Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x04

Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x04

Eye Spy, die vierte Episode der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. bringt eine alte Bekannte aus Agent Coulsons Vergangenheit zurĂŒck. Der dazugehörige „Fall der Woche“ ist außerdem durchaus spannend gestaltet.

Szenenfoto aus der Episode „Eye Spy“ der US-Serie „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.“ / (c) ABC
Szenenfoto aus der Episode „Eye Spy“ der US-Serie „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.“ / (c) ABC

Die ABC-Serie Marvel"s Agents of S.H.I.E.L.D. ist in der vierten Episode immer noch dabei, zu sich selbst zu finden. Eye Spy ist auf diesem Weg auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Die Figuren erhalten etwas mehr Tiefe und auch der „Fall der Woche“ ist spannender gestaltet als noch zuletzt, denn es verlĂ€uft eben nicht alles wie am SchnĂŒrchen.

Das passiert in „Eye Spy“ (1x04)

Zum Episodenbeginn befinden wir uns in Stockholm, Schweden. Hier steigt eine Reihe von MĂ€nnern mit roten Masken und silbernen Koffern in die U-Bahn. Beobachtet werden die merkwĂŒrdig anzusehenden Gestalten von einer Frau. Sie schließt die Augen und sorgt fĂŒr die Unterbrechung der Beleuchtung. Als die U-Bahn im nĂ€chsten Bahnhof eintrifft, sind die MĂ€nner besinnungslos und dem Inhalt ihrer augenscheinlich wichtigen Koffer beraubt.

Agent Coulson (Clark Gregg) erfĂ€hrt von dem Überfall und beschließt - auch ohne offiziellen Auftrag durch das S.H.I.E.L.D.-HQ -, zu ermitteln. Helfen soll ihm dabei Skye, die sich in kurzer Zeit den Ruf aufgebaut hat, außerhalb der normalen Konventionen zu denken. Sie vermutet Telekinese oder VorhersagekrĂ€fte, die der Zielperson einen Vorteil verschaffen könnten. Bekannt ist nĂ€mlich, dass die die Augen geschlossen hatte, bevor sie agierte.

Durch das Checken von Instagram und dem Abgleichen der fotografierten Personen mithilfe der S.H.I.E.L.D.-Datenbanken wird schnell eine Person als Verantwortliche ausfindiggemacht: Akela Amador (Pascale Armand). Bei ihr handelt es sich um eine Agentin, die Coulson damals selbst trainiert hat. Ihre Beute: Diamanten, die sie fĂŒr 30 Millionen Dollar weiterverkauft und als GolfbĂ€lle tarnt. Ihre Spur kann nach Weißrussland verfolgt werden, wohin sich die Agenten ebenfalls aufmachen.

Agent Ward (Brett Dalton) und Coulson tappen zunĂ€chst im Dunkeln. Fitz (Iain De Caestecker), Simmons (Elizabeth Henstridge) und Skye (Chloe Bennet), die im Transporter verbleiben, werden beim Versuch, einen mysteriösen Videofeed zu entschlĂŒsseln, gerammt und ĂŒber einen kleinen Abgrund befördert. Wie sich herausstellt, ist der beobachtete Feed ein Live-Feed. Die Exagentin hat ein fortschrittliches Augentransplantat eingesetzt bekommen, mit dem sie nun sowohl im Dunkeln sehen kann als auch Befehle von einem versteckt agierenden Auftraggeber erhĂ€lt.

WĂ€hrend Agentin May (Ming-Na) die Gefahr ausschalten möchte und das Hauptquartier einweihen will, wĂŒrde Coulson die Angelegenheit lieber intern und mithilfe seines Teams regeln. Er will nicht so recht glauben, dass Amador aus freien StĂŒcken so agiert.

Der Feed wird also beobachtet, bis man mehr Hinweise findet. Doch so geduldig ist Agent May nicht: Auf eigene Faust stellt sie Amador nach. In ihrem Hotelzimmer angekommen erfĂ€hrt sie, dass die Auftraggeber einen killswitch eingebaut haben und sie fremdgesteuert wird. Entweder fĂŒhrt sie also die AuftrĂ€ge aus oder stirbt. Den Kampf der beiden Frauen unterbricht Agent Coulson und legt Amador auf Eis. WĂ€hrend Skye und Ward das System des „Eye Spy“ ĂŒbernommen haben und nun so tun, als seien sie Amador, befragt Coulson seinen ehemaligen ProtegĂ© ĂŒber ihren Werdegang nach dem Verschwinden. Dabei kommt heraus, dass der Auftraggeber ein altmodischer EnglĂ€nder ist, der bisweilen Probleme beim Tippen hat - und sich womöglich in der NĂ€he befindet. Fitz und Simmons machen sich nachfolgend daran, ihr das Augentransplantat herauszuoperieren. Trotz einiger Schwierigkeiten - etwa, weil ein Befehl lautet, einen Wachmann zu bezirzen - gelingt es Agent Ward, eine mysteriöse Formel zu fotografieren, wĂ€hrend Coulson den Auftraggeber zu stellen versucht. Als Coulson sich offenbart, wird dieser nĂ€mlich von anderer Stelle ausgeschaltet. WĂ€hrend die Formel, die womöglich außerirdischen Ursprungs ist, analysiert werden soll, verspricht Coulson seinem Exlehrling einen fairen Prozess.

In Ungnade gefallen

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Eye Spy%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;Marvel%26quot;s Agents of S.H.I.E.L.D.%26ldquo; © ABC
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Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis Marvel"s Agents of S.H.I.E.L.D. eine solche Storyline prĂ€sentiert. Der verschwundene Agent, der in Ungnade fĂ€llt oder auf die andere Seite des Gesetzes wechselt, ist ein wiederkehrendes Motiv in Agentenserien. Genauso wie MaulwĂŒrfe im Inneren, böse Verwandte, gute Freunde, die auf einmal niedere Motive haben oder viele andere Agentenklischees - man muss sich eigentlich nur Alias oder 24 anschauen, um in Windeseile die volle Bandbreite solcher Twists zu sehen.

Immerhin nutzt Eye Spy diese Trope, um eine spannende und fĂŒr Agent Coulson persönliche Geschichte zu erzĂ€hlen. Der „Fall der Woche“ lĂ€sst die Zuschauer mitraten, ob es sich wirklich um ein neues Superwesen handelt oder ob es eben doch eine andere ErklĂ€rung gibt. Die dargebotene ErklĂ€rung und die back story von Amador geben Coulson einen Grund, die hier begangenen Fehler bei seinem neuen Team nicht zu wiederholen.

Einerseits beim neuen ProtegĂ© Skye, die er fĂŒr das komplette Gegenteil von Amador hĂ€lt, aber auch beim Rest des Teams. Seit seiner nach wie vor mysteriösen RĂŒckkehr glaubt er an zweite Chancen, die er auch hier gewillt ist, zu geben. WĂ€hrend andere Teammitglieder (May und Ward) mit dem Kopf durch die Wand wollen, sind vor allem er und Skye daran interessiert, die unkonventionellen Wege zu bestreiten und den Zielen die Chance zur ErklĂ€rung oder Legitimation zu geben.

Da Amadors Schicksal und ihre FĂ€higkeiten ziemlich interessant sind, wĂ€re es schade, wenn es beim einmaligen Gastauftritt bliebe. Vielleicht wird das Team im Laufe der ersten Staffel noch etwas vergrĂ¶ĂŸert. Eine gequĂ€lte Seele wie sie könnte sich gut dazu eignen. Oder wird die Technologie, wie die finale Szene andeutet, einfach anderweitig eingesetzt?

Überraschend explizit ist die Operationsszene am Auge. Jedes Mal, wenn es jemanden an die Augen geht, jagt das dem Rezensenten einen kalten Schauer den RĂŒcken runter. Das hier war keine Ausnahme. Die Vorstellung einer lokalen BetĂ€ubung durch das Auge: ein Horror! Die Aufnahme aus der Egoperspektive und die Nachtsichtaufnahmen waren zudem durchaus nette EinfĂ€lle fĂŒr den „Fall der Woche“.

Ward ist doch nicht so perfekt

Erfreulich ist, dass Agent Ward bei seinem Auftrag, eine Ersatz-Akela-Amador zu spielen, mal herausgefordert wird und es nicht sofort mit roher Gewalt versucht. Das Betören des Wachmanns beziehungsweise der Versuch, mit diesem auf der Kumpelebene zu punkten, war zwar noch ausbaufĂ€hig, aber zeigt, dass er doch menschlich und fehlbar ist (herrlich: sein leiser Hilferuf). An anderer Stelle der Episode bezeichnet Skye ihn passenderweise ja auch als Roboter. Als Skye, Fitz und Simmons im Transporter zurĂŒckbleiben und nur Kontakt aufnehmen sollen, wenn es ein Notfall ist, demonstriert die Figur auch eine gewisse MerkwĂŒrdigkeit, als sie den Frauen eine Flasche als Nottoilette vorschlĂ€gt (obwohl diese Szene an sich etwas merkwĂŒrdig war und fast schon fehl am Platz wirkte). Es bleibt festzuhalten: Um Ward und dessen Charakterwachstum mĂŒssen sich die Autoren noch kĂŒmmern.

WĂ€hrend FitzSimmons zunĂ€chst auf die Gadgetarbeiten und Techniklösungen abonniert sind, werden Coulson und May als „Mom and Dad“ in Stellung gebracht, die sich gerne mal vor den anderen streiten und fundamental unterschiedliche Ansichten zur Falllösung befĂŒrworten. So lange das dazu fĂŒhrt, dass der Fall gelöst wird, ist das wenig problematisch, aber was ist, wenn die Streitigkeiten mal zum Scheitern einer Mission fĂŒhren? Sicherlich wird das in den kommenden Episoden noch einmal problematisiert.

Skye ist und bleibt beim Rezensenten - neben Coulson - die Lieblingsfigur der Serie, da sie sich so anfĂŒhlt wie eine Whedon-Schöpfung: frech, keck, fehlerhaft, aber im Endeffekt doch kompetent. Dass sie sich an Bord des Fliegers etwa in ein Auto zurĂŒckzieht, weil sie ihren Van und etwas „Me-Time“ vermisst oder Agent Coulson sowohl Phil als auch AC nennt, gefĂ€llt mir. Dazu kommen die praktischen EinfĂ€lle, die sie zum wertvollen Mitglied des Teams machen. HĂ€ufig tragen diese zur Problemlösung bei und werden von den ach so erfahrenen Agenten nie bedacht. Auch wenn es manchmal so erscheint, dass ihre Verbindungen zur rising time leicht deus-ex-machina-mĂ€ĂŸig daherkommen (etwa ihr sekundenschnelles Fixen des Videosfeeds). Im Endeffekt sehnt sie sich eigentlich nur nach Anerkennung und genau diese erhĂ€lt sie von Coulson. Es wird also noch spannend werden, wo ihre LoyalitĂ€ten liegen, sollte es einmal hart auf hart kommen.

Fazit

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Eye Spy punktet vor allem durch einen besser ausgearbeiteten „Fall der Woche“ als zuletzt. Die Anspielungen auf das Marvel-Universum an sich blieben diesmal minimal bis non-existent, was allerdings nicht negativ ins Gewicht fĂ€llt. Weiterhin gilt - auch auf die Gefahr hin, sich stĂ€ndig zu wiederholen: Perfekte Figuren will niemand sehen. Ecken, Kanten und SchwĂ€chen helfen ganz klar dabei, dass man die Charaktere als Zuschauer ernst nehmen kann und Sympathien zu ihnen aufbaut. Sonst wĂ€re nĂ€mlich völlig egal, was mit ihnen passiert.

Ansatzweise sieht man dies in dieser Folge nun endlich bei Agent Ward. Bitte mehr davon.

Videovorschau auf die Episode Girl in the Flower Dress (1x05) der US-Serie Marvel"s Agents of S.H.I.E.L.D.:
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 16. Oktober 2013
Episode
Staffel 1, Episode 4
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x04)
Deutscher Titel der Episode
Augen-Blick
Titel der Episode im Original
Eye Spy
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 15. Oktober 2013 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 21. Februar 2014
Autor
Jeffrey Bell
Regisseur
Roxann Dawson

Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x04

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?