Lucifer 2x10

Lucifer 2x10

Die Episode „Quid Pro Ho“ erntet fast all die Früchte, die bisher in der zweiten Staffel Lucifer gesät wurden. Das Resultat ist eine höchst unterhaltsame Folge, die die Rahmenhandlung mit schnellen Schritten vorantreibt.

Warten gespannt auf das Urteil: Chloe (Lauren German), Mama Penelope (Rebecca De Mornay) und Lucifer (Tom Ellis) / (c) FOX
Warten gespannt auf das Urteil: Chloe (Lauren German), Mama Penelope (Rebecca De Mornay) und Lucifer (Tom Ellis) / (c) FOX

Das Ende von Homewrecker, der letzten Episode von Lucifer, bot einen Cliffhanger, der zu Beginn dieser Episode eigentlich nur enttäuschen konnte: Charlotte (Tricia Helfer) war kurz davor Chloes Wagen (Lauren German) in die Luft zu jagen. Doch das allgemeine Seriengesetz verbietet den Tod einer Hauptfigur, insofern man nicht gerade Game of Thrones oder The Walking Dead heißt. Die Frage war also nur, wie Lucifers (Tom Ellis) Lieblingsdetective dem Sensenmann ein Schnippchen schlagen kann. Und ja, diese Auflösung enttäuscht etwas.

He Killed Uriel

Der heimliche Retter Chloes ist Amenadiel (DB Woodside), der Charlotte in letzter Sekunde aufhält und ihr erklärt, dass Lucifer nur schwer über Chloes Tod hinwegkommen würde. Und hoffte man noch, dass die Mutter aller Dinge nun endlich zu dem Bösewicht werden würde, der sie offenbar in der Staffel sein soll, dann wird man auch hier - zunächst - wieder bitterlich enttäuscht. Denn sofort lässt sie von ihren Mordplänen ab, die - mal wieder, gähn - auf ihrem Unverständnis beruhen.

Gar nicht erfeut über den Mordversuch: Lucifer (Tom Ellis) © FOX
Gar nicht erfeut über den Mordversuch: Lucifer (Tom Ellis) © FOX

Auch wenn sich ihr großer Plan im weiteren Verlauf der Episode als deutlich überlegter herausstellt, bleibt der Charakter Charlotte nach wie vor das größte Problem der Serie. Denn bis auf „Ich will in den Himmel“ und „Ich verstehe Menschen nicht“, haben wir immer noch keine hervorstechende Charakterisierung der Figur. Auch wenn die Triebfeder dieser Episode zu deren schlechtester Seite gehört, ist das diese Woche glücklicherweise jammern auf hohem Niveau.

Denn mit „Quid Pro Ho“ präsentiert uns „Lucifer“ die seit langem beste Folge der Serie. Und tatsächlich schaffen es die Autoren, viele lose Handlungsfäden in einer einzigen Episode zu bearbeiten. Das liegt möglicherweise daran, dass zunächst nur 13 Episoden für die zweite Staffel der Serie geplant waren, tut dem Format aber ungemein gut.

Emotional Jockstrap

Dabei nimmt der Fall der Woche und dessen Auflösung diesmal wirklich kaum Platz ein, und das ist auch gut so. Der verwirrende Mord an Chloes Vater durch Gefängnischef Perry Smith (Alex Fernandez) ist nichts, worüber man sich länger den Kopf zerbrechen sollte und macht von vorne bis hinten quasi keinen Sinn. Dazu kommt noch, dass man dem Mann die Rolle des bösartigen Masterminds, der jetzt auch noch verschiedene Verbrechersyndikate gegeneinander ausspielt, in keiner Sekunde abkauft.

Die Überraschung der Woche: Das Team aus Ella (Aimee Garcia) und Douche (Kevin Alejandro) © FOX
Die Überraschung der Woche: Das Team aus Ella (Aimee Garcia) und Douche (Kevin Alejandro) © FOX

Und so bietet der Kopf eines toten Russen und die Aufklärung seines Mordes vor allem eines: Eine Ausrede für all die amüsanten Szenen, die wir in der Episode finden. Wir sehen in dieser Woche gleich zu Beginn eine neue Figurenkonstellation, die überraschend gut funktioniert und die die Autoren unbedingt beibehalten sollten. Eines der Teams, die sich mit dem Mordfall befassen, besteht aus Ella (Aimee Garcia) und Detective Douche (Kevin Alejandro), die sofort eine hervorragende Chemie entwickeln und wirken, als wären sie schon lange beste Freunde.

Aber auch ohne Ella schafft es die Episode wieder, den Detective wieder sinnvoll in die Handlung einzubinden. Seine zahlreichen Ausrutscher mit Charlotte bringen die Verhandlung von Daddy Deckers Mörder gehörig ins Wanken, weswegen er wie ein Besessener versucht, andere Beweise gegen den Deputy Warden zu finden. Dabei zahlt er am Ende der Episode auch einen moralischen Preis, denn er sorgt durch einen Anruf bei den Russen für den beinahe sicheren Tod von Perry Smith. Schade ist jedoch, dass es Maze (Lesley-Ann Brandt) ist, die ihn hierzu anstiftet und nicht Lucifer selbst. Das wäre eine Chance für Lucifer gewesen, endlich mal wieder etwas Kante zu zeigen und das gemeinsame Geheimnis hätte die Chemie zwischen den beiden sicher verändert. Doch wie gesagt: Das ist Jammern auf hohem Niveau.

Apropos Maze: Auch sie bekommt in dieser Folge mal wieder einiges zu tun. Denn die charakterstarke Dämonin beweist wieder einmal, dass sie in manchen Dingen allen anderen voraus ist. So wusste sie von Anfang an, von Detective Douches Beziehung zu Charlotte und ahnte auch, dass Lucifers und Amenadiels Mutter nichts Gutes im Schilde führt.

She's Angry

Besonders schlimm bekommt es in dieser Woche jedoch Amenadiel ab, der versucht die Dämonin hinters Licht zu führen. Nicht nur das, er spielt ihr auch noch kurzzeitig vor nur wegen ihr an der Wohnung von Chloe und Maze vorbeizuschauen und nicht, um die Autobombe zu finden, die Charlotte an Chloes Auto versteckt hat. Klar, dass Maze das nicht auf sich sitzen lässt und die Bombe stattdessen nutzt, um Amenadiels Gefährt in die Luft zu jagen.

Der komödiantische Höhepunkt der Woche: Amenadiel (DB Woodside) mit den Resten seines Autos © FOX
Der komödiantische Höhepunkt der Woche: Amenadiel (DB Woodside) mit den Resten seines Autos © FOX

Und auch wenn das Bild des baffen Engels auf Lindas (Rachael Harris) Couch der wohl witzigste Moment dieser Episode ist: Bitte, liebe Autoren, lasst die Beziehung zwischen dem Engel und der Dämonin ruhen. Die beiden haben für mich keinerlei Chemie und ich möchte Maze als taffe Dämonin sehen und nicht als love interest eines Engels.

Wenn Mazikeen eins gut kann, dann ist es Ärsche treten, was uns zu einem weiteren Highlight der Woche führt: dem Kampf zwischen ihr und dem chinesischen Gangster Kang (Don Lew). Hier darf die neuerliche Kopfgeldjägerin mal wieder zeigen, dass ihr kein Mensch das Wasser reichen kann, auch wenn mal wieder nicht ganz klar ist, ob die Dämonin jetzt auch übernatürliche Kräfte hat oder „nur“ sehr gut kämpfen kann. Und eigentlich hätte ich auch gerne wieder Lucifer dabei zugesehen wie er jemanden vermöbelt, ist er in den vergangenen Episoden doch sehr weich geworden. Aber auch hier: Jammern auf hohem Niveau.

Und mit Lucifer kommen wir zum wohl entscheidendsten Teil der Episode: der Beziehung zwischen dem Teufel und Chloe. Und die wird in dieser Woche gehörig auf die Probe gestellt. Wir erinnern uns: Zum Ende der letzten Episode ließ Lucifer den Detective im Restaurant sitzen, nachdem ihm seine wahren Gefühle für sie klar wurden. Glücklicherweise bedeutete dies jedoch nicht, dass wir nun erst einmal fünf Episode warten dürfen, bis Chloe ihm vergibt, wie ich schon befürchtet hatte. Sie ist zwar höchst ungehalten, doch die Gerichtsverhandlung des wahren Mörders ihres Vaters bietet Lucifer Gelegenheit, sie und ihre Mutter zu unterstützen.

Nothing but the Truth, so help me Dad

Und um den Mörder trotz der unfreiwilligen Abwesenheit eines Zeugen zu überführen, setzt sich der Teufel selbst in den Zeugenstand und bezirzt in einer großartigen Szene nicht nur die Jury und den Zuschauerraum, sondern sichtlich auch die vorsitzende Richterin. Das lässt Charlotte natürlich nicht auf sich sitzen und ersinnt einen Plan der, bei aller Schwäche ihres Charakters, wirklich überzeugt. Denn alles was Chloe tun muss um Deputy Warden Smith zu einem Geständnis zu bewegen, ist Lucifer als Lügner zu bezeichnen.

Es ist nicht überraschend, dass die getriebene Polizistin die kleine Notlüge nutzt, um Gerechtigkeit für ihren Vater zu erlangen. Hier wusste ich selbst kurz nicht, wie sich Chloe entscheiden würde. Folglich kann ihr emotionales Geständnis so seine volle Wirkung entfalten. Lucifer ist ihr also wichtiger, als den Mord an ihrem Vater zu sühnen, und Chloe war Lucifer wichtiger als das Leben seines Bruders. Eine gute Grundlage für ein Entschuldigungsdinner, das überraschend früh zu dem Kuss führt, auf den der geneigte Shipper seit Episode 1 wartet - fast.

Bitte keine Unterbrechung in letzter Sekunde: Der Kuss zwischen Lucifer (Tom Ellis) und Chloe (Lauren German) © FOX
Bitte keine Unterbrechung in letzter Sekunde: Der Kuss zwischen Lucifer (Tom Ellis) und Chloe (Lauren German) © FOX

Und nicht nur das, auch um die Identität der Polizistin gibt es endlich erste Enthüllungen. Denn Amenadiel erkennt Chloes Mutter (Rebecca De Mornay) wieder, der er vor 35 Jahren trotz Unfruchtbarkeit ein Kind geschenkt hat - in Gottes Auftrag. Das wirft spannende Fragen auf, die anscheinend auch Charlotte interessieren. Ob Amenadiel Lucifer davon berichten wird, bleibt mit Spannung abzuwarten.

Fazit

„Quid Pro Ho“ hat endlich wieder alle Stärken, die „Lucifer“ ausmachen. Klar, der Mord an Chloes Vater macht immer noch keinen Sinn und Lucifer hat einige Chancen verpasst, endlich mal wieder etwas mehr badass zu sein. Doch zahlreiche gute Szenen und Charaktermomente, auch abseits von Lucifer und Chloe (Mehr Douche und Ella bitte!), machen diese Schönheitsfehler größtenteils wieder wett. Und dann ist da auch noch das - endlich einmal - rasante Fortschreiten der Haupthandlung. Hier hat die Serie sich die hohe Wertung der Episode redlich verdient. Doch eines noch: Sollte der Kuss zwischen Chloe und Lucifer in letzter Sekunde unterbrochen werden, dann gibt es rückwirkend einen halben Stern weniger, wegen übertriebener Klischeehaftigkeit.

Verfasser: Benedikt Pichl am Dienstag, 29. November 2016

Lucifer 2x10 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 10
(Lucifer 2x10)
Deutscher Titel der Episode
Ich lüge nicht
Titel der Episode im Original
Quid Pro Ho
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 28. November 2016 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 11. August 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 11. August 2017
Autoren
Ildy Modrovich, Julia Fontana
Regisseur
Nathan Hope

Schauspieler in der Episode Lucifer 2x10

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