Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x08

Direkt vorweg: Man muss nicht „Thor 2 - The Dark Kingdom“ gesehen haben, um die Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.-Episode The Well genieĂen zu können. Zwar gibt es tatsĂ€chlich eine Art Crossover mit der „Thor“-Fortsetzung, dieses ist aber eher minimal gehalten. Inhaltlich wird kaum etwas aufgegriffen, auĂer, dass es eine Auseinandersetzung im Londoner Stadtteil Greenwich gab, den die Agenten von S.H.I.E.L.D. nun aufrĂ€umen mĂŒssen. Dabei gilt es vor allem, Artefakte aus den neun Welten zu sichern. Dennoch spielen asgardische Artefakte in der Episode eine Rolle. Auf einen Auftritt eines Filmdarstellers hofft man allerdings vergebens.
Berserker
Auch wenn die Episodeneinleitung, die von Simmons (Elizabeth Henstridge) gesprochen wird, mit einigen Szenenbildern aus den „Thor“-Filmen daherkommt und das es so erscheinen lĂ€sst, als ob ein groĂes Crossover folge, wird schnell klar, dass dem nicht so ist. Coulsons Team ist eher so etwas wie eine kleine AufrĂ€umtruppe. Was genau passiert ist, wissen nicht einmal die Agenten von S.H.I.E.L.D., weswegen Simmons auch das GesprĂ€ch mit den neugierigen Eltern zunĂ€chst aufschiebt. Denn Magie will die Wissenschaftlerin nicht als ErklĂ€rung hinnehmen. Auch Skye (Chloe Bennet) versucht, das Wesen der kĂ€mpfenden Parteien zu begreifen. SchlieĂlich kommt sie zu dem Schluss, dass Asen so etwas wie Aliens sind, anfangs aber als Götter klassifiziert werden, weil das Fachwissen fĂŒr eine richtige Einordnung fehlt, was Coulson (Clark Gregg) ihr bestĂ€tigt.
WĂ€hrend die AufrĂ€umarbeiten wenige neue Erkenntnisse liefern, sorgt ein Vorfall in einem Naturschutzreservat in Norwegen dafĂŒr, dass das Team Nachforschungen anstellen muss. Dort sorgt das PĂ€rchen Jakob Nystrom (Michael Graziadei) und Petra Larsen (Erin Way) fĂŒr Unruhe, als die beiden einen möglicherweise mehrere tausend Jahre alten Baum fĂ€llen und in dessen Innern ein Artefakt bergen, das Petra und alle, die es berĂŒhren, zu aggressiven Killermaschinen macht.
Eine 3D-Analyse legt den Verdacht nahe, dass es sich um einen Stab aus Asgard handeln könnte, also wird der Experte Professor Elliot Randolph (Peter MacNicol), der in Spanien lehrt, zu Rate gezogen. Randolph kann den Fund als eines von drei Teilen des sogenannten Berserkerstab bestĂ€tigen. Der Berserker ist ein asgardischer Krieger mit der Kraft von 20 MĂ€nnern, der sich der Sage nach im Kampf Ă€uĂerst brutal und aggressiv verhalten hat, ehe er das Kriegerdasein fĂŒr die Liebe aufgab. Vorher zerbrach er den Stab, wie ein ĂŒberliefertes Gedicht mitteilt, in drei Teile, die er gut versteckte, und lebte fortan unter den Menschen.
Team Coulson tritt also die Reise nach Sevilla an, wo Agent Ward (Brett Dalton) und Skye sich auf die Suche nach der Energiesignatur machen. Ward scheint einer heiĂen FĂ€hrte auf der Spur zu sein. Doch das Ziel bewegt sich. Wie sich herausstellt, ist Dr. Randolph in eigener Sache unterwegs. Als Ward den Stab berĂŒhrt, fĂ€hrt eine schlimme Kindheitserinnerung durch ihn hindurch: Das erste Mal, als er Hass gespĂŒrt hat. Randolph wird allerdings von Jakob, Petra und ihren neuen AnhĂ€ngern ĂŒberwĂ€ltigt, verliert den Stab und wird anschlieĂend auch in S.H.I.E.L.D.-Gewahrsam genommen. Wards BerĂŒhrung mit dem Stab hat unangenehme Folgen: Sein Adrenalinspiegel ist laut Simmons deutlich erhöht. Er benimmt sich sehr ungehalten und aggressiv. Die viel schnatternden Frauen Skye und Simmons hĂ€lt er auĂerdem an, die Klappe zu halten. Coulsons Verhör mit Randolph bringt keine Ergebnisse. Erst als Ward dazu kommt, finden die beiden heraus, dass der Prof. in Wirklichkeit besagter Berserker ist und damit ein Ase, der den Donnergott und seine Familie allerdings nicht kennt...
Showdown im Kloster
Der letzte Teil des Stabs wurde von Randolph in einem Kloster in Irland versteckt, so erklĂ€rt sich auch der Hinweis ânah bei Gottâ. Dass niemand sein Geheimnis verrĂ€t, konnte der versteckte Ase durch ein SchweigegelĂŒbde gewĂ€hrleisten, schlieĂlich ist der nahezu Unsterbliche in den Augen der Geistlichen so etwas wie ein Wunder. Dennoch kommen ihm die norwegischen Unruhestifter zuvor und stechen ihn einen Teil des Stabs durch den Körper, was seine SelbstheilungsfĂ€higkeit verlangsamt. Coulsons beherztes âEingreifenâ erweckt ihn dann aber wieder zum Leben.
Es schlĂ€gt die Stunde Wards, der trotz schlimmer Erinnerungen die Macht des Berserkerstabs noch einmal herausfordert, um den Kampf zu wenden. Die Belastung wird allerdings bald zu groĂ, so dass May (Ming-Na) das Ruder ĂŒbernimmt, gleich den gesamten Stab zusammenfĂŒhrt und am Ende triumphiert.
Auf die Frage, wie May das aushÀlt, hat die toughe Agentin die passende Antwort: An ihr Trauma wird sie ohnehin jeden Tag erinnert. Wahrscheinlich wird es nicht mehr lange dauern, bis wir Zuschauer auch in Mays Story eingeweiht werden, nachdem wir schon fast alle Agenten zuletzt etwas besser kennenlernen konnten.
Ein Blick in Wards Vergangenheit

Oft wurde an dieser Stelle schon Wards Figur bemÀngelt, die zu sehr als blasser Saubermann daherkommt, der unfehlbar erscheint. Daran Àndert auch der Einblick in seine Vergangenheit wenig - er unterstreicht dieses Bild sogar noch.
Wir sehen wiederholt, wie eine Person scheinbar in eine Art Brunnen oder Zisterne gefallen ist und um Hilfe ruft. Im Episodenverlauf finden die Zuschauer heraus, dass die Person, die um ihr Leben kÀmpft, der Bruder von Ward ist. Ward selbst schaut von oben herunter, wird dabei aber von einer dritten Person bedroht. Diese erklÀrt, ihn hinunterzuwerfen, sobald er Rettungsversuche anstellt.
Doch Ward lĂ€sst sich irgendwann nicht mehr erpressen und wirft das Seil hinunter. Es scheint allerdings fast zu spĂ€t zu sein. Das sehen wir zwar nicht explizit, allerdings strauchelt sein Bruder und kann sich nicht mehr ĂŒber Wasser halten. Ist das der Moment, der Ward dazu gefĂŒhrt hat, sein Leben dem Schutz anderer zu widmen?
Das ist tragisch, aber nur bedingt ĂŒberzeugend umgesetzt, weil zu viel offen bleibt und Ward sich den anderen nicht mitteilt. Skye will er sich nicht anvertrauen und trinkt stattdessen lieber allein. In May findet er jedoch eine verwandte Seele, die selbst bereits viel durchgemacht hat - was genau, wissen wir allerdings auch noch nicht. Gemeinsam trösten sie sich also auf ihrem Zimmer mit etwas Alkohol. Man kann annehmen, dass sie sich dabei anschweigen, da es typisch fĂŒr die Figuren wĂ€re.
Immerhin hat Ward jetzt eine Delle in seiner perfekten RĂŒstung, aber ob das ausreicht, um seine Figur interessanter zu machen, muss sich zeigen. Durchaus spannend ist der weiterhin köchelnde Konflikt zwischen ihm und Fitz (Iain De Caestecker), der zwar unter Adrenalineinfluss zu tragen kam, aber dennoch die Teamharmonie herausfordert. Nichts nagt im Moment nĂ€mlich so sehr an Fitz, als der Fakt, dass Ward und nicht er selbst seine beste Freundin Simmons retten konnte, als diese aus dem Flugzeug gesprungen war. Ob es in diese Richtung noch einen pay off geben wird?
Coulson plus Aliens gleich Sprengstoff

Zwischen Coulson und Randolph könnte trotz eines schlechten Starts, der auf LĂŒgen basiert, vielleicht noch so etwas wie eine MĂ€nnerfreundschaft entstehen. Immerhin wurden beide von Alientechnologie durchbohrt und beide waren kurzzeitig nicht mehr unter den Lebenden. Ob Randolph wirklich nach Portland geht, wie Coulson es ihm empfiehlt? Dass sich der Exberserker wegen der Frauen aus dem Kriegerleben zurĂŒckgezogen hat, wird jedenfalls mehrfach deutlich. Er flirtet nĂ€mlich nicht nur offensiv mit seiner Studentin, sondern scheint auch eine SchwĂ€che fĂŒr Simmons zu haben, die er als das Schönste, was er in den letzten tausend Jahren gesehen hat, bezeichnet. Und auch mit Thor könnte Coulson den guten Professor vielleicht bekannt machen.
NatĂŒrlich bringt das Durchbohren Randolphs ein DĂ©jĂ -vu-GefĂŒhl fĂŒr Coulson mit. Demnach fehlen ihm groĂe Teile seiner Erinnerungen: Er weiĂ nur, dass er angeblich gestorben ist, aber nicht, wie er anschlieĂend gerettet wurde. Er hat eine mehrmonatige ErinnerungslĂŒcke - und dann ist da ja noch die Sache mit Tahiti...
In der Abschlussszene sehen wir Coulson bei einer Massage in Tahiti. FĂŒr alle Whedon-Komplettkenner gibt es eine gelungene Anspielung auf dessen Serie Dollhouse, die fĂŒr GesprĂ€chsstoff sorgen könnte. Coulson fragt: âDid I fall asleep?â Wohingegen die Masseurin antwortet: âFor a little whileâ. Dieser Austausch fand in der vorherigen Whedon-Serie immer dann statt, wenn die Dolls einer GehirnwĂ€sche unterzogen worden und ihre bisherige Persönlichkeit oder ihr vorheriger Auftrag ĂŒberspielt worden waren.
Und auch, dass Tahiti zu schön ist, um wahr zu sein sowie die Erwiderung âI know, it's a magical placeâ haben wir im Verlauf der bisherigen Episoden schon vielfach gehört. Diesmal in einer merkwĂŒrdig roboteresqen Art und Weise.
Gab es also eine S.H.I.E.L.D.-GehirnwÀsche? Sind das echte Erinnerungen? Oder ihm eingespielte? Coulson wacht aus seinem Albtraum nÀmlich kurz danach auf. Klon, Roboter, GehirnwÀsche, Magie? Was hat man mit Coulson angestellt?
Fazit
Star Trek-Darsteller und Regieveteran Jonathan Frakes hat die Episode The Well inszeniert, die mich etwas zwiegespalten zurĂŒcklĂ€sst. Ward ist und bleibt trotz des Versuchs, ihn interessanter zu gestalten, zunĂ€chst weiterhin unsympathisch.
Das Crossover mit „Thor 2 - The Dark Kingdom“ beschrĂ€nkt sich auf unbeteiligte Randfiguren und ein Artefakt, was nur bedingt etwas mit dem Film zu tun hat. Und es gibt auch keinen einzigen kleinen Gastauftritt, weder eine Schalte zu Dr. Selvig (Stellan Skarsgard) noch zu Jane Foster (Natalie Portman) - und auĂer S.H.I.E.L.D.-Agenten wie Nick Fury, Blake, Jasper Sitwell und Maria Hill wird in Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. sehr bewusst vermieden, die Superhelden selbst in Erscheinung treten zu lassen. Thors Fehlen kann man immerhin schlĂŒssig damit erklĂ€ren, dass er schwer zu erreichen ist und eben kein Handy hat. Dennoch werde ich das GefĂŒhl nicht los, dass noch etwas mehr drin gewesen wĂ€re.
Immerhin sorgt die Anspielung auf Dollhouse fĂŒr interessante Spekulationsmöglichkeiten. Alles in allem eine Episode, die keine BegeisterungsstĂŒrme bei mir entfacht, mich aber auch nicht enttĂ€uscht hat.
Videopromo zur Episode Repairs (1x09) der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.:
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 20. November 2013Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x08 Trailer
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x08)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x08
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