Lucifer 4x10

Lucifer 4x10

Lucifer meldete sich letzte Woche mit der vierten Staffel zurück. Chloe Decker weiß nun um seine wahre Identität Bescheid und kehrt nach einer kleinen Auszeit nach L.A. zurück, um weitere Fälle zu lösen. Hat sie wirklich keine Probleme, mit dem Teufel zusammenzuarbeiten?

Szenenbild der 4. „Lucifer“-Staffel (c) Netflix
Szenenbild der 4. „Lucifer“-Staffel (c) Netflix
© zenenbild der 4. „Lucifer“-Staffel (c) Netflix

Senderwechsel = Veränderungen?

Als FOX Lucifer letztes Jahr zur Hölle schickte, war die Aufregung groß. Schließlich war der Cliffhanger - als Lucifer (Tom Ellis) seine Teufelsfratze Chloe Decker (Lauren German) zeigte - nicht ohne und ließ mit Spannung erwarten, wie sie damit umgehen würde. Angeblich hatten die Macher diesen Cliffhanger gewählt, um einer Absetzung zu entgehen - denn gewaltige Cliffhanger halten bekanntlich jeden Sender von einer Absetzung ab, oder?

Nein, natürlich nicht. FOX schwang die Axt und das produzierende Studio Warner Bros. Television sah sich nach anderen Abnehmern um und wurde bei Netflix fündig. Eine Seltenheit, denn für gewöhnlich gilt eine abgesetzte Serie als verbrannte Erde (= zu wenig Zuschauer) und ist somit kaum rentabel für andere Parteien. Allerdings gelten für die Streaming-Dienste andere Regeln als für die US-Networks, die fast ausschließlich von der Werbung leben. Ob Lucifer sich allerdings für Netflix lohnt, muss sich erst noch zeigen. Die Bestellung von Staffel vier ist erfreulich, keine Frage, aber erst die Bestellung einer fünften Staffel wird zeigen, ob Netflix mit den Abrufzahlen zufrieden ist.

Um aber doch noch auf den Punkt zu kommen, beinhaltet der Senderwechsel in diesem Fall andere Möglichkeiten für die Serie. Nackte Haut ist beispielsweise kein Problem bei Netflix und auch in Sachen Gewaltdarstellung, etc. können ganz andere Kaliber aufgefahren werden, als es bei den Networks der Fall ist. Insofern ließ sich gut spekulieren, ob der Wechsel zu Netflix eine andere Darstellungsweise hervorruft oder nicht.

Die Antwort ist ein klares „Jein". Es geht in der vierten Staffel tatsächlich ein bisschen freizügiger zu. So dürfen wir im Auftakt Lucifers Popöchen sehen und erhalten später auch eine nackte Rückansicht von Ella Lopez (Aimee Garcia), als sie sich mit Lucy in ein Nudisten-Camp begibt. Ein (weiblicher) Nippel-Alarm bleibt allerdings aus. Auch ansonsten sieht es ähnlich aus. Man orientiert sich tatsächlich an den ersten drei Staffeln und jegliche Änderungen in Sachen „erwachsener" bleiben vergleichsweise marginal. Deutlich sichtbar ist hingegen ein größeres Budget für die zehn Episoden, was aber auch auf die kleinere Episodenanzahl zurückgehen kann. Für mich passt das alles sehr gut zur Serie - besser man bleibt sich treu und lässt Lucy nur hier und dort mal ein Zigarettchen rauchen, als wenn die Reihe plötzlich komplett umgekrempelt wird.

Binge vs. wöchentliche Ausstrahlung

Anderer Sender, andere Sitten. Die vierte Staffel wurde komplett zur Verfügung gestellt und ich bin mir mittlerweile sicher, dass ich in diesem Fall eine wöchentliche Ausstrahlung begrüßt hätte. Mich hat es zwar sehr gefreut, dass der Fokus auf den Figuren liegt und die „kondensierte" Staffel sehr viel Wert darauf legt, die Kriminalfälle mit den Charakteren zu verknüpfen (und zwar nicht nur mit Lucifer, der ja fast immer alle Fälle auf sich bezieht), aber so manche Entwicklung und Wendung ging mir da einfach zu schnell. Während des Bingens ist mir jedenfalls aufgefallen, dass oftmals noch gut und gerne ein bis zwei Episoden hätten eingeworfen werden können, um diverse Dinge sacken zu lassen. Bei einer wöchentlichen Ausstrahlung wäre mir das vielleicht nicht aufgefallen.

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Szenenbild der 4. Lucifer-Staffel
Szenenbild der 4. Lucifer-Staffel - © Netflix

Das wäre dann auch mein größter Kritikpunkt an der Staffel. Viele Entwicklungen geschehen einfach zu schnell und lassen die Frage aufkommen, ob mehr Episoden nicht doch besser gewesen wären. Irgendwas zwischen 13 und 20 und die Staffel wäre perfekt. Ich bin zwar kein Freund von Einzelfällen und interessiere mich mehr für die übergreifenden Handlungen „meiner" Serien, aber in diesem Fall wäre ich tatsächlich auf der Gegenseite.

Neue Figuren

In Sachen Neuzugängen gibt es vornehmlich zwei Namen, die genannt werden müssen und die die Staffel vorantreiben: Graham McTavish als Father Kinley und Inbar Lavi als Eve (genau, die Eva aus Genesis). Da haben die Macher in beiden Fällen einen äußerst guten Fang gemacht, auch wenn ich bei Eve zwischenzeitlich mal leicht genervt war - aber das ist bestimmt mit Absicht geschehen, von daher alles gut.

Father Kinley beschert uns mit seiner Prophezeiung den übergreifenden Handlungsbogen. Für ihn geht es darum, nichts Geringeres als die Apokalypse zu verhindern, wozu er zunächst Chloe einsetzen möchte, die ohnehin anfangs sehr zugänglich für seine Pläne ist. Lucifer legt sich allerdings sehr ins Zeug, demonstriert mehr als einmal seine Opferbereitschaft und gibt ihr seine größte Schwachstelle preis - wenn Chloe in der Nähe ist, ist er verwundbar. Kinley begeht außerdem den großen Fehler, den Fall in Folge drei zu inszenieren, um Lucifer dazu zu bringen, seine Teufelsfratze zu zeigen - womit Kinley sehr eindeutig als Bösewicht gekennzeichnet wird, der über Leichen geht, um sein Ziel zu erreichen.

McTavish spielt seine Rolle hervorragend und darf auch gegen Staffelende, als ein Dämon seinen zur Hölle geschickten Körper trägt, überzeugen. Da wird mal eben eine andere Persönlichkeit gemimt, die uns zum Staffelfinale führt. Denn die Prophezeiung scheint sich zu bewahrheiten, als ein Dämon nach dem anderen die Hölle verlässt - womit unsere Protagonisten, allen voran Lucifer, sich ordentlich ins Zeug legen müssen.

Eve, die uns am Ende der dritten Episode erstmals begegnet, scheint ein wesentlicher Teil der Prophezeiung zu sein und wird uns entsprechend als Lucifers erste Liebe vorgestellt. Sie ist sehr naiv (stellenweise zu naiv) und sehnt sich nach der ersten Versuchung, der sie damals im Paradies erlegen ist (es war also doch kein Apfel...) - außerdem ist sie es leid, im Himmel an Adams Seite zu sein. Die längste Beziehung der (biblischen) Menschheitsgeschichte muss ja auch früher oder später mal nach Abwechslung verlangen. Der wichtigste Punkt ist aber, dass Eve - wie sehr viele unserer bekannten Gesichter auch - auf einer Selbstfindungsreise ist.

Da gilt es zunächst, sich dem Party- und Orgienleben hinzugeben - Abwechslung eben - und mit Lucifer an ihrer Seite meint sie, den richtigen (wieder-)gefunden zu haben. Aber allzu lange soll die Beziehung zwischen den beiden nicht halten und ihr Versuch, Lucifer zurückzugewinnen, führt ebenfalls zum Staffelfinale. Gleichzeitig aber auch zur Erkenntnis, dass die Beziehung zu Lucifer sich nicht wirklich von der Beziehung zu Adam unterscheidet - Eve versucht halt, es ihren Männern recht zu machen, aber kann sich dabei nicht selbst verwirklichen. Ob ihr das in Zukunft noch gelingen wird, bleibt fraglich. Wobei ich gleich anmerken möchte, dass mir Maze (Leslie-Ann Brandt) am Ende sehr leid getan hat - denn ein Happy End mit Eve wäre doch sehr wünschenswert gewesen. „Wonderwall" und so.

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Szenenbild der 4. Lucifer-Staffel
Szenenbild der 4. Lucifer-Staffel - © Netflix

In Sachen neue Figuren sollte Remiel (Vinessa Vidotto) noch erwähnt werden. Deren Auftritte umfassen nur wenige Episoden, aber verdeutlichen, dass der Himmel nicht unaufmerksam ist, wenn ein Engel - in diesem Fall Amenadiel (DB Woodside) - Nachwuchs erwartet. Ich finde es meist nett, wenn die Mythologie um Himmel, Hölle und Erde ein wenig erweitert wird, aber einen allzu großen Eindruck konnte Remiel bei mir jetzt nicht hinterlassen. Ihre Auftritte sind fraglos unterhaltsam, aber letztlich verläuft alles genau so, wie man es erwarten würde. Sie findet heraus, von wem das Kind ist, es kommt zum Konflikt (mit einer netten Kampfeinlage) und Schwups, schon ist sie wieder weg. Da bleiben nur die Zweifel bei Amenadiel, ob Charlie nun auf der Erde oder im Himmel aufwachsen soll. Aber diese Zweifel hätte er auch ohne Remiels Auftritte bekommen können, wie Episode acht gut zeigt - von daher bleibt es fraglich, ob man die Figur Remiel benötigt hätte.

Unsere Protagonisten

Bereits die ersten Szenen, wo uns Lucifer seine Version von Radioheads „Creep" (hier) serviert, haben mich gefesselt und überrascht. Obwohl mir natürlich das hier: „I Will Survive" nicht entgangen ist. Aber das nenne ich mal eine gelungene Darstellung eines Zeitsprungs - anfangs noch volles Haus und gegen Ende des Liedes nur noch Lucy am Piano, der das Lied Abend für Abend singt.

Und die Reise unseres Teufelchens kann sich echt sehenlassen. Wie immer münzt er die Kriminalfälle auf die eigene Person, nimmt Lindas (Rachael Harris) Ratschläge zu wörtlich auf, aber er steht mehr denn je im Fokus der Staffel, was ein klarer Pluspunkt ist. Seine Reise ist es, die die Staffel dominiert und da lässt sich auch ein Auge zudrücken, wenn er sich zwischenzeitlich daneben benimmt - Stichwort: Punisher. Diese Seite von Lucy hat mir tatsächlich nicht gefallen und schon gar nicht, dass er Eve mit zur Arbeit schleppt. Da gingen Zwischendurch einige Sympathiepunkte verloren, die er gegen Ende aber wieder wettmachen kann.

Ein wenig schaudert es mich auch beim Ende. Lucifer auf dem Höllenthron fühlt sich stark nach einem Abschluss an, ohne dass wir erfahren werden, weshalb Chloe so besonders ist. Hoffentlich folgt da noch eine fünfte Staffel - gerne auch als Abschluss und mit der Erklärung, dass die erste Liebe eben nicht zur Apokalypse führt, sondern den Weg zu einer glücklichen Welt ebnet. Das wäre doch mal was.

Bei Chloe hätte ich mir im Staffelverlauf mehr Einsatz für ihre Beziehung zu Lucifer gewünscht. Mit Eves Auftritt wird sie in gewisser Weise auf die zweite Bank verschoben, was mir nicht so recht passen will. Schließlich besinnt sie sich bereits in der zweiten Folge darauf, dass sie Lucy nichts antun kann. Da hätte gerne noch mehr Einsatz von ihr kommen können, ehe das Finale zuschlug.

Dan (Kevin Alejandro) ist derweil ein kleines Problemkind. Der Verlust von Charlotte (Tricia Helfer) macht ihm natürlich zu schaffen, aber dass er Lucy die Schuld dafür gibt und sehr lange Zeit auf Krawall gebürstet ist, fand ich übertrieben. Auch das Verhältnis mit Ella will nicht so recht ins Bild passen. Dem Humor der Serie gegenüber ist es zwar nicht abträglich und mich hat es auch gefreut, dass er wenigstens einen Fall zusammen mit Chloe angeht. Aber unterm Strich fand ich Dans Staffelreise nicht wirklich berauschend. Ähnliches gilt für Ella, die ich wirklich sehr mag (jedes neue T-Shirt gefällt), aber die unterm Strich halt eher auf der Reservebank sitzt. Ihre Glaubenskrise hätte da besser ins Bild gesetzt werden können, auch wenn mir jede Minute mit ihr gefallen hat.

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Szenenbild der 4. Lucifer-Staffel
Szenenbild der 4. Lucifer-Staffel - © Netflix

Amenadiel und Linda (Rachael Harris) sind dagegen eine Wucht. Lindas Schwangerschaft und ihre eigene Unsicherheit über das Baby sind ein toller Aufhänger für die Beziehung zu Amenadiel, der selbst von Zweifeln geplagt ist und bis zuletzt mit sich ringen muss, ob er das Baby nicht lieber im Himmel aufwachsen lässt. Maze mit an Bord zu nehmen und als Teil der Familie zu bezeichnen, ist ein netter Zug von Linda und führt selbstverständlich zu ein paar Komplikationen. Am Ende dürfen Linda und wir auch ein wenig zittern, ob Amenadiel den Sprössling nicht mit in den Himmel genommen hat. Aber wie bei anderen Figuren auch, läuft dieser Handlungsstrang auf das Finale hinaus, wo die Dämonen den himmlischen Nachwuchs an Lucifers Stelle auf den Höllenthron setzen wollen - denn nur ein Engel kann da unten regieren.

Zuletzt sei noch angemerkt, dass es in dieser Staffel gerne mehr von Trixie (Scarlett Estevez) hätte geben können. Sie erhält zwar gelungene Auftritte, aber ist mir insgesamt nicht präsent genug. Für eine fünfte Staffel bitte wieder mehr von ihr.

Finale

In Who's da New King of Hell ? läuft - wie oben bereits angemerkt - so ziemlich alles zusammen. Die Reise aller Figuren erreicht ein vorläufiges Ende und die Handlungsstränge werden zusammengeflochten. Insgesamt bin ich da sehr beeindruckt, wie gut den Machern das gelingt. Es ist allerdings auch ein bittersüßes Ende, welches uns da präsentiert wird. Denn abgesehen von Linda und Amenadiel gibt es kein Happy End.

Chloe und Lucifer dürfen sich zwar ihre Liebe gestehen, aber da er zurück in die Hölle muss (diese blöde Prophezeiung), folgt direkt die Trennung - womit beide Figuren wieder allein sind. Eves weiterer Werdegang bleibt fraglich, Maze erhält von ihr einen Korb und kann sich damit in die Reihe der zerbrochenen Herzen eingliedern - was umso tragischer ist, da Maze von Eve nicht verlangt, sich für sie zu verändern. Die letzten Szenen von Dan und Ella vermitteln derweil auch eine Art Abschluss - Ella legt ihr Kreuz wieder an und Dan scheint seinen Frieden in Sachen Charlotte zu finden.

Fazit

Die vierte Staffel Lucifer weiß insgesamt schon gut bis sehr gut zu gefallen. Der stärkere Fokus auf die Figuren bei kleinerer Episodenanzahl ist auf jeden Fall eine gute Sache, auch wenn ich nicht mit jedem Werdegang ganz glücklich bin. Auch gehen mir einige Dinge zu schnell vonstatten, was diverse Wendungen, Figuren oder Storyelemente angeht. Aber das Herz der Serie ist noch immer am rechten Fleck, der Humor weiterhin vorhanden, das Drama zum Mitfühlen und die Staffelreise sehr unterhaltsam gestaltet. Von mir gibt es jedenfalls vier von fünf Sternen und die große Hoffnung, dass Staffel fünf noch kommt.

Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 14. Mai 2019
Episode
Staffel 4, Episode 10
(Lucifer 4x10)
Deutscher Titel der Episode
Wer ist der neue Höllenfürst?
Titel der Episode im Original
Who's da New King of Hell ?
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 8. Mai 2019 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 9. Mai 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 9. Mai 2019
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 8. Mai 2019
Autor
Ildy Modrovich
Regisseur
Eagle Egilsson

Schauspieler in der Episode Lucifer 4x10

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