Heroes: Reborn 1x13

Mit dem Staffelfinale Project Reborn verabschiedet sich das Reanimationsprojekt rund um die Superheldenserie Heroes wieder. Dabei bekommen wir auch im Finale die gleichen Bruchteile serviert, die bereits die gesamte Staffel durchzogen haben. Jedoch lÀsst es sich die Serie nicht nehmen, zum Ende hin noch einen kleinen Cliffhanger einzubauen, der nur leider durch die bereits bekanntgegebene Absetzung an Bedeutung verliert.
I'm just a gamer
Nun sollen also im Finale alle FĂ€den zusammenlaufen, ihre Bedeutung bekommen und endlich die Welt gerettet werden. Doch, nachdem Tommy/Nathan (Robbie Kay) zuletzt wie bereits sein zeitreisender Ziehvater Hiro (Masi Oka) in den digitalen Limbus von „Evernow“ gesperrt wurde, gilt es zunĂ€chst, diesen zu befreien. Hier kommt natĂŒrlich unser Profi-Gamer Ren (Toru Uchikado) ins Spiel, der nach bester „Pixels“-Logik der Beste fĂŒr diesen Job ist.
Passender- und unlogischerweise bekommt er dabei natĂŒrlich wieder einmal UnterstĂŒtzung von der sich bereits zuvor mehrmals aufgeopferten Miko (Kiki Sukezane), deren reales Ebenbild ihn zwar nicht wiedererkennt, dafĂŒr jedoch ihr digitales Ich an dessen Seite kĂ€mpfen lĂ€sst. WĂ€hrenddessen wĂŒhlt sich Tommy durch das digitale Labyrinth und findet am Ende nur sich selbst vor, der sich jedoch darauf hinweist, dass zwar Raum und Zeit, nicht aber Erinnerungen abwesend sind.

So findet sich schlieĂlich eine Art digitaler Projektionsraum von eigenen Erinnerungen, in welchen Nathan nicht nur sein bisheriges, zwölf Episoden lang erzĂ€hltes Leben vor sich sieht, sondern auch die vom Haitianer (Jimmy Jean-Louis) unterdrĂŒckten Erinnerungen einer vorherigen Symbiose mit seiner Schwester Malina (Sarah Abbott). Nach der Befreiung Tommys verfĂŒgt dieser nicht nur ĂŒber die FĂ€higkeit, sich selbst in zwei Tommys aufzuspalten, sondern reist zudem wieder zurĂŒck in die Vergangenheit, um mehr ĂŒber die Symbiose zu erfahren.
Dabei stellt sich heraus, dass es natĂŒrlich noch einen MĂ€rtyrer braucht, um die Abkehr des Weltuntergangs erst richtig in Szene zu setzen, was zudem zu der Auflösung der Frage fĂŒhrt, warum wir Noah (Jack Coleman) in den letzten Episoden nicht mehr zu Gesicht bekamen. Dieser darf sich nun als ĂberbrĂŒckungscharakter zwischen Mutterserie und Neuauflage verabschieden und wĂŒrde nun den neuen Charakteren das Feld ĂŒberlassen, hĂ€tte es eine SerienverlĂ€ngerung gegeben.
Save my sister, save the world...
Gemeinsam schaffen die drei also aus der Verbindung von Nathans Absorptions-, Malinas Natur-Wellen-Irgendwas-Kraft und Noahs ĂberbrĂŒckung einen grĂŒnen Deckmantel um die Erde, der die Aufopferung von Luke (Zachary Levi) leider etwas unnĂŒtz macht, hĂ€tten sie dieses Prozedere nur etwas frĂŒher absolvieren können. Wie genau diese Symbiose funktioniert, warum Ren und Miko animiert sind, aber Tommy nicht oder warum es Erica ĂŒberhaupt zulĂ€sst, dass ein Videospiel vertrieben wird, das Kenntnisse ĂŒber ihr digitales GefĂ€ngnis beinhaltet, bleibt ungeklĂ€rt.
Zum Schluss bekommen wir nach der Rettung der Welt und aller zwischendurch in die Zukunft gereisten Menschen bis auf Erica (Rya Kihlstedt) noch einen kleinen Zeitsprung von drei Monaten serviert, in welchem unser chubby nerd Quentin (Henry Zebrowski) einen Off-Screen-Dialog in bester „The Dark Knight“-Manier von sich geben darf und wir erfahren, dass in der zweiten Staffel dann der Vater der beiden Weltenretterzwillinge aufgedeckt hĂ€tte werden sollen.

Wie zuvor werden dabei sĂ€mtliche Anspielungen auf die Mutterserie wie durch das Video von Claire (Hayden Panettiere), das Zitat auf den Leitsatz âSave the Cheerleader, save the worldâ aufgegriffen, um das GefĂŒhl einer kohĂ€renten ErzĂ€hlung zu erzeugen. Dennoch kommt das GefĂŒhl, eine wirkliche Fortsetzung der Erlebnisse um Peter (Milo Ventimiglia), Sylar (Zachary Quinto) und Co zu sehen, einfach nicht auf.
Schuld daran ist sicherlich nicht nur der zum GroĂteil ausgetauschte Cast der Mutterserie, sondern auch das bereits die Mutterserie behaftende Problem, sein eigenes serielles ErzĂ€hlsystem immer wieder untermauert zu haben. Wenn also bereits innerhalb der 78 Episoden und vier Staffeln von Heroes immer wieder neue AnsĂ€tze probiert wurden, die die vorherigen zum Teil narrativ zunichtemachten, welche Chance konnte dann dieses Revival einer vor allem zum Ende nicht ĂŒberzeugenden Serie haben?
Fazit
Das vom Serienpiloten zum Staffelfinale abfallende Interesse sowohl von meiner als auch der Leserseite lĂ€sst sich sicherlich auch als Spiegel der abfallenden Dramaturgie der Miniserie Heroes: Reborn ansehen. Hat es zu Beginn des zweistĂŒndigen Piloten noch gereicht, Noah Bennett einzufĂŒhren, das neue RĂ€tsel einzuleiten und das Erscheinen von Hiro anzuteasern, so konnten die folgenden Episoden leider nicht mit den aufgebauten Erwartungen mithalten.
Zu lange wurden die bereits frĂŒh angefĂŒhrten Ereignisse aufgebaut, zu schnell wurden Elemente wie die Zeitreise zum Tag des Anschlags oder Auftritte ehemaliger Castmitglieder abgefrĂŒhstĂŒckt und zu inkohĂ€rent wirkte das gesamte ErzĂ€hl- und Logikkonstrukt. Mögen es die neuen KrĂ€fte, die Zeitreiseprobleme oder auch unmotivierte ErzĂ€hlstrĂ€nge wie der um „El Vengeador“ Carlos (Ryan Guzman) sein, Heroes: Reborn fĂŒhlte sich eher nach einer Fehlentscheidung denn nach einer gekonnten Neuauflage an.

Doch ich möchte nicht einfach nur Kritiker der einzelnen Elemente sein, ich möchte auch darauf hinweisen, wie schwer es von vornherein war, eine Serie, die zum Einen durch eine riesige Charakterpalette und zum anderen durch eine mindestens genauso riesige Anzahl an NeuerzĂ€hlungen und Wendungen definiert war, neu aufzulegen. Man entschied sich fĂŒr eine Mischform aus ĂŒberwiegenden neuen Elementen und einzelnen alten Elementen und schaffte dabei leider nichts, was dem Zuschauer irgendwie das GefĂŒhl geben konnte, die verloren geglaubte Mutterserie wirklich gesund wiederbeleben zu können. Somit bleibt mir zum Schluss nichts anderes ĂŒbrig, als mich bei meinen Lesern und Kommentatoren zu bedanken, die sich mit mir auf die Suche nach ein bisschen Trost fĂŒr eine verloren gegangene Superheldenserie gemacht haben und muss abschlieĂend mit Tina Turner leider feststellen, dass wir nicht noch ein Heroes brauchen:
Verfasser: Henning Harder am Freitag, 22. Januar 2016Heroes: Reborn 1x13 Trailer
(Heroes: Reborn 1x13)
Schauspieler in der Episode Heroes: Reborn 1x13
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?