Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x12

ZunĂ€chst bleibt festzuhalten, dass Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. wohl doch nicht serieller angelegt wird, als zuletzt vermutet - beziehunsweise: Es wird an anderen Orten angeknĂŒpft, als man hĂ€tte vermuten können. In der Episode Seeds gibt es nĂ€mlich kein Wiedersehen mit Mike Peterson (J. August Richards). DafĂŒr aber einen bereits vorher gesehenen Widersacher.
Die Episode folgt grob zwei HandlungsstrĂ€ngen: Im ersten gehen Ward (Brett Dalton), Chloe Bennet (Chloe Bennet), Fitz (Iain De Caestecker) und Simmons (Elizabeth Henstridge) einer Spur in der S.H.I.E.L.D.-Academy, genauer gesagt der Science and Technology Divison nach, wo ein GerĂ€t auftaucht, das Dinge einfrieren lassen kann. Der zweite Handlungsstrang handelt von May (Ming-Na) und Agent Coulson (Clark Gregg), die nach der Offenbarung, dass Nick Fury an Coulsons Erinnerungen gedoktert hat, entschlieĂen, etwas genauer im Fall Skye nachzuforschen. Dabei geht es um die Frage, ob die S.H.I.E.L.D.-Agentin, die Skye im Waisenhaus abgegeben hat und spĂ€ter zu Tode kam, eventuell ihre Mutter war. Die Reise fĂŒhrt das Duo nach Mexiko, wo sie nach dem Agenten Lumley (Boyd Kestner) suchen, der mehr dazu zu wissen scheint.
GefÀhrliches Eisgadget
Die Zuschauer lernen das Eisgadget kennen, als einige SchĂŒler sich in einen Pool schleichen, um dort eine Runde zu schwimmen. Dabei handelt es sich um Seth (Daniel Zovatto) und zwei weibliche Begleitungen, von der jedoch nur eine in den Pool steigt. Callie (Maiara Walsh) ziert sich - wie sich bald herausstellt, zu Recht. Der Pool friert nĂ€mlich zu und Seths Bein bleibt darin stecken. Nur das beherzte Eingreifen des schĂŒchternen Donnies (Dylan Minnette), der zufĂ€llig vor Ort ist, rettet ihn aus seiner verzwickten Lage.
Der Vorfall ruft Coulsons Team auf den Plan, denn es sind Fitz und Simmons, die Komponenten dieser Apparatur einst erfunden hatten und nun bei der AufklĂ€rung helfen sollen. Dabei kommt heraus, dass die Wissenschafts- und die Feldagentenakademien bei S.H.I.E.L.D. eine kleine RivalitĂ€t ausfechten, was auch Agent Ward mehrfach am eigenen Leib spĂŒren muss. WĂ€hrend er den Dresscode und die Haltung der Studenten bemĂ€ngelt, machen die intellektuellen Leuchten sich ĂŒber seinen durchschnittlichen IQ lustig.
Beim Versuch, eine Gastvorlesung zu halten, friert plötzlich auch Donnie ein, doch schnell lĂ€sst sich das Gadget in der NĂ€he seines Sitzes finden und zerstören. Das Team ist nun also auf der Suche nach den Verantwortlichen und versucht durch FitzSimmons' Insiderwissen, mehr herauszubekommen. Der Heizungskeller („Boiler Room“) ist fĂŒr die Studenten dabei so etwas wie ein geheimes Refugium, wo die Freizeit verbracht und im Geheimen getĂŒftelt wird. WĂ€hrend sich Simmons, Skye und Ward hier also umschauen, schaut Fitz bei Donnie nach dem Rechten.
Donnie gilt als hochintelligenter AuĂenseiter, der jedoch noch keinen Anschluss gefunden hat - er kann Fitz jedoch in seinem Zimmer mit einigen Gadgetideen beeindrucken. FĂŒr eine Hochleistungsenergiequelle gibt Fitz ihn sogar den entscheidenden Ratschlag zur KĂŒhlung. Doch wie sich herausstellen soll, war das ein Fehler. Donnie steckt nĂ€mlich gemeinsam mit Seth hinter dem KĂŒhlgadget, das sie in einer viel gröĂeren und mĂ€chtigeren Variante an den GeschĂ€ftsmann Ian Quinn (David Conrad, bekannt aus der Episode The Asset), verkaufen wollen. Zwar gelingt es dem Team, den beiden SchĂŒlern auf die Spur zu kommen und Fitz zu warnen. Donnie hat nĂ€mlich mit dieser ganzen Aktion geplant, Fitz' Aufmerksamkeit zu erregen und so seine Hilfe zu erhalten. Doch Seth knockt Fitz aus, als dieser ihn aufhalten möchte und die beiden fliehen, um mit Quinn Kontakt aufzunehmen und das GeschĂ€ft abzuschlieĂen. Quinn fĂŒhrt die beiden Jugendlichen allerdings vor und lĂ€sst sie im Glauben, dass es nur zu einem Abschluss kommt, wenn es eine schlagkrĂ€ftige Demonstration gibt.
Dadurch erschaffen Seth und Donnie einen gewaltigen Hagelschauer und einen Supersturm, den sie alleine nicht mehr aufhalten können. Seth wird bald selbst zum Opfer dieser kĂŒnstlichen Wetterkatastrophe und Donnie kann nur durch den S.H.I.E.L.D.-Bus, also das Flugzeug von Team Coulson, aus der Situation gerettet werden. FĂŒr Seth ist es jedoch zu spĂ€t und er stirbt an den Folgen des Experiments. Donnie wird zur S.H.I.E.L.D.-Einrichtung Sandbox gebracht, wo er unter Beobachtung gestellt wird. Doch das GerĂ€t scheint seine Spuren hinterlassen und Donnie KrĂ€fte verliehen zu haben. Das ist die Geburtsstunde des Marvel-Schurken Blizzard.
Coulson hat keine Lust mehr auf Geheimnisse

Coulson ist verstĂ€ndlicherweise immer noch mit dem Verarbeiten seines neuen Wissens beschĂ€ftigt. Nick Fury hat Coulson nĂ€mlich durch experimentelle Prozeduren am Leben erhalten und trotz seines ausdrĂŒcklichen Wunsches, ihn sterben zu lassen, dafĂŒr gesorgt, dass diese Erinnerungen durch falsche ersetzt wurden. Also studiert er ausfĂŒhrlich seine eigene Akte, wird aber von May aufgefordert, die Sache loszulassen.
Coulson hat die Geheimnisse satt und will, wenn er schon sein eigenes Schicksal nicht endgĂŒltig klĂ€ren kann, den Fall Skye abschlieĂen. Skye tappt nĂ€mlich, was ihre Vergangenheit angeht, weiter im Dunkeln. Alles, was sie herausfinden konnte, ist, dass eine S.H.I.E.L.D.-Agentin sie damals dem Waisenhaus ĂŒbergeben hat. Allerdings wissen May und Coulson bereits, dass diese schon zu Tode gekommen ist. Ihr damaliger Partner lebt allerdings noch und seine Spur kann nach Mexiko City verfolgt werden.
Gemeinsam mit dem fliegenden Auto Lola soll also mehr herausgefunden werden. May zeigt sich hier Ă€uĂerst gesprĂ€chig und will Coulson daran hindern, sich weitere Gedanken zu seiner Wiederbelebung zu machen, indem sie ihm versichert, dass sie die erste wĂ€re, die ihn darauf aufmerksam machen wĂŒrde. Gleichzeitig lĂ€sst sie fallen, dass Ward und sie eine AffĂ€re haben.
Bevor das jedoch besprochen werden kann, taucht die Zielperson auf. Es folgt die obligatorische Verfolgung und der Kampf mit May. Ach ja - und das Aus-der-Hand-Schlagen einer Zyanidkapsel, ehe Coulson mit Lola in die LĂŒfte steigt und sich als S.H.I.E.L.D-Agent zu erkennen gibt.
Bei der anschlieĂenden Befragung stellt sich heraus, dass er seit 24 Jahren quasi auf der Flucht lebt und fĂŒrchtet, das Schicksal seiner ehemaligen Partnerin zu teilen. Dabei stellt sich heraus, dass es sich bei Skye um ein 0-8-4 handelt, ein „Object of Unknown Origin“, das die Agenten in einer Provinz von China in Empfang nehmen sollten. Dabei war nahezu die gesamte S.H.I.E.L.D.-Einheit umgekommen und die Ăberlebenden wurden gefoltert. Um das Kind zu beschĂŒtzen, musste man nun gewĂ€hrleisten, dass alle Spuren zu ihm ausgelöscht werden. AuĂerdem sollte - ebenfalls zum Schutz des Kindes - dafĂŒr gesorgt werden, dass es alle paar Monate die Pflegeeltern wechselt. Derjenige, der es tot sehen wollte, scheint nĂ€mlich ein mĂ€chtiger Gegner zu sein.
Skye ist ein 0-8-4

Skye scheint also wichtiger zu sein, als sie oder das Team bisher vermutet haben. Womöglich hat sie sogar besondere KrĂ€fte. May verlangt zwar erneut, dass Coulson das vor Skye geheim hĂ€lt. Doch seit ihm die Augen geöffnet wurden, kann er dies nicht fĂŒr sich behalten.
Sie nimmt diese Informationen allerdings auch sehr gefasst auf und bricht nicht zusammen, sondern zieht vielmehr neue Kraft daraus. Aus der Sicht der Story bindet sie diese Hintergrundgeschichte nun noch viel mehr an S.H.I.E.L.D., was man auch daran sieht, dass sie an der Wand der gefallenen Agenten ihrer Lebensretterin Tribut zollt. Nun wird es spannend sein, zu erfahren, ob sie ihren AuĂenseiterstatus beibehĂ€lt oder ihre Verbindung zu S.H.I.E.L.D. betont wird. Etwa, indem ihre Ausbildung beschleunigt wird oder sie eine der in dieser Episode vorgestellten Akademien besucht.
DarĂŒber hinaus gibt es neue Mysterien, die es zu entschlĂŒsseln gilt: Warum genau eine ganze S.H.I.E.L.D.-Einheit fĂŒr sie gestorben ist, wer ihr nach ihrem Leben trachtet und ob sie tatsĂ€chlich verborgene KrĂ€fte hat. Die Tatsache, dass die Spur nach China fĂŒhrt, könnte durchaus noch fĂŒr ZĂŒndstoff sorgen, genauso wie die IdentitĂ€t ihrer Eltern.
Fitz und Simmons, die Superstars der S.H.I.E.L.D.-Akademie

Wieder einmal sind Fitz und Simmons in dieser Episode diejenigen, die gefeiert werden. FĂŒr ihren rekordverdĂ€chtigen Karrierepfad, ihren Ruf und ihre Intelligenz. Trotzdem wird man hierbei das GefĂŒhl nicht los, dass noch nicht gĂ€nzlich bewiesen wurde, warum sie so brillant sind. Klar, sie kommen immer in Windeseile auf die Lösung fĂŒr gefĂ€hrliche Probleme und sie können sofort eine Verbesserung fĂŒr ein Gadget erkennen, wie Fitz es bei Donnies Energiequelle tut. Dass die Situation im Hörsaal aber beispielsweise durch das Zerstören des GerĂ€ts gelöst wird, ist nicht gerade die intelligenteste Lösung, dafĂŒr aber wohl in der Notsituation die schnellste.
Typisch fĂŒr eine Whedon-Produktion ist auch die Existenz der Nerd-Bar im Heizungskeller. Warum sollte es so etwas auch nicht geben? Wenn es sich hier um die nĂ€chste Generation der hellsten Köpfe auf Erden handelt, dann brauchen die auch eine RĂŒckzugsbasis, wo die Bar eben mithilfe von Robotern betrieben wird und andere Gadgets gang und gĂ€be sind. Eine schöne Idee der Episode also.
Die interne S.H.I.E.L.D.-Konkurrenz zwischen den Nerds (Forschern) und den Jocks (Feldagenten) sorgte zwar fĂŒr ein paar heitere Momente, bedient aber irgendwie doch das immer gleiche Klischee.
The Clairvoyent told me to say hello
Die finale Szene der Episode zeigt ein Telefonat zwischen Coulson und Ian Quinn. Coulson macht deutlich, dass S.H.I.E.L.D. Quinns Flieger aus der Luft schieĂen wird, sollte er den Luftraum eines VerbĂŒndeten passieren. Quinn nimmt die Warnung zur Kenntnis und holt selbst zum Gegenschlag aus, indem er Coulson vom Clairvoyent, der Person, die hinter Project Centipede steckt, grĂŒĂen lĂ€sst.
Die Autoren bemĂŒhen sich also im Nachhinein, fast sĂ€mtliche Episoden, die vorher jeweils wie ein Fall der Woche aussahen, mit der fortlaufenden Handlung zu verknĂŒpfen. War das zuletzt etwa bei der Technologie aus Eye Spy der Fall, so sollte man nun auch Graviton aus der Episode „The Asset“ auf die Project-Centipide-Liste setzen. Quinn selbst hatte in dieser Episode wenig zu tun. DafĂŒr diente er aber wieder einmal als eine Art Katalysator fĂŒr das Erschaffen eines potentiellen Superschurken. In Donnies Augen könnte S.H.I.E.L.D. nĂ€mlich Schuld tragen am Tod seines einzigen Freundes. Und wĂ€re Fitz nicht da gewesen, wĂ€re er selbst vielleicht nie auf die Lösung fĂŒr sein Hitzeproblem gekommen.
Anspielungen
Zwei kleine Anspielungen sind mir diese Woche aufgefallen. Die eine kam in FitzSimmons PrÀsentationseinleitung zur Sprache und macht eventuell meine Theorie zunichte, dass es sich bei Project Centipede um eine Abteilung von A.I.M. handeln könnte. Hydra, A.I.M. und Centipede waren nÀmlich drei Gegnergruppierungen, die hier explizit genannt wurden.
Eine weitere kleine Anspielung stammt aus dem Mund von Skye, die sich die Wand der Gefallenen anschaut und dort Bucky Barnes, den besten Freund von Steve Rogers, den wir zuletzt in „Captain America - The First Avenger“ sehen konnten, gesondert erwĂ€hnt.
Fazit
Die Episode Seeds stellt eine Mischung aus Fall der Woche und Vertiefung der Hintergrundgeschichte eines Teammitglieds dar und ist ein interessanter Versuch, die bisherige Struktur etwas aufzulockern.
Der Fall der Woche leidet aber etwas an den recht schwachen und noch recht jungen Gastdarstellern, die nicht wirklich einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen konnten. Beim Donnie-Darsteller Dylan Minnette musste ich persönlich an eine Lost-Storyline aus der sechsten Staffel denken, die mir damals am wenigsten gefallen hatte.
Immerhin wurde nun neues Ăl ins Spekulationsfeuer um Skyes Vergangenheit gegossen. Man kann gespannt sein, was die Autoren daraus machen oder eben nicht machen. Coulson und Skye werden wohl auch in der zweiten HĂ€lfte der Staffel die beiden Figuren sein, die am meisten im Zentrum stehen.
Aktuell fĂŒhlt es sich allerdings so an, als wĂŒrden sich die Serie und die Figuren immer nur in Babyschritten fortbewegen. Etwas, dass The CW-Serien wie The Vampire Diaries und Arrow besser hinbekommen, obwohl es auch hier bei beiden Beispielen durchaus etwas lĂ€nger dauerte, bis man das richtige Tempo fand.
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 15. Januar 2014(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x12)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x12
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