Lucifer 1x13

Im Januar startete in den USA eine höchst vergnügliche kleine Serie auf FOX, in der der gelangweiligte Lucifer (Tom Ellis) höchstpersönlich auf die Erde kommt, weil er von seinen Aufgaben als Höllenfürst die Nase gestrichen voll hat. Ob, oder besser: Warum es sich lohnt, die 13 Episoden der ersten Staffel mit ihm durch den Sündenpfuhl Los Angeles zu streifen, das möchte ich Euch auf den folgenden Seiten erklären.
Eines gleich einmal vorweg: Lucifer wurde anfangs als Comicadaption angepriesen. Ursprungsmaterial hierfür ist die „Lucifer“-Comicbuchserie des brillanten „Sandman“-Schöpfers Neil Gaiman. Wer nun allerdings auf einen ähnlichen Ton, eine ähnliche Geschichte oder überhaupt irgendeine größere Verbindung zu „Lucifer“ hofft, der wird bitter enttäuscht sein - bis auf die Prämisse des in LA residierenden Teufels haben Serie und Comic nichts gemeinsam. Wer sich mit diesen Einschränkungen abfinden kann, der wird allerdings trotzdem mit einer sehr kurzweiligen Serie belohnt.

Worum geht's?
Wie bereits erwähnt, ist dem Teufel fade, er hat genug von seiner eintönigen Tätigkeit. Deshalb lässt er sich als Besitzer des Nachtclubs „Lux“ unter dem Namen Lucifer Morningstar in LA nieder. Doch als eine junge Sängerin in seinen Armen erschossen wird, hilft er der ermittelnden Beamtin Chloe Decker (Lauren German) dabei, den Mord aufzuklären.
Lucifer wird daraufhin noch in weitere Morde verstrickt und langsam, aber sicher werden er und Decker zu einem guten Team. Doch irgendetwas stimmt mit ihr nicht, denn sie ist die einzige, die Lucifers Fähigkeiten widerstehen kann. Dazu machen auch noch Lucifers rechte Hand Mazikeen (Lesley-Ann Brandt) und sein himmlicher Bruder Amenadiel (D. B. Woodside) Probleme, die den Herrscher der Hölle lieber wieder auf seinem Thron sehen würden.
Sympathy for the Devil
Lucifer steht und fällt sicher mit der eigenen Einstellung zu Hauptdarsteller Tom Ellis. Während er in der Redaktion nicht nur Befürworter hat, fand ich schon die Absetzung von Rush jammerschade, in der er einen Privatarzt für die Reichen und Schönen in Hollywood spielte. Und auch in „Lucifer“ ist es mir einfach eine wahre Freude, dem grundsympathischen Briten zuzusehen, dem die Rolle des liebenswerten Playboys wie auf den Leib geschneidert ist.
Wenn Lucifer etwa herausfinden muss, dass seine Identität von einem Hochstapler gestohlen wurde, der vor allem seine sexuelle Reputation in Mitleidenschaft zieht, dann spielt Ellis als ernsthaft geschockter und beleidigter Teufel ganz groß auf.
Doch auch einige emotionale Akzente weiß die Serie zu setzen: Etwa, als Lucifer versucht, zum wiederholten Male Detective Decker zu verführen und dabei die spätestens seit How I Met Your Mother allseits beliebte Naked-Man-Taktik anwendet. Dabei bemerkt jedoch Decker die Narben der abgeschnittenen Flügel auf seinem Rücken und es kommt zu einem der leider zu seltenen ehrlichen Momente zwischen den zwei ungleichen Partnern.

The Devil's in the Detail
Leider hat das Format auch Schwächen. Während die Serial-Elemente mit der Geschichte um die mysteriöse Immunität Chloes sowie die Vaterprobleme Lucifers durchweg unterhalten können, sind die Fälle der Woche meist nicht so ganz das Gelbe vom Ei. Zieht das Erzähltempo der Serie gerade in den letzten Folgen noch einmal kräftig an, dümpelt man sich anfänglich leider etwas ereignisarm durch die durchschnittlichen Procedural-Elemente.
Auch der irdische Handlungsbogen um Deckers ungelösten Mordfall an ihrem Kollegen Malcolm (Kevin Rankin) zieht sich etwas, zumindest, bis er mit dem übernatürlichen Bruderkrieg zwischen Lucifer und Amenadiel verknüpft wird und dadurch deutlich an Fahrt aufnimmt.
Fragwürdig ist auch die Darstellung des Teufels, die einen doch manchmal die Augenbrauen hochziehen lässt. War unser Lucifer vor der Serienhandlung der - naja - sprichwörtliche Teufel höchstpersönlich, versucht die Serie zwanghaft, jeden einzelnen Sympathiepunkt für Lucifer auszuspielen. Wenn jemand kein böser, sondern wirklich ganz ganz böser Bube ist, darf der Höllenfürst a. D. nicht einmal ein bisschen die Hand anlegen und wartet meist brav auf die Polizei. Da hätte ich mir etwas mehr Mut zur Kontroverse gewünscht und dazu, Lucifer zumindest einmal ein bisschen bösartiger dastehen zu lassen. Denn der Teufel als liebenswerter good guy ist doch etwas fade.
Auch die Kräfte, über die Lucifer verfügt, sind für einen gefallenen Engel und Anführer einer Rebellion gegen Gott persönlich doch sehr unterentwickelt. Außer bestimmten Personen in wenigen - zugegeben: sehr unterhaltsamen - Momenten seine wahre Gestalt zu enthüllen, kann er sie nur dazu bringen, ihm ihre größten Sehnsüchte zu offenbaren. Ach ja: Wenn vom Plot gerade gewünscht, ist er auch noch übermenschlich stark. Mit solch lahmen Fähigkeiten würde ich persönlich ja nicht gegen einen allmächtigen Schöpfergott antreten...

Dafür überzeugen ein durchweg sympathischer Cast, der sichtlich Spaß an seinen Charakteren hat. Besonders die übernatürlichen Charaktere Mazikeen und Amenadiel stechen hier hervor, aber auch Rachael Harris als leicht sexsüchtige Psychologin weiß durchweg zu gefallen.
Fazit
Bei „Lucifer“ handelt es sich um eine überaus unterhaltsame Serie, die perfekte locker-seichte Sommerunterhaltung bietet. Zwar haben sich in der ersten Staffel noch einige Schwächen eingeschlichen, doch ich freue mich schon darauf, wenn Lucifer nächstes Jahr auf die Bildschirme zurückkehren wird und sein Potential dann vielleicht voll ausschöpft. Ein Verringern der Procedural-Elemente und eine etwas kontroversere Darstellung Lucifers könnten hier wahre Wunder wirken. In diesem Sinne: „Hail Satan!“
Verfasser: Benedikt Pichl am Samstag, 23. Juli 2016Lucifer 1x13 Trailer
(Lucifer 1x13)
Schauspieler in der Episode Lucifer 1x13
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