Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x10

Die bisher recht interessante zweite Staffel von Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. hat eigentlich nur auf diese Episode mit dem Titel What They Become hingearbeitet. In den USA verabschiedet sie sich danach in eine längere Pause. Doch liefern die Autoren eine Highlightepisode oder bleiben beim Zuschauer am Ende hauptsächlich Fragezeichen?
Zum Abschuss freigegeben
Das von Whitehall (Reed Diamond) zum Abschuss freigegebene mobile Hauptquartier von Team Coulson, der Bus, kann in einer gewagten Aktion von Pilotin May (Ming-Na) gerettet werden. Dabei hilft eine Mischung aus dem Senken der Flughöhe und dem geschickten Einsatz der Tarntechnologie, um noch einmal heil aus der Situation zu kommen. Im Anschluss muss Director Coulson (Clark Gregg) in Puerto Rico über den Vorfall rund um Ward (Brett Dalton), Skye (Chloe Bennet) und Raina (Ruth Negga) unterrichtet werden.
Der Plan ist, den Tempel in die Luft zu sprengen, während Bobbi Morse (Adrianne Palicki) weiterhin die Lage vor Ort beobachten soll. Ein Problem ist natürlich, wie man mit dem unten verschollenen und besessenen Mack (Henry Simmons) umgehen soll und welchen Plan genau Hydra verfolgt. Schnell stellt sich heraus, dass Hydra schon vor Ort ist und mit Raina und Skye zwei wichtige Asse im Ärmel hat.
Fitz (Iain De Caestecker) und Simmons (Elizabeth Henstridge) überlegen derweil, ob es vielleicht eine Rettung für Mack geben könnte und steigen später gemeinsam mit Triplett (B. J. Britt) den Schacht hinunter. Bobbi und Hunter (Nick Blood) sind emotional natürlich auch aufgewühlt, weil sie nicht wissen, was mit ihrem Weggefährten los ist. Sie bleiben jedoch weitestgehend professionell, was ihre Mission angeht. Einzig das Laufwerk, das Bobbi vor Hunter geheim hält, sorgt für Streit. May macht sich derweil Vorwürfe, dass sie es zur Entführung von Skye hat kommen lassen.
Skye trifft ihren Vater
Tatsächlich hält Ward sein Versprechen und sorgt für das erste Treffen zwischen Skye und ihrem Vater, dessen Name als Cal (Kyle MacLachlan) offenbart wird. Das ist eine der ersten Enthüllungen für die Zuschauer, die damit vielleicht nur bedingt etwas anfangen können. Wie bei seinem ersten längeren Auftritt als Arzt bereits von mir vermutet, stellt sich die Figur also als Mr. Hyda aka Calvin Zabo heraus (Review Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x05: A Hen in the Wolf House). Später erfahren wir auch Skyes echten Namen: Daisy. Doch wir greifen etwas vor.
Während Skye mit einem Gefühlsgemisch aus Verachtung und Hass ins Gespräch geht, wandelt sich ihre Einstellung zumindest ein wenig, als ihr ihr Vater von seiner Vergangenheit, dem Schicksal seiner Frau und seiner Historie mit Whitehall erzählt. Das mag vielleicht nichts daran ändern, dass er ein eiskalter Mörder ist, verkompliziert Skyes Meinung aber enorm und dürfte den Hass auf Whitehall und Hydra umso mehr fokussieren.
Cal sieht ein, dass die Voraussetzungen für das Treffen - immerhin wurde sie entführt und ihr Team bedroht - nicht gerade optimal sind. Allerdings schafft er es, durch das Summen des Songs, den wir in der vorherigen Episode auch in der Traumsequenz gehört haben, eine emotionale Bindung herzustellen. Statt sie fortzuschaffen, meint der rachsüchtige Doktor jedoch, dass sie genau da ist, wo das Schicksal sie haben will und ihr eine Transformation bevorsteht. Doch zunächst muss er seine lang erwartete Rache an Whitehall nehmen („Best day ever“). Dieser ist nämlich nur Mittel zum Zweck, um Skye und den Tempel zu finden.

MacLachlan ist in dieser Episode wieder einmal fantastisch - irgendwo zwischen Genie und manischem Wahnsinnigen - und darf hoffentlich in der zweiten Hälfte weiterhin eine Rolle spielen. Es gelingt den Autoren, ihrem Schurken so viele tragische Elemente zu verpassen, dass sein Motiv trotz der Leichen, die seinen Weg pflastern, nachvollziehbar bleibt. Ob er seine Rache nun auf Coulson verschiebt, weil dieser ihm die Genugtuung genommen hat, bleibt abzuwarten. Hoffentlich ist die Lösung etwas komplexer. Spannend bleibt, was er noch über den Transformationsprozess weiß und woher seine Talente kommen.
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Bohrer stoppen und Skye finden
Coulson bringt derweil den Rest seines Teams in Stellung und entschließt sich gemeinsam mit Bobbi, May und Hunter, den Angriff zu unternehmen. Die Koenigs (Patton Oswalt) werden derweil im Prinzip als Roboter oder Androiden bestätigt. Genau so etwas kommt nämlich aus dem Mund eines der „Brüder“ (Sicherung durchbrennen, Batterie aufladen). Coulson hält sie an, im Hauptquartier gewisse Notprotokolle auszuführen, wenn die Mission schieflaufen sollte. Für Coulson gilt: Hydra daran hindern durch das Vulkangestein zu bohren und Skye finden, damit sie nicht für die Zwecke des Gegners missbraucht werden kann.
Whitehall rätselt derweil, warum Ward seine Befehle missachtet hat. Die ständig die Seite wechselnde Schlange Raina bringt Licht ins Dunkel und nennt seine Gefühle für Skye als seinen Grund. Hatte sie zuvor noch Angst vor Whitehall, gibt sie ihm nun einfach so wertvolle Informationen. Das wirkt etwas merkwürdig.
Allerdings bleibt Skye für den Hydra-Schergen ein Mysterium, zumindest, bis er sie zwingt, den Obelisken in die Hand zu nehmen. Tatsächlich kann sie den Diviner halten, ohne davon getötet zu werden, schaltet aber eine Wache aus. Somit weiß nun Whitehall auch, dass Skye etwas Besonderes ist und ist nun daran interessiert, an ihr zu experimentieren, wie er es mit ihrer Mutter getan hat. Ward, Cal und Skye werden mit verschiedenen Methoden unschädlich gemacht, bis Coulson und sein Team auf der Bildfläche erscheinen. Während Cal blindlinks weiter seinen Racheplan verfolgen will, befreit Ward Skye, die sich mit einigen Schüssen aus einer entwendeten Pistole bedankt und ihn verletzt zurücklässt.
Sehr interessant ist die Entscheidung der Serienmacher, dass Cal eben nicht erhält, was er sich wünscht. Coulson kann Whitehall nämlich überraschend schnell mit nur einem Schuss umbringen. Der Moment, auf den er Skyes Leben lang gewartet hat, wird ihm geraubt und der Figur wird wieder einmal Grund zur Wut und zum Hass gegeben. Auf den ersten Blick erscheint es unpassend, doch will man die Story rund um den Vater beibehalten, bringt das neuen Zündstoff und Whitehall entpuppt sich eben nicht als weiterer Superman, den man nicht aufhalten kann.
Zumal Mr. Hyde anschließend wutentbrannt auf Coulson einprügelt und erst nachgibt, als Skye droht, ihren eigenen Vater zu erschießen und ihn auffordert, zu verschwinden. Hier kommt nun auch Skyes wahrer Name zur Sprache: Daisy. So weit, so Marvel, denn Calvin Zabo hat in den Comics tatsächlich eine Tochter namens Daisy Johnson, die die Superheldin Quake ist. Doch in dieser Serienversion werden einige Elemente wild zusammengewürfelt, wie man später noch sieht. Eigentlich weigert sich Skye, ihr angebliches Schicksal anzunehmen, doch die Umstände lassen nichts anderes zu, als sie sieht, dass Raina mit dem Obelisken in den Tempel gestiegen ist.
Whitehalls Tod hinterlässt auch bei Agent 33 aka Fake-May ein Vakuum. Dieses könnte Ward füllen und die beiden entkommen gemeinsam. Es ist schon etwas unheimlich, dass sich Ward gerade die Bizarro-Exfreundin als diejenige aussucht, mit der er nun auf Achse ist. Oder er sieht in ihr nur jemanden, der leichter für seine Zwecke zu manipulieren ist.
Inhuman!
Der Tunnelschacht wird sehr bald sehr voll, denn neben Raina und Skye steigen auch Triplett und Coulson hinunter. Der besessene Mack spielt derweil den Wächter, der Raina, die eine der Auserwählten darstellt, den Weg leitet und Coulson, einen Unwürdigen, den Zutritt verwehrt. Triplett versucht, zu retten, was zu retten ist, da die Bomben angebracht sind, die den Tempel zum Einsturz bringen sollen. Doch das ist wohl in dem Moment die geringste Sorge. Raina bringt den Obelisken zum dafür vorgesehenen Ort und löst damit etwas aus.
Erneut wird der Zuschauer hier sich selbst überlassen - und ich bin sicher, dass die Autoren hier noch Erklärungen folgen lassen werden - dennoch kann man stark davon ausgehen, dass wir hier die Marvel-Cinematic-Universe-Version der Terringen-Nebel sehen. Diese sind der Initialritus der Inhumans und sorgen für eine Transformation mit einer Gabe oder Superkraft, die vorher nicht feststeht. Das kann Segen oder Fluch sein, man kann sich in einen Freak verwandeln oder weiterhin normal aussehen. Bei Skyes Mutter war das Resultat ewige Jugend. Bei Skye dürften das die Superkräfte von Quake sein, also das Erzeugen von starke Vibrationen, die an Erdbeben erinnern, was sich auch aus ihrer Befreiung aus dem Steinkokon andeutet und visuell mit einem absoluten Superheldenmoment zelebriert wird.

Was genau mit Raina passiert, sehen wir an dieser Stelle noch nicht im Detail. Es sieht aber sehr danach aus, als würde auch sie die Verwandlung überleben und optisch einen Wandel durchmachen (siehe ihre Augen und die Veränderung der Hautoberfläche). Triplett jedoch überlebt die Sache nicht. Sie glaubt kurz, dass Skye zu Tode kommt und wird von einem Teil des Obelisken getroffen und dann versteinert. Damit auch kein Zweifel an seinem Überleben aufkommt, zerbricht die Steinleiche. Damit wird Skyes Superheldengeschichte direkt mit der Schuld um das Ableben von Triplett verknüpft, der immerhin seit Wards Verrat eine ihrer wichtigsten Bezugspersonen darstellte. Die Marvel-Helden brauchen eben immer Tragödien in ihren „Origin-Storys“.
Mack hingegen wird nach dem Vorgang tatsächlich wieder menschlich und auch der Rest des Teams kommt mit einem Schrecken davon. Wir fassen zusammen: Whitehall und Triplett sind tot, der Rest lebt, das Resultat von Rainas Wandlung ist ungewiss, Agent 33 und Ward sind auf der Flucht. Skyes Vater Cal ist ebenfalls weiter irgendwo da draußen.
Diese Hydra-Division braucht also einen neuen Anführer. Könnte Ward dafür infrage kommen? Wird sich Baron von Stucker (Thomas Kretschmann) selbst die Ehre geben? Wird in Marvel's Agent Carter eine neue Figur in Stellung gebracht? Wir werden es sehen.
Das Problem mit den Lizenzrechten
In Daisys Story wird nun also ihre Familiengeschichte mit Elementen aus dem Inhumans-Mythos gemischt. Marvel legt tatsächlich hier schon den Grundstein für den 2018 in die Kinos kommenden Film. Da die „X-Men“-Rechte auf absehbare Zeit bei Twentieth Century Fox bleiben (sofern alle paar Jahre Filme herauskommen), haben die Marvel Studios die Inhumans als neue Hoffnung auserkoren, mit der man - sowohl im Comicbereich als auch Film - die Mutanten ersetzen könnte. Skyes Geschichte ist nun der erste Testlauf dafür und sollte dabei helfen, die Zuschauer langsam, aber sicher an diese neue Figurenwelt behutsam heranzuführen.
Wer genau der augenlose Mann in der Abschlussszene ist, der von Jamie Harris (Turn, Kingdom) gespielt wird, muss sich dann nach der Pause zeigen. Der Diviner scheint jedenfalls kein Einzelstück zu sein und neben Skye und Raina gibt es auf der Erde ganz klar noch einige weitere Menschen mit besonderen Fähigkeiten, wie dessen Anruf unterstreicht.
Fazit

Man könnte es verstehen, wenn sich so mancher Zuschauer nach den Ereignissen dieser Episode fragt, was dort gerade passiert ist. Das ist sicherlich auch eine der Absichten der Autoren - nämlich: einen Cliffhanger zu hinterlassen, der neugierig macht. Mir als Comickenner hat das, was mir präsentiert wurde, gefallen, auch wenn ich stellenweise wirklich einige Verbindungen nachprüfen musste. So hatte ich zwar vermutet, dass Cal Mr. Hyde sein könnte, doch die Verbindung zu Daisy Johnson ist mir nicht aufgefallen. Erst beim Namen Daisy fiel bei mir der Groschen. Wer mehr in Comicform zu ihrer Figur lesen möchte, dem sei an dieser Stelle die Comicreihe „Secret Warriors“ von Jonathan Hickman empfohlen. Man merkt Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. und den Architekten des Marvel-Cinematic-Universe immer mehr an, was für große Fans dieser Comicreihe sie doch sind. Besonders, da dort eine gar nicht so unähnliche Hydra-Offenbarung zu finden ist...
Auch sonst gibt es viel zu verarbeiten: Die Szenen zwischen Skye aka Daisy und Cal sind hevorragend. Doch es bleiben viele Fragen: Bringt der Vorfall um Mack FitzSimmons wieder zusammen, wie es sich hier andeutet? Kann er nach seiner Erfahrung im Team bleiben? Wie verarbeiten sie den ersten richtigen Todesfall eines Teamkameraden? Sieht Ward nun ein, dass seine Liebe für Skye einseitig ist? Was genau passiert nun mit ihr, da sie über besondere Fähigkeiten verfügt?
Obwohl die Folge wieder einmal vollgepackt mit Action, Spannung und Humor war, kann sie nicht ganz mit so manchem anderen Kapitel dieser zweiten Staffel mithalten. Sie verfügt auch über den einen oder anderen „WTF“-Moment und macht definitiv neugierig auf den Rest der Staffel.
Trailer zu „Agent Carter“: Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 10. Dezember 2014Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x10 Trailer
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x10)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x10
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