Iron Fist 2x01

Iron Fist 2x01

Die zweite Staffel von Iron Fist kann die enttäuschende erste zwar mit Leichtigkeit hinter sich lassen, wirklich überzeugend gestalten sich die neuen Folgen der Marvel-Serie jedoch nicht. Der größte Schwachpunkt ist und bleibt der zentrale Held der Geschichte, von dem weiterhin wenig bis gar kein Reiz ausgeht.

„Iron Fist“ (c) Netflix
„Iron Fist“ (c) Netflix
© ??Iron Fist“ (c) Netflix

Diese Kritik bezieht sich auf die ersten sechs Episoden der zweiten Staffel von „Iron Fist".

Was hat die erste Staffel von Iron Fist im letzten Jahr nicht ihr Fett wegbekommen! Von allen Seiten wurde auf die Martial-Arts-Comicserie aus dem Hause Netflix eingeprügelt, auch wir haben uns bei der harschen Kritik gegenüber dem Titel nicht gerade zurückgehalten. Aber nicht nur in der Presse, auch die allgemeine Zuschauerschaft und die vielen gespannten Fans der Comicvorlage wurden bitter enttäuscht. Eine furchtbar schleppende Erzählung, ein nerviger und unsympathischer Hauptcharakter, lachhafte Kampfsequenzen - die Mängelliste könnte man munter weiterführen. Gleichzeitig versucht man vergeblich, sich an die wenigen positiven Aspekte (eigentlich nur ein einziger: Colleen Wing) der ersten Staffel zu erinnern.

Um ein weiteres Fiasko zu vermeiden, hat man im Vorfeld der zweiten Staffel von „Iron Fist“ nicht nur an einigen Stellschrauben gedreht, man hat geradezu ganze Maschinenteile ausgetauscht. Scott Buck, Chefautor und Showrunner der ersten Staffel, hat seinen Hut genommen (der Scott Buck, auf dessen Kappe auch der kolossale ABC-Flop Inhumans geht) und wurde von M. Raven Metzner ersetzt, der ein eher unbeschriebenes Blatt ist. Metzner war bisher als Produzent an Serien wie Sleepy Hollow, Falling Skies und Heroes: Reborn beteiligt und hat 2005 das Drehbuch zum Film „Elektra“ beigesteuert, womit sich der Kreis zu seiner jetzigen Beschäftigung im Marvel-Serienuniversum schließt.

Jeph Loeb, der die TV-Sparte von Marvel leitet, hat mit der Verpflichtung von Metzner sofort klargestellt, was für eine große Leidenschaft für das Martial-Arts-Genre in dem neuen Showrunner brennt, dass dieser ein Experte auf diesem Gebiet ist und er deshalb eine hervorragende Besetzung für den Posten sei. Einem Problem der Serie - die unsäglichen Kampfchoreografien - kann man so eventuell entscheidend entgegenwirken, für ein anderes hat man sich ebenfalls etwas einfallen lassen. Die zweite Staffel von „Iron Fist“ umfasst nicht die gewohnten 13, sondern „nur" zehn Folgen. Ja, wirklich! Unsere Gebete wurden erhört!

Diesen Kritikpunkt haben sich schon Daredevil, Jessica Jones und Luke Cage, aber auch viele andere Netflix-Serien gefallen lassen müssen: die viel zu langen Staffeln, die sich ab einem gewissen Punkt einfach nur noch schrecklich hinziehen. Dafür mag es Gründe geben. Aber bei allem Verständnis: Anstrengend ist es dennoch. Was kann man nun also von den neuen Folgen von „Iron Fist“ erwarten? Bessere Kampfszenen? Eine packende, eine sich weniger wie Kaugummi hinziehende Erzählung? Ein Finn Jones, der sich etwas besser an seine Rolle und den Charakter gewöhnt hat, wovon man schon erste, positive Anzeichen in der zweiten Staffel von „Luke Cage“ gesehen hatte? Dort war Danny Rand als Nebenfigur immerhin kurz in Erscheinung getreten.

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Forget it, Felix. It's „Iron Fist"...

Die zweite Staffel, von der uns im Vorfeld die ersten sechs Episoden zur Verfügung gestellt wurden, hat keinerlei Probleme damit, die Qualität der ersten zu übertreffen - was jetzt aber auch kein wirklich großes Kunststück ist. Tatsächlich beginnt die Geschichte um Danny und seine Freundin Colleen (Jessica Henwick) recht vielversprechend: Nach den Ereignissen in der Eventserie The Defenders tritt Danny Rand nun ein Stück weit in die Fußstapfen von Matt Murdoch, dem er versprochen hat seine Stadt vor Unheil und finsteren Mächten zu beschützen. Allen voran in Chinatown steppt der Bär, kämpfen hier doch die Triaden um die Vormachtstellung, wer hier Drogen, Waffen und allerlei andere fragwürdige Güter verticken darf.

Doch die Gefahr geht nicht nur von skrupellosen Gangsterbanden aus. Dannys alter Kampfesbruder und Konkurrent Davos (Sacha Dhawan) hat den Traum von der „Immortal Iron Fist" noch nicht aufgegeben und will Danny ans Leder. Dafür schließt er sich wiederum mit Joy Meachum (Jessica Stroup) zusammen, die ebenfalls noch ein Hühnchen mit ihrem alten Kindheitsfreund zu rupfen hat. Joys Vendetta richtet sich jedoch nicht allein gegen Danny, auch auf ihren Bruder Ward (Tom Pelphrey) ist sie nicht wirklich gut zu sprechen, nachdem er ihr jahrelang vorenthalten hat, dass ihr Vater noch beziehungsweise wieder am Leben gewesen ist. Es gilt also, eine Handvoll Familienstreitigkeiten aus der Welt zu schaffen, während in der geheimnisvollen Mary (Alice Eve) ein neuer Charakter die Szenerie betritt, deren wahre Motive nicht so leicht zu durchschauen sind.

Es dauert nicht lange, da wartet die zweite Staffel von Iron Fist mit der ersten, wuchtigen Kampfszene auf, in der Danny seine glühende Faust schwingen darf und mit ein paar Schurken den Boden aufwischt. Die Konfrontation fühlt sich real und nicht so trügerisch inszeniert an, wie es noch in der ersten Staffel immer wieder der Fall war. In der Folge zeigt sich, dass die Kampfchoreografien sich wahrlich verbessert haben. Die Kämpfe gestalten sich runder, die Schläge und Tritte haben eine spürbare Wirkung, die Kamerafahrten sind dynamischer und der Schnitt nicht mehr so verwirrend und wild. Finn Jones hat ein paar Extraschichten eingelegt und scheint besser auf seine Rolle vorbereitet zu sein als zuvor. Jessica Henwick, die bereits in der ersten Staffel ihre Fähigkeiten überzeugend unter Beweis gestellt hatte, macht indes genau da weiter, wo sie aufgehört hat und bleibt eine absolute Bank.

Auch die Idee, die Handlung in Chinatown zu platzieren und die dortigen Machtkämpfe zwischen verschiedenen verfeindeten Fraktionen zu beleuchten, klingt spannend. Ähnlich wie in „Luke Cage“, wo wir uns hauptsächlich in Harlem bewegen, kann man so auf die spezifischen Merkmale und die Subkultur eines New Yorker Stadtteils eingehen, was wiederum gut zur Comicvorlage und den asiatischen Einflüssen des Ausgangsmaterials passt. Doch dieses kleine Hoch ist nur von kurzer Dauer. Denn leider widmet sich die zweite Staffel von „Iron Fist“ recht schnell wieder einzig und allein Danny und seinem Konflikt mit dem eifersüchtigen, von Rache angetriebenen Davos, was langweiliger nicht sein könnte...

Über ein paar Rückblicke sehen wir, wie sie beide gemeinsam in dem mittlerweile zerstörten K'un-Lun trainiert und um den Titel der „Immortal Iron Fist" gekämpft haben. Die Szenen wirken ein Stück weit lächerlich, aber gut, das kann man der Serie noch durchgehen lassen. Dass die Verantwortlichen wiederum glauben, dass Danny Rands Lebensgeschichte wirklich interessant ist und aus seiner Fehde mit Davos eine packende Geschichte gemolken werden kann, verwundert dann doch. Die Hauptfigur ist nach wie vor das schwächste Glied im ganzen Ensemble, was nicht nur an seinen teilweise sehr seltsamen Entscheidungen liegt, sondern auch daran, dass der Charakter schlichtweg unglaublich öde ist. Man interessiert sich einfach nicht für ihn, so hart das auch klingt, und findet keinen richtigen Zugang zu dieser Figur. Man möchte dieses Problem ja nicht einmal allein an Finn Jones festmachen, der sich auf einem soliden Niveau eingependelt hat. Es wirkt eher so, als würde man immer noch nicht wissen, was man mit der Figur Danny Rand aka Iron Fist anstellen und wie man für diese eine sehenswerte Geschichte entwickeln soll.

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Daughters of the Dragon

Danny Rand steht aber nicht allein auf weiter Flur, wenn es uninteressante Charaktere in Iron Fist geht. Egal, was auch immer sich in den einzelnen Folgen ereignet, zu oft entsteht der Eindruck, dass es doch eigentlich völlig belanglos ist, was da gerade passiert. Die Motivation der Charaktere (hauptsächlich Rache, weil Rache immer einen grundsoliden Motivator darstellt) ist simpel, die Umsetzung zwar nicht furchtbar dilettantisch, dafür aber letztlich sehr trivial und extrem vergessenswert. Als Zuschauer wird man kaum involviert, die Probleme der unterschiedlichen Figuren sind nur selten greifbar und so merkt man selbst bei einer verkürzten Staffel, dass sich rasch unangenehme Längen ergeben und viele Szenen aus irgendeinem Grund eine Daseinsberechtigung erhalten haben, obwohl sie nichts aussagen.

Es ist ja nicht so, als würde man an gewissen Stellen nicht durchaus verstecktes Potential erkennen. Bei dem großen Familiendrama, das sich zwischen Joy (sehr giftig von Jessica Stroup gespielt), Ward (überraschend emotional von Tom Pelphrey wiedergegeben, was sich bereits am Ende der letzten Staffel angedeutet hatte) und auch Danny entspinnt, merkt man den Charakteren tatsächlich sogar etwas Tiefe an. Die Ansätze stimmen, doch es fehlt der letzte Schritt, komplexe Themen auch richtig anzugehen. Dafür hat man wiederum einen Narren an Davos gefressen, der schmallippige, stoische Kampfmönch, der in den „Iron Fist“-Comics den Beinamen „Steel Serpent" trägt. Allein die Theatralik des Charakters kann einen auf die Probe stellen, doch das größte Problem an dieser Figur ist leider, dass kein Charisma von Schauspieler Sacha Dhawan ausgeht. Seine Darbietung ist extrem trocken, als zentraler Bösewicht lässt er einen komplett kalt, selbst wenn er in den Kämpfen ordentlich abliefert. Als überzeugende Bedrohung nimmt man ihn dennoch nie wirklich war.

Weitaus mehr Reiz geht da schon von Neuzugang Alice Eve aus, die die bekannte Comicfigur Mary Walker aka Typhoid Mary aka Bloody Mary spielt. Diese Figur findet sich normalerweise im Dunstkreis von Matt Murdock wieder, wurde für „Iron Fist“ jedoch ein wenig zweckentfremdet. Sie bringt durchaus etwas Abwechslung rein, stellt einen in mehrfacher Hinsicht vielschichtigen Charakter dar und spielt darüber hinaus ein interessantes Zünglein an der Waage. Ohnehin sind es die Frauen der Serie, die einen am ehesten hinter dem Ofen hervorlocken können und von deren Geschichten und Abenteuer man mehr sehen möchte. Für Colleen deutet sich am Anfang der Staffel ein eigener, sehr persönlicher Handlungsstrang an, der dann bis zur sechsten Episode jedoch leider keine Rolle mehr spielt, was sich aber ja in der zweiten Staffelhälfte noch ändern könnte. Sobald dann Simone Missick in ihrer Rolle als taffe Polizistin Misty Knight auf den Plan tritt und sich mit Colleen zusammenschließt, weiß man sofort, was man eigentlich möchte: eine Soloserie über diese beiden Charaktere, wie sie der Kriminalität den Kampf ansagen!

Dieses Duo ist einer der wenigen Gründe, „Iron Fist“ in seiner zweiten Staffel die Treue zu halten. Henwick und Missick verfügen über eine hervorragende Chemie und wissen in ihren gemeinsamen (Kampf-)Szenen mehr als nur zu gefallen. Die noble Colleen, die das Herz am rechten Fleck trägt und kein Problem damit hat, auch mal auf den Putz zu hauen, bildet zusammen mit Misty, die sich nie einen Bären aufbinden lässt und ihre coole Besonnenheit auf Knopfdruck in gnadenlose Härte umwandeln kann, ein fantastisches Team. Immer, wenn die Handlung zu diesen beiden springt, ist sofort mehr Druck auf dem Kessel, man fiebert mit den Figuren mit und freut sich, wenn sie Fortschritte bei ihren Ermittlungen machen. Geht es dann wieder zurück zum zentralen Plot, fällt die Spannung zumeist wieder ab und man watet erneut durch fade Dialoge, die so gerne so bedeutsam sein würden, es aber nicht sind.

Vielleicht wird das am Ende die große Lektion von Iron Fist sein: Eine Serie über die unsterbliche Eisenfaust aus dem sagenumwobenen K'un-Lun soll einfach nicht sein, zumindest nicht unter den Parametern, die von Marvel und Netflix aufgestellt wurden. Vielleicht sollte man den Schlussstrich ziehen und den Damen dieser Serie das Feld überlassen. Das starke Zusammenspiel von Colleen Wing und Simone Missick schreit förmlich nach einer „Daughters of the Dragon“-Serie, beide Charaktere sind weitaus interessanter als ihre männlichen Kollegen und bereiten den Zuschauern vor allem auch eine ganze Menge Spaß, wenn man sie denn mal machen lässt. Soll Danny Rand doch weiter als Umzugshelfer in New York arbeiten. Die Stadt ist bei Colleen Wing und Misty Knight in guten Händen.

Trailer zur zweiten Staffel von „Iron Fist":

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 7. September 2018

Iron Fist 2x01 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 1
(Iron Fist 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Der Zorn von Iron Fist
Titel der Episode im Original
The Fury of Iron Fist
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 7. September 2018 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 7. September 2018
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 7. September 2018
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 7. September 2018
Autor
M. Raven Metzner
Regisseur
David Dobkin

Schauspieler in der Episode Iron Fist 2x01

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