Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x20

Die Episode Nothing Personal ist eine weitere sehenswerte der Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D., die nun schon seit einiger Zeit einen regelrechten Lauf hat.
Inzwischen muss man anerkennen, dass Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. wie viele bisherige Serien, die Joss Whedon auf den Weg gebracht hat, erst am Ende der ersten Staffel so richtig seine Stärken durchschimmern lässt. Das ist vielleicht schade für diejenigen, die die Serie zu früh aufgegeben haben, aber umso belohnender für alle, die geduldig geblieben sind. Dazu kommt, dass die Verflechtung mit „Captain America 2: The Return Of The First Avenger“ der kreativen Ausrichtung der Serie enorm gutgetan hat. In dieser 20. Episode gibt es ein weiteres Wiedersehen mit einer zentralen Figur aus dem Marvel-Cinematic-Universe. Maria Hill (Cobie Smulders), die ehemalige rechte Hand Nick Furys (Samuel L. Jackson), die inzwischen für Tony Stark arbeitet, schaut nämlich vorbei. Zwar hat sie durchaus noch Sympathien für Coulson (Clark Gregg), konfrontiert ihn aber auch mit einigen harten Wahrheiten.
Wer oder was ist ein Man-Thing?
Es ist Agent May (Ming-Na), die Maria Hill in Washington ausfindig macht, wo sich die ranghohe Ex-S.H.I.E.L.D.-Agentin vor dem Kongress verantworten muss und gleichzeitig von allerhand dubiosen Gestalten auf Schritt und Tritt verfolgt wird. Über ihre Interaktion mit dem Kongress, der sich wie eine Gruppe von Kindergartenkindern verhält, berichtet sie ihrem Gesprächspartner am Telefon, ehe Agent May ihr in einer Gasse „auflauert“. May gibt ihr zu verstehen, dass Coulson ihre Hilfe braucht und sich in Providence befindet.
Außerdem brieft sie sie über Coulsons Kenntnisstand bezüglich T.A.H.I.T.I. und möchte wissen, wer die verantwortliche Person hinter dem Projekt war. Die Befürchtung, dass es sich um Alexander Pearce (Robert Redford) handeln könnte, der Coulsons Erinnerungen manipuliert und sein Leben gerettet hat, ist natürlich eine Horrorvorstellung. Von Hill erfährt May, dass er das Geheimnis, wer hinter dem Projekt steht, zusammen mit Coulson vergraben hat, was hier wortwörtlich zu verstehen ist. Ach, Fury und seine Rätsel...
Erst nach über drei Minuten entdeckt das FBI, das etwas faul ist mit Hills Verfolgern und schickt ein Team zu ihr, worüber sie sich enttäuscht zeigt. Immerhin erfahren wir, dass Tony Starks Anwälte sie aus dem gröbsten Ärger heraushalten und sie damit beschäftigt ist, die Weltsicherheit zu privatisieren. Eine schöne Referenz ist dabei die Frage nach „Man-Thing“, einer recht obskuren Marvel-Figur, die so etwas wie das Äquivalent zu DC-Comics' Swamp Thing ist: ein Pflanzenwesen mit Superkräften. Übrigens gab es auch einmal einen wenig beachteten „Man-Thing“-Film, über den alle Beteiligten (und dazu gehört zum Beispiel Alex O'Loughlin aus Hawaii Five-0) am liebsten den Mantel des Schweigens hüllen.
May nimmt Furys Rätsel beim Wort. Was liegt für die Agentin also näher als einmal das Grab auszuheben, um nach Hinweisen zu suchen, die ihr hier weiterhelfen können? Und tatsächlich findet sie einen USB-Stick mit einem Level-10-Bericht zum Projekt T.A.H.I.T.I., dessen Projektleiter sie überrascht zurücklässt. Wer das ist, wird erst am Episodenende - und auch erst am Reviewende - verraten.
Maria Hill kommt zur Rettung?

In der vorherigen Episode hat Skye (Chloe Bennet) herausgefunden, dass Ward (Brett Dalton) tatsächlich ein undercover operierender Hydra-Agent ist. Sie verließ händchenhaltend und schauspielernd im S.H.I.E.L.D.-Bus mit ihm Providence, um die Festplatte mit den S.H.I.E.L.D.-Geheimnissen zu dechiffrieren.
Coulson, Fitz (Iain De Caestecker), Simmons (Elizabeth Henstridge) und Triplett (B. J. Britt) rätseln unterdessen, wo ihre Kameraden hin sind. Während sich schnell klärt, dass May wegen Coulson gegangen ist, gibt das unangekündigte Verschwinden von Skye und Ward Rätsel auf. Indizien bringen nur vereinzelte Videofeedschnipsel, bis Simmons zur Beruhigung etwas zu essen machen möchte und Fitz sich ebenfalls umsieht. Skye hat geistesgegenwärtig vorgesorgt. Die digitalen Fenster, die je nach Tageszeit unterschiedliche Motive zeigen, weichen von der Programmierung ab, was Fitz stutzig macht. Unter einem entdeckt er Skyes Botschaft, dass Ward zu Hydra gehört.
Parallel entdeckt Simmons die Leiche von Eric Koenig (Patton Oswalt), der von Ward umgebracht wurde, weil er ihm auf die Spur kam. Die Obduktion durch CSI Simmons ergibt für die Wissenschaftlerin ohne Zweifel, dass Ward der Täter sein muss. Die Größe des Mörders und die physische Kraft, die aufgewendet wurde, schließt May aus, die die andere Verdächtige war. Fitz kann den Verlust nicht glauben und kriegt einen Wutanfall. Zuvor ist er ständig mit Triplett angeeckt, den er als Gruppenneuling kritisch beäugt hat, nachdem Hydra und auch May für Misstrauen gesorgt hatten. Dass nun aber Ward, den er für einen Freund gehalten hatte, der Betrüger ist, stößt ihm übel auf. Doch das Team fragt sich nun, was Ward mit Skye will. Schnell kombinieren Coulson und Triplett, dass Garrett noch am Leben sein muss und auch, dass Victoria Hand getötet wurde und die Festplatte nur durch Skye dekodiert werden kann. So wird ihre Rettung zur obersten Priorität.
Doch bevor das Team um Coulson ausrücken kann, werden sie von der Anwesenheit von Glenn Talbot (Adrian Pasdar) und seinem Militärteam überrascht. Talbot hatte einen Besuch bereits angekündigt, doch dann verschwanden Coulson und Co. Nun ist er durch Hills Hilfe zur supergeheimen Basis Providence gekommen und droht dem Team mit langen Haftstrafen, wenn sie ihm keine geheimen Informationen zukommen lassen. Triplett, Fitz und Simmons halten jedoch wenig von Kooperation. Hier muss man anmerken, dass die neue Selbstsicherheit von Simmons durchaus zu gefallen weiß. Schön, dass sie nach dieser Extremsituation nicht mehr das unsichere und weinerliche Mauerblümchen ist.
Hill und Coulson nutzen die Zeit, um sich gegenseitig auf den aktuellen Stand zu bringen. Als Coulson Hill von Garrett als Clairvoyant und Ward als Hydra-Maulwurf erzählt, reagiert sie geschockt, denn schließlich spielt sie bei seiner Verpflichtung eine zentrale Rolle. Darum fällt sie auch Talbot in den Rücken, als dieser zu ihnen kommt. Gemeinsam greifen sie ihn und seine Männer an und legen sie vorerst auf Eis. Das wird sicherlich noch Konsequenzen haben. Schließlich könnte man das als Hochverrat auslegen. Doch es gilt, Skye zu retten.
Skye zieht Wards Strippen
Skye sitzt am längeren Hebel, denn sie nutzt nun Wards amouröse Gefühle aus, um ihm etwas vorzumachen. Außerdem sagte er ihr zuvor, dass er ihre Hilfe braucht, um die Festplatte zu knacken und sie entsprechend die Route vorgibt. Sie sucht sich das Diner in LA aus, in dem sie auch schon Mike Peterson (J. August Richards) gegenüber saß.
Ihre Taktik ist einfach: Zeit schinden und Ward hinhalten. Mindestens eine Stunde brauche sie angeblich, um mit ihren bescheidenen Mitteln die Festplatte zu hacken, doch insgeheim versucht sie nur, ihren Hals aus der Schlinge zu ziehen. Obwohl Ward seine Ungeduld kaum überspielen kann und ständig nach Updates fragt, hat Skye fast immer die passende Antwort parat und piesackt und provoziert den liebesblinden Teamverräter mit kleinen Nadelstichen. Indem sie ihn etwa nach seinem längsten Undercovereinsatz fragt oder ihm unter die Nase reibt, dass Peterson auch ein guter Mann war, der zu Bösem getrieben wurde. Ebenso nötigt sie ihn dazu, Garrett (Bill Paxton) schlecht zu machen.
Doch durch seine Reaktionen bemerkt sie, dass er nicht aufrichtig ist. Die Frage nach Garrett ist auch diejenige, die sie dazu bringt, ihm mitzuteilen, dass sie weiß, dass er ein Verräter ist. Statt die Festplatte zu hacken, hat sie sein Bild in die Polizeidatenbank geschleust und hofft nun, dass die Polizei ihn überwältigen kann oder ihr zumindest die Flucht ermöglicht. Doch Ward wird mit den Polizisten spielend fertig und hinterlässt offenbar schon wieder viele Tote oder zumindest Schwerverletzte. Skye versucht, mit einem Polizeiwagen zu fliehen, wird jedoch von Deathlok aka Peterson aus diesem gezogen.
Nichts Persönliches

Peterson wurde von Garrett als Versicherung abgestellt, der Ward im Auge behalten sollte, falls mit Skye etwas schiefgeht. Über dessen Eingreifen ist Ward alles andere als angetan. Er wollte die Informationen nämlich ohne Gewalt aus Skye herausholen. Ward beteuert, dass die Infiltration nichts Persönliches, sondern nur ein Langzeitauftrag war. Skye hingegen nennt ihn einen Serienkiller und einen Nazi(-Sympathisanten), denn Hydra wurde einst von Obernazi Red Skull gegründet. Ward meint jedoch, dass das heutige Hydra damit nichts mehr zu tun hat, führt das aber auch nicht weiter aus. Trotz seiner Mission meint er nämlich, dass seine Gefühle zu Skye stets echt waren. Gerade auch die Schussverletzung durch Quinn hätte er verhindert, wenn er davon gewusst hätte. Doch Syke will mit ihm auf romantischer Ebene nichts mehr zu tun haben.
Wards Motivation ist also doch interessanter und komplexer, als es vielleicht im ersten Moment scheint. Er scheut vor mehreren Morden nicht zurück, wird bei Skye aber schwach. Könnte das eventuell dazu beitragen, ihn später zu besiegen?
Zunächst appelliert Skye an Petersons Ehrgefühl und seinen Sohn, doch da S.H.I.E.L.D. nicht mehr existiert und Hydra ihn mit einem Knopfdruck ausschalten könnte, bleibt ihm vorerst keine Wahl, als nach deren Pfeife zu tanzen. Da Skye sich weigert, Hydra weiterzuhelfen, muss Peterson zu rabiateren Mitteln greifen. Skye wird nicht gefoltert oder verletzt, sondern Ward durch ein Gadget außer Gefecht gesetzt, welches ihm eine Herzattacke verpasst und zu töten droht. Zwar empfindet Skye Genugtuung, Ward leiden zu sehen, doch eine Mörderin ist sie dennoch nicht und so sieht sie sich zur Kooperation gezwungen. Die Koordinaten stellen sich als Höhenwerte heraus und nicht als Längen- oder Breitengrade. Diese Höhe muss erst erreicht werden, ehe man an die Daten kommt.
Doch das Abheben gestaltet sich in Wards Zustand schwierig. Mit einem Knopfdruck kann er Ward allerdings wieder auf die Beine helfen. Ob das noch ein Nachspiel für Peterson hat? Ward jedenfalls droht ihm, falls so etwas noch einmal passieren sollte, mit Konsequenzen.
Flugzeug gegen Flugzeug: Ward vs. Hill
Bevor das Flugzeug abheben kann, kommt es zu einer der besten Sequenzen aller bisheriger Episoden. Die Verhandlung von Ward und Hill kann sich nämlich wirklich sehen lassen. Hill tritt sehr selbstsicher auf und droht mit Beschuss, wenn er nicht aufgibt, doch Ward weiß, dass ihr die entsprechenden Mittel nicht mehr zur Verfügung stehen und dass Coulson Skye nicht opfern würde - Garrett hingegen diesen Schritt jedoch ohne Weiteres wagen würde.
Der stand-off stellt sich als Bluff heraus, um Coulson an Bord des Busses zu bringen. Ihm gelingt es recht schnell, Skye zu befreien, doch er dachte, dass er es nur mit Ward zu tun kriegt. Die Anwesenheit Deathloks zwingt ihn somit zur Improvisation, was hier Flucht bedeutet. Doch statt langweilig mit Fallschirmen zu fliehen, wird die gute alte rote, fliegende Corvette Lola benutzt. Die nachfolgende Szene würde in allem, was das CGI betrifft, sicherlich als lächerlich eingestuft werden. Auch mit den Gesetzen der Physik sollte man es wohl nicht so eng nehmen, wenn Coulson Skye fast mühelos mit einer Hand halten kann, als diese sich nicht schnell genug anschnallen kann und daher aus dem Auto zu fliegen droht.

Dennoch ist dieser trashige Charme und der anschließende Witz mit den horrenden Preisen für das Valet-Parking in L.A. es in meinen Augen wert. Außerdem hat man solche Aktionen in der Serie bereits etabliert - siehe der Sprung aus dem Flugzeug oder der Verschluss eines Lecks durch ein Schlauchboot.
Die gelungene Rettungsaktion feiert das Team mit einem Aufenthalt in einem Motel mit Pool. Obwohl Hill Coulson geholfen hat, stellt sie danach klar, dass alles, was sie nachfolgend tun, nicht offiziell sanktioniert wird, sondern eher eine Privatvendetta ist, die sie in massive Schwierigkeiten bringen könnte. Außerdem bietet sie ihm einen Job bei Stark an, der ihn mit Kusshand nehmen würde, wenn er wüsste, dass er noch am Leben ist.
Der Teamzusammenhalt scheint stärker denn je zu sein. Oder trügt der Schein? Fitz kann sich jedenfalls gegenüber Jemma Simmons nicht die Frage verkneifen, ob sie ihm versprechen kann, dass sie kein Teil von Hydra ist. Ohne zu zögern, macht sie dies auch. Aber sind damit wirklich alle Zweifel aus der Welt geräumt? Die Ereignisse der letzten Handvoll Episoden machen einen als Zuschauer ebenfalls paranoid. Triplett scheint im Team angekommen zu sein und hat sich das Vertrauen aller gesichert. Als Ersatz für Ward scheint er sehr gut zu passen. Fest steht, dass nun Coulsons Team am Zug ist und man weiß, mit wem man es zu tun hat. Einen Vorteil hat man durch Skyes kleines Geschenk, wahrscheinlich ein Peilsender, den sie Hydra hinterlassen hat. Doch wie kann man mit Ward, Deathlok, Raina, Quinn, Garrett und anderen Hydra-Schurken mithalten, wenn man keine S.H.I.E.L.D.-Mittel hat?
Wer steckt hinter Projekt T.A.H.I.T.I.?
Die abschließende Szene der Folge bringt die Rückkehr von May in die Reihen von Coulsons Team. Und auch sie bringt ein Geschenk mit, nämlich die Person, die Projekt T.A.H.I.T.I. damals betreut hat. Es war niemand Geringeres als Coulson selbst, der von Direktor Fury dafür eingesetzt wurde. Des Weiteren kommt heraus, dass das Projekt ins Leben gerufen wurde, um einen gefallenen oder schwer verletzten Avenger wieder beleben zu können. Doch in seinem Bericht tritt ein aufgebrachter Coulson von seinem Posten zurück, da die Nebenwirkungen zu gravierend und die Mittel zu unmenschlich sind. Das Eingreifen in Erinnerungen sowie die gesundheitlichen und geistigen Folgen sind ein zu hoher Preis dafür - und deswegen hatte Coulson schon damals die Einstellung des Projekts empfohlen.
Was bedeutet diese Enthüllung für Coulson - und auch für Skye? In Coulsons Worten heißt es, dass Erfolg nur erzielt werden kann, wenn man Erinnerungen löscht oder falsche implantiert, da die Testsubjekte sonst verrückt werden könnten. Doch Skye hat bisher keinerlei Zeichen in dieser Richtung gezeigt. Liegt das an ihrem Status als 0-8-4? Das würde die Theorie eines außerirdischen Elternteils bekräftigen. Hoffentlich werden die verbleibenden zwei Episoden darauf noch eingehen.
Fazit
Die Episode Nothing Personal der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. hat fast alles, was man sich von der Serie wünscht. Der Plot wird vorangebracht, Gäste aus dem Marvel-Cinematic-Universe kommen vorbei, das Drehbuch ist spannend und kurzweilig geschrieben und einige Actionszenen können sich sehen lassen, auch wenn sie nicht immer absolut plausibel sind. Außerdem werden neue Informationen offenbart, die nicht nur Spannung für die kommenden Wochen versprechen, sondern vielleicht auch auf eine etwaige weitere Staffel freudig stimmen. Das Staffelfinale jedenfalls wird in die richtigen Bahnen gelenkt und die Serie entfaltet langsam, aber sicher ihr volles Potential.
Erneut kann zudem nur betont werden, wie schön es wäre, wenn Smulders in der kommenden Staffel eine Hauptrolle in der Serie bekleiden würde. Ihre witzige, aber bestimmte Art und ihre Kompetenz sowie die Chemie mit Coulson wären Gold wert.
Videovorschau auf die Episode Ragtag (1x21) der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.:
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 30. April 2014Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x20 Trailer
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x20)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x20
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