Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x13

Ich bin versucht, nach dem Anschauen dieser 13. Episode der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. in Richtung Serienmacher zu schreien: „Warum denn nicht gleich so?“ T.R.A.C.K.S. macht in meinen Augen viel richtig, was vorher falsch gemacht wurde und gibt wieder einmal Hoffnung auf den Rest der Debütstaffel.
Agents on a Train
Das liegt vielleicht auch an der Erzählstruktur der Folge, die mal etwas vom üblichen Muster abweicht. Zugegeben: Den Ablauf der Geschichte jeweils aus der Sicht der einzelnen Agenten zu erzählen, ist nicht unbedingt neu für das Genre. Aber erfrischend genug, um Spannung aufzubauen, weil man eben immer nur kleine Puzzlestücke bekommt, die erst im weiteren Verlauf der Zugfahrt geklärt werden.
Auch die Durchmischung des Teams in Duos passt gut, weil es Konstellationen nach sich zieht, die man bisher eher selten gesehen hat. Skye (Chloe Bennet) und Fitz (Iain De Caestecker) kümmern sich um die Kommunikation, Simmons (Elizabeth Henstridge) und Coulson (Clark Gregg) geben sich als Zugpassagiere aus, für die sich Simmons aufgrund ihrer desaströsen Improvisationsfähigkeit viel zu detailreiche Hintergrundgeschichten ausgedacht hat. Ihr inszenierter Streit im Zug, bei dem sie die vernachlässigte Tochter spielt, lockt alsbald auch die Aufmerksamkeit von Gaststar Stan Lee auf sich. Warum der allerdings von zwei Damen flankiert wird, bleibt wohl ein Geheimnis der Autoren.

Nicht nur Simmons und Coulson spielen den anderen Passagieren etwas vor, auch Fitz und Skye tun so, als wären sie ein Pärchen, das noch nach einem guten Restaurant schaut. Der mutterhafte Kuss, den Skye Fitz dabei auf die Wange drückt, ist aber auch nicht viel glaubhafter als Simmons Laienschauspiel.
May (Ming-Na) und Ward (Brett Dalton) kümmern sich um das Grobe, scheitern dabei aber jeweils aus verschiedenen Gründen. Ziel ist es, ein von Ian Quinn (David Conrad) erstandenes Stück Technik von Cybertek Inc. abzufangen, aber das will nicht so recht gelingen. An Bord ist nämlich auch der Erfinder der Technologie, Mancini (T. J. Ramini), den es eigentlich zu finden gilt. Eigentlich - denn Ward, der sich als Schaffner ausgibt, lässt sich in eine Falle locken, warnt beim Vorbeilaufen jedoch noch Simmons, sich zu Fitz und Skye aufzumachen, und begegnet im Speisewagen Coulson. Beiden bleibt aufgrund der Verfolger und des Zugendes keine andere Wahl, als aus dem (recht langsam) fahrenden Zug zu springen. Als Souvenir werfen die Verfolger noch eine Granate, deren Besonderheiten sich erst bei Mays Sicht der Dinge offenbaren.
Wie später herauskommt, ist das eine Granate, die die Getroffenen einfriert und denken lässt, dass keine Zeit zwischen Detonation und Wiedererwachen verstrichen ist.
May sieht die beiden im Moment gefrorenen Agenten zwar, kann sie aber nicht rechtzeitig in Sicherheit schaffen, weil sie von Luca Russo (Carlo Rota), den Coulson eigentlich für einen Verbündeten gehalten hat, überrumpelt und verschleppt wird. Als Coulson und Ward aufwachen, finden sie zwar das Auto vor, das May schon einmal kurzgeschlossen hat, vertrauen der Sache aber nicht. Schließlich kommen auch feindliche Männer am Ort des Geschehens an, weshalb die beiden Agenten lieber das Flugzeug aufsuchen...
Da sich die Ereignisse überschneiden, ahnt Coulson noch nicht, dass Russo lügt beziehungsweise ihm die Wahrheit vorenthält, als er ihm erzählt, dass seine Männer ausgeschaltet seien. In Wirklichkeit hat er versucht, von May Informationen zu bekommen. Doch diese lässt sich durch ein Messer in der Schulter nicht einschüchtern, sondern eher zur Gegenwehr motivieren und kann so die Oberhand gegen ihre Entführer gewinnen. Wieder am S.H.I.E.L.D.-Flugzeug angekommen, schaltet May den lügenden Russo mit seinem eigenen Messer aus. May darf hier ordentlich den bad ass raushängen lassen, was außerordentlich zu gefallen weiß.
Neben der richtigen Portion Action und Spannung besticht die Episode auch durch den passenden Humor. Dazu zählt nicht nur Simmons hanebüchenes Geschichtenkonstrukt, sondern auch Wards Unfähigkeit, mit dem „Holo Table“ umzugehen. Das Highlight in dieser Hinsicht ist aber, dass auch der sonst so fähige Coulson damit seine lieben Probleme hat. In Sachen May, Ward und Coulson kommt auch die bisher strikt körperliche Beziehung zwischen May und Ward zur Sprache, über die Coulson bereits kürzlich eingeweiht wurde. Er macht deutlich, dass das während der Arbeitszeiten ein Tabu ist und gegen jegliche Vorschriften verstößt. Sollte das jemals die Arbeitsabläufe stören, kann man mit einer Versetzung nach Alaska rechnen, wobei man dabei in einem Fass auf die Reise geschickt werde. Das Thema wird damit noch lange nicht vom Tisch sein.
FitzSkye oder was ist ein 0-8-4?

Wie Agent Ward in der Episode anmerkt, scheint sich Skye als Agent im Training zu mausern und ist seit der letzten Begegnung mit Ian Quinn deutlich fokussierter und determinierter. Das hängt sicherlich mit Coulsons Transparenz zusammen. Er hat ihr nämlich die Wahrheit zu ihrer Vergangenheit dargelegt und dabei auch verraten, dass sie ein 0-8-4 („Object of Unknown Origin“) ist. Dem ahnungslosen Fitz entlockt sie einige Informationen zum Terminus, doch eine Person als 0-8-4 ist ihm bislang noch nicht untergekommen.
Als die Gegner ihren Wagon erreichen und auch hier eine ihrer Einfriergranten werfen wollen, ist es die frisch informierte Simmons, die sich auf den Angreifer wirft, die Explosion absorbiert und somit beide ausknockt. Kurz darauf hält auch der Zug an seinem Ziel an und Fitz und Skye beobachten den geplanten Austausch, bei dem Ian Quinn wieder seine Finger im Spiel hat. Der feindliche Angreifer wird noch mehrfach mit der Betäubungspistole beschossen, damit er besinningslos bleibt, und Simmons sicher mit einer Verteidungsmöglichkeit verwahrt, da Fitz und Skye den Auftrag zu Ende bringen und die Verfolgung aufnehmen wollen.
Am Zielort angekommen wird die Taktik besprochen: Fitz soll die Autos fahruntüchtig machen, während Skye mit gezogener Waffe das Anwesen infiltriert und herausfinden will, was Quinn so viel Geld wert war. Allerdings kommt ihr Quinn bald auf die Spur, wie er selbst sagt, habe der Clairvoyant ihm das bereits prophezeit. Er nimmt ihr ihre Waffe ab und demonstriert ihr seine jüngsten Investitionen.
Mike Petersons Verwandlung
In einer Art kryogenischen Container wird niemand Geringeres als Mike Peterson (J. August Richards) aufbewahrt, dem - wie wir schon bei seinem letzten Auftritt gesehen haben - ein Bein fehlt, ein Eye-Spy-Implantant eingesetzt wurde und der dabei starke Verbrennungen davongetragen hat. Quinn ersteht von Mancini und seinem Team ein zylinderförmiges Stück Technik, das er an seinem Beinstumpf anbringt und das daraufhin ein kybernetisches neues Bein formt. Vom Clairvoyant wird er nun zu Aufträgen gezwungen, die ihm per Eye Spy übermittelt werden. Dazu gehört jedoch weder die Ermordung von Skye noch die von Quinn, aber er muss einen anderen Auftrag ausführen. Nämlich die Geschäftspartner von Quinn beseitigen...
Letzterer erteilt Skye eine perverse Lektion, die ihr beibringen soll, nicht immer alleine irgendwo einzudringen, schießt sie mehrfach an und will sie eiskalt sterben lassen. Angeblich kommt der Befehl ebenfalls von oben. Allerdings hören Fitz und die inzwischen dazugekommenen restlichen S.H.I.E.L.D.-Agenten den Tumult, den Peterson anrichtet und stürmen das Anwesen. Peterson selbst soll Coulsons Team nicht entgegentreten, wie ihm der Clairvoyant befiehlt.
Agent Ward stürmt in bester Schwarzenegger-Manier das Anwesen und bald ist auch Quinn zum wiederholten Male in S.H.I.E.L.D.-Gewahrsam. Doch von Skye fehlt jede Spur. Schließlich findet Coulson sie fast leblos in der Nähe von Petersons Kältekammer. Die einzige Hoffnung ist, diese zu verwenden, um ihre Temperatur zu senken und sie zu stabilisieren, damit sie sich in medizinische Behandlung begeben kann. Es ist knapp, doch der Versuch gelingt.
Simmons bricht daraufhin wegen der Belastung in Tränen aus und muss von Fitz getröstet werden. Ward hat einen Wutanfall und ihm wird von May zugesprochen. Außerdem macht er indirekt Coulson Vorwürfe - Coulson selbst nimmt den Vorfall, seinem Blick nach zu urteilen, auf seine Kappe.
In der finalen Szene sieht man einen verzweifelten Peterson in der Nähe eines Spielplatzes, der mithilfe eines Zettels den Auftraggeber fragt, ob er seinen Sohn sehen darf. Doch dieser verbietet das. Die Kamera offenbart daraufhin das, was Comicleser und Spoilerfreunde schon im Vorfeld erfahren haben: Peterson ist durch die Cybertek-Technologie nun ein „Deathlok“.

Liebe Autoren, bitte weiter so!
T.R.A.C.K.S. hat nahezu alle Elemente, die man sich eigentlich von einer „Agents of S.H.I.E.L.D.“-Episode wünscht. Spannung, Humor, Comicanspielungen, interpersonelles Drama, echte Gefahr für die Figuren, einen Hauch Unvorhersehbarkeit, eine Erzählstruktur, die von der üblichen Norm abweicht und die Vertiefung der staffelübergreidenden Handlung.
Ähnlich wie schon in der Episode F.Z.Z.T könnte man, weil die Rettung eben nicht Sekunden nach dem Angriff kommt, sondern einige Szenen des Leidens dazwischen eingeschoben sind, glauben, dass Skye in ernster Gefahr schwebt. Zwei Faktoren sprechen natürlich dagegen, dass dem so ist: 1.) Erst in der vorherigen Episode wurde ihr Status als 0-8-4 offenbart und der pay off dazu hat noch nicht stattgefunden. Man wird nicht etwas Besonderes aus ihr machen, nur um sie dann einfach zu killen. So funktioniert storytelling nicht. 2.) Mit der kryogenischen Kammer hat man eine bequeme lebenserhaltende Möglichkeit direkt vor den Augen der Zuschauer platziert.
Mich hat dabei aber ein wenig gewundert, dass hier nicht schon eventuelle Hinweise auf ihre Besonderheit präsentiert wurden. Aber man sollte es auch nicht übertreiben. Die Variante Suspense war aus meiner Sicht erzähltechnisch die bessere Wahl, als gleich zwei Superwesen auf einmal zu präsentieren.
Der Fakt, dass Skye - die nach wie vor keine anständige S.H.I.E.L.D.-Agentin, sondern einfach nur eine forsche und impulsive Weltenverbesserin mit Computerhackerfähigkeiten ist - zum wiederholten Mal allein gegen die gefährlichsten Gegner von Coulson loszieht, muss Konsequenzen haben. Eine Auszeit und Heilungsphase ist dringend nötig, ebenso wie eine Ansage von Coulson zu diesem Thema. Außerdem wäre Verstärkung keine schlechte Idee, aber wer die Vorschau gesehen hat, weiß, dass genau dafür gesorgt wird.
Fazit
Trotz dieser vereinzelten Kritik ist T.R.A.C.K.S. für mich eine der bisher besten Episoden der Serie überhaupt. Das liegt mit Sicherheit zu großen Teilen auch an der starken ersten Hälfte, die die Aufmerksamkeit der Zuschauer fordert und pro Agenten neue kleine Details zutage bringt, die man erst im späteren Verlauf vollkommen versteht. Die zweite Hälfte bleibt aber ähnlich stark. Und zwar durch eine gute Spannungsarbeit und dadurch, dass die Autoren die Fallhöhe erhöhen und die Gefahr tatsächlich echt wirkt.
Allerdings können diese Stärken, wie zum Beispiel die besser werdende Teamdynamik, erst ausgespielt werden, seitdem in der ersten Staffelhälfte das Fundament gelegt worden war. Hoffentlich behält man den Kurs bei und kann weiterhin so kurzweilig bleiben.
Videovorschau auf die nächste Episode von Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. (1x14), die in den USA am 4. März ausgestrahlt wird:
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 5. Februar 2014(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x13)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x13
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