Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x05

Auch wenn die Episode Girl in the Flower Dress der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. sicherlich nicht perfekt ist, zeigt sie doch, wohin die Reise gehen kann. Zumindest dann , wenn die im Piloten eingeführten Handlungsstränge einmal etwas konsequenter aufgegriffen werden. Dem Gegenspieler der S.H.I.E.L.D.-Agenten wird nämlich etwas mehr Kontur verpasst.
Das passiert in „Girl in the Flower Dress“ (1x05)
Die Episode beginnt in Hongkong, China, wo ein Straßenmagier namens Renshu Tseng (Louis Ozawa Changchien) versucht, durch seine Tricks etwas Geld zu verdienen. Erst als er, wie durch Zauberhand, eine Flamme in seiner Hand erschafft und diese kurz vor den Zuschauern verpufft, kann er diese beeindrucken. Beobachtet wird seine Show von der mysteriösen Raina (Ruth Negga), die sich an ihm interessiert zeigt und ihn nach Hause begleitet. Die Frau im Blumenkleid versucht, Tseng davon zu überzeugen, dass seine Kraft eine Gabe ist, die er mit der Welt teilen sollte. Sie macht ihm zudem eindeutige Avancen und teilt ihm mit, dass er die Augen schließen soll. Als er sie wieder öffnet, wird er von maskierten Männern attackiert.
Für S.H.I.E.L.D. ist der Mann kein Unbekannter. So befindet er sich auf deren Index von Menschen mit Superkräften und wird von einem lokalen Agenten namens Quan Chen (Tzi Ma) im Auge behalten. Das Verschwinden Tsengs wird schnell mit einem Mitglied der „Hacktivisten“-Gruppe „Rising Tide“ in Verbindung gebracht, zu der bekanntlich auch Skye (Chloe Bennet) gehört. Die Spur führt zu Miles (Austin Nichols), einem Hacker, der sich in Austin, Texas befindet und ein alter Bekannter Skyes ist. Er hat ihr nicht nur alles zum Thema Hacken beigebracht, die beiden sind obendrein romantisch liiert. So gönnen sie sich nach einem kurzen catch up-Gespräch ein Schäferstündchen. Dabei betont Skye allerdings auch ganz deutlich, dass er es unterlassen solle, S.H.I.E.L.D. zu hacken. Nicht nur, weil sie Teil davon ist, sondern auch, weil das für ihn unglücklich enden könnte. S.H.I.E.L.D. entgeht jedoch so gut wie nichts und so werden die beiden von Agent May (Ming-Na) auf frischer Tat ertappt und anschließend verhört.
Tseng wird währenddessen weiterhin von Raina davon überzeugt, dass mehr in ihm steckt, als S.H.I.E.L.D. zulässt. Sie möchte seine Kräfte vergrößern und bietet ihm die Injektion mit einem Serum an, das temporär wirkt. Sie schlägt ihm den Namen Scorch vor, den man später - ähnlich wie bei Captain America - auf Lunchboxen und Ähnlichem abbilden könnte. Tatsächlich vergrößert das Serum seine Kräfte und Tseng freut sich, dass ihn nun niemand mehr zurückhält, denn S.H.I.E.L.D. hat ihn stets darum angehalten, seine Kräfte geheim zu halten.
Währenddessen geht das Verhör von Skye und Miles weiter, bei dem aber zunächst nicht viel zutage kommt. Allerdings nur, bis Fitz (Iain De Caestecker) und Simmons (Elizabeth Henstridge) eine auffällige Überweisung auf Miles' Konto entdecken. Für eine Million Dollar hat der Hacker demnach Informationen verkauft. Während er glaubt, dass der Käufer eine harmlose Forschungsgruppe war, die sich um Tausendfüßlerforschung bemüht, wissen die Agenten natürlich, dass hinter Project Centipede deutlich mehr steckt. Dabei handelt es sich um die Forschergruppe, die bereits im Serienpiloten aufgetreten war und mit Extremis und anderen künstlichen Superkräften experimentierte. Also geht es für das Team nach Hongkong. Dort wird nun auch klar, dass die Teilnehmer des Project Centipede Tseng Schaden wollen. Sie extrahieren seine Kräfte und wollen damit die Schwachstellen (also vor allem die unvermeidlichen Explosionen) aus dem Weg räumen, um ihre eigenen Supersoldaten zu erschaffen.
Coulson (Clark Gregg) und May konfrontieren also Tseng, der sich zwischenzeitlich eine weitere Ladung des Serums verpasst hat und Agent Kwan getötet hat. Doch Coulsons Frontalangriffe richten wenig aus. Es muss also ein neuer Plan her. Tseng verbrennt Debbie (Shannon Lucio), die aus dem Piloten bekannte Forscherin, und wird schlussendlich durch weitere Injektionen mit dem Serum ausgeschaltet. Diese führen dazu, dass seine Kräfte nicht mehr kontrollierbar werden. Mit der Hilfe des Profihackers Miles wird die Explosionsdruckwelle so umgeleitet, dass sie aus dem Dach entkommen kann und niemanden gefährdet. Raina, die Frau im Blumenkleid, kann allerdings rechtzeitig entkommen und spricht in der finalen Szene mit dem geheimen Mitverschwörer Po (Cullen Douglas), der sich in einem Gefängnis befindet. Dieser Mann soll mit dem/der Clairvoyent (im Deutschen: „Hellseher“) in Verbindung treten, der oder die Hinweise zum weiteren Vorgehen für Phase zwei und drei des Plans um die Soldatenarmee geben könnte.
Hacker-Handfessel
Miles wird die Wahl gelassen, ob er eine kleine Kiste mit einer S.H.I.E.L.D.-Handfessel annimmt oder eine Haftstrafe in einer größeren Kiste antritt. Darüber hinaus hat Coulson eine Spende an die Familie von Agent Chen in Miles' Namen veranlasst, da er indirekt an dessen Tod schuldig ist. Eine Eskorte nach Texas wird ihm von Coulson verwehrt. Wer weiß, vielleicht sieht man Miles ja auch irgendwann wieder... Zunächst sollte er sich jedoch von Gesetzesbrüchen und Computern fernhalten, denn S.H.I.E.L.D. weiß nun über seine Schritte Bescheid.
Auch das Vertrauen in Skye ist vorerst erschöpft. Für Coulsons Geschmack hat sie ein Geheimnis zu viel versteckt und durch ihr Treffen mit Miles und den daraus resultierenden Ereignissen außerdem an Ansehen verloren. Während er zuvor bereit war, ihr einiges durchgehen zu lassen, setzt er sie nun vor das Ultimatum: Entweder sie packt aus oder sie ist raus.
Ihr Geheimnis versteckt sie an einem privaten Ort, nämlich in ihrem Büstenhalter. Auf dem dort versteckten Datenträger hat sie alles, was sie über sich und ihre Herkunft weiß, gespeichert - und das ist nicht viel. Ein paar geschwärzte Dokumente, Papiere vom Waisenhaus und andere kleine Informationshappen zu ihren ihr unbekannten Eltern. Ist das wirklich das einzige große Geheimnis, das Skye versteckt? Coulson ist jedenfalls bereit, ihr bei der Suche zu helfen. Aber das bedingungslose Vertrauen ist hin, auch sie muss eine Handfessel tragen.

In der fünften Episode von Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. ist Skye weiterhin eine der wenigen Figuren, die irgendeine menschliche Schwäche zeigt. Damit bleibt sie eine interessante Figur, der eben nicht alles in die Wiege gelegt wurde oder die immer alles auf Anhieb schafft. Während Miles als geheime Liebschaft eine durchaus willkommene Überraschung darstellt, ist auch die Debatte um das Verkaufen von ideologischen Überzeugungen ein interessanter Aspekt der Folge. Miles tut die ganze Zeit so, als sei er der Kämpfer für freie Informationen, nur um dann zu seiner eigenen Bereicherung gefährliche Informationen zu verkaufen - und das offenbar schon eine Weile. Miles' Perspektive, dass Geheimdienste undurchdringbare Informationskraken sind und selbst eine Gefahr darstellen, ist in Zeiten von NSA, Prism und Co. ein schöner kleiner Kritikpunkt. Nur: Wie kann man sich sicher sein, dass S.H.I.E.L.D. eine weiße Weste hat?
Wenig Neues hingegen bieten FitzSimmons, denen es schon wieder mühelos gelingt, die Anlage in China zu hacken und die auch sonst außer ein paar Sätzen wenig in dieser Folge zu tun bekommen. Ward darf ein wenig Schiffe versenken spielen und dabei gnadenlos verlieren und May wird in ihren Zweifeln gegenüber Skye bestätigt. Ob May womöglich auch subtile Versuche anstellt, um der Wiederbelebung Coulsons auf die Spur zu kommen? Diesmal bietet sie ihm ein paar gemeinsame Trainingseinheiten „wie früher“ an. Doch ehe Coulson dazu etwas sagen kann, ruft der Einsatz. Zufall oder Kalkül von May?
Mit seinem kurzen Auftritt war Miles' Figur - trotz einiger Piraten- und Hackerklischees - deutlich interessanter, als Ward es in den bisherigen Episoden gewesen ist. Wann kriegt das Team also den nächsten Zuwachs?
Girl with the Flower Dress

Auch Raina als neue Gegenspielerin birgt einiges an Potential. Sie wird wohl als Stellvertreter oder zumindest hohes Tier für einen möglichen big bad der Staffel in Stellung gebracht. Die irische Schauspielerin Ruth Negga, die man eventuell aus Misfits kennt, empfiehlt sich jedenfalls für ein baldiges Wiedersehen. Ihre manipulative und laszive Seite durfte sie in dieser Episode ja bereits ausgiebig vorstellen und außerdem wurde klargestellt, dass die Doktorin aus dem Serienpiloten wohl doch nur ein kleines Zahnrad im großen Uhrwerk ist.
Als sie Tseng in seiner Wohnung überwältigt, sieht es doch ganz so aus, als wären ihre Helfer AIM-Mitglieder. Denn welche Marvel-Organisation trägt sonst solche merkwürdigen Klamotten? AIM wurde schließlich im Marvel-Cinematic-Universe in „Iron Man 3“ eingeführt und experimentiert dort ebenfalls mit Extremis. Wer ist aber der Mann im Gefängnis? Und was hat es mit dem Hellseher auf sich? Ob nun AIM oder Project Centipede, die Gegner S.H.I.E.L.D.s verfügen nun über Supersoldaten, die offenbar nicht unkontrolliert überhitzen und deswegen explodieren.
Scorch aka Tseng und seine Kräfte eignen sich außerdem gut für das TV-Format und sorgten für ein paar nette visuelle Momente. Etwa, als er sich gegen Coulsons Attacke mit einer Flammenwand zur Wehr setzt oder Agent Chen (R.I.P.) durchbohrt und die Doktorin grillt.
Fazit
Die Episode Girl in the Flower Dress lässt das Potential einer verstärkten Fokussierung auf eine staffelübergreifende Handlung durchblitzen. Project Centipede ist zurück und außerdem wird eine neue interessante Figur im Blumenkleid eingeführt, die gerne noch öfter auftreten darf. Darüber hinaus wird angedeutet, dass hinter den Kulissen noch viel mehr rumort und sich langsam formiert. Handelt es sich eventuell wirklich um das aus den Comics bekannte AIM?
Skyes Hintergrund wird etwas ausgeschmückt und ihre Loyalität erneut in Frage gestellt, diesmal wohl mit zunächst weitreichenderen Konsequenzen. Es handelt sich also bei ihr um eine Waise, auf der Suche nach der eigenen Herkunft. Spider-Man und Superman lassen grüßen. Ob ihre Eltern wohl mit S.H.I.E.L.D. oder Project Centipede oder Superhelden in Verbindung stehen? Wir werden sehen. Zu viel Fokus auf Skye könnte auf Dauer allerdings auch ermüden, deswegen wäre es wünschenswert, wenn auch ein paar andere Figuren etwas runder und hintergründiger gestaltet würden. Es reicht nicht, dass FitzSimmons ihr „Techno-Babble“ von sich geben und sonst nur als Dekoration oder plot device, das alles ermöglicht, dienen.
Ebenso kann es doch nicht die Intention der Macher sein, dass Agent Ward keinerlei Flecken auf seiner weißen Weste hat - oder wird er doch irgendwann noch als Cyborg enthüllt? In dieser Episode wurde er ja bereits als „One-Man-Seal-Team-Six“ tituliert. Mehr Menschlichkeit und Fehlbarkeit würde dem gesamten Team - wie sicherlich schon oft erwähnt wurde - guttun.
Videopromo zur Episode FZZT (1x06), der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.: (c) ABC Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 23. Oktober 2013(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x05)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 1x05
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