Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x21

Die vorletzte Episode der ersten Staffel von Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. heißt Ragtag. Coulsons (Clark Gregg) Team zieht ohne S.H.I.E.L.D.-Sanktion in die Schlacht gegen Garrett (Bill Paxton) und sein Hydra-Team - oder bereitet sich zumindest auf eine Schlacht vor. Zwar hat Skye (Chloe Bennet) die Festplatte für Hydra geknackt, aber gleichzeitig auch einen Trojaner hinterlassen. Der Haken an der Sache: Dieser muss erst noch per Flashdrive aktiviert werden, weil ihre Zeit zum Handeln einfach begrenzt war. Dazu müsste man jedoch erst einmal wissen, von wo Ward (Brett Dalton), Garrett und Co aus operieren.
Nebenbei lässt Garrett einen Drogenboss öffentlichkeitswirksam durch Deathlok (J. August Richards) hinrichten. Einerseits, um Coulsons Crew auf eine falsche Fährte zu locken und andererseits, um Aufmerksamkeit zu erhaschen. Ward ist über diese Aktion und über Garretts Handlungen ihm gegenüber wenig erfreut. Er glaubt, dass er den Drogenboss aus der Distanz ebenso gut ausgeschaltet hätte und die Aktion mit dem „Fastherzstillstand“ durch Deathlok, um Skye zur Kooperation zu bringen, wird er auch nicht vergessen. Doch Garrett beharrt auf seinem Plan. Auch Raina (Ruth Negga) hat gute Nachrichten: Sie steht kurz vor dem Durchbruch, was das Synthetisieren des GH-325-Serums angeht und was das Auswerten von Skyes Daten betrifft.
Old-School-Attacke im Howling-Commandos-Style!
Da Coulsons Team von sämtlichen S.H.I.E.L.D.-Ressourcen abgeschnitten ist, ist Improvisationstalent gefragt. Zum Glück haben sie mit Antoine Triplett (B. J. Britt) einen Nachkommen eines Mitglieds des legendären Howling Commandos (vergleiche „Captain America - The First Avenger“) in den eigenen Reihen. Dieser bringt das Equipment seines Großvaters mit und verpasst Coulson damit einen „Fanboygasmus“.
Die Taktik ist charmant: Lowtech vs. Hightech. Das Team macht Cybertek nämlich als das alles verbindende Zentrum des Übels aus. Das bedeutet, dass man dort wohl Antworten findet. Coulson und May (Ming-Na) geben sich als Wissenschaftler aus, die ein Produkt, nämlich den Icer, an Cybertek verkaufen wollen. Fitz (Iain De Caestecker) und Simmons (Elizabeth Henstridge) spielen derweil die Stichwortgeber über Funk und Skye und Triplett versuchen, im Van über diverse Frequenzen Informationen zu beschaffen.
Die Cybertek-Vertreter zeigen sich jedenfalls nicht begeistert von den bisherigen S.H.I.E.L.D.-Bewerbern - die Hydra-Leute kamen ihnen jünger vor. Das lässt FitzSimmons bereuen, dass man nicht die Plätze getauscht hat. Auch die Betäubungstechnologie löst keine Begeisterungsstürme aus, aber der Termin ist ohnehin nur eine Tarnung, um sich ins Gebäude zu schleichen. Zwei aus dem Weg geräumte „Cybertekies“ später stoßen May und Coulson tatsächlich auf das, was sie suchen: eine Akte zu Garrett, in der explosive Informationen stehen. Garrett selbst ist nämlich der erste Deathlok - er hatte das Projekt 1990 ins Leben gerufen, nachdem er bei einem S.H.I.E.L.D.-Einsatz in Sarajevo schwer verletzt und daraufhin von seinem Arbeitgeber im Stich gelassen worden war. Coulson und May bereiten den Aktentransfer vor, indem sie den Aktenschrank durchs Fenster verfrachten und die Flucht antreten.
Flashback in Wards Vergangenheit
Die Episode gewährt den Zuschauern gleichzeitig einen ausführlichen Blick in Wards Vergangenheit. Vieles, was die Figur bisher erzählt hat, stellt sich als Lüge oder zumindest nur als halbe Wahrheit heraus. Bereits vor 15 Jahren war Garrett in Wards Leben getreten. Er besuchte ihn kurz vor einer Haftstrafe in einer Jugendstrafanstalt. Ward war ein Feuerteufel, der das eigene Haus und seinen Bruder darin angezündet hatte. Garrett bot ihm die „Komm-aus-dem-Gefängnis-frei-Karte“ an, sofern er sich ihm anschließen würde. Dabei reichte es bereits aus, dass er ihm erklärte, von einer geheimen Organisation zu stammen, die junge Männer wie ihn rekrutieren wollen würde. Immerhin stellte er die Frage, warum er ihm trauen sollte. Allerdings war Garrett so frei, zuzugeben, dass er niemandem trauen sollte, besonders nicht ihm. Wards Zustimmung endete dann in der gewaltsamen Befreiung aus dem Knast und dem Mentoring durch Garrett.
Bald begann also Wards harte Ausbildung. Nach einer kurzen gemeinsamen Entenjagd (bei der auch die Worte fielen, dass er seinen Mund aufmachen müsse, weil er kein Gedankenleser/Hellseher wäre) ließ Garrett Ward allein auf sich gestellt. Er sollte sich Respekt verdienen. Nur der Hund Buddy und eine Tasche mit Kleidung erhielt er von Garrett. Doch er sollte das Beste daraus machen und sich sein Essen, seinen Schlafplatz und überhaupt alles erst hart erarbeiten. Nach einer schwierigen Anfangsphase lernte Ward so, für sich selbst zu sorgen und ein halbes Jahr später tauchte sein Mentor wieder auf. Mittlerweile hatte Ward Skrupel abgelegt, sich das nötigste Werkzeug und ein Zelt zusammengestohlen und geplant, sich eine Hütte zu bauen.
So interessant das Konzept des Alleingelassenwerdens im Wald auch ist - man fragt sich dennoch, warum Ward mitspielt. Ja, er ist ein geflohener Häftling und auf Garretts Hilfe angewiesen. Dass er allerdings tatsächlich im Freien bleibt und einen auf Jäger und Ralph Waldo Emerson macht, ist nicht ganz nachvollziehbar. Kommt er in dieser Zeit wirklich nie auf den Gedanken, andere Menschen zu kontaktieren? Oder irgendwo anders unterzukommen?
Nach den sechs Monaten hatte Ward jedenfalls Garretts Prüfung fast bestanden. Daran angeschlossen sollte er das Schießen und Jagen lernen - also verließ Garrett ihn wieder. Fünf Jahre später (die Ward in der Wildnis verbracht haben soll?) weihte Garrett ihn darüber ein, dass er in Wirklichkeit ein Hydra-Angehöriger ist. Er klärte ihn auf, warum es dazu gekommen ist und dass Ward einen Platz in der S.H.I.E.L.D.-Academy erhalten würde. Das lange Waldexil wäre eine Lektion in Sachen Loyalität und dass man sich emotional an nichts binden soll, um ein guter und skrupelloser Hydra-Agent zu sein. Darum sollte er auch die Zelte abbrechen und seinen treuen Begleiter Buddy umbringen, um seinen neuen Auftrag anzutreten. Doch genau das ist Wards Schwachpunkt. Kameraden, die ihm ans Herz gewachsen sind, kann er nicht „einfach so“ kaltblütig umbringen. Das war schon bei Skye so, das ist bei Buddy so und das soll auch noch bei FitzSimmons so bleiben.
Die Frage, ob der Flashback nun glaubhaft macht, warum Ward so loyal gegenüber Garrett ist, muss wohl verneint werden. Er hat ihn vor der Gefängnisstrafe bewahrt und ihm einen Neuanfang ermöglicht, aber dieser ist mit bösen Absichten gepflastert, die nicht einfach so durch das Schikanieren seines Bruders erklärt werden können. Vollends zufriedenstellend ist der Blick in Wards Vergangenheit also erneut nicht. Immerhin wissen wir nun, dass der Teamverrat wirklich von sehr langer Hand geplant war und Ward demnach über einige Monate hinweg einen guten Undercoveragenten abgegeben hatte.
Dass der Flashback sich der alten „Bester Freund des Menschen“-Dynamik bedienen würde, war für mich allerdings sofort klar, als der Hund bei Ward blieb. Hunde und Babys sorgen halt immer für Mitgefühl bei den Zuschauern. Hier wirkt es aber etwas abgedroschen.
Was will Garrett?
Die Beweggründe Garretts werden in der Episode ebenfalls offenbart. Da er der erste Deathlok war, war die Technologie wohl noch nicht so ausgereift. Wenn er sich aufregt, bricht er deswegen auch zusammen und die Technik in ihm bedarf einer Wartung. Der Grund dafür ist, dass er sterben wird und nur noch ein oder zwei Monate zu leben hat. Genau darum ist er an Dingen wie der neuen Deathlok-Technologie, der Wiederbelebung Coulsons und dem GH-325-Serum interessiert. Er will sein eigenes Leben retten.
Coulsons Team kann die Spur seiner Gegner nach Kuba verfolgen, doch der barbershop, den Quinn, Ward und Garrett als Treffpunkt nutzen, ist leer, als Coulson, May, Triplett und Skye dort ankommen. FitzSimmons sind derweil drei Stunden entfernt, wo sie den S.H.I.E.L.D.-Flieger entdecken. Allerdings gibt Coulson den Befehl, nicht einzugreifen. Das möchten sie mit einer Drohne umgehen, doch ehe sie diese holen können, lauert Ward ihnen auf und bringt sie an Bord. Immerhin konnte Fitz ein Gadget aus Tripletts Arsenal greifen - und was für eins! Mit einer kleinen EMP, die Ward für einen Scherzartikel hält, setzt er Garretts Cyborgkörper schwer zu. Ward versucht alles, um ihn zu retten. Aber es ist im Endeffekt Raina, die sich um sein Wohlbefinden kümmert, nachdem Garrett Ward befiehlt, FitzSimmons zu beseitigen. Denen gelingt die Flucht in eine Kammer, aus der sie nicht herauskommen, weil sie die Konsequenzen fürchten.
Doch Ward betätigt eine Konsole und sorgt dafür, dass die beiden darin eingeschlossen im Wasser landen, was eine Art Parallele zu seiner Reaktion gegenüber Buddy, dem Hund, ist und zeigt, dass er eindeutig noch nicht ganz verloren ist. Für eine Rehabilitation ist es jedoch wiederum mit Sicherheit zu spät. Aber ein letztes heldenhaftes Opfer im Finale wäre nach diesen Taten möglich. Sind die Autoren so durchschaubar? Fitz und Simmons bringt man jedenfalls nicht eine Folge vor dem Finale um.
Gegenüber Raina öffnet sich Garrett und er zeigt ihr, dass er sich mithilfe des Project-Centipede-Serums am Leben halten konnte. Doch Fitz' Angriff hat ihn arg getroffen. Da trifft es sich gut, dass Raina zumindest eine Ampulle des GH-325 replizieren konnte, die sie nun dem Clairvoyant dorthin spritzt, wo sich bereits das andere Serum befindet. Nach einer heftigen Reaktion scheint Garrett das Gröbste überstanden zu haben und vitaler denn je zu sein. Was es genau bedeutet, dass er das Universum sieht, erfahren wir hoffentlich bald. Und das wirft die Frage auf, was für eine Art Alien der Wirt für das Serum ist?
Mysterious Girl
Apropos Raina: Die Figur bleibt ein faszinierendes Mysterium. Ihre unbändige Neugier zu allem, was besonders ist, und speziell Menschen mit besonderen Gaben sorgt für eine neue Offenbarung bezüglich Skye. Skye könnte das Kind zweier Personen sein, die ein ganzes Dorf in China in Schutt und Asche gelegt haben. Das ist nämlich ihre Vermutung, nachdem sie sich ihre DNA genauer angeschaut hat.
Raina selbst könnte schlummernde Superkräfte haben, denn an einer Stelle vergleicht sie Skye und sich. Darüber hinaus kommt sie bei Garrett nur bedingt gut an. Er findet sie unheimlich, kann sie schwer einschätzen und Peterson fragt sich, ob jemand sie ebenfalls fremdsteuert und so an Hydra bindet oder warum sie sonst mitmacht. Allerdings scheint es bei ihr tatsächlich die Faszination des Unerforschten und Übernatürlichen zu sein, die sie anzieht. Hoffentlich gibt es demnächst mehr über sie zu erfahren.
Garrett auf der Spur
Das Quartett rund um Coulson dringt weiter bei Hydra vor. Doch statt Garrett und Co finden sie Centipede-Soldaten, jemanden mit dem Berserkerstab und etwas, das wie eine Deathlok-Armee (oder Eye-Spy-Armee) aussieht, vor. Diesmal sind sie komplett auf sich alleine gestellt und haben auch keinen Peterson an ihrer Seite. Wie kommen sie da also wieder heraus?
Ian Quinn trifft sich in der letzten Szene unterdessen in Washington mit einigen Militärvertretern und unterlässt es natürlich, zu erwähnen, dass er im Auftrag Hydras handelt. Allerdings versucht er, die Regierungsangehörigen mit der Hydra-Unterwanderung bei S.H.I.E.L.D. zu locken - und zwar mit einer Armee von 1000 Supersoldaten, die in einer brandneuen Cybertek-Anlage gebaut werden soll. Die bedeutungsschwangere Musik kann fast nur heißen, dass es sich dabei um eine Falle handelt - oder wird die US-Regierung sich nach dem Hydra-Desaster gleich den nächsten Bären aufbinden lassen?
Fazit
Ragtag ist die letzte Episode vor dem Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.-Staffelfinale und sie bringt wiederum einige neue Informationen. Vor allem gibt es einige über Garrett, Ward und Skye sowie Andeutungen zu Raina. Das ist schön und gut, aber vor allem im Fall von Ward nicht so spannend wie erhofft.
Immerhin geht die Serie selbst nun einen Weg, wie ich ihn mir persönlich von Anfang an gewünscht hatte. Die Ressourcen und Mittel für Coulsons Team werden zurückgefahren, die Bösen sind tatsächlich bedrohlich und sehr gut ausgestattet und es ist nicht klar, wie das Team aus dieser Bredouille rauskommen soll. Darüber hinaus lässt sich am Horizont erahnen, dass Superkräfte wohl bald schon eine größere Rolle spielen werden, als sie es im Moment noch tun. Ebenso kann man sich denken, dass bestimmt nicht jeder das Finale überleben wird. Im direkten Vergleich mit den Vorgängerepisoden schneidet diese 21. Ausgabe von Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. etwas schwächer ab. Sie kommt allerdings mit einer guten Prise old school-Charme und Humor daher (Coulson und May bei Cybertek, der Aktenschrank, Fitz und Tripletts leichte Annäherung, Coulsons Fanboyverhalten), die das wieder ausgleichen.
Videovorschau zur Episode End of the Beginning der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. (1x22) - dem Staffelfinale:
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 7. Mai 2014Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x21 Trailer
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x21)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x21
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?