Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x08

Mit der Episode The Things We Bury, der achten der zweiten Staffel, präsentieren uns die Macher von Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. ein Highlight voller Entwicklungen und Enthüllungen im Dauerfeuer. Vielleicht ist es sogar knapp zu viel.
Das Geheimnis ewiger Jugend
Dass die Naziwissenschaftler von Hydra ihren Wissensdurst mit perversen Experimenten stillen, ist kein Geheimnis. Es wird in dieser Episode aber auf schaurige Art und Weise unterstrichen. Was passiert, wenn man den Obelisken anfasst, wird im Flashback aus dem Jahr 1945 erforscht. Dabei wird durch Whitehall (Reed Diamond) geprüft, ob etwa Rasse oder Geschlecht dabei entscheidend sind, was zahlreiche Opfer nach sich zieht. Als eine Frau (gespielt von Dichen Lachman, Dollhouse) die Berührung des Artefakts überlebt, wird diese zum neuen Testobjekt für Hydra. Glücklicherweise können Agent Carter (Hayley Atwell) und das SSR die Hydra-Schergen, darunter auch Whitehall, zumindest zeitweise dingfest machen. Whitehall selbst beziehungsweise - wie er eigentlich heißt - Werner Reinhardt, verbringt auf Agent Carters Befehl 44 Jahre in „The Rat“, wo er alt und grau wird.
1989 gelingt es Hydra dann, ihn zu befreien und ihm mitzuteilen, dass sein Testobjekt noch lebt und offenbar kaum gealtert ist. Das Datum allein dürfte aufmerksamen Zuschauern bereits einen Hinweis darauf geben, um wen es sich bei der Person handeln könnte. Dazu kommt das asiatische Aussehen und die Tatsache, dass der Diviner ihr nichts antun konnte. Wie sich dann auch am Ende der Episode bestätigt, handelt es sich tatsächlich um Skyes Mutter.
Das macht Skyes Vater zu einer Art Wildcard, die sich bei Whitehall daran rächen möchte, dass er an ihrer Mutter experimentiert hatte. Sie ist nämlich der Schlüssel dafür, dass Whitehall in der Gegenwart noch so aussieht wie 1945 und sein Altern quasi umkehren konnte. Nachdem die Operation - oder vielleicht muss man besser sagen: ekelhafte Sezierung - abgeschlossen ist, wird sich ihres Körpers entledigt. Dann findet Skyes Vater aka der Doktor sie und schwört Rache an demjenigen, der das seiner Geliebten angetan hat.
Whitehall selbst hat seinen Akzent erst nach seiner Befreiung aus der Haft abgelegt und konnte ab dort unterhalb des Radars von S.H.I.E.L.D. agieren, weil die Mittel von Hydra ihn so decken konnten.

Doppeltes Spiel vom Doktor
Der Doktor selbst (Kyle MacLachlan) spielt in dieser Episode mit mehreren Personen ein doppeltes Spiel. Zunächst mit Whitehall selbst, dem er verspricht, mehr über den Obelisk aka den Diviner zu verraten. Dafür muss er allerdings zunächst wissen, was der Hydra-Oberst darüber zu wissen glaubt. Demnach sind die blauen Aliens nicht gekommen, um die Erde zu schützen, sondern, um sie zu erobern oder - nach den Wortes des Doktors -, um sie zu zerstören. Der Diviner ist ein Schlüssel und prüft, ob jemand lebt, stirbt oder das Recht hat, in die Stadt und den Tempel, wo etwas Cooles passieren soll, vorzudringen und irgendwann einmal die Erde zu erben.
Die Worte des Doktors erscheinen im Gesamtkontext der Episode in einem neuen Licht. Muss man anzweifeln, dass er die Wahrheit sagt oder sagt er die Wahrheit, weil er weiß, dass Whitehalls Tage schon gezählt sind und er ihm überlegen ist? Vielmehr scheint es, dass Whitehall für ihn nur Mittel zum Zweck ist, um später mit Coulson ins Gespräch zu kommen. Gegenüber ihm hat er nämlich einen Informationsvorsprung. Skyes Vater konnte sein Team in einer vorherigen Episode aus dem Auto heraus beobachten, während Coulson nicht weiß, wie Skyes Erzeuger aussieht, da das einzige Foto relativ veraltet ist.
Coulsons Suche nach der mysteriösen Stadt
Coulson (Clark Gregg) lässt es sich, nun, da er weiß, was die Einkerbungen sind und nicht mehr den Drang verspürt, diese in Oberflächen zu hinterlassen, nicht nehmen, auf einen Feldeinsatz zu gehen, um mehr über den Standort dieser Stadt zu erfahren. May (Ming-Na) hält derweil die Stellung in der alten Basis. Bei dieser handelt es sich um ein altes SSR-Gebäude, welches einige Geheimnisse und Akten beherbergt, die dem Team weitere Aufschlüsse geben sollten. Grant Ward (Brett Dalton) hatte dem Team immerhin zuletzt Bakshi (Simon Kassianides), die rechte Hand Whitehalls, auf dem Silbertablett serviert. Dessen Verhör übernimmt Bobbi Morse (Adrianne Palicki), die zwar Spezialistin auf dem Gebiet ist, aber doch einige Schwierigkeiten hat, ihn zu knacken.
Durch Nuancen in seiner Sprache kommt das Team darauf, die SSR-Akten zu durchsuchen, wobei Simmons bemerkt, dass Reinhardt und Whitehall dieselbe Person sind. Bakshi versucht, als letzten Ausweg seine mind games mit Bobbi zu spielen und sie vor den zuschauenden anderen Agenten - allen voran dem Ex Hunter (Nick Blood) - für ihre Methoden zu brandmarken. Doch die Konfrontation mit dem Wissen aus den alten Akten ist genug, um Bakshi mit einer Zyanidkapsel zum Selbstmord zu treiben.
Coulson jedenfalls werkelt insgeheim an einem neuen elaborierten Plan, der mithilfe harmloser Gegenstände wie einer Uhr und einem Anstecker, die Computersysteme in einer hawaiianischen Basis lahmlegen soll, damit das Team wiederum in Australien nach dem Standort der Stadt Ausschau halten kann. Gemeinsam mit Triplett (B. J. Britt) und Fitz (Iain De Caestecker), der einen Transceiver zusammensetzen soll, infiltriert er also die Back-up-Basis, die immer dann einspringt, wenn die uneinnehmbare in Hawaii ausfällt. Die Sequenz rund um die Infiltration wird zwar in der Folge eingeleitet, ist aber insgesamt doch vielleicht eine kleine Schwäche dieser Episode, da man als Zuschauer so vor vollendete Tatsachen gestellt wird und hier viele Zufälle auf einmal geschehen.
Immerhin verläuft dann nicht alles nach Plan, was die nachfolgenden Szenen dramatisch spannend gestaltet. Ein Hydra-Team befindet sich hier nämlich bereits vor Ort und schießt Triplett an, der nun um sein Leben kämpft. Der Doktor aka Skyes Vater, den von den Anwesenden niemand kennt, bietet seine Hilfe an und erhält somit seine Chance, Coulson einmal von Angesicht zu Angesicht zu sprechen. Tatsächlich operiert er Tripletts Wunden und gibt sich Coulson im Verlauf des Gesprächs auch zu erkennen.
Hier macht er deutlich, dass er Whitehall an den Kragen will und ein größeres Ziel verfolgt, was sich irgendwann einmal auszahlen wird. Außerdem hat er Interesse daran, seine Tochter wiederzusehen und er fährt Coulson an, dass dieser nicht glauben soll, ihr Vater zu sein. Dass Coulson sie bei ihrem falsche Name Skye nennt, erzürnt ihn ebenfalls, er bleibt ihm ihren echten Namen aber weiterhin schuldig. Dennoch hilft er Triplett oder sagt Coulson und Fitz zumindest, wie sie dessen Leben retten können, während er flüchten kann, was ihm auch gelingt. Die Begegnung mit ihrem Vater verschweigt Coulson Skye aber fürs Erste. Dafür finden sie tatsächlich mithilfe des Transceivers den Standort der sagenumwobenen Stadt.
Bisher habe ich es versäumt, McLachlan für seine Auftritte zu loben, doch das möchte ich spätestens in diesem Review nachholen und gleichzeitig auch ein Lob für die Autoren aussprechen, die seine Figur herrlich undurchsichtig gestalten und in dieser Episode seine Geschichte wunderbar verkomplizieren. Er hat mit Hydra noch eine Rechnung offen und einen Plan, der wohl alle großen Player beinhaltet. Am Ende der Episode lernt er auch noch Grant Ward persönlich kennen, der sich nun wiederum Whitehall anschließt. Warum das so ist, offenbart sein Handlungsstrang.
Ward gegen Ward

Ähnlich undurchsichtig wie der Doktor bleibt Grant Ward. Nach seiner erfolgreichen Flucht aus dem S.H.I.E.L.D.-Gefängnis nimmt er seinen Bruder, den Senator Christian Ward (Tim DeKay), ins Visier. Dieser hat einen Deal mit Coulson gemacht und wollte seinen kleinen Bruder eigentlich seiner verdienten Strafe zuführen.
Nun ist Grant der Jäger und greift den großen Bruder und dessen Sicherheitsteam an. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass er sehr wohl Dreck am Stecken hat. Zunächst telefoniert er mit seiner Frau, nur, um danach eine Affäre anzurufen und diese zur Ferienhütte zu bringen. In deren Nähe befindet sich wiederum der Brunnen, der Anteil daran hatte, dass die Beziehung der beiden Brüder nun zerrüttet ist.
Dabei geht es Grant darum, dass Christian zugeben soll, dass er derjenige ist, der Grant zu den Handlungen rund um den Brunnen und den kleinen Bruder Thomas gezwungen hat (siehe die Episode The Well). Er kann die Vergangenheit nicht auf sich beruhen lassen und zwingt den Senatoren, den Brunnen freizuschaufeln. Ebenso droht er, ihn dort herunterzuwerfen, wenn er nicht geständig wird. Doch das Geständnis ist alles, was er von seinem Bruder benötigt, um Rache zu nehmen, persönliche Genugtuung zu erlangen und ihm nun den Mord an den gemeinsamen Eltern anzuhängen.
Auch hier muss man hinterfragen, ob er nur die Wahrheit sagt, weil sein Leben bedroht wird oder weil er es ernst meint. Doch sein Geständnis wirkt recht authentisch. Im Endeffekt ist das allerdings egal, da Whitehall es nutzt, um Grant Ward in der Belastung seines Bruders auszuhelfen. Nachdem er nun Bakshi an seinen Feind ausgeliefert hat, tut er Ähnliches mit seinem Bruder. Welche Agenda hat Grant Ward also? Einen interessanten Ansatz dafür bietet Christian Ward: Sein Bruder will eigentlich ein Held sein, die Stimmen in seinem Kopf und die moralisch fragwürdigen Handlungen machen dies jedoch eindeutig unmöglich. Außerdem scheint es so, dass die Eltern der beiden wirklich schrecklich gewesen sein müssen. Obwohl sie als verstorben gelten, wäre es spannend, sie einmal zu sehen. Ob im Flashback oder durch Storywendung ist dabei nebensächlich.
Der Zusammenschluss von Grant Ward mit Whitehall und dem Doktor am Ende der Episode ist deswegen interessant, weil eigentlich keinem der drei vertraut werden kann. Das verleiht der Serie eine schöne Unvorhersehbarkeit. Beim Doktor ist es allerdings schon recht offensichtlich, dass er sich an Whitehall rächen will, da dieser ihn seiner Familie beraubt hat.
Fazit
Es ist mir hier leider nur im Ansatz gelungen, die tollen Aspekte dieser Episode zu besprechen. The Things We Bury ist allerdings auch bis zum Bersten mit Inhalt gefüllt. Dabei kann nur kurz zur Sprache kommen, dass Mack (Henry Simmons) weiterhin als einer der wenigen gezeigt wird, der Coulsons jüngsten Ausbruch noch nicht überwunden hat. Deshalb zweifelt er nun an dessen Gesundheit, während es zwischen Bobbi und Hunter ebenfalls brodelt (Stichwort: Vertrauen und Versöhnungssex).
Dazu kommt die nette Montage zu Whitehalls Zeit im Gefängnis sowie die widerliche Szene rund um die Forschung an Skyes Mutter, die dabei hilft, Whitehall als Schurken noch hassenswerter zu machen und die gleichzeitig Sympathien für den Doktor schürt. Und das, obwohl dieser ein Mörder ist. Red Skull wird in dieser Episode ebenfalls sehr oft erwähnt, während Alexander Pierce (Robert Redford) derjenige ist, der Whitehalls Befreiung aus dem Gefängnis veranlasst.
Fast, aber auch nur fast wirkt die Episode zu vollgequetscht, aber gleichzeitig genießt man die Achterbahnfahrt der Entwicklungen auch. Schon bald steht das Mid Season-Finale und die anschließende mehrmonatige US-Pause an. Die Erwartungen darauf sind nun enorm, da der Spannungsaufbau gut funktioniert.
Videovorschau auf die Episode Ye Who Enter Here (2x09): Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 19. November 2014Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x08 Trailer
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x08)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x08
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