Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x09

Nach der Episode Repairs haben nun wohl alle Figuren ihre eigene „Fokusepisode“ erhalten. Vielleicht fehlt noch eine dezidierte Coulson-Episode, doch von ihm bekommen wir sowieso ausreichend Hintergrundschnipsel mit. Diesmal ist es also Melinda May (Ming-Na), die durch den Fall der Woche etwas verstĂ€rkter in den Mittelpunkt rĂŒckt.
Das passiert in der Episode âRepairsâ
Aus dem gemeinsamen Umtrunk ist mehr geworden: May und Agent Ward (Brett Dalton) haben offenbar miteinander geschlafen. Warum sonst sollte ein halbnackter Ward aus der Dusche kommen? In Networkseriensprache heiĂt das eindeutig Sex. Da der nĂ€chste Auftrag ruft, bleibt das aber weitestgehend unbesprochen.
Die Zielperson ist diesmal Hannah Hutchins (Laura Seay). Nach einem Unfall an einem Partikelbeschleuniger, bei dem einige Kollegen ums Leben gekommen sind, schlĂ€gt ihr in ihrer Heimatstadt aus jeder erdenklichen Richtung Hass entgegen. Erschwerend kommt hinzu, dass sie ein Ărgermagnet zu sein scheint. Ăberall, wo sie auftaucht - wie zum Beispiel in einer Tankstelle -, kommt es zu unerklĂ€rlichen Ereignissen, die aussehen, als wĂ€ren sie ihr Werk. Doch sie besteht darauf, dass sie nichts damit zu tun hat.
Die S.H.I.E.L.D.-Agenten glauben, dass Telekinese eine Möglichkeit fĂŒr ihr Abstreiten sein könnte, und wollen sie befragen. Als sich dabei ein Auto selbststĂ€ndig zu machen scheint, schaltet Melinda Hannah per BetĂ€ubungsschuss aus und möchte die Befragung an Bord des Flugzeugs fortsetzen. Hannah glaubt an eine Strafe Gottes und DĂ€monen, die es auf sie abgesehen haben.
Das Team selbst hat Zweifel an der Telekinesetheorie. Skye (Chloe Bennet) ist auĂerdem mit der Verhörtaktik durch Coulson (Clark Gregg) und May unzufrieden. Statt Konfrontation und Angst appelliert sie an diese, es doch mit Empathie und SensibilitĂ€t zu versuchen.
Fitz (Iain De Caestecker) und Simmons (Elizabeth Henstridge), die beide im Expressverfahren die Agentenakademie durchlaufen haben, konnten dabei gewisse Rituale nicht mitmachen und sind nun zu Streichen aufgelegt. Skye scheint als Agent in der Ausbildung das Ziel zu sein, doch den beiden fehlt es an KreativitĂ€t fĂŒr einen geeigneten Streich. Nebenbei wollen sie ja noch den Hintergrund fĂŒr die Ereignisse herausfinden.
Simmons wird dabei von einem âGeistâ ĂŒberrascht, der fĂŒr Chaos an Bord sorgt. Dieser Geist greift nicht nur sie an, sondern auch den Rest der Gruppe. Er unterbricht die Stromversorgung und möchte zu Hannah. Das Flugzeug muss notlanden und mit einer Notstromversorgung auskommen. Jegliche Kontaktversuche nach auĂen unterbindet der âGeistâ und versucht, auch die Agenten einzusperren, so dass er zu Hannah kommen kann.
Als May Hannah aus dem Flugzeug holt und als Lockvogel gebraucht, stellt sich heraus, dass der Eindringling ihr nichts tun möchte. Es ist ihr Arbeitskollege Tobias (Robert Baker), der ihre Aufmerksamkeit erhalten wollte und auf diese etwas merkwĂŒrdige Art seine Zuneigung zeigt.
Er selbst kann sich de- und rematerialisieren und glaubt, zwischen der normalen Welt und der Hölle gefangen zu sein. Er hatte am Partikelbeschleuniger ursprĂŒnglich nur ein paar Schrauben lose drehen wollen und dachte, dass das schon jemandem auffallen wĂŒrde. ZusĂ€tzlich hatte er die SicherheitslĂŒcken per Bericht gemeldet. Doch seine Taten haben dennoch zu vielen Toten und Verletzten gefĂŒhrt.
Nachdem er sein Objekt der Begierde im Kampf gegen May vor einem Balkeneinschlag rettet, kann May kann ihn dazu ĂŒberreden, Hannah nicht lĂ€nger mit seiner Anwesenheit zu quĂ€len und er verschwindet.
Eindringling an Bord

Es scheint fast so, als ob die Autoren bei Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. die Episoden gerne folgendermaĂen ablaufen lassen: Der Auftrag der Woche erscheint wie etwas Eindeutiges, nur um 15 Minuten spĂ€ter doch eine mehr oder minder plausible Wendung einzubringen. In den letzten zehn bis fĂŒnfzehn Minuten wird dann jegliches Problem durch eine glĂŒckliche FĂŒgung oder eine Zufallsrecherche gelöst. Eine Hommage an einen Film kann/darf dabei auch gerne einmal benutzt werden. Diesmal fĂŒhlte ich mich beispielsweise an eine Light-Light-Version von „Aliens“ erinnert. AuĂerdem scheinen sich Episoden, die an Bord des Fliegers spielen, mit AuĂeneinsĂ€tzen abzuwechseln. Da stellt sich allerdings die Frage, wie viele Varianten mit dem Flugzeug man noch erzĂ€hlen kann, bis die Ideen ausgehen, es langweilig wird oder es zum x-ten Mal in Mitleidenschaft gezogen wird.
Abgesehen davon sind die Gaststars in dieser Episode wenig ĂŒberzeugend gewĂ€hlt. Die Hannah-Darstellerin ist die nervigste Dauerheulerin seit Maya in Heroes und Tobias' Motivation ist, wie ein Agent selbst treffend feststellt, mehr als kindisch. Auch die Tatsache, dass der eigentlich schuldige mehrfache Mörder einfach so gehen gelassen wird, wirkt hier befremdlich.
Warum Simmons und die Autoren solche SuperkrĂ€ftezweifler sein mĂŒssen, erschlieĂt sich mir ebenfalls nicht. Hat man die Auflage, den Filmen nichts vorweg zu nehmen oder warum traut man sich hier nicht, mit gewissen KrĂ€ften zu arbeiten? VerstĂ€ndlich ist es, wenn man annimmt, dass das die SuperkrĂ€fte der Kinohelden etwas weniger besonders erscheinen lĂ€sst. Aber: Warum ist Telekinese dann eine Kraft, die weniger im Bereich des Möglichen erscheint als ein Dimensionswandler? Doch nicht etwa nur, weil man das schon als PrĂ€zedenzfall in „Thor 2 - The Dark Kingdom“ gesehen hat, oder? Ăberhaupt sollte man wohl im Team Coulson offener sein, wenn man es schon mit Aliens (und dazu gehören auch die Figuren aus Thor), Hulk, kosmischen WĂŒrfeln, Loki-StĂ€ben und Iron-Man-AnzĂŒgen zu tun hatte - möchte man meinen.
Die Nebenstory um FitzSimmons und ihrer plötzlichen Eingebung, zu Streichen aufgelegt zu sein ist trotz der im Endeffekt erzwungenen BrĂŒcke zum Fall der Woche fĂŒr mich ebenfalls uninspiriert und uninteressant. Dass es ausgerechnet May ist, die die Oberhand beim Streichspielen gewinnt, ist ein netter harmonischer Episodenabschluss, mehr aber auch nicht. Das bringt uns auch zum nĂ€chsten Thema: Mays Hintergrundgeschichte.
Wie wurde die Cavalry zur Cavalry?

Diese Unwissenheit bezĂŒglich der Auflösung von Mays Trauma ist unbefriedigend - also, ob es nun 100 bewaffnete Agenten waren, wie es FitzSimmons erzĂ€hlen, 20, wie in der Version von Agent Ward, oder ob die Version von Agent Coulson stimmt, der persönlich anwesend war. Vielleicht lag es daran, dass es sich jeweils nur um ErzĂ€hlungen aus zweiter Hand handelte und man den Ereignissen keinen Flashback gewidmet hat. May hat also völlig unbewaffnet einige GrĂ€ueltaten verbringen mĂŒssen, um S.H.I.E.L.D.-Agenten zu retten, was sie zu der May gemacht hat, die wir nun kennen.
Der Vergleich, dass May in gewisser Weise Skye ein bisschen Ă€hnlich war, sich nicht an Regeln gehalten hat, zu Streichen neigte und Empathie an den Tag legte, ist durchaus interessant. Genauso wie das Aufeinanderprallen der beiden in dieser Episode, weil ihre Interaktion bisher sehr limitiert ausgefallen war. Coulson, der an zweite Chancen glaubt, und daran, dass man die alte May wieder zurĂŒckholen könnte, zeigt sich hier von seiner optimistischen Seite. Und auch wenn es sich May nicht direkt anmerken lĂ€sst, tut ihr die Interaktion und die Teamarbeit gut, wie man am Episodenende sieht. Manchmal heilen Wunden halt etwas langsamer. Fraglich ist auĂerdem, ob Coulson bereits die ganze Geschichte erzĂ€hlt hat. Hat May „nur“ sich selbst verloren oder doch jemanden, der ihr wichtig war?
Anspielungsecke
Die Tankstelle am Episodenanfang gehört der Firma âRoxxonâ, die im Marvel-Universum eine groĂe Firma ist und deren Mitarbeiter oft Dreck am Stecken haben. Der Code, den Coulson fĂŒr das Notrufsignal benutzt (616), ist die Bezeichnung fĂŒr das Marvel-Universum, in dem ein GroĂteil der Superheldencomicgeschichten spielen. Ăhnlich wie bei den Kollegen von DC gibt es nĂ€mlich eine Art Multiversum bei Marvel. Eines der bekanntesten dĂŒrfte das Ultimative Universum sein.
Fazit
Die Hintergrundgeschichte von Agent May leidet leider unter einem recht uninspirierten Auftrag der Woche mit schwachen Gastdarstellern. Wenn die Folge selbst nicht ĂŒberzeugt, fallen einige SchwĂ€chen der Serie noch mehr ins Auge, was hier klar der Fall war. Das Potential der Geschichten am Flugzeug ist limitiert und zu viele FĂ€lle der Woche nutzen sich ebenfalls ab. Bitte wieder mehr staffelĂŒbergreifende Episoden, wenn wir nun mit den Einzelepisoden durch sind.
In dieser Episode hatte man auĂerdem nur wenig - wenn ĂŒberhaupt - das GefĂŒhl, dass das Team den Fall nicht lösen könnte. Und das trotz Notlandung und dem Abschneiden von Kommunikation nach auĂen. Im Englischen gibt es den Term „Raising the Stakes“. Gemeint ist damit, dass eine gewisse Fallhöhe erschaffen wird und dass es dabei bald um mehr gehen muss. Echte Konsequenzen mĂŒssen her. Etwas, das Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. auch guttun wĂŒrde.
Videopromo zur Episode The Bridge (1x10) der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.:
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 27. November 2013Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x09 Trailer
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x09)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?