Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x11

Die vorherige Episode der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. brachte den ersten richtigen Cliffhanger für das S.H.I.E.L.D.-Team mit sich. Nicht nur Agent Coulson (Clark Gregg) steckte in Gefahr, auch für Mike Petersen (J. August Richards) und Agent Ward (Brett Dalton) sah es kritisch aus. Während die geheimnisvolle Raina (Ruth Negga) Coulsons Erinnerungen bezüglich seines Todes erforschen wollte, befand sich Petersen in einer Explosion und Ward wurde vom fliehenden Helikopter beschossen.
Dass Ward überhaupt in Gefahr schwebte, vernachlässigt diese elfte Episode aber vollends. Und bis Petersen erwähnt wird, muss man sich auch eine Weile gedulden. Stattdessen kommt es zur Rückkehr der Figur Victoria Hand (Saffron Burrows), die mit reichlich S.H.I.E.L.D.-Agenten das Einsatzflugzeug übernimmt, um die Spur von Project Centipede aufzunehmen und Coulsons Aufenthaltsort zu ermitteln. Auch wenn es Coulsons Team so vorkommt, als würde zweiteres keine große Priorität genießen.
Rettet Coulson!
Doch genau dieses Ziel ist für Coulsons Kameraden das wichtigste überhaupt. Das merkt man auch an der Teamstimmung. Fitz (Iain De Caestecker) ist gereizt und will unbedingt Coulson zurückholen. Ward respektiert zwar zunächst Hands Autorität, ist aber nicht bereit, tatenlos zuzusehen, als ihr Ansatz nicht die gewünschten Ergebnisse bringt und hilft bei einem Verhör deswegen etwas nach. Skye (Chloe Bennet) ist für das Aufspüren Coulsons bereit, die ihr auferlegten Regeln zu brechen und zieht dabei den Zorn Hands auf sich, die sie kurzerhand auch von Bord führen lässt.
Skye als Möchtegern-S.H.I.E.L.D.-Agentin
Die ranghohe Agentin wird allerdings insgeheim vom Team manipuliert. Ward, Fitz und Simmons (Elizabeth Henstridge) geben ihr so nämlich die Chance, auf eigene Faust - und ohne die Einmischung von Agenten - nach Hinweisen zu Coulsons Aufenthaltsort zu suchen. Doch das Anti-Hacker-Armband macht ihr dies nicht unbedingt einfach. Weder an öffentlichen Computerpools noch in fahrbaren Untersätzen gelingt ihr eine Recherche. Also muss sie zu Tricks greifen. Lloyd Rathman (Rob Huebel), ein reicher Geschäftsmann, ist das Ziel, welches sie sich dafür herauspickt. Zunächst entwendet sie dafür eines seiner Autos und erpresst ihn später direkt, indem sie sich als S.H.I.E.L.D.-Agentin ausgibt und droht, ihn für einige seiner Fehltritte zur Verantwortung zu ziehen. Sie lässt ihn und seine Sicherheitsmänner also als Hackerproxy für sich arbeiten, um Raina auf die Spur zu kommen.
It's no magical place
Coulson selbst wird derweil von Edison Po (Cullen Douglas) gefoltert und verhört. Dabei glaubt der mysteriöse Mann, im Auftrag des Clairvoyent (also des noch mysteriösen Hellsehers, der Project Centipede seine Befehle gibt) zu handeln. Coulson wird in eine Maschine gesteckt, die seine Erinnerungen hervorbringen soll. Doch durch Pos Einschüchterungsversuche lässt sich Coulson nicht brechen. Ihm gelingt sogar die Flucht, nur um festzustellen, dass man ihn auf ein altes, verlassenes Atomtestgelände in der Wüste verschleppt hat. Doch dem Clairvoyent scheinen Pos Verhörmethoden nicht zu gefallen. Als Raina dazukommt, klingelt Pos Telefon.
Überraschenderweise möchte der Seher Raina sprechen. Wir erinnern uns, dass Po sie in der vorherigen Episode noch eindringlich davor gewarnt hatte, zu neugierig zu sein, da sie sonst die Konsequenzen fürchten müsse. Nun will der Auftraggeber allerdings explizit Raina am Hörer haben, die neue Anweisungen erhält, während Po durch ein Signal am Telefon ausgeschaltet wird. Rainas Ansatz, Coulson zur Kooperation zu bringen, ist deutlich freundlicher, aber auch gleichzeitig höchst manipulativ.
Mit Hintergrundinformationen zu seinem Privatleben, besonders über seine Freundin, die er nach seinem Ableben im Dunkeln über seine Wiederbelebung lassen musste, und der Tatsache, dass S.H.I.E.L.D. die Umstände um seinen Tod in einem solchen Ausmaß geheimgehalten hatte, bringen ihn schließlich dazu, dem Geheimnis auf den Grund zu gehen.
Tahiti ist ein magischer... OP?
Das, was Coulson im Endeffekt von der Maschine offenbart wird, ist für ihn nicht besonders schön. Statt der Dauermassage, den Drinks, dem traumhaften Wetter und den schönen Menschen, die Tahiti zu bieten hat, erinnert sich Coulson an eine Prozedur, die offenbar so schmerzhaft war, dass er wiederholt darum gebeten hatte, sterben zu können. Interessant ist dabei, dass er nicht etwa im Brustbereich operiert wurde, wo die Stichwunde den Schaden angerichtet hatte, sondern eine spezielle Apparatur ihn am offenen Hirn behandelte.
Skye und Co. kommen zwar rechtzeitig, um Raina und ihre Männer zu überwältigen, aber sie geben Coulson genug Zeit, um die Wahrheit über die traumatische Prozedur zu erfahren. Diese behält Coulson gegenüber seinem Team allerdings vorerst für sich. Dafür lässt er Skyes Armband entfernen. Dass das Zauberwort dafür so unspektakulär ausfällt, ärgert Skye natürlich.
Nebenbei wird Raina in S.H.I.E.L.D.-Gewahrsam genommen und durch die neuen Informationen gelingt es, einige Project-Centipede-Zellen dingfest zu machen, wie Victoria Hand etwas beiläufig erwähnt. Vom Auftraggeber Clairvoyent fehlt jedoch jegliche Spur. Für die Rettung bedankt sich Coulson bei Hand und übernimmt wieder das Kommando an Bord des S.H.I.E.L.D.-Busses.
Sicherlich ist das letzte Wort im Fall von Raina noch nicht gesprochen. Vielleicht wechselt sie sogar noch die Seiten. Die Chemie zwischen ihr und Coulson stimmt auf jeden Fall. Ruth Negga ist eine Gastdarstellerin und Gegenspielerin, die sich die Macher der Serie ohnehin warmhalten sollten, denn ihre verführerische Aura und undurchschaubare Art weiß zu gefallen. Dass man die Figur Po nun so beiläufig ausgeschaltet hat, wirkt hingegen etwas merkwürdig. Aber auch die Forscherin aus dem Serienpiloten wurde bekanntlich schon auf ähnliche Art aus dem Spiel genommen. Dennoch fragt man sich, wozu die Figur dann teilweise durchaus vielversprechend aufgebaut wurde - man erinnere sich an die Befreiung aus dem Gefängnis -, um sie dann zu verheizen.

Eye-Spy Teil 2?
Der im Vorspann bereits angekündigte Auftritt von Mike Peterson erfolgt erst ganz zum Schluss der Episode in einer Art Teasersegment. Die Explosion, in die er geraten war, hat seine Spuren hinterlassen: schwere Verbrennungen und Narben am ganzen Körper, ein fehlendes Bein und ein Augenimplantat mit dazugehörigen Aufträgen, wie man es in der Episode Eye-Spy bereits gesehen hatte.
Machte man sich zuvor noch Hoffnungen, dass J. August Richards vielleicht Teil des Teams werden könnte, so werden diese nun gedämpft. Sein nächster Auftritt wird wohl wieder als fremd kontrollierter Schurke geschehen.
Ob schon in der nächsten Episode, muss sich zeigen. Wenn es tatsächlich ein Minicliffhanger für die nächste Folge ist, dann wird die Entwicklung hin zur serielleren Ausrichtung der Serie an dieser Stelle klar begrüßt. Das trägt nicht nur dazu bei, dass die Bindung an die Figuren und ihre Schicksale potentiell leichter wird. Es macht die Serie auch ähnlicher zu den Comicabenteuern, die bei Marvel auch selten komplett in sich geschlossen sind, sondern wie eine ewige Seifenoper immer weitergehen und komplizierter werden.
Coulsons Wiederbelebung
Zur vorläufigen Erklärung für Coulsons Wiederbelebung müssen noch weitere Worte geschrieben werden. Wie es aussieht, ist die Erklärung wohl bodenständiger als so manche Theorie, die herumgegeistert war. Dennoch scheint noch nicht alles dazu offenbart worden zu sein. Klar ist, dass Nick Fury (Samuel L. Jackson) selbst den Auftrag für die Rettungsversuche gegeben hatte. Wie Victoria Hand schon sagt, ist dabei interessant, zu wissen, dass die Maxime sonst ja eigentlich lautet, dass kein Agent unersetzbar ist.
Warum ist dann Coulson für General Fury und Commander Hill so wichtig, dass sie sich Statusupdates erbitten? Wie ist es gelungen, Coulson mehrere Tage nach seinem Tod wiederzubeleben beziehungsweise künstlich am Leben zu erhalten? Sind Dr. Streitens (Ron Glass) Worte, dass Fury „Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hat“, ein Hinweis auf die Methoden, die dabei benutzt wurden? Sind doch mystische Mächte zum Einsatz gekommen? Oder waren es wirklich „nur“ Wissenschaftler, die generell rund um die Uhr an experimentellen und ethisch fragwürdigen Methoden arbeiten? Der Doktor selbst kam erst zur siebten (!) Operation dazu, die wohl mit verantwortlich war, die schlimmen Erinnerungen mit positiven zu überschreiben.
Dennoch bleiben viele weitere Fragen offen: Wofür der ganze Aufwand? Wer steckt wirklich hinter dem Clairvoyent? Könnte es - und hier lehne ich mich sehr weit aus dem Fenster - vielleicht ein geheimes S.H.I.E.L.D.-Projekt sein? Dass ihre Methoden nicht immer einwandfrei sind, hat man beispielsweise in „Marvel's The Avengers“ gesehen und innerhalb der riesigen bürokratischen Struktur, die stellenweise sehr undurchsichtig ist, könnten sicherlich einige schwarze Schafe existieren.
Team Coulson versus Victoria Hand

Wer die Serie aufmerksam verfolgt, wird bestimmte Muster erkennen. Der Bezug auf semantische Feinheiten etwa, der typisch ist für Werke, an denen Whedon beteiligt ist. Hier klingelten bei mir bereits früh die Alarmglocken. Nämlich schon, wenn Agent May (Ming-Na) sagt, dass Skye an Bord des Flugzeugs nicht von Nutzen für das Team ist, nur um später deutlich zu machen, dass sie fest damit gerechnet hat, dass Skye am besten ist, wenn sie auf sich allein gestellt arbeitet und nicht jeder ihrer Schritte überwacht wird. Das ist entweder ein Zeichen dafür, dass die Wesen der Figuren und ihre Eigenheiten langsam besser erfasst werden oder dass die Handschrift der Autoren besser zur Geltung kommt.
Witzig ist in diesem Zusammenhang etwa auch das Telefonat zwischen der schrecklichen Lügnerin Simmons und Skye oder das Schnick-Schnack-Schnuck-Spiel zwischen Fitz und Simmons, wer in der Verhörzelle die Luke öffnen darf. Gut gelungen ist außerdem die anfängliche Teamarbeit, um die Chitauri-Händler dingfest zu machen. Hier funktioniert das Team wie ein gut geöltes Uhrwerk.
Fazit
Wann immer ein großes Mysterium im Raum steht, das über längere Zeit aufgebaut wurde, haben es Serienmacher mit einer schwer lösbaren Aufgabe zu tun. Man wird nie alle zufriedenstellen können. Besonders nicht, wenn die eigene Theorie bereits im Kopf herumgeistert und dabei deutlich vielversprechender erscheint. Die Hintergrundinformationen zu Coulsons mysteriöser Genesung bieten also nicht den Wowfaktor oder den Gamechanger, den man sich vielleicht gewünscht hat. Aber sie eröffnen einige neue Fragen, die man nun verfolgen kann. Ob und wie sich Coulsons Beziehung zu S.H.I.E.L.D. ändern wird, muss sich in den folgenden Episoden zeigen. Da man noch eine halbe Debütstaffel vor sich hat, sollte man wahrscheinlich auch nicht die gesamte Munition bereits jetzt verschießen und sich vielleicht etwas für das Staffelfinale aufheben, wo man die Ausrichtung der Serie sicherlich etwas anpassen könnte.
Mein Wunsch an die Serie bleibt für die zweite Hälfte der Staffel gleich: Etwas mehr Risiko wagen, ein wenig unvorhersehbarer werden und den Figuren mehr Profil oder Einzigartigkeit verpassen oder aber den Plot fesselnder gestalten. Dann könnte die Serie noch deutlich besser werden.
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 8. Januar 2014(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x11)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x11
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