschaft macht das jedoch klar, dass er nun das Sagen hat, denn viele aus dem inneren Kreis dürften ihr Leben danach ausgerichtet haben, ihm zu dienen und ihn auf die Erde zu holen. Allerdings wissen wir noch nicht wofür. Aus Maveth jedenfalls hat er, wie Simmons (Elizabeth Henstridge) noch einmal wiederholt, eine ganze Zivilisation ausgelöscht.
Wahre Opferbereitschaft

Stephanie ist beeindruckt von Ward/It/Hive, ob da nun Tentakel oder die Schwarmintelligenz im Spiel war, ist nicht überliefert. Vielleicht ist es auch nur der „The Matrix“-Charme, der vom coolen Neo-Mantel ausgeht, der ihn für sie attraktiv macht. Für das Wesen vom anderen Planeten ist die Tochter jedenfalls ein wichtiges Element seines Plans. Dabei spielt das Alien Mindgames mit Malick, denn er schenkt Stephanie das Buch aus seiner Jugend und weckt somit die Erinnerungen an seine Feigheit. Da er auf das Wesen seiner früheren Wirtskörper zugreifen kann, nutzt er Malicks Bruder als weitere psychologisch zermürbende Kraftdemonstration und erinnert ihn an seine fehlende Opferbereitschaft. Statt aber selbst ermordet zu werden, wie er es in der Todesvision des Inhumans aus der vorherigen Episode gesehen hat, wählt It seine Tochter Stephanie. Nicht etwa als Braut, sondern als Opfer, um ihm zu zeigen, was wahrer Verlust und Bereitschaft für den großen kosmischen Masterplan bedeutet.
Im Endeffekt glaubt das Alien Malick nun geholfen zu haben, weil es nichts mehr gibt, was er fürchten oder gar verlieren kann und somit voll bei der Sache wäre, doch sein abwesender Blick ins Feuer und seine allgemeine Körpersprache sagen was anderes. Wie lange wird Malick noch mitspielen? Wird er es überhaupt noch tun, nun da er schon weiß, wer ihn umbringen wird? Wie unausweichlich sind diese Zukunftsvisionen? Etwas Schade ist aber, dass die Tochter eingeführt wird, um wieder mal kurz danach als Opfer ausgeschaltet zu werden. Es ist mir schon klar, dass man einen über die Staffel lang aufgebauten Zweitschurken wie Malick nicht opfert, um eine Figur übernehmen zu lassen, die zwei Mal aufgetreten ist, es ist aber ein Klischee, das die Autoren dennoch heranziehen.
Was verbirgt Lincoln?
Lincoln (Luke Mitchell) und Daisy (Chloe Bennet) kontaktieren derweil James (Axle Whitehead), einen ehemaligen Bewohner der Inhuman-Zuflucht Afterlife, der abgeschieden lebt und den Weg zu ihm mit Warnschildern und Landminen pflastert. Das muss Daisy (die aus irgendeinem Grund in dieser Folge Tremors mit Codenamen heißt und nicht Quake) fast mit dem Leben bezahlen. James und Lincoln kennen sich relativ gut, denn Lincoln weiß was zu erwarten ist. Daisy gelingt es die Landmine zu deaktivieren und gleich alle anderen, die sich im Boden verstecken mit. Der Kampf wird abgekürzt, als James nach seinem Gewehr greift und Sparkplug ihn elektrisch ausknockt.

Dann kann auch das wahre Angebot ausgebreitet werden, James erfährt, dass das Aftermath und dessen Anführer Geschichte sind und das sie von S.H.I.E.L.D. kommen, wobei diese Organisation eigentlich auch im öffentlichen Auge nicht mehr existiert. Doch darum geht es den beiden auch nicht. Lincoln weiß, dass er schon immer ein echter Inhuman werden wollte und hat einen Terrigen-Kristall im Gepäck - ob echt oder nicht, wissen wir nicht. Im Austausch wollen sie ein Kree-Artefakt, das gegen It/Hive/Ward behilflich sein sollte. Dabei erfahren die Zuschauer zudem, dass die Kreatur einer der ersten Inhumans überhaupt war und von den Kree mit der Absicht geschaffen wurde eine Armee anzuführen, doch der Plan schlug fehl und die Menschen mussten zur Hilfe herangezogen werden, um ihn irgendwie in den Griff zu kriegen.
Das Tauschgeschäft verläuft einseitig, denn James bekommt nicht den wertvollen Kristall, sondern die beiden Agenten gehen mit beiden von dannen. Das nutzt James um Lincolns Geheimnis anzudeuten, denn offenbar endete seine letzte Beziehung tragisch. Daisy möchte wissen, was Sache ist, da sie sonst ihre Beziehung auf der Stelle beenden will.
Seine Sünde der Vergangenheit ist genau genommen ziemlich menschlich. Da viele der Inhumans vor ihrer Kräfte-Zeremonie mit einem Gefühl der Leere durchs Leben schreiten, griff Lincoln zur Flasche und konnte dabei weder seine Sucht, noch seine Wut kontrollieren. Seine Freundin hat versucht ihm zu helfen, es gelang jedoch nicht. Im Endeffekt setzte er sich betrunken hinter das Steuer, verursachte einen Unfall und verantwortete so ihren Tod. Erst als Gordon von der Jiaying-Inhuman-Fraktion seinem Leben eine neue Ausrichtung gab, schöpfte er wieder neuen Lebensmut.
Lincoln ist also kein mordendes Monster, sondern eine tragische Figur, die in die Sucht abgerutscht ist. Das ist eine okaye, wenn auch keine überwältigende Hintergrundgeschichte. Viel interessanter ist da schon der Fakt, dass Daisy ihm von der Vision erzählt, in der ein Teammitglied bald sterben wird. Diese Einschränkung sorgt dafür, dass das in dem Fall nicht zwingend die ehemalige Skye sein muss und später sehen wir vielleicht schon das Vorgeplänkel dafür.

Was kann der Feind?
Coulson und der Rest des Teams kümmern sich derweil um eine Spur, die sie auf direkten Konfrontationskurs mit Giyera (Mark Dacascos) bringt. Über dessen Kräfte erfahren wir auch einmal Näheres. Denn er kann alle nichtbiologischen Objekte in seinem Sichtfeld telekinetisch manipulieren, somit niemanden dazu zwingen sich selbst zu verletzten. Um sicher zu gehen, hat Fitz (Iain De Caestecker) besondere Waffen entwickelt (oder sich bei Hydra abgeguckt?), die nur bei einer vorher festgelegten Person funktionieren.
Eine weitere Priorität liegt darin herauszufinden, was Ward nun ist, denn Coulson glaubt, dass er für seinen Wandel verantwortlich ist, was in gewisser Weise richtig ist. Mit May (Ming-Na Wen) möchte er darüber jedoch nicht reden und sie selbst meidet das Thema Andrew. FitzSimmons finden anhand der roten Skelette heraus, dass der Gegner sich von lebendigem Fleisch ernährt und es womöglich auch wiederbeleben kann, wie ein Parasit.
Giyera
Als Mack (Henry Simmons), May und Coulson ihren Zielort stürmen, finden sie dort erst einmal nichts, was auf den ersten Blick verdächtig erscheint, außer einigen Tierexperimenten, deren Spuren allerdings schon von Giyera verwischt wurden. Um ihn darf sich May in einem gut durchchoreographierten Kampf in einem kleinen Raum kümmern. Dabei nutzen beide Moves, die die Wände miteinbeziehen und ziemlich sehenswert sind. Überdies ist Giyera auch ohne die Nutzung seiner Kräfte ein formidabler Kämpfer. May gewinnt zwar und man kann ihn einbuchten, doch es wirkt so, als könne der Inhuman auch bewusstlos oder unterschwellig seine Kräfte nutzen.
Simmons kann eine Verbindung zu einer invasiven Spezies von Vögeln ziehen, vor der Ward/It womöglich Angst haben könnte oder die seine Schwäche sind. Richtig abgerundet ist ihre Theorie jedenfalls nicht, aber er übernimmt, wie ihr und uns bekannt, die Erinnerungen seiner ehemaligen Wirtskörper, wozu mittlerweile immer mehr Menschen gehören, die wir kennen. Ward, Malicks Bruder, Will, etc...
Der inzwischen eingesperrte Giyera scheint inzwischen ein weiterer Teil des Parasiten-Schwarms zu sein und spricht nur noch in der Wir-Form, wobei er meint, dass man ein großes Ziel für die Menschheit habe und darauf zuarbeite. Ihm gelingt es, die Tür aufzumanipulieren und auszubrechen. Dabei ist außer Fitz gerade niemand in der Nähe, der ihn aufhalten könnte, auch wenn er es so gut es eben geht versucht. Draußen hat er nun wieder den Vorteil, dass er sämtliche Objekte um ihn herum nutzen kann. May will ihm eine zweite Runde anbieten, doch sein Ziel ist ein anderes: Die Flugbahn zu ändern und die Agenten gefangen zu nehmen.
Eine verletzte May versucht Daisy anzurufen, doch sie glaubt, dass sie zu zweit nichts bewegen können. Allerdings muss Lincoln sie an die Secret-Warriors-Initiave erinnern, die sie hoffentlich nicht umsonst ins Leben gerufen haben. Man kann gespannt sein, wer neben Elena und Joey noch dabei sein wird. Könnten Creel, Talbot und die ATCU helfen? Und was ist mit ein paar neuen Gesichtern? Phobos sehen wir bestimmt nicht, oder liebe Comicleser?
Fazit
Im letzten Drittel der dritten Staffel von Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. sind die Autoren aktuell kaum mehr zu Späßen aufgelegt. Vielmehr ist auch die Episode Paradise Lost ein weiteres düsteres Kapitel, das das Endspiel gegen It/Ward/Hive einläutet. Immerhin scheint es, dass das Team bisher noch nie so einen gefährlichen Gegner hatte, der durch Wards Erinnerungen zudem noch eine Vendetta gegen Coulson im Sinn haben könnte. Die normalen Agenten reichen kaum, weswegen die Versammlung der Secret Warriors nun allerhöchste Eisenbahn ist. Man kann gespannt sein, wie die TV-Version des Teams aussehen wird, gewisse Teile fehlen nämlich vollständig, aber das Team kann ja noch wachsen.
Ansonsten wieder eine gute, spannende und von den Beteiligten gut gespielte Episode. Der Nicht-Flashback-Part von Malick rund um Hive und seine Tochter hat mir wahrscheinlich am besten gefallen, während der Coulson-Part, bis auf Mays Kampf und den Cliffhanger relativ zweckmäßig war.
Serientrailer zur Episode The Team der Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. (3x17):
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 13. April 2016Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 3x16 Trailer
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 3x16)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 3x16
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?