Mad Men 6x02

Mad Men 6x02

Nicht nur im buchstäblichen Sinne hängt eine dicke schwarze Wolke über New York City und der Madison Avenue. Noch stärker als in der Auftaktepisode drängt sich der Gedanke an den Tod in die Köpfe der Protagonisten. Gleichzeitig wird die neue Episode durch staubtrockenen Humor aufgeheitert.

Quo vadis, Don Draper? Die Auftaktepisoden der sechsten Staffel von „Mad Men“ sind düsterer als erwartet. / (c) AMC
Quo vadis, Don Draper? Die Auftaktepisoden der sechsten Staffel von „Mad Men“ sind düsterer als erwartet. / (c) AMC

It's very poetic.“ Der Kommentar eines recht unzufriedenen Klienten Don Drapers (Jon Hamm) kann getrost als Allegorie auf die zweite Episode der sechsten Staffel von Mad Men gelesen werden. Die visuelle Umsetzung der poetischen Behandlung des Themas „Tod“ durch Drehbuchautor und Serienschöpfer Matthew Weiner erinnert mitunter an ein Gedicht des amerikanischen Dichters Robert Frost.

Ein Ausflug in die Welt der Poesie

In „Stopping by Woods on a Snowy Evening“ setzt sich der Weltliterat mit dem Tod auseinander und liefert mehrere Zeilen, die auf einzelne Szenen aus der neuen Mad Men-Episode wie zugeschnitten zu sein scheinen. „To watch his woods fill up with snow.“ Der Schnee steht hier stellvertretend für den Tod („das ewige Weiß“), wie auch in Mad Men der Schnee am Ende des Jahres von Don Draper als Anlass genommen wird, über den Tod zu sinnieren. Jedoch wird er dem Tod erst später in die Augen blicken: „The woods are lovely, dark, and deep / But I have promises to keep / And miles to go before I sleep / And miles to go before I sleep.“ Der Schlaf („the big sleep“) steht auch hier wieder stellvertretend für den Tod.

Ob die schwer pubertierende Sally (Kiernan Shipka) sich auch schon Gedanken über den Tod macht? © AMC
Ob die schwer pubertierende Sally (Kiernan Shipka) sich auch schon Gedanken über den Tod macht? © AMC

Dieser ist also omnipräsent in der neuen Folge. Dies gilt nicht nur im übertragenen, metaphysischen Sinne, sondern auch im wortwörtlichen. Bei der Beerdigung von Roger Sterlings (John Slattery) Mutter kommt es gleich zu mehreren Eklats. Zum einen überkommt es Don, als eine ältere Weggefährtin der Verstorbenen über deren unbedingte Liebe zu ihrem Sohn Roger spricht. In Kombination mit der Frage Ken Cosgroves (Aaron Staton) nach seiner Mutter ist dies zu viel der Familienerinnerung für Don. Auf dem Heimweg wird er dann abermals mit dem Tod konfrontiert.

Dort wartet sein freundlicher Concierge darauf, ihn in die Wohnung geleiten zu dürfen. Don jedoch hat andere Pläne. Er fragt Jonesy (Ray Abruzzo) danach aus, wie es denn gewesen sei, zu sterben. Hier wird deutlich, dass es sich in der ersten Episode keinesfalls um eine Traumsequenz gehandelt hat, wie im Review dazu fälschlicherweise vermutet. Don will unbedingt wissen, wie der Tod aussieht. Jonesy kann und will jedoch nicht weiterhelfen: „I guess there was a white light.

Draper ist nicht der einzige auf Sinnsuche. Seine Exfrau Betty (January Jones) entwickelt ein gesteigertes Interesse an der Freundin ihrer Tochter Sally (Kiernan Shipka). Als sie von dieser erfährt, dass Sandy (Kerris Lilla Dorsey) nach New York abgehauen ist, um sich dort angeblich beim renommierten Musikkonservatorium Juilliard einzuschreiben, bricht sie dorthin auf. Nach hartnäckiger Recherche in einem besetzten Haus, inklusive Darreichung hausfraulicher Kochtipps, findet sie heraus, dass Sandy nach Kalifornien weitergezogen ist.

Betty auf New Yorker Abwegen

Betty scheint nicht viel Zeit zu benötigen, um mit diesem Kapitel abzuschließen. Gemeinsam mit Sandys Violinenkoffer entlässt sie auch deren Schicksal aus ihrem Leben. Schließlich warten zu Hause drei verzogene Gören und ein Vorzeigeehemann darauf, gepiesackt zu werden. Immerhin entschließt sie sich dazu, ihre Haare dunkel zu färben, was von Ehemann Henry (Christopher Stanley) mit einem spitzbübischen Kommentar honoriert wird.

Das mit dem Vorzeigeehemann hat Don jedoch noch nicht so ganz begriffen. Wie sich herausstellt, schafft es selbst die lebenslustige und treusorgende Megan (Jessica Paré) nicht, seinen Jagdhunger zu befriedigen. Nach einem intimen und symbolträchtigen Austausch mit seinem Nachbarn Dr. Rosen (Brian Markinson) schlüpft er zu dessen Ehefrau Sylvia (Linda Cardellini) unter die Bettdecke. Der alte Schwerenöter kann's einfach nicht lassen.

Zum Ende der Episode bricht es endlich aus Roger Sterling (John Slattery) heraus. Den genauen Grund erfährt man nicht. © AMC
Zum Ende der Episode bricht es endlich aus Roger Sterling (John Slattery) heraus. Den genauen Grund erfährt man nicht. © AMC

„Schwerenöter“ kommt einem wohl auch zuerst in den Sinn, denkt man über Roger Sterling nach. Während sich dieser bei der Trauerfeier für seine eigene Mutter mehrere Fehltritte leistet, fällt eine Tatsache sofort ins Auge: Sterling scheint absolut kein Gefühl der Trauer zu verspüren. Gegenüber seinem Psychoanalytiker gibt er dies auch offen zu, genau wie die ersten Anflüge einer Depression: „Life - unlike this analysis - will eventually end.

Neben der ständigen Thematisierung des Todes werden auch die üblichen Mad Men-Themen behandelt: Bürodynamik, Ideenwettbewerb, Ehrgeiz, Konkurrenz. Mit leuchtendem Beispiel geht dabei Peggy (Elisabeth Moss) voran, die es selbst in der Silvesternacht ins Büro treibt, um ihren Kunden KOSS, einen Produzenten von Kopfhörern, pünktlich zum neuen Jahr mit einer neuen Idee überraschen zu können.

In der dem Zuschauer altbekannten Agentur Sterling Cooper Draper treibt sich derweil ein neuer Ehrgeizling herum. Bob Benson (James Wolk) lauert diversen Protagonisten im Aufzug oder Flur auf, um sie von seinen Fähigkeiten zu überzeugen. Nachdem er schon Draper und Sterling für sich vereinnahmt hat, stutzt Ken Cosgrove ihn zurecht.

Der Benson-Charakter bleibt etwas chimärenhaft modelliert, verspricht dennoch auf eine undefinierbare Art und Weise Spannung für die kommenden Episoden. Die meisten Zuschauer dürften sich nämlich nach dieser Episode das Gegenteil von Don Draper wünschen: „I want to stop doing this.

Fazit

In der zweiten Episode der sechsten Staffel von Mad Men drängt sich der Tod noch etwas stärker in den Vordergrund. Gleich mehrere Hauptprotagonisten sehen sich dazu gezwungen, sich mit dem ewigen Schlaf auseinanderzusetzen. Don Draper trifft die Sinnkrise dabei am härtesten.

Sein zuvor schon verwendetes Zitat lässt sich auf seine gesamte Existenz ausweiten. Er möchte raus aus seiner Haut, raus aus seinem Leben. Nur: Wohin? Das weiß er selbst wohl nicht so genau. Ähnlich ergeht es Roger Sterling, der zur bitteren Erkenntnis kommt, dass alles im Leben nur auf ein Ende zusteuert: den Tod. Deshalb ist sein Dauerlamento über Familie, Exfrauen und Kinder auch nicht wirklich ernst zu nehmen, zumal er es ständig mit einer kräftigen Prise Ironie unterlegt.

Mit Sterling haben die Autoren einen Charakter geschaffen, der in der neuen Staffel wohl endlich mehr Spielzeit bekommen soll. Das Tolle an ihm ist, dass er zu keinem Zeitpunkt ernsthaft bleiben kann. In ihm steckt das Kind im Manne fest, was er zu Lebzeiten wohl auch nicht mehr wird abschütteln können.

Sterling ist einer der vielen äußerst ambivalenten Charaktere, was in einer Szene besonders deutlich herausgearbeitet wurde. Darin erfährt Sterling vom Tod seines Schuhputzers. Danach bricht er endgültig in Tränen aus. Ob wegen des Schuhputzers oder seiner Mutter, das weiß nur er selbst.

Der tiefschwarze und trockene Humor, der durch solche Szenen durchschimmert, macht wieder einmal deutlich, wie sehr sich das Warten auf die neue Staffel von Mad Men gelohnt hat.

Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 10. April 2013
Episode
Staffel 6, Episode 2
(Mad Men 6x02)
Deutscher Titel der Episode
Auf dem Absprung, Teil 2
Titel der Episode im Original
The Doorway (2)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 7. April 2013 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 23. September 2013
Autor
Matthew Weiner
Regisseur
Scott Hornbacher

Schauspieler in der Episode Mad Men 6x02

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